Schlüchterner Zeitung
mit amtlichem Areisblatt.
Telefon Nr. 65.
Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
T Telefon Nr. 65.
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" Vierteljährlich 1 Mt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.
X 91.
Mittwoch, den 13. November 1912.
63. Jahrgang.
Amtliches.
Biehseuchenpolizeiliche Anordnung, betreffend die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche /im Kreise Schlüchtern.
J.-Nr. 13566. Der § 19 der Viehseuchenpolizei- lichen Anordnung vom 8. d. Mts. — J.-Nr. 13448 - Kreisblatt Nr. 49 — wird hiermit aufgehoben. Schlüchtern, den 11. November 1912.
Der Königliche Landrat: I. V: Schulthets.
1208 K. A. Die nächste Bullenkörung findet Dienstag, den 26. November d. Js. Vormittags 11 Uhr in Sterbfritz statt.
Schlüchtern, den 5. November 1912, Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: I. V: Berta.
Biehseuchenpolizeiliche Anordnung.
In Röhrigs, Gemeinde Klosterhöfe, Kreis Schlüch- tern ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.
Zum Schutze gegen die Maul- und Klauenseuche wird auf Grund der §§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes Dom 26. Juni 1909 (Reichsgesetzblatt S. 519) mit Ermächtigung des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten folgendes bestimmt:
§ 1. Aus der Gemeinde Höf und Haid einschließlich des Ortsteils Kautz wird ein Beobachtungsgebiet gebildet.
§ 2. Aus dem Beobachtungsgebiet darf Klauenvieh, abgesehen von den Fällen im § 3, nicht entfernt wer- ihn. Auch ist das Durchtreiben von Klauenvieh und W Durchfahren mit fremden Wiederkäuergespannen durch das Beobachtungsgebiet sowie der Auftrieb von Klauenvieh aus dem Beobachtungsgebiet auf Märkte Anboten.
' 8 3. Die Ausfuhr von Klauenvieh zum Zwecke der sofortigen Abschlachtung ist nur mit meiner Genehmigung zulässig.
Zu Nutz- und Zuchtzwecken darf Klauenvieh nur mit Genehmigung des Regierungs-Präsidenten ausge- siihrt werden, die bei mir zu beantragen ist.
8 4. In der im § 1 ausgeführten Gemeinde sowie in den Gemeinden Kauppen, Buchenrod, Stork, Magdlos, Mieden, Schweben, Rommerz und Rückers ist verboten:
a, die Abhaltung von Klauenviehmärkten (mit Ausnahme der Schlachtviehmärlten in Schlachthöfen) sowie der Auftrieb von Klauenvieh auf Jahr -und Wochenmärkten. Dieses Verbot erstreckt sich auch auf markiähnliche Veranstaltungen.;
b. der Handel mit Klauenvieh und Geflügel, der ohne vorgängige Bestellung entweder außerhalb
des Gemeindebezirks der gewerblichen Niederlassung des Händlers oder ohne Begründung einer solchen stattfindet. Als Handel im Sinne dieser Vorschrift gilt auch, daß Aufsuchungen von Bestellungen durch Händler ohne Mitführen von Tieren und das Aufkaufen von Tieren durch Händler;
c. die Veranstaltung von Versteigerungen von Klauenvieh. Das Verbot findet keine Anwendung auf Viehversteigerungen auf dem eigenen, nicht gesperrten Gehöfte des Besitzers, wenn nur Tiere zum Verkauf kommen, die sich mindestens 3 Monate im Besitze des Versteigerers befinden.
d. die Abhaltung von öffentlichen Tierschauen mit Klauenvieh.
§ 5. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Bestimmungen werden nach den §§ 74 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 (Reichsgesetzblatt S. 519) bestraft.
§ 6. Diese Anordnung tritt sofort in Kraft. Sie wird aufgehoben werden, sobald die Gefahr der Seu- chenverschleppung für die in den §§ 1 und 4 bezeichneten Gemeinden beseitigt ist.
Fulda, den 9. November 1912.
Der Landrat: Frh. v. Doernberg.
Verdingung von Wegebauarbeiten für 1913.
Zur Vergebung der Anlieferung und des Zer- kleinerns von Steinen sowie aller sonstigen Arbeiten und Lieferungen auf den Landwegen des Kreises für das Jahr 1913, werden folgende Termine anberaumt:
1. Montag, den 18. November er.
Vormittags 9 ‘/a Uhr in dem Gasthaus „Zum ^öwcn" in Schlüchtern, <für Schlüchtern, Elm, Herolz, Ahlersbach, Hohenzell, Lindenderg, Niederzell und Klosterhöfe.
Mittags 2 Uhr in der Rosenbergerffchen Wirtschaft zu Wallroth, für Wallroth, Hintersteinau, Reinhards, Breitenbach, Kressenbach, Röhrigs und Gomfritz.
2. Dienstag, den 19. November.
Vormittags 10 Uhr in der Müller'schen Wirtschaft zu Gundhelm, für Gundhelm, Hütten, Oberkalbach, Heubach, Uttrichshausen, Vollmerz, Ramholz und Hinkelhof.
3. Freitag, den 22 November.
Vormittags 9 Uhr in der Schreiber'schen Gastwirtschaft zu Sterbfritz, für Sterbfritz, Oberzell, Weichers- bach, Mottgers, Ziint'ersbach, Altengronau, Neuengronau, Jossa, Breunings, Sannerz und Weiperz.
4) Sonnabend, den 23. November.
Vormittags 8 V, Uhr in der Halbreiterffchen Gast
wirtschaft zu Steinau, für Steinau, Hundsruck, Mar- born, Bellings, Marjoß und Seidenroth.
Mittags 12 Uhr in der Heilffchen Gastwirtschaft zu Ulmbach, für Ulmbach, Sarrod, Rabenstein, Rebs- dorf, Uerzell, Neustall und Klesberg.
Nachmittags 4 Uhr im Gasthaus „Zum Hirsch" in Soden, für Soden, Salmünster, Ahl, Romsthal, Eckardroth, Wahlert und Kerbersdorf.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, obige Termine im Interesse ihrer Gemeinde rechtzeitig bekannt machen zu lassen.
Schlüchtern, den 11. November 1912.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Berta.
Deutsches Reich.
— Neues Palais bei Potsdam. Seine Majestät der Kaiser ist am Montag vormittag 10 Uhr 5 Minuten zur Jagd nach Trachenberg und Moschen in Schlesien abgereist. Im Gefolge befinden sich Hofmarschall Graf Platen-Hallermund, die Flügeladjutanten Oberstleutnant von Mutius und Major von Caprivi, Leibarzt Generalarzt Dr. v. Jlberg und der Vertreter des Auswärtigen Amtes Gesandter v. Treutler.
— Das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigte sich am Dienstag mit der nationalliberalen Interpellation über die Ausführung des Gesetzes über die Versicherung der Privatangestellten. Handelsminister Dr. Sydow wies in seiner Antwort darauf hin, daß das Gesetz bestimmt am 1. Januar 1913 in Kraft treten werde. Es werde demnächst eine Verordnung herausgegeben werden über das Verhältnis der Reichsver- sicherungsgnstalt zu den , Lebensversicheru8gsanstalte^ Die Zulassung von Ersatzkassen erklärte oer Miniftjch für sehr wichtig. Die Anfragen hätten aber noch nicht alle beantwortet werden können, da der Reichstag und der Bundesrat im Sommer Ferien haben. Alle Anfragen würden jedoch noch vor dem Inkrafttreten des Gesetzes entschieden werden. Das Schiedsgericht und das Oberschiedsgericht seien ja noch gar nicht in Wirksamkeit getreten. Die Kartenausgabestellen feien nicht entscheidende Instanzen, wie das vielfach angenommen würde. Die Arbeitgeber hätten dort zu wählen, wo sie wohnten. Habe ein Arbeitgeber Filialbetrieb, so könne ;er nur an deren Sitz wählen. Der Minister meinte, daß bei der Schwierigkeit der Materie nicht alle Fragen noch vor dem Inkrafttreten des Gesetzes gelöst werden können, sondern daß das im Laufe der Jahre geschehen müsse. Ein nationalliberaler Antrag über Förderung des Obst- und Gemüsebaues wurde einstimmig angenommen.
Eigene Wege.
Roman von M. von Bünau. 19
Wer das wohl sein mag? Einen Ring trägt er nicht, ober das mögen viele Reiter nicht, weil die Zügel leicht mit Ringe drücken.
Den ganzen Tag mußte ich an die dumme Adresse denken, als wenns mich etwas anginge, an wen er Meibt... .
Seine Kameraden kommen jetzt oft nachmittags. Ich bleibe dann im Nebenzimmer. Durch die dünne Tür höre >4 Bruchstücke ihres Gesprächs und orientiere mich dadurch ein wenig über Bredows Familieuverhältnisse. Er 'st das einzige Kind seiner Eltern, die eines Leidens der Mutter wegen in Italien sind. Sie sollen, um die Leidende nicht" zu erregen, nur von dem gebrochenen Arm des Sohnes, aber nicht von der Schwere des Sturzes unterrichtet werden.
., Im allgemeinen sprechen die Herren meistens über d'knstliche Sachen, Renngeschichten usw. Ich höre immer "ur auf Bredows Stimme. Wie ich sein tiefes Organ !"'t den, etwas herrischen Klang darin, dem kurzen Auf- Men liebe.
Sein Bursche kommt jetzt täglich und hilft ihm beim -lusstehen. Der gebrochene Arin liegt fest in der Schlinge.
. orcherß würde zufrieden sein. Er zeigte mir damals 'n Zandow, wie solcher Armverband aussehen muß.
Barchers! Lieber Gott, wie lange habe ich nicht mehr 'hn gedacht! Alles ist versunken für mich seit Bre- °n>s Herkommen. Er wird nicht mehr lange hier bler- denn er wird täglich kräftiger. Ich bin dankbar dafür 'Und doch ...
^ weiß ich, wer Komteß Eveline Zürnstein ist. Sie V Bredows Braut. „ ,
Zwei Offiziere besuchten ihn heute. Ich mußte her- "Ngehen, um ihm den Kaffee zu bringen.
I ^ setzte M Geschjrr aus den Tisch. Die Briefmappe
lag aufgeschlagen da. Ich mußte sie etwas zurückschieben, um Platz zu schaffen. Eine Photographie fiel dabei heraus. Einer der Offiziere hob sie auf und las den über die Photographie geschriebenen Namen.
„Eveline? Ah, Bredow .. das istjadie KomteßZürnstein!"
„Jawohl, das ist meine kleine Braut!" antwortete Bredow. Er lachte dabei.
Ich warf schnell einen Blick auf das Bild. Ein blondes reizendes Mädchengesicht fast noch ein Kind.
Ich ging langsam hinaus. Mir ist, als hätte ich das längst gewußt und mich nur selbst betrogen.
„Ich stand am Fenster. Der Regen tropfte eintönig aufs Dach, immer ein Tropfen nach dem andern. Mich machte das monotone Geräusch ganz krank. Ich fühlte einen Druck im Halse als ob ich beständig Tränen Herunterschlucke. Meine Augen brannten. Die Müdigkeit nach der anstrengenden Pflege kommt wohl nach. ...
Ich brächte ihm die Lampe und sein Abendbrot. „Können sie sich nicht etwas zu mir setzen, Schwester?" bat er. „Ich bin so allein. Oder erlaubt die Frau Oberin, dieses Schreckgespenst, das auch nicht?"
„Nein, eS wäre auch sehr unpassend," entgegnete ich kurz.
Er sah mir mit seinem scharf fragenden Blick ins Gesicht. Ein Schauer durchfuhr mich. Wie mußte das sein, wenn diese Augen einen zärtlich anblicken? Ich glaube, ich könnte nicht wiederstehen .. ich ginge in den Tod, wenn er es mich hieße.
„Als ich schwer krank war, waren Sie viel liebenswürdiger," fuhr er vorwurfsvoll fort.
„Seien Sie barmherzig gegen einen armen Krüppel, schneiden Sie mir wenigstens meinen Schinken."
„Gern." Ich machte das Butterbrot zurecht.
„Danke sehr."
„Sie brauchen gar nicht zu danken. Das ist selbstverständlich, daß ich das tue," sagte ich ärgerlich. Mich reizte heute jedes Wort.
Er lachte. Wir standen dicht zusammen an dem runden Tisch, den die Lampe hell beschien. Er kam noch näher zu mir heran. Ich spürte seinen heißen Atem auf meinem Gesicht, als er sich zu mir beugte.
„Sie haben gar nichts von einer Schwester an sich, Schwester Dina, gar nichts, trotzdem Sie mich wie einen Engel gepflegt haben. Aber gerade darum gefallen Sie mir gut."
Er sprach leise in mein halb abgewandteS Ohr hinein. „Sie sind, glaube ich, ein gehöriger Trotzkopf. Es müßte eine schöne Aufgabe für einen Mann sein, Ihren Starrsinn durch Liebe zu überwinden."
Mir war, als ob ein roter Nebel vor meinen Altgen auf und nieder wallte. Ich wußte, wenn ich noch eine Sekunde länger diese Stimme mit anhören, in diese Augen sehen mußte, dann lag ich an seiner Brust und vergaß alles .. alles, außer daß ich ihn liebte, wie eS meine Natur mir befiehlt.. grenzenlos leidenschaftlich.
Mit fast übermenschlicher Kraft faßte ich mich. „Diese- schöne Aufgabe, meinen Starrsinn durch Liebe zu über- winden, ist bereits gelungen, Herr von Bredow," sagte ich abweisend. „Ich bin seit bald einem Jahre verlobt mit Doktor Borchers. Ich lerne biet die Krankenpflege, um meinem Mann später in seine... Beruf zu nützen. Ich habe viel an Ihnen gelernt, Herr von Bredow, Sie waren für mich ein sehr nützliches Objekt.
Er trat von mir zurück. Ich sah, wie er sich auf die Lippen biß.
„Fühle mich sehr geschmeichelt," entgegnete er nach einer Pause. „Gratuliere übrigens zur Verlobung. Ihr Herr Bräutigam ist zu beneiden, eine Frau zu bekommen, die so ganz in seinem Beruf aufgeht." Er schob den Teller zurück. Er war offenbar verstimmt.
„Wünschen Sie noch etwas, Herr von Bredow?"
„Danke, ich werde ganz gut mit allem fertig. In ber^ nächsten Tagen hoffe ich gehen zu dürfen, nicht wahr?" -
„Gewiß. Gute Nacht."
«Prix NgHt, Schwester Ding," f i&Qi8*f