ZWchterner Zeitung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 63. Telefon Nr. 63.
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Xi 89. Mittwoch, den 6. November 1912. 63. Jahrgang.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Die Jagdordnung vom 9. September 1909, wonach bis auf weiteres die Schonzeit für Rehkälber im Regierungsbezirk Cassel, mit Ausnahme des Bezirks der Oberförsterei Haste im Kreise Grafschaft Schaumburg, auf das ganze Jahr ausgedehnt ist, wird in Erinnerung gebracht.
Cassel, den 12. Oktober 1912.
Der Bezirksausschuß zu Cassel.
Bekanntmachung.
J.-Nr. 13065. Das Kürassier-Regiment Graf Geßler (Rhein.) Nr. 8 in Cöln-Deutz stellt im Oktober 1913 Freiwillige ein.
Es kommen hierbei junge Leute aller Berufsarten, besonders Schmiede, Schneider, Schuhmacher, Schreiner, Sattler, Köche, Schreiber, Landwirte usw. in Betracht. Größe mindestens 1,67 Meter jedoch möglichst nicht über 1,75 Meter, Gewicht nicht über 70 kg.
Meldungen sind zunächst schriftlich unter Beifügung eines Meldescheines an das Regiment zu richten.
Schlüchtern, den 29. Oktober 1912.
Der Königliche Landrat: I. B: Schultheis.
Nach § 82 der Kreisordnung bringe ich nachstehend die Beschlüsse des am 26. Oktober er. stattgehabten Kreistages zur öffentlichen Kenntnis.
1. In die Einkommensteuer-Veranlagungskommission wurden gewählt
a) Anstelle der Herren Bratfisch und Hadermann, welche die Wiederwahl abgelehnt hatten, als Mitglied: Fabrikant Karl Schaefer in Schlüchtern, als Stellvertreter: Fabrikant Gerhäuser in Altengronau.
b) Zur Verstärkung der VeranlagungS- kommission: Bürgermeister Blum in Sterbfritz, als Mitglied; Bürgermeister Gärtner in Elm, als Stellvertreter.
2. Der Kreistag nahm von den Vel Handlungen über die Anlage einer elektrischen Ueberlandzen- trale Kenntnis und stimmte dem hierüber gefaßten Beschluß des Kreis^Ausschuffes vom 4. Mai d. Js. einstimmig zu.
3. Durch Akklamation wurden gewählt:
a) Für die comb. Schiedsmanns-Bezirke Steinau und Vollmerz: die seitherigen Schirdsmänner und Stellvertreter, Bürgermeister Fink in Steinau, Leonhard Zorn in Steinau, Bürgermeister Knauf in Vollmerz, Inspektor Preiß in Vollmerz,
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Eigene Wege.
Roman von M. von Bünau. 17
Die Oberin ist auf mehrere Wochen in ein Bad gereist. Unwillkürlich geht hier im Krankenhause alles in etwas gemächlicherem Tempo. Schwester Johanna führt die Oberaufsicht. Ich glaube aber fast, unter ihrem milden Zepter würde auf die Dauer nicht dieselbe Sauberkeit und Ordnung herrschen wie bisher. Ohne Strenge, etwas Furcht und Zittern ist das nicht durchzuführen.
Wir haben augenblicklich keine Schwerkranken. Abends fitzen wir Schwestern im Anstaltsganen und genießen etwas von der Natur.
Der Duft zieht von den Feldern herüber. Manchmal gnakt ein Frosch behaglich aus seinem Tümpel. Die wohligen Naturlaute tun mir weh.
Wer Heimweh kennt, weiß was ich meine. . . .
Die ruhigen Tage sind vorüber gegangen. EineSchar- lachepidemie ist plötzlich in Unserem Kindersaal ausgebrochen. Schwester Johanne verlor beinahe den Kopf. Sie bleibt ganz bei den Scharlachkranken. Ich führe statt ihrer die Aufsicht über die erste Station.
J-ran Oberin wollte sofort auf die Unglücksbotschaft tHommen, ist aber in ihrem Zimmer hingefallen und bat sich den Fuß verrenkt. Heut ist ein schwer gestürzter Offizier hier eingeliefert worden. Unser Krankenhaus lag dem Ort des Unfalls am nächsten. Der Verletzte durfte keinem weiteren Transport ausgesetzt werden, darum erhöhen wir keine Einsprache, denn eigentlich nehmen wir keine neuen Kranken auf, so lange das Scharlachsteber hier herrscht.
Ich muß den zwei jungen Probeschwestern die paar Leichtkranken auf der Station überlassen und mich allein dem Gestürzten widmen.
Es ist gut für mich, daß ich ivieder Tag und Nacht arbeiten muß. Ruhe und Nachdenken ist nichts für mich ^ meinen töricht»« HeiinwehiAavsdluugen. „ .
b) für den comb. Schiedsmanns-Bezirk Hohenzell: Johannes Lamm in Hohenzell, als Schieds- mann, Gastwirt Kolb in Hohenzell als Stellvertreter,
4. Die ausscheidenden Herren Hadermann und Weichet wurden als Kreissparkassen-Direktions- mitglieder bezw. Stellvertreter wiedergewählt.
5. Der Landwegebauetat für 1913 wurde einstimmig genehmigt und auf den Betrag von 42 500 M. festgestellt.
6. Es wurde beschlossen, die pensionsberechtigte Stelle des Kreis ober gärtners aufzuheben.
7. Die Neuverteilung der Kreistagsabgeordneten auf die einzelnen Wahlverbände und Bezirke wurde der Vorlage gemäß genehmigt.
8. Die Wahl des Bürgermeisters Schroer zu Sal- münster zum Kreistagabgeordnelen wurde für gültig erklärt.
Schlüchtern, den 4. November 1912.
Der Königliche Landrat. I. V.: gez. B e r t a.
Bekanntmachung.
Die diesjährigen Herbst - Kontroll-Versammlungen finden wie folgt statt:
1. in Hauswurz.
Freitag, den 8. November 1912, vorm. 11 Uhr
für die Ortschaften: Hauswurz, Brandlos, Buchenrod, Höf und Haid, Kauppen, Magdlos, Stark, Weidenau, Hintersteinau, Reinhards.
2. in Hosenseld (Medlersche Wirtschaft).
Freitag, den 8. November 1912, nachm. 1'/» Uhr für die Ortschaften: Hosenfeld, Blankenau, Giesel, Gersrod, Hainzell, Jossa, Pfaffenrod Poppenrod, Schletzenhausen.
3. in Oberkalbach.
Sonnabend, den 9. November 1912, vorm. 11 Uhr für die Ortschaften: Oberkalbach, Eichenried, Veitsteinbach, Zillbach, Gundhelm, Heubach, Hütten, Uttrichshausen.
Zum Erscheinen bei den Kontrollversammlungen sind verpflichtet:
1. sämtliche Reservisten der Jahrgänge 1905 bis einschließlich der Jahrgänge 1912 sowie die Jäger der Klaffe A vom Jahrgang 1900 ab aufwärts;
2. die vor beendeter Dienstzeit zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften;
3. diejenigen Wehrleute, welche zur Landwehr II. Aufgebots überzuführen sind, das sind die in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1900 eingetretenen Mannschaften;
4. die Halbinvaliden der Reserve.
Es ist die vierte Nacht, daß ich heute wache. Ich habe mir eine kleine Lampe angezündet, bei deren Licht ich schreibe, um nicht müde zu werden.
Blick ich auf, so kann ich gerade in das Gesicht meines Kranken sehen und jede Spur einer Veränderung wahrnehmen.
Unvorschriftsmäßig ist alles, was ich jetzt tue. Die wiederholten Nachtwachen, das Schreiben, alles. Aber in unserm jetzigen Zustand müssen Ausnahmen gemacht werden.
Ich überlasse meinen Kranken keiner anderen. Niemand soll etwas für ihn tun, nur ich will ihn pflegen. Ich habe vorhin noch einmal die Temperatur gemessen. Er hat hohes Fieber, das ist schlimm bei seinen Verletzungen. Er hat eine Gehirnerschütterung, gebrochene Rippen, die auf die Lunge drücken, und einen Armbruch bei seinem Sturz davongetragen. Als man ihn hier einlie- ferte, war er vollkommen bewußtlos; sein Kamerad, ein Arzt und die Krankenträger, die ihn herbrachten, nannten feinen Namen, Henning von Bredow, kommandiert zur Reitschule in Hannover. Ich mußte es auf der Tafel, die über bem Bette angebracht ist, notieren. Daneben hängt die Fiebertabelle. Sein Bursche kommt jeden Tag, um sich nach ihm zu erkundigen, und viele Freunde, junge, auch ältere Offiziere. Wenn sie vor mir stehen in ihren glänzenden Uniformen, die Sporen klirren bei ihren Verbeugungen, ein leichter Zigarettengeruch, ein wenig Pferdeduft bleibt im Vorzimmer zurück, ivenn sie mit mir gesprochen haben, dann liegt in alledem ein seltsamer Nervenreiz für mich. Der Ton ihrer Stimmen, die Art, sich zu geben, ein wenig herrisch und gutmütig, besorgt und leichtlebig zugleich, das ist alles wie ein Gruß aus vergangenen Tagen. Seit fast einem Jahre rede ich zum ersten Male ivieder mit Menschen meiner Sphäre und meinen Lebeusgewohnheiten von einst.
Es amüsiert mich, wie die Herren immer sehr bald ihren Ton äiMn( wenn sie mit mir sprechen. Zurrst^.
Die als zeitig Ganzinvalide oder als zeitig feld- und garnisondienstunfähig anerkannten Mannschaften brauchen zur Kontrollversammlung nicht zu erscheinen.
Die Militärpapiere sind mitznbringen,
(Paß mit Kriegsbeorderung und Führungszeugnis).
Wer durch Krankheit oder dringende Geschäfte an dem Erscheinen bei der Kontrollversammlung verhindert ist, muß rechtzeitig spätestens bis zum 3. Novbr. d. J. ein ärztliches Attest bezw. einer Bescheinigung der Ortsbehörden an das Meldeamt Fulda einreichen, damit die Entscheidung noch vor der Kontrollversammlung mitgeteilt werden kann.
Befreiungsgesuche genießen nur dann Portofreiheit, wenn die Gesuche durch Erkrankung, gerichtlicher Vorladung oder ähnliche, von dem Willen der Kontrollpflichtigen unabhängige Umstände veranlaßt werden.
Alle übrigen Gesuche, welche nur durch Privat- interesse begründet werden, sind zu frankieren.
Nur wer durch plötzliche Erkrankung oder ganz unvorhergesehene Fälle abgehalten ist, der Kontroll-Versammlung beizuwohnen, kann an dem betr. Kontrollplatz mit Ueber- reichung eines ärztlichen bezw. amtlichen Zeugnisses entschuldigt werden.
Unentschuldigtes Ausbleiben, oder nicht pünktliches Erscheinen sowie Erscheinen auf einem nicht zuständigen Kontrollplatz ohne Erlaubnis wird mit Arrest bestraft.
Die Herren Orts- und Gutsvorsteher werden ersucht, dies in yrtsüblicher Weise bekannt zu machen.
Fulda, den 14. Oktober 1912.
Königliches Meldeamt.
Klauer, Major z. D. und Bezirksoffizier.
Deutsches Reich.
— Das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigte sich am Dienstag mit der zweiten Lesung des Spar- kaffengesetzes. Die Regierungsvorlage hatte vorgesehen, daß 30 Proz. von allen Sparkassenbeständen mündel- sicher angelegt werden sollen. Die Vorlage, wie sie aus der Kommission hervorgegangen ist, will aber nur 10,15 oder 20 Proz., je nach dem Umfange des Anlagekapitals, durch mündelsichere Papiere sichergestellt wissen. Der Kompromißantrag, der von den Konservativen, Nationalliberalen, Freikonservativen und einem Teile der Volkspartei eingebracht ist, erhöht die Sätze auf 15,20 und 25 Proz. Minister des Innern v. Dallwitz legte noch einmal dar, daß in Zeiten der Krisis die Sparkassen gerüstet sein müßten. Finanzminister Dr. Lentze betonte, das Gesetz sei im Jntereffe des Staatskredites unbedingt notwendig. Daß der Zinsfuß der Sparkassen sich erniedrigen würde, sei zum
klingt alles etwas kurz ab, so von oben herunter, wie wenn sie mit einer dienenden Persönlichkeit verhandelten. Kaum habe ich sie aber angesehen, ihnen kurz Bescheid gegeben, dann ändert sich der Ton ganz plötzlich, erwirb immer höflicher. Zum Schluß bekomme ich eine Verbeugung, mit der eine Fürstin zufrieden sein könnte.
Wie ich den ersten Tag am Bett des Kranken stand und zwei seiner Freunde leise herantraten, hörte ich, wie, der Jüngere, ein blutjunger Leutnant, sein Schnurrbärt-. chen drehend, dem anderen zuflüfterte: „Donnerwetters die Schwester ist ja ein bildhübsches Mädel. Von der ließe ich mich auch gleich pflegen." Ich wechselte gerade die Eisblase auf der Stirn des Kranken. Ich fühlte, wie miv das Blut siedend heiß ins Gesicht stieg. Ich hob nur eine Sekunde die Augen und sah dem jungen Herrn ernst ins Gesicht. Er wurde schrecklich verlegen und machtemir beim Herausgeheu seinen tiefsten Diener. Seitdem istser die Höflichkeit selbst. Aber trotz meines strafenden Blicks . . gefreut hat mich die Bemerkung doch!
Schäme Dich, Schwester Dina! Du willst Deinen Doktor sehr bald heiraten, was geht's Dich an, ob man Dich hübsch findet oder nicht. .
Schwere Tage und Nächte liegen hinter mir. Ich komme aus den Kleidern gar nicht mehr heraus. Ich schlafe nur am Tag ein paar Stunden, solange der Assistenzarzt bei dem Kranken bleiben kann. Er ist jetzt bei Besinnung, wenigstens manchmal; aber er leidet gual- voll. Die gebrochenen Rippen verursachen heftige Schmerzen. Er glaubt oft, ersticken zu müssen, denn er kann Blut und Schleim aus der Lunge nicht aushusten. Ich knie an seinem Bett und stütze ihn in meinen Armen. 190,18*
Noch nie habe ich eine Klage aus seinem Munde gehört, nur manchmal krampfen sich die Hände zusammen, die schwarzen Augenbrauen markieren sich wie ein dicker dunkler Strich unter der weißen Stirn, die so merkwürdig hell gegen das braungebrannte Untexgeficht absticht. Die^ Zähne werden fest übereinander gebissen, das ist alleZ." DMiDM jlrWMVM die Msezu exletcht^g,