SchlüchternerZettung
mit amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 63. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 63.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
2. Samstag, den 4. Januar 1913. 64. Jahrgang.
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8 ■• st^den in der Schlachterner iwaüFöä Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.
Deutsches Reich.
— Berlin. Im Schloß begann die Feier des Neujahrsfestes in der üblichen Weise mit dem großen Wecken. Das Kaiserpaar traf um 9'/, Uhr im Automobil von Potsdam kommend ein. Alsbald begann die Auffahrt der Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses, der hier anwesenden Fürstlichkeiten und der Staatswürdenträger, während die militärischen Wachen i aufzogen. Auch die Halloren, die wie jedes Neujahr' hier eingetroffen sind, begaben sich in ihrer eigenartigen Tracht zum Schloß. Am Gottesdienst in der Schloßkapelle nahmen die Spitzen der Staats- und Kommunal- behörden, die hohen Militärs und die Ritter des Schwarzen Adlerordens teil. Hinter den Pagen und dem großen Vortritt gingen der Kaiser und die Kaiserin, es folgten der Kronprinz mit der Prinzessin Eitel Friedrich, der Herzog Albrecht hon Württemberg mit der Kronprinzessin und Prinz Heinrich m? der Prinzessin- Viktoria Luise. Nach dem Gottesdienst ging der Kaiser, der das Band des Schwarzen Adlerordens über dem Mantel trug, gefolgt von seinen Söhnen und den Herren des Hauptquartiers zu Fuß nach dem Zeughaus, vom Publikum im Lustgarten und auf der Schloßbrücke mit Hochrufen empfangen. Nach den dort stattgefundenen Feierlichkeiten kehrte der Kaiser zu Fuß in das königliche Schloß zurück. Nachmittags fuhr der Kaiser bei den Botschaftern vor.
— Ganz plötzlich und unerwartet kommt die Trauerkunde von dem Tod des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts v. Kiderlen-Waechter, der in Stuttgart, wo er zu Besuch weilte, einem Herzschlag erlegen ist. Alfred von Kiderlen-Waechter, am 10. Juli 1852 geboren, wollte ursprünglich die militärische Laufbahn einschlagen, trat aber nach Beendigung des deutschfranzösischen Kriegs in den diplomatischen Dienst über.
Er fand anfangs Verwendung als Botschaftssekretär in Petersburg, dann in Paris, wo er im Jahre 1885 zum ersten Sekretär aufrückte. Ein Jahr später kam er in gleicher Amtseigenschaft nach Konstantinopel. Im Jahre 1887 wurde er zum Legationsrat ernannt. Im Jahre 1888 wurde er als Wirkl. Legationsrat und Vortragender Rat in die potitische Abteilung des Auswärtigen Amts berufen, wo er 1891 zum Geheimen Legationsrat befördert wurde. Im Jahre 1894 wurde er zum Gesandten in Hamburg, im nächsten Jahre zum Gesandten in Kopenhagen, im Jahre 1898 zum Gesandten in Bukarest ernannt. Im Jahre 1904 erhielt er den Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz. Im November 1908 wurde er vorübergehend zur Vertretung des erkrankten Staatssekretär von Schoen nach Berlin berufen. Am 27. Juni 1910 wurde er zum Staatssekretär des Auswärtigen Amts ernannt. Furchtlos und klug in der Vertretung der Rechte und Ansprüche des Reiches, eisern in den Anforderungen an sich selbst, fest und rücksichtslos in der Wahrnehmung der Interessen des Kaiserlichen Dienstes, ein unermüdlicher Arbeiter, dem es in allem um die Sache ging, eine starke Persönlichkeit, in der alle männlichen Eigenschaften klar ausgeprägt waren — so hat sich der Staatssekretär von Kiderlen-Waechter vom ersten bis zum letzten Tage seiner Amtsführung bewährt. Sein vorzeitiges Scheiden hinterläßt eine tiefe Lücke und bedeutet einen schweren Verlust für Kaiser und Reich.
— Eine treffende Antwort hat dem „Dzinnik Byd- gosli" zufolge eine polnische Firma erhalten, die von den holländischen Margarinewerken Jürgens u. Prinzen, G. m. b. H., in Goch forderte, daß der Briefwechsel in- polnischer Sprache erfolge. Di- Antwort lautet? „Erstens kennen wir die polnische Sprache nicht und zweitens werden in unseren Werken alle Rechnungen ausnahmslos deutsch ausgestellt. Eine Ausnahme bedauern wir nicht machen zu können." Der „Dziennik Bydgoski" erwartet jetzt, daß die polnische Kaufmannschaft aus dieser Antwort die notwendigen Folgerungen ziehen wird, und spricht die Ueberzeugung aus, wenn alle polnischen Firmen den Briefwechsel in polnischer Sprache nachdrücklich verlangen würden, möchten sich die „fremden" Großfirmen die Sache doch anders überlegen. Es fragt sich doch, ob dieser Ratschlag des polnischen Blattes, das noch dazu in dem fast ganz deutschen Bromberg erscheint, von der polnischen Kaufmannschaft befolgt werden wird. Von den „fremden" Großfirmen werden die Waren bezogen, weil sie gut und billig sind, da wird man eben die „fremde" Sprache sich gefallen lassen müssen.
Mßto.
— Vom deutschen Schulwesen in Estland ist erfreuliches zu melden. Auf dem letzten Stiftungstage des Deutschen Vereins in Reval, der sich hauptsächlich der Förderung des Schulwesens widmet, gab Mag. A. Eggers einen Bericht hierüber. Nicht nur das Schulwesen in Reval selbst blüht, sondern auch in den kleineren Städten herrscht überall reges Leben in den Schulen des Vereins. Die Schule in Wesenberg ist zu einem Progymnasium ausgestaltet worden. Normal gedeihen die Schulen in Jewe, Marien-Magdalenen und Ampel, in Leal ist die deutsche Bevölkerung und damit auch der Schulbesuch sehr zurückgegangen, während in Hap- sal der Schulbesuch nicht der viel größeren Zahl der deutschen Städter entspricht. Weißenstein hat für seine siebenklaffige Mädchenschule ein schönes neues Schulhaus, aber viele Sorgen; die Schule hat noch nicht den Wirkungskreis, den sie haben könnte und sollte.
— Das österreichische Abgeordnetenhaus hat das Budgetprovisorium in zweiter und dritter Lesung, ferner noch einige kleinere Vorlagen, darunter die Reform des Vereinsgesetzes angenommen. Die Sitzung wurde gegen 2 Uhr 30 Min. nachts nach 16'/, stündiger Dauer geschloffen.
— Der neue Gesetzentwurf über die ungarische Wahlreform, der vom Ministerpräsidenten Dr. v. Lukacs dem Kaiser Franz Josef vorgelegt worden ist, hat die Zustimmung des Kaisers gefunden. Diese neue ungarische Wahlreform erhöht die Zahl der Wähler um 80 Proz., da der neue Wahlreformentwurf nahezu 800 000 Personen das Wahlrecht verleiht. Die Opposition fordert demgegenüber eine Wählerzahl von 2 800 000 Mann.
, — Um die zum Schutze der französischen Sparer, gegen die Auswanderung vrs-frunzvstfchrn- Kapitals getroffenen Maßnahmen noch wirksamer zu gestalten, hat Justizminister Briand angeordnet, daß eine Untersuchung gegen die Angestellten ausländischer Unternehmungen eingeleitet werde, welche dem Publikum die von diesen Unternehmungen im Auslande ausgegebenen Wertpapiere anbieten. Dem Aufträge des Justizministers entsprechend wurde bereits gegen den Pariser Vertreter eines Londoner Hauses, welcher ein kanadisches Wertpapier in Paris unterbringen wollte, eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet.
— Die Antwort Chinas auf die englische Tibetnote besteht nach einem Telegramm der „Deutschen Kabelgramm-Gesellschaft", höflich aber bestimmt auf der Anerkennung Tibets als wesentlichen Bestandteil der chinesischen Republik. Die Antwort lehnt die Verhandlung über einen neuen Tibetvertrag ab, da der
Roman von M. von BUnau.
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Dina konnte ihm kaum folgen. Heftig atmend, stand sie endlich still. Sie waren am Rande des Wäldchens angelangt.
„Wie kann Ihr Mann Ihnen erlauben, jetzt allein in diese Gegend zu gehen," sagte Bredow. Sein Ton klang schart. „Weiß er nicht, welchen Gefahren er Sie aussetzt?"
„Er hat mir oft gesagt, ich möchte es nicht tun," ge- 1 staub Dina aufrichtig.
5 „Aber Sie kehrten sich nicht daran?" Bredow lachte -'kurz auf. „Sie scheinen keine sehr fügsame Frau geworden zu sein, Fräulein von Grünwald, Pardon, ich
» weiß nicht einmal Ihren jetzigen Namen. „Wenn Sie wüßten, wie es mich ai
mich anheimelt, mit meinem alten Namen und nichtFrau Doktor Borchers an
geredet zu werden."
„Sie sind jetzt wenigstens durch Schaden klug geworden?"
„Wieso?" In Dinas Augen lag eine unruhige Frag«.
„Ich meine betreffs Ihres Ungehorsams."
Sie warf den Kopf zurück. „Wie sagten Sie?"
„Ich würde meiner Frau jedenfalls die Lust vertreiben, gegen mein Verbot derartiges zu unternehmen," fuhr Bredow energisch fort. „Aber auch Sie müssen Vernunft annehmen, gnädige Frau. Sie dürfen nicht mehr ohne Begleitung ausgehen, so lange die Unruhen dauern."
Dina sah ihn an. „Ich werde es nicht mehr tun, weil Sie es nicht wollen," sagte sie leise.
„Das ist recht. Als Kranker mußte ich mich Ihren Anordnungen fügen .. wissen Sie noch?" Er schlug absichtlich einen leichten Ton an. „Jetzt bin ich hierher geschickt ivorden, um Ordnung zu stiften, also müssen auch ^Zie vstr^etzt folgen," _
„Wie kommen Sie denn hierher? Sie standen doch bei den Husaren?"
„Ich bin als Rittmeister in mein jetziges Regiment versetzt worden. In Unebenheiten muß man es sich gefallen lassen, auch einmal als Polizei verwendet zu werden."
„Sie setzen sich jedenfalls Gefahren aus."
„Kaum. Einen Stein an den Kopf kann mqn freilich von irgend einem Bengel bekommen. Die vernünftig denkenden älteren Arbeiter werden uns keine Veranlassung
geben, gegen sie vorzugehen."
Langsam ging sie neben ihm her durch den frühlings- S" ren Wald. Eine schwarzweiße Elster stieß ihren zäi en Schrei aus. Flügelschlagend schwang sie sich der noch unbelaubten Krone einer breitästigen Eiche.
Bredow drückte ein Auge zu und tat, als ob er zielte. „So, das wär ein guter Schuß gewesen. Sie läge jetzt unten im Gras. Uebrigens ist Ihr Mühlfurt ein abscheulicher Ort, gnädige Frau, jedenfalls für einen Kavalleristen. Kein einziger Reitweg, alles Pflaster oder knüppel- harte Chausseen."
„In Ihrer Garnison ist das besser?"
„Das will ich meinen. Besonders in der letzten. Sand, "eide, weite Wälder mit stillen Seen. JmHerbstrittenwir
-agden bis tief in den Winter hinein."
Jagd reiten! Wenn ich das noch einmal )tna breitete plötzlich die Arme aus. „Ein-
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zu
Heide, weite Wälder mi Jagden bis tief in den „Ach, eine I
tun könnte!" SL... ......... , „ .
mal wieder auf einem Pferd sitzen/' ,
„Den Wunsch kann ich Ihnen leicht erfüllen. Mem Wallach geht gewiß ruhig unter einer Dame. Er ist wie jedes edle Tier fromm und verständig. Ist die Pflegepas- sion jetzt vor der Reitpassion in den Hintergrund getre- len^"
Dina blieb stehen. Sie sah Bredow mit großen Augen ins Gesicht. „Ich kann nichts mehr von Kranken und Pflegen hören," sagte sie mit einem bemerklichen
Ekel davor. Ich könnte nur noch Menschen pflegen, die
ich liebe."
„Diese Leidenschaft hat also nicht langevorgehalten?"
„Nein. Ich suchte, suchte nach Befriedigung und gi " nach dem Falschen. Das ist schon man«, ' _ _ gen. Darum ist eS aber nicht schwer zu ertragen."
Er sah ernst vor sich hin. „Wie gern würde ich Ihnen helfen. Aber ich fürchte, wenn ich auch jetzt Ihr Verlangen nach einem Pferd befriedigen kann, später ist die
igungund griff chem so gegan-
Sehnsucht dann noch größer."
„Ja, ja, das ist alles richtig. Aber ich bin wie jemand, der halb verdurstet ist, und der nur ein einziges Glas Wasser trinken soll. Er spart es auch nicht auf, er muß seinen Durst löschen."
„Also gut. Wir wollen öfter zusammen reiten, vorausgesetzt, daß Ihr Herr Gemahl nichts dagegen hat." /
„Er gönnt mir jede Freude."
„Er ist also gut zu Ihnen?" Vielleicht sogar zu gut?" Ein halb ernstes, halb zärtliches Lächeln spielte um seinen Mund.
Sie ging dicht an seiner Seite. Er konnte deutlich die langen aufgebogenen Wimpern, den blühend roten Mund, das feingeschnittene Rüschen sehen. Der weiche Frühlingswind wehte ihr das braune Haar in kleinen Locken um die Schläfen.
„Ja, viel zu gut!" sagte Dina. „Ich wollte, er schlüge mich. Das wäre barmherziger."
Die letzten Worte stieß sie nur halblaut zwischen den Zähnen hervor, aber Bredow verstand sie trotzdem.
1 jähe Röte flog über sein Gesicht. Dina, warum haben Sie Ihr Leben so zugerichtet?" fragte er ernst.
Sie nahm einen dünnen Ast, der sich in ihr langes Kleid verhakte vom Boden auf und brach ihn mechanisch in lauter kleine Stücke. „Warum sagte sie nach einer klei- nen Weile. „Ja warum?" In wie vielen Tagen und endlos langen Nächten hab ich mich das auch gefragt 1 ™ ? Ich weiß keine Antwort. Ich weitz-
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mich. Das
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Stander Seit meiner eiaenen Krankheit ist mir das Warum, warum? Ich weiß keine Antwort. Ich weih aller gerabe$u verhaßt. Ich habe einen unbezwingliche» > npr dqß ich elend ^<JJ|ä^^ ^^ ^UH^