Zchliichtkrlm Zeitung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr.<r >. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr.«5.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Kaum 12 Pfg.
102. Samstag, den 21. Dezember 1912. 63. Jahrgang.
Die im 63. Jahrgang erscheinende Schlüchtevner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreiteste Zeitung im Kreise Schlächtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.
ITT ' TT 1 L„ _ L „ daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der pp pl 0 | PO PPP III wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen H lil h h | | jh I | III || Postabonnenten, welche bis spätestens 27. Dezember unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, d^ß ihnen unsere Zeitung vom 1. Januar ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen- — Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungeu auf das mit dem 1. Januar 1913 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
die Expedition der „Schlüchterner Zeitung".
Wir bringen hiermit die Einzahlung der fälligen Kranken-Versicherungsbeiträge mit bem Hinzufügen in Erinnerung, baß alle Rückstände vom 15. Januar 1913 ab zur zwangsweisen Einziehung kommen.
Kreiskrankenkasse.
|N beiden Londoner Konferenzen.
Den Arbeiten der Botschafterkonferenz darf mit Zuversicht entgegengesehen werden. Wahrscheinlich wird es gelingen, die Frage, die für die Einigkeit der Großmächte bedrohlich werden konnte, friedlich zu schlichten. Darauf läßt die Vorgeschichte der Konferenz schließen. Oesterreich-Ungarn und Jti lien haben sich bereit erklärt, auch über den von Serbien beanspruchten Platz an der Adria zu diskutieren, aber nur mit der Einschränkung, daß ein freier Ausgang für den serbischen Handelsverkehr nach der Adria ohne serbische Terri- torialhoheit an der albanischen Küste gesucht werden soll. Die anderen^Mächte sind auf diese Beschränkung des Programms eingegangen, was besagt, daß sich auch Rußland nur für die wirtschaftlichen Bedürfnisse Serbiens einsetzen wird. In Belgrad scheint auch schon eine Ernüchterung eingetreten zu sein; denn dort erklärt man jetzt, sich den Entschließungen der Großmächte fügen zu wollen. Kommt also die Botschafterkonferenz alsbald mit der albanischen Frage ins Reine, so ist die Hauptschwierigkeit für die Geltendmachung der gemeinsamen Interessen der Großmächte gegenüber den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen auf der Balkanhalbinsel beseitigt.
Nicht so günstig steht es vorläufig mit der Friedenskonferenz der Balkandelegierten. Hier heißt das große X Adrianopel. Nach bulgarischen Aeußerungen wäre die Abtretung dieser Festung eine conditio sine qua non für den Friedensschluß. In der ersten Sitzung der Sobranje in Sofia kam schon Verstimmung darüber zum Ausdruck, daß das bulgarische Heer seinen Siegeszug nicht bis i ach Konstantinopel fortgesetzt habe. Ein Verzicht auf Adrionopel würde der Regierung des Zaren Ferdinand erst recht Gegnerschaften in seinem
Roman von M. von Bünau.
31
Er meinte, sie sei zu jung und hübsch, um ganz' allein in das abgelegene Stadtviertel der oft sehr rohen Fabrikbevölkerung zu gehen und sich dort allen möglichen Unannehmlichkeiten auszusetzen. Sie widersprach lebhaft und zog ihre Schwesterkleider an, denn sie meinte, die Tracht müsse sie vor allem schützen. Aber bald darauf sprach sich in der Stadt das Gerücht herum, Frau Doktor Borchers gehe als barmherzige Schwester umher, um sich aufzuspielen. Borchers mußte manche Neckerei, viele Sticheleien seitens der Oberin und Anstaltsschwe- ltern mit anhören, die schließlich sogar gerade heraus- sagten, seine Frau hab^ gar nicht mehr das Recht, die Tracht des Marienstiftes anzulegen.
Daraufhin verbot Borchers seiner Frau ernstlich, sich noch weiter mit derartigen Dingen einzulassen. Die Kranken hätten nicht so viel Nutzen von ihrem Kommen wie er Aerger und Verdruß.
Zum ersten Male gab es deswegen eine heftige Auseinandersetzung zwischen ihnen beiden. Dina warf ihrem Mann eine kleinliche Denkungsart vor. Mußte er nicht auf ihrer Seite stehen, statt auf die mißgünstigen Reden anderer zu hören?
Sie näßte seitdem nur noch für die Armen und ging nur auf dringendes Bitten und danninihrem gewöhnlichen Kleid zu einem Patienten. „
Aber auch das mußte bald unterbleiben, denn sie selber wurde kränklich. Müde schlich sie im Hause umher Die Aussicht, ein Kind bald zu haben, die Borchers beseligte, freute sie selber kaum. Ihre Stimmung war zu gecu nat. Den einzigen Lichtblick, den sie in der Zukunft erkennen konnte, war die Taufe des Kindes, zu der die Eltern nach Mühlfurt zu kommen versprachen. Frau von Grün- f-rtig Fracht, daß^Mriafe1 wechselten.
Lande, das so viele Blutopfer gebracht hat, hervor- rufen. Auf der andern Seite berufen sich die Türken darauf, daß Adrianopel nicht erobert sei, daß es den einzigen Schutzwall für den Rest der europäischen Türkei bilde, und daß die Mohammedaner nichts so schwer empfinden würden als den Verlust dieser ersten, mit vielen Heiligtümern ausgestatteten Residenz der türkischen Sultane. Außerdem hat der erfolgreiche Widerstand des türkischen Heeres an der Tschataldschalinie die Hoffnung genährt, daß bei Fortsetzung des Krieges ein Vorstoß nach Adrianopel glücken könnte.
Wie dieser Gegensatz gelöst werden wird, ist noch ganz dunkel. Sir Edward Grey hat in seiner Be- grüßungsrede die versöhnliche Aufgabe der Friedens- delegierten gepriesen und von einer Politik der Mäßigung gesprochen, ohne die kriegerische Gewinne keinen Wert für die künftigen Generationen hätten. Das klingt wie eine Mahnung an die Adresse der bisherigen Sieger, gilt aber auch für die Türken, die sich vor Ueberschätzung ihrer Widerstandskraft hüten sollten. Der Geist und die Schulung eines Heeres läßt sich eben nicht in wenigen Wochen aus einem Zustand der Verwahrlosung wieder in die Höhe bringen.
Deutsches Reich.
— Berlin. Ein neues frohes Ereignis im Hohen- zollernhause steht bevor. Der Kaiser hat bestimmt, daß mit der Abhaltung kirchlicher Fürbitten für eine glückliche Entbindung der Frau Prinzessin August Wilhelm bereits am nächsten Sonntag begonnen werde. Das Konsistorium hat soeben die Geistlichen davon benachrichtigt.
— Dortmund. Auf der Zeche „Minister Achenbach" trafen am Donnerstag früh mehrere Mitglieder der Familie Stumm ein, um sich von dem Umfang des Unglücks und dem Stande der Rettungsarbeiten zu überzeugen. Sämtliche Verunglückte (46 Tote und 12 Verletzte) sind nunmehr geborgen. Für Linderung der ersten Not wurde vonseiten der Familie ein Betrag von 50 000 Mark angewiesen.
Aber auch die Hoffnung auf der Eltern Besuch sollte sich nicht erfüllen. Es kam Dina so vor, als ob, seit sie verheiratet war, nichts mehr nach, sondern alles gegen ihren Wunsch und Willen eintraf.
Das Kind überlebte seine Geburt nicht, sie selbev lag wochenlang in der Klinik zwischen Leben und Sterben. Als sie endlich nach Hause zurückkehren durfte, war ihr von all den erlittenen Qualen nichts geblieben, ew ein kleines namenloses Grab auf dem Kirchhof und ein unüberwindliches Grauen vor allem, was mit Krankheit, Klinik, Krankenhäusern und Schwestern zusammenhing. Jede Erinnerung an die selischen und körperlichen Leiden, die sie ausgestanden hatte, konnten ihr noch jetzt den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Der Karbolgeruch, den die Kleider ihres Mannes aushauchten, erregte ihr noch nach Monaten Uebelkeit. Wenn sie an die steifa«- stärkte, knisternde Schürze ihrer Pflegerin, das gleichgültig harte Gesicht des Professors, die mitleidverzerrten Züge ihres Mannes dachte, schauerte sie wie im Fieberfroft zusammen. Sie ging am liebsten in weitem Bogen um jedes Krankenhaus herum, jeder 'Schwester ängstlich au« dem Wege. Es war, als ob ihre ganze leidenschaftliche Liebe für den Samariterdienst mit der eigenen schweren Krankheit zugleich überwunden und vonihr abgefallen sei.
Je mehr aber ihre Kräfte zurückkehren, um so mehr litt sie unter der Enge der Beschränkung ihres Lebens. Was war jetzt ihr Tagwerk? Eine alte, ungebildete Frau zu unterhalten, ihren kleinbürgerlichen Hausstand zu führen. Denn ihren Mann sah sie wenig, sogar abends schrieb er noch lange in seinem Zimmer, und seitdem sie nichts mehr von seinemBerufuudKrankhsitsfällenhörenmochte, schien das geistige Band gemeinsamen Interesses, das in diesem einen Punkt wenigstens zwischen ihnen bestanden hatte, völlig abgeschnitten zu sein. Was gab es jetzt uvch, das sie beide interessierte? Ihr Kind war tot. Dina mochte nie davon sprechen. Wenn es gelebt hätte, ob dann das Verhältnis zu ihrem Mann ein innigeres gewesen wäre? Wahrscheinlich pfcht, denn sie . würden auch Ger
— Zur Sammlung für die verwundeten Balkanslawen hat sich in Pojen ein Komitee gebildet. U. a. quittiert der „Dziennik Poznanski" über den Betrag von 3557,40 Mk. Der „Lech" findet es nicht für richtig, eine derartige Sammlung zu veranstalten, da es im Lande selbst an dem nötigsten fehle. Auch der „Wiarus Polski" spricht sich dagegen aus, und der „Kurjer Poznanski" bemerkt ironisch, daß man unter den Spendern gerade solche Leute finde, die man um Gaben für die notwendigsten nationalen Bedürfnisse vergeblich angehe. Den „Goniec Wilkopolski" befriedigt diese materielle Unterstützung noch nicht; er fordert auf, sofort ein kleines Sanitätskorps zu organisieren und nach dem Balkan zu entsenden! — Die Polen wollen durchaus zeigen, daß sie sich zu den „selbständigen Nationen,, Europas zählen.
— Die mecklenburgische Steuerreform ist nunmehr vom Landtag der beiden Großherzogtümer genehmigt worden. Die Annahme der Vorlagen, die in Mecklenburg eine Steuererhebung nach preußischem Muster einführen, die manche Unbilligkeiten des gegenwärtigen Rechtes aus der Welt schafft, erfolgte mit 86 gegen 33 S'^unen. Mit einer nicht minder bedeutsamen Frag« Dkur sich sodann der Landtag zu befassen. Sie betraf das Aversum, d. h. die Bewilligung des Zuschusses zur großherzoglichen Renterei, was mit der Verfassungsfrage derzeit in untrennbarem Zusammenhänge steht. Dieser Zuschuß war im Jahre 1910 von 1911 von der Landschaft, d. h. den Vertretern der Städte, abgelehni worden, worauf die Schweriner Regierung die fehlenden Mittel aus den Domanial- Kapitalfonds entnahm. Die Landschaft lehnte auch jetzt wieder das Aversum durch Standeserklärung ab, so daß diese Vorlage erneut gescheitert ist.________
Küsland.
— Im St. James-Palast zu London hat die erste Beratung der Friedensunterhändler begonnen. In einem offiziösen Artikel der „Nordd. Allg. Ztg.*, in dem die französischen Quertreibereien gegen Deutschland zurückgewiesen werden, heißt es: „Wir können nur
die Er
1'.. Erziehung zu verschieden gedacht haben. „Es tut nicht gut, Menschen aus ihrer Sphäre zu reißen oder selber aus der eigenen zu ihnen herabzusteigen!" tönten ihr ihres Vaters warnende Worte ins Ohr.
Wahr, nur zu wahr!
Unwillkürlich zuckte der Gedanke durch ihren Kopf: @6 ist gut, daß das Kind nicht lebt, es wäre doch nicht ganz meines gewesen, sondern auch der Sohn seines Vaters, der Enkel der schrecklichen alten Frau.
Sie entsetzte sich selbst über dies unnatürliche Gefühl. Beschämt schlug sie die Hände oors Gesicht.
Was war auk ihr, der stolzen Dina von Grunwald geworden? Da saß sie in einer spießbürgerlich kleinen Wohnung, zu nichts anderem tauglich, als die Wirtschaft in Ordnung zu halten und sich von ihrem Mann abkussen zu lassen, st oft «8 ihm gefiel.
Sie stampfte plötzlich mit dem Fuß aus. Mit der wie- der erlangten Gesundheit kam auch etwas von dem alten Lebensmut und Trotz zurück. Nichts da von ' Krankheit und Jammer, es wurde Draußen sogar durch diese graue. W &«»« .ÄS& »««*„. Die Dtragenkinder spo mit Kreiseln und Murmeln, ohne sich von den darüber stolpernden Fußgängern in ihrem Vergnügen stören zu lassen. Manch weißer Papierdrache stieg schon in die Luft, alles untrügliche Zeichen des kommenden Frühlings.
Heiße Sehnsucht erfaßte Dina, hinauszulaufen, weit fort aus der engen Stadt. Einmal mußten die abscheulichen Häuser doch aufhören, und freies, weites Feld kommen, wenn eS auch vorläufig nur schwarze, ungeackerte Erdschollen waren. 190,18*
Es roch doch gut nach keimender Erde, nach neu aufsprießendem Leben. Vielleicht sang irgendwo auch schon ein vorwitziger kleiner Fink, und die rötlich braunen
n den Sträu