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ZchlüchteMr Zeitung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 63. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. SS.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten d ane Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

M 36.

Samstag, den 4. Mai 1912.

63. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 2917. K. A. Am Samstag, den 11. Mai d. Js. vormittags 11 Uhr findet in Sterbfritz eine B«lle«köru«g statt.

Schlüchtern, den 30. April 1912.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

J.-Nr. 2861 K.-A. Zur Aufstellung einer Nach- weisung über die Steuerverhältnisse der Gemeinden für das Etatsjahr 1910 ersuche ich die Herren Bürger­meister des Kreises, mir bis spätestens 15. Mai d. Js. anzuzeigen, wieviel Naturaldienste Hand- und Spanndienste getrennt nach Tagen berechnet, im Jahre 1910 in Ihrer Gemeinde geleistet wor­den sind.

Bei Nichteingang einer derartigen Anzeige wird angenommen, daß in der betreffenden Gemeinde im Jahr 1910 Hand- und Spanndienste nicht geleistet worden sind.

Schlüchtern, den 29. April 1912.

_____________ Der Landrat: Valentiner.

HEonalsprnde.

Mit Stolz dürfen wir Deutsche den Mann den unseren nennen, der die Sehnsucht von Jahrhunderten zuerst verwirklicht hat: Zeppelin. Die stürmische Vor- wärtsentwicklung aber, die das Luftfahrwesen mit dem Auftreten der Flugmaschinen genommen hat, zwingt uns, die äußersten Anstrengungen zu machen, um nicht durch die Opferwilligkeit und Tatkraft anderer Nationen ins Hintertreffen gedrängt zu werden. Wenn irgendwo, so muß es hier allezeit heißen:Deutsche vor die Front!" Nicht spielerischer Ehrgeiz heischt dies von uns, sondern hier gilt es, unseren Ruhm als erste Meister angewandter Wissenschaft zu wahren.

Nicht jedem ist es vergönnt, seine körperlichen und geistigen Kräfte persönlich in den Dienst dieser natio­nalen Ehrenaufgabe zu stellen. Wohl aber kann ein jeder ein Scherflein beitiagen, damit der Ge- samtwille der deutschen Nation der Machtvolle Motor sei, der der deutschen Flugmaschine zum Siege verhilft.

Es handelt sich um eine

Rattoualfpende, bei der keiner fehlen darf, um eine nationale Spende für das deutsche Flugwesen und die deutschen Flieger.

Vor allem aber soll die Nationalspende die Mittel bieten, unaufhaltsam weiterzuarbeiten an der Vervoll­kommnung der Flugapparate, an der Ausbildung der Flieger, auf daß die Gefahren vermindert, die Leistungen

Das Geheimnis der Ituten.

Roman von Jenny Hirsch. 29

Noßwitz saß mit seiner Frau beim Frühstück, als der Diener eintrat und ihm hinter dem Rücken Ediths ein Zeichen gab, in das Erdgeschoß hinunterzukommen. Noß- witzfolgte ihm sofort unter einem schnell gefundenen Vor- wande. Beim Anblick des Fischers rief er sogleich:Ihr habt sie gefunden?"

Ja, gnädiger Herr," antwortete derMann, die Mütze in der Hand, und erstattete die Meldung. Bei der Schil­derung des Zustandes, in welchem die Leiche gefunden worden, wurde NoßwitzGesicht aschfahl,seine Knieschlot- terten, er mußte sich an einen in seiner Nähe stehenden Tisch halten, um nicht umzufallen.

Furchtbar, gräßlich," murmelte er.Bis zur Unkennt­lichkeit entstellt, sagt ihr?"

Ja, ja," erwiderte der Fischer,ich glaube, sogar die gnädige Frau von Ruffer, wenn sie noch lebte, würde das Fräulein nicht wiedererkennen. Aber sie ist's doch; wer sollt's denn anders sein?"

Ihr habt recht, wer sollte es sonst sein?" wieder­holte Noßwitz, sich etwas fassend.Ihr habt Eure Be­lohnung redlich verdient und sollt sie bekommen, sobald ich die Leiche gesehen habe.

Laßt Euch in der Küche eine gute Mahlzeit geben, und Sie, Friedrich," wandle er sich an den Diener, der ihm gefolgt war,bringen Sie mir schnell eine Flasche Port­wein auf mein Zimmer und sagen der gnädigen Frau, ich sei durch ein eiliges Geschäft verhindert, mit ihr das Frühstück zu beenden."

Der starke Wein, von dem er schnell ein paar Gläser hinuntergoß, half Noßwitz das Gefühl der Schwäche, das ihn angewandelt hatte, überwinden. Dennoch sah er, als er nach einer halben Stunde bei Edith wieder eintrat, so übel aus, daß diese, welche mit einem Buch in der

erhöht werden. Mit Hilfe der Nationalspende soll auch die Entwicklung einer Technik gefördert werden, die immer neue Arbeits- und Erwerbsfelder erschließen wird. Häufige und ausgedehnte Wettkämpfe sollen Erfindungsgeist, Mut und Tatkraft anspornen und immer stolzere Leistungen von Mann und Maschine hervorrufen. Kurz: das deutsche Flugzeug soll, ob es in der Stunde nationaler Gefahr wachsam in den Lüften kreist, oder ob es in friedlichem Wettbewerb der Nationen als neuestes Mittel modernen Verkehrs und als geflügelter Bote vaterländischer Leistungsfähigkeit durch die Lande eilt, in jedem Augenblicke bereit und imstande sein, zu erfüllen, was das Gebot der Stunde von ihm fordert.

Als nach dem Unglücke von Echterdingen eine stürmische nationale Begeisterung das deutsche Volk durchwehte und in wenigen Wochen Millionen aufge­bracht wurden, da waren nicht die Millionen allein der greifbare Gewinn der nationalen Begeisterung. Daß das deutsche Volk sich einmütig zu einer nationalen Tat aufraffte, das zeigte der Welt die elementare Wucht des deutschen Volkswillens.

Für das Volk durch das Volk!

So beweise Deutschland auch jetzt, daß alle Unter­schiede der Parteien, der Konfessionen, der sozialen Schichtungen in dem Augenblicke verschwunden sind, wo das deutsche Volk vor eine große nationale Auf­gabe gestellt wird.

Das deutsche Reichskomitee:

Heinrich Prinz von Dr. Graf von

Preußen, Posadowsky-Wehner, Protektor. Präsident des Komitees.

(Folgen 100 Unterschriften.)

Der Unterzeichnete Ausschuß schließt sich vorstehenden Ausruf an.

In erster Linie erstrebt er, daß aus den in unserm Hessenlande gesammelten Geldern

ein Militärflugzeug beschafft werde, das besten Namen tragen und Zeugnis ablegen soll von dem festen Willen seiner Bewohner, stets einzutreten für die Wehrhaftigkeit des Reiches in jeher Hinsicht. Nur diese gewährleistet dem deutschen Volke eine ehrenvolle Friedenszeit.

Wenn jetzt der Ruf des Reichskomitees an alle Gaues unseres Vaterlandes ergeht, so sind wir über­zeugt, daß unsere Heimat nicht zurückstehen wird an opferwilliger Begeisterung.

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Hand im Schaukelstuhl lag, auffuhr und rief:Volkmar, was ist geschehen? Hast Du Nachricht von Lydia?"

Noßwitz ließ sich neben ihr auf eineinLehnstuhl nie­der, nahm ihre beiden Hände in die seinigen und sagte mit halberstickter Stimme:Liebe, liebe Edith, sei stark, ich kann es Dir länger nicht ersparen; Lydia ist gefun­den."

Wo?" rief sie freudig auffahrend.Warum sagst Du denn das so traurig? Ich wusste es ja..."

Weil man sie als Leiche aus dem Kellersee gezo­gen hat," unterbrach sie ihr Gatte, der es nicht wieder mit anhören mochte, daß sie sich in allerlei Hoffnungen wiegte. Sie hatte bis jetzt den Gedanken, daß Lydia ihren Tod gefunden haben könne, geflissentlich von sich abge­mehrt, und Noßwitz hatte sie darin unterstützt. Weder vom Absuchen des Obersees, noch vom Auffinden der Uhr, noch von den Gerüchten, die umher schwirrten, hatte sie etwas erfahren. Konsul Elster, Lydias Vormund, war nur einige Stunden auf dem Rodenberg gewesen, und da sie infolge der Erregung zu Bett gelegen hatte, von Noß­witz allein empfangen worden. Er wurde von diesem über alle Vorkommnisse auf dem Laufenden erhalten. Den Dienstboten war streng verboten, der gnädigen Frau ir­gend eine Nachricht zuzutragen, und Edith selbst kam ih­nen dabei trefflich zu Hilfe. Der Trieb, sich alles Unan­genehme fern zu halten, schien bei ihr der stärkste zu sein; sie hütete sich, irgend eine Frage zu tun; den stürmischen Fragen der Kinder nach Tante Lydia ward durch die Antwort begegnet, sie sei verreist und werde längere Seit fortbleiben.

Auch jetzt war das erste, was Frau von Noßwitz auf die traurige Mitteilung ihres Mannes erwiderte:Es ist nicht wahr, es kann ' nicht wahr sein."

Es ist leider nur zu wahr," versetzte Noßwitz,ich wußte es schon seit zwei Tagen, daß es sich so verhält, wollte Dich aber, bis wir die traurige Gewißheit hatten, nicht damit betrüben."

Nun berichtete er ihr von den Nachforschungen im

Möge der große Gedanken der Nationalspende auch in unserem Hessenlande offene Herzen offene Hände finden.

Möge jeder nach seinen Kräften beitragen zum Gelingen dieses vaterländischen Unternehmens!

Frhr. von Scheffel-Boyadal, Hengstenberg,

General der Jnfanierie, Oberpräsident der Kommandierender General Provinz Hessen-Nassau. des 11. Armeekorps.

Graf von Bernstorff, RegierungS-Präsident; Beck, Landesrat; von der Boeck, General der Infanterie z. D.; Dr. med. von Both; von Ditfurth, Oberstaatsanwalt; Eisentraut, Generalmajor z. D.; Fritsch, Generalleut­nant z. D.; Dr. Fennel, Professor; Dr. Harnier, Justizrat; C. F. Has, Großkaufmann; G. Hassenflug, Lehrer; Dr. Henschel, Geh. Kommetzienrat; Henrici, Major z. D- und Stadtrat; Hoffmann, Geh. Ober- Postrat, Ober-Postdirektor; Frhr. v. Humboldt-Dach- reden, Generalmajor; Kluge, Generalmajor; Kniest, Obermeister; Kröpf, Kommerzienrat; Liman, General­leutnant; Maertens, Rittergutsbest u. Vors. d. Land­wirtschaftskammer; Müller, Oberbürgermeister, M. d. H.; C. von Pappenhei n, Vors. d. Provinzial-Landtags M. d. L.; Rabe von Pappenheim, Landrat; Plaut, Kom­merzienrat; Frhr. Riedesel zu Eisenbach, Landeshaupt­mann ; Dr. Schroeder, Geh. Regierungsrat, M. d. A.; H. Salzmmn, Kommerzienrat; Schultz, Reichsbank­direktor ; Frhr. Schenk zu Schweinsberg, Konsistorial- Prasivent, M. d. A.; Vollgold, Eisenbahn-Direktions­Präsident ; Vogt, Kommerzienrat; Wentzell, Brauerei- direktor ; Wertheim, Kommerzienrat; Weidemeyer, Buch­druckereibesitzer ; Weymuth, Obersekretär; Zimmermarn, Zimmermeister. Kreis Schlüchtern: Medizinalrat Dr. Cauer, Kreisarzt; Foucar, Fabrikoirektor; Gulermuth, Kaufmann; Hübler, Regierungsbaumeister; Hengsberger, Amlsgerichlsrat; Valentiner, Landrat.

Deutsches Reich.

Der Reichstag setzte am Sonnabend die Beratung des Etats der Reichseisenbahnen fort. An der Debatte beteiligten sich in der Hauptsache elsaß-lothringische Abgeordnete, die neben Wünschen nach Verbesserungen im Eisenbahnverkehr namentlich Wünsche der Eisen­bahnarbeiter vorbrachte. Der Chef der Reichseisen­bahnen Eisenbahnminister v. Breitenbach wies auf das sehr weit reichende Entgegenkommen gegenüber den Wünschen der Arbeiter hin, bei der Erhöhung der Ar- beiterlöhne müsse man aber auf die Interessen der

Obersee, vom Auffinden der Uhr und endlich vom Auf- fischen der Leiche.

Sie war längst aufgesprungen und lief nun weinend und händeringend im Zimmer auf und ab.Meine Schwe­ster, meine arme Schwester, o, wie hätte ich denken kön­nen, daß ich Dich nie, nie wiedersehen sollte," jammerte sie.Aber ich will sie sehen, ich will," rief sie mit plötz­lich erwachendem Entschluß und blieb vor ihrem Gatten stehen.Wo ist sie, Volkmar, ich will hin."

Er stand auf und umschlang sie.Laß von diesem Ge­danken ab, der Anblick würde Dich zu sehr erschüttern, man hat sie nach Eutin ins Leichenschauhaus gebracht, ich will sogleich hinfahren."

Ins Leichenschauhaus? Das dürfen wir nicht dul­den, sie müssen sie uns sogleich herausgeben."

Das geht nicht so leicht, es muß erst festgestellt wer­den, daß sie es ist."

Und wer vermöchte es bester festzustellen, als mirs Ich fahre mit Dir."

Aber Edith .. ."

Nein, nein, ich laste mir das nicht wehren," sagte sie eifrig und merkte nicht, daß Noßwitz es mit seinem Wi- derstande gar nicht ernsthaft nahm. Er machte noch einige Einwendungen dann aber sagte er, während er die Klin­gel zog:Nun wohl, Du sollst Deinen Willen haben, meine arme Edith. Ich möchte Dich ja so gerne schonen, aber ich sehe ein, daß dieser Kelch nicht an Dir vorüber» gehen kann."

Dem eintretenden Diener befahl er:Der große vier» sttzige Wagen soll angespannt werden, die Jungfer soll die gnädige Frau ankleiden und sich dann bereit halten, mit nach Eutin zu fahren, Sie begleiten uns ebenfalls."

Wozu denn das, Volkmar?" fragte Edith.

Ich möchte jemand zur Hand haben, falls Dich die Sache zu sehr angreift," antwortete er.

Er wollte ihr nicht sagen, daß er die Leute mitnahm, damit sie ebenfalls ihr Zeugnis für die Identität des Leich. nams abgeben sollten. 191,18*