SchlüchtemerMung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. es. Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat". Telefon Nr. es.
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.
n Mittwoch, den 17. Juli 1912. 63. Jahrgang.
Amtliches.
Viehseuchenpolizeiliche Anordnung.
J.-Nr. 8859. Meine viehseuchenpolizeiliche Anordnung vom 29. Juni d. Js. — J.-Nr. 8271 I — Kceisblatt Nr. 27 — betreffend die Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche im Kreise Schlächtern wird mit Wirkung vom heutigen Tage ab aufgehoben. Vom Kreise Schlächtern gehört jetzt nur noch die Gemeinde Wallroth zu dem für den Kreis Fulda eingerichteten Beobachtungsgebiet.
Schlächtern, den 15. Juli 1912.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Viehseuchenpolizeiliche Anordnung.
J.-Nr. 8749. Meine viehseuchenpolizeiliche Anordnung vom 1. Juli d. Js. J.-Nr. 82711 — Kreisblatt Nr. 28, betreffend die Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche wird mit Wirkung vom 15. d. Mts. ab hiermit aufgehoben. Demnach scheidet die Wennstraße in Ulmdach aus dem Sperrbezirk und der übrige Teil der Gemeinde Ulmbach mit Elisabethenhof und die Gemeinden Sarrod mit Rabenstein undRebs- dorf, sowie Uerzell mit Klesberg und Schmidtmühle aus dem Beobachtungsgebiet aus.
Schlüchtern, den 13. Juli 1912.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Bullentörung.
Ich mache wiederholt darauf aufmerksam, daß nur solche junge Bullen zur Körung zugelassen werden, welche das Alter von 14 Monaten zurückgelegt haben. Schlüchtern, den 15. Juli 1912.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Vom 15. Juli bis zum 3. August findet bekanntlich im Kgl. Seminar zu Schlüchtern ein Kursus für Lehrer der ländlichen Fortbildungsschulen statt.
> Naturgemäß hat dazu nur eine beschränkte Zahl von Lehrern einberufen werden können. Um nun den 5 Nichteinberufenen zu ermöglichen, wenigstens einzelnen I Vorträgen beizuwohnen, veröffentliche ich nachstehend ' den Arbeitsplan des Kurjus. An den „Uebungen" dürfen nur die einberufenen Herren teilnehmen. Alle anderen Veranstaltungen stehen der übrigen Lehrerschaft offen. Die Kosten der Reise und des Aufenthaltes können jedoch nicht vergütet werden.
Schlüchtern, 15. Juli 1912.
Der Landrat: Valentiner.
Das Geheimnis der Kürten.
Roman von Jenny Hirsch. 54
Christine glaubte nicht recht gehört zu haben. „Sie, Herr Konsul?" fragte sie.
„Ja, ich. Sie haben den schweren Zweifel auf meine Seele gelegt, ob ich nicht, selbst getäuscht, mich zum Werkzeug einer Täuschunggemacht habe. Damit kann ich nicht weiter leben, ich muß'Klarheit zu schaffen suchen. Morgen reise ich nach Berlin. Wollen Sie mir vertrauen?"
„Unbedingt. Ich danke Ihnen." Sie führte seine Hand an ihre Lippen, so daß er sie ihr beinahe beschämt wieder entzog. „Sie glauben mir auch in den anderen Stücken?" fragte sie.
„Möge Ihr Glaube Ihnen helfen," entgegnete er ausweichend. „Der glücklichste Tag meines Lebens würde der sein, an welchem ich den Sarg, der Lydias Namen trägt, wieder aus dem Gewölbe entfernen lassen könnte, aber ich fürchte ..."
„Nein, hoffen wir," unterbrach sie ihn mit einem leuchtenden Blick, „waS ich heute bei Ihnen erreicht habe, ist mir eine Verheißung. Jetzt aber lassen Sie mich gehen."
„Mit nichten. Ich bin ein alter Praktikus und werde Ihren Reiseplan ganz genau entwerfen, zunächst frühstücken Sie mit mir, meine Haushälterin würde es mir nie verzeihen, ließe ich einen Gast wie Sie fortgehen, ohne daß sie ihn mit Speise und Trank erquickt hätte. Auch müssen Sie noch meine Blumen ansehen, um sie mit denen Ihrer Mutter zu vergleichen."
Er bot ihr den Arm, um sie inS Haus zu führen und sie legte den ihrigen hinein, in dem erhebenden Gefühl, einen Freund gewonnen zu haben.
Die neue Schwurgerichtsperiode in Eutin hatte begonnen, und bereits waren mehrere Fälle zur Aburtei- lung gekommen, ohne daß die Einwohnerschaft sich son- «ÜÄ darumbekümmert hätte, Das wurde jedoch ganz
Arbeitsplan
für den Kursus für Lehrer an ländlichen Fortbildungsschulen in Schlüchtern vom 15. Juli bis 3. August 1912.
Montag, den 15. Juli:
8i/a Eröffnung des Kursus, Feststellung der Teil- nehmerliste. Geheimer Regierungs- und Schul« rat Dr. Quehl.
9—11 Fortbildungsschulkunde j Kreisschul-
11—12 Erklärung der Lehrmittelsammlung? insp. Gon- 5—7 Lehrprobe. 1 nermann.
Dienstag, den 16. Juli:
8-10 Fortbildungsschulkunde.
Kreisschulinspektor Gonnermann.
10—12 Das Handwerk auf dem Lande.
Syndikus Thanheiser.
Nachm. 3 Uhr Besichtigung der Seifenfabrik Wolf in Schlüchtern.
Mittwoch, den 17. Juli:
8—10 Fortbildungsschulkunde.
Kreisschulinspektor Gonnermann.
Nachm. 2 Uhr Besichtigung der Garnfabrik in Soden. Donnerstag, den 18. Juli:
8-10 Fortbildungsschulkunde.
Kreisschulinspektor Gonnermann.
10—11 Wohlfahrtseinrichtungen im Kreise Schlüchtern. Kreisrentmeister Pfalzgras.
5—7 Lehrprobe. Kreisschulinspektor Gonnermann. Freitag, den 19. Juli:
8—10 Fortbildungsschulkunde.
Kreisschulinspektor Gonnermann.
,10—11 Wohlfahrtseinrichtungen im Kreise Schlüchtern. Landrat Valentiner.
5—7 Lehrprobe. Kreisschulinspektor Gonnermann. Sonnabend, den 20. Juli:
8—10 Fortbildungsschulkunde.
Kreisschulinspektor Gonnermann.
10—12 Ländliches Genossenschaftswesen.
Genossenschaftsdirektor Schüler. Montag, den 22. Juli:
8—9 Fortbildungsschulkunde.
Kreisschulinspektor Gonnermann.
9—10 Bürgerkunde, Volkswirtschaftskunde 1 8?Edung«- 10-12 Prakt. Uebungen in Buchführung! R°S-n,. 5—7 Lehrprobe. Kreisschulinspektor Gonnermann. Dienstag, den 23. Juli:
8—9 Fortbildungsschulkunde.
Kreisschulinspektor Gonnermann.
anders an dem Tage, an welchem die Anklage gegen den Forstkandidaten Ludolf Pöplau auf der Tagesordnung stand.
Der große Saal des Gerichtsgebäudes, in welchem die Verhandlungen stattfanden, war lange vor Beginn der Sitzung bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele, die keinen Zutritt mehr erlangen konnten, harrten draußen im heißen Sonnenschein, ob nicht ein günstiges Ungefähr ihnen doch noch gestatten würde, sich mit in den Saal zu schieben.
Und alle diese Menschen, dieZuschauerim Saale, wie die vor der Tür, waren nur einer Meinung, daß der Angeklagte des ihm zur Last gelegten Verbrechens schuldig sei. Wenn zwischen ihm eine Meinungsverschiedenheit herrschte, so bezog sie sich nur darauf, ob auf Totschlag oder Mord erkannt und danach die Strafe schärfer oder milder bemessen werden würde.
Doktor Seifert, der diese Stimmung sehr wohl kannte, sich deshalb gar nicht erst die Mühe, irgend einen abzulehnen; ihre Ansich- jen, das wußte er zu genau, nur sehr wenig von einander ab.
gab sich deshalb gar nicht erst die der ausgelosten Geschworenen abzr ten wich«
In dem mehr langen als breiten GerichtSsaal herrschte ein gedämpftes Licht. Die Zahl der Zeugen war nicht groß, aber sie waren mit Ausnahme Ediths von Noß- witz, welche ihres ärztlich bescheinigten leidenden Zustandes halber dispensiert war, alle zur Stelle. Da war die alte Japsen und ihr Enkel, da waren die Fischer, welche den Obersee durchsucht und die, welche die Leiche aus dem Kellersee gezogen hatten, da waren die Noßwitzschen Dienstboten. Ebenso war auch Herr von Noßwitz selbst erschienen, sehr bleich und, wie es denen, die ihnen kannten, scheinen wollte, in der kurzen Zeit seit dem traurigen Ereignis sichtlich gealtert. Da war auch der Konsul Elster aus Hannover, der Vormund der Gemordeten. Endlich war auch der Förster Horn da und, auf seinen Arm gestützt bleich und abgehärmt, in schwarzer Kleidung,
9—12 Praktische Uebungen in Buchführung. Fortbildungsschullehrer Rosenkranz.
Nachm. Heimatkundlicher Ausflug. Rektor Kaufmann. Mittwoch, den 24. Juli:
8-10 Praktische Uebungen in Buchführung. Fortbildungsschullehrer Rosenkranz.
10—12 Heimatpflege im Kreise Schlüchtern.
Lehrer Flemmig.
3 */4 Uhr Nachm. Besichtigung der Zementfabrik in Elm. Donnerstag, den 25. Juli: 8 —10 Praktische Uebungen in Buchführung) T-rtbtwun,«- 10—11 Bürgerkunde, Volkswirtschaftskunde s R°WA. 5—7 Lehrprobe. Kreisschulinspektor Gonnermann. Abends: Ein Jugendheim-Abend.
Freitag, den 26. Juli:
8—10 Praktische Uebungen in Buchführung -
10—11 Bürgerkunde, Volkswirtschaftskunde j
5—7 Lehrprobe. Kreisschulinspektor Gonnermann- Sonnabend, den 27. Juli:
8—10 Praktische Uebungen in Buchführung - S-rE-m,,.
10—11 Bürgerkunde, Volkswirtschaftskunde s m^SS. Sonntag, den 28. Juli:
Nachm/: Kreiswettspiele der schulentlassenen Jugend. Landrat Valentiner.
Abends: Ein Heimatabend. Lehrer Flemmig. Montag, den 29. Juli:
8—9 Phychologie der Jugendlichen, Geheimer Regierungs- und Schulrat Dr. Quehl.
9—12 Natur- und Wetterkunde mit praktischen Uebungen, Professor Dr. Freybe.
3—5 Organisation u. Bedeutung der deutschen Landwirtschaft, Oekonomierat Dr. Staehle. Dienstag, den 30. Juli:
8—9 Phychologie der Jugendlichen, Geheimer Reg.- und Schulrat Dr. Quehl.
9—12 Natur- u. Wetterkunde mit praktischen Uebungen Professor Dr. Freybe. Nachm. Geologischer Ausflug Lehrer Kleim. Mittwoch, den 31. Juli:
8—9 Phychologie der Jugendlichen Geh. Reg.- und Schulrat Dr. Quehl,
9—12 Natur- u. Wetterkunde mit praktischen Uebungen Professor Dr. Freybe. Nachm. Geologischer Ausflug Lehrer Kleim. Donnerstag, den 1. August:
8—9 Jugendpflege und Fortbildungsschule Geh. Reg.- und Schulrat Dr.sQuehl.
9—12 Natur- u. Wetterkunde mit praktischen Uebungen Professor Dr. Freybe.
Frau Pöplau. Die arme Mutter hatte es sich nicht neh. men lassen wollen, zu kommen, um ihr Zeugnis abzu- legen, obwohl sie darüber belehrt worden war, daß sie es verweigern könne, und der Gerichtshof von ihrer Ver- eidigung Abstand nahm. War sie doch unter allen hier Versammelten die einzige Person, die entschieden für ihren Sohn eintreten konnte.
Tage der
Ach, sie wußte nur zu gut, daß dies von geringem Nutzen für ihn sein würde. Ihre Hoffnungen auf eine günstige Wendung waren fast gänzlich geschwunden.
Christine hatte geschrieben, daß alle ihre Bemühungen, Lydia aufzufinden, vergeblich gewesen wären. Sie hätten nur soviel festgestellt, daß sie von Liverpool aus sich nicht nach Amerika eingeschifft haben könne. ES bleibe ihr nichts übrig, als unverrichteter Sache heimzukehren. Die Försterip hatte jetzt nur den Wunsch, daß sie erst nach Beendigung des Prozesses eintteffe und die schrecklichen ~ „ der Verhandlung nicht mit erleben müsse.
Die Vereidigung der Zeugen war beendet, sie wurden entlassen, um später einzeln wieder vorgerufen zu werden, und der Präsident des Schwurgerichts befahl die Vorführung des Angeklagten.
Ludolf erschien, von zwei Gefängnisbeamten geleitet, und nahm auf der Anklagebank hinter seinem Verteidiger Platz.
Durch die Zuschauermenge ging eine Bewegung, wie wenn der Wind durch die Wipfel der Bäume streicht; alle Blicke waren auf den jungen Mann gerichtet, und man raunte einanderzu, welchen Eindruck man durch seine Erscheinung empfangen habe.
Ludolf Pöplau sah bleich und. sehr ernst aus, aber keineswegs wie ein Mensch, der eine schwere Schuld auf dem Gewissen hat und der Sühne dafür entgegengeht. Er trug den grauen, grün aufgeschlagenen Jägerrock, seine Wasche war blendend weiß, das kurz geschnittene Haar wie der Bart waren sorgfältig gepflegt, sein Aeußeres mit
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