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mit amtlichem Rreisblatt.

Telefon Nr. 65. Mochenbeilage:

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Illustriertes Sonntagsblatt.i Telefon Nr. es.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

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ArnIliches.

Bekanntmachung.

1. Die Zustellung der Kriegsbeorderungen und Paß­notizen für das neue Mobilmachungsjahr erfolgt in der Zeit vom 7. bis 20. März d. J. und zwar für die Stadt Fulda durch Ordonnanzen, für die Landorte durch die Post.

2. Die bis jetzt noch nicht zur dienstlichen Kenntnis gebrachten Wohnungsveränderungen sind sofort zu melden.

3. Die Mannschaften der Reserve, der Landwehr 1 und 2 und der Ersatzreserve haben an den Tagen vom 7. März ab, falls sie nicht selbst zu Hause sein können, eine andere Person des Hausstandes mit der Empfang­nahme der Kriegsbeorderungen bezw. Paßnotizen zu beauftragen.

4. Jeder Mann, der bis zum 20. März abends keine Kriegsbeorderung oder Paß-Notiz erhalten hat, hat hiervon seinem Bezirksfeldwebel mündlich oder schriftlich Meldung zu erstatten.

5. Die vom 1. April ab nicht mehr gültigen alten roten Kriegsbeorderungen und Paßnotizen sind an diesem Tage durch die Mannschaften selbst zu vernichten, die neuen gelben im Paß einzukleben.

Fulda, den 22. Februar 1913.

Königliches Meldeamt K l a u er, Major z. D. und Bezirks-Offizier.

Zur Berufswahl.

Ostern naht, und die sorgenvolle und folgenschwre Frage taucht in vielen Family;: auf: Was fuß der Junge werden? Und wo man sich bereits entschieden hat für dies oder das, da denkt man doch noch über so mancherlei nach. Ob es wirtlich das Richtige war? Ob es die Kosten lohnen wird? Ob der gewählte Beruf sich nicht zuweilen wie eine schwere Last gestalten wird? Man hört und liest so viel von Ueberfüllung in allen Berufszweigen, man kennt das Elend, das überall droht, wo das Angebot die Nach­frage übersteigt. Man weiß auch vom. gebildeten Proletariat ein Lied zu singen. Da ist ein Vater, der hat es am eigenen Leibe erfahren, wie man rennen und ringen muß, um ein halbwegs anständiges Aus­kommen zu haben. Kein Wunder, daß ihm jeder andre Beruf in weit rosigerem Lichte erscheint als der eigene, und er denkt: Mein Junge soll es einmal gescheiter anfangen, soll es einmal besser haben! Das ist ein schöner Herzenswunsch, aber es gibt eben in allen Berufsarten Klagelieder und Sehnsuchtsschreie.

, den 26. Februar 1913.

Indes nur ruhig Blut! So ganz und gar braucht man den Idealismus nicht auszuschalten. W. H. Riehl, der vortreffliche Kenner deutschen Lebens und Wirkens, hat schließlich auch recht, wenn er sagt:Die Begeisterung für einen festen, praktischen Beruf kann allein die strebenden Menschen in sich befriedigen." Die Hauptsache ist eben, daß man seinen Beruf lieb hat. Das setzt allerdings voraus, daß man ihn gründlich und nach allen Seiten hin beherrscht. Nur wer wirk­lich etwas kann, und sei es auch auf einem enger um­grenzten Gebiete, nur solch ein im besten Sinne des Wortes Strebender hat Anspruch auf Erfolg und Lebeasglück. Was für ein Beruf es auch sei, man "muß es ernst nehmen, und man soll nicht wähnen, daß einem die gebratenen Tauben nur so in den Mund fliegen.

Der moderne Mensch redet so gern von Goethe. Nun dieser klassische Lebenskünstler hatte den Wahl­spruch :Tätig zu sein ist des Menschen erste Be­stimmung." Dabei hat gerade für modernes Empfinden jeder rechtschaffene Beruf seine gleiche Ehre, auch das schlichte Handwerk. Dieses hat heute noch einen goldenen Boden; freilich muß einer sein Handwerk gründlich ge­lernt haben, dann findet er immer noch sein gutes Fortkommen. Und findet sich nun wirklich unter den Jungen, die ein Handwerk erlernt haben, ein mehr oder minder begabter Kopf, so stehen ihm noch viele Wege offen, sein Talent auch in einem werktätigen Berufe zu verwerten. Die Schusterei hat einem Hans Sachs sicher nichts geschadet, und mancher Erfinder und an­gesehene Fabrikant ist aus den Kreisen des Handwerks hervorgegangen.

Schließlich sei auch die Landwirtschaft nicht ver­gessen. Leider ziehen viele jungen Leute vom Lande das ungebundene Leben als Fabrikarbeiter dem Berufe als ländlicher Arbeiter vor, und doch, wie verkehrt! Das Leben auf dem Lande in Gottes frischer, freier Himmelsluft hat auch seine Annehmlichkeiten und ist namentlich viel gesünder als das Eingepferchtsein in der dumpfen, bazillengeschwängerten Luft der Arbeits- säle der Fabriken. Und wenn auch nicht jeder seinen eigenen Acker bebauen kann, auch der landwirtschaftliche Arbeiter hat sein Auskommen und braucht nicht Hunger zu leiden. Berufsfragen sind Lebensfragen. Wer das begreift und danach handelt, der wird auch das andere zu würdigen wissen, daß jeder Stand zwar seine Last, aber auch seine Lust, und seinen Frieden hat.

Bmtfches Reich.

Zur Verlobung im Hohenzollernhaus. Zu der Meldung von dem bevorstehenden Besuche des Herzogs und der Herzogin von Cumberland in Berlin wird dem

64. Jahrgang.

Tag" aus Gmunden gemeldet, daß das Herzogspaar sich der Kaiserin und der Prinzessin bei der Rückreise nach Potsdam anschließen wird, wo dann das erste Zusammentreffen Kaiser Wilhelms mit dem Herzog von Cumberland durch Vermittelung der Kaiserin er­folgen wird. Das Herzogspaar wird von dem Prinzen Ernst August und von der Prinzessin Olga begleitet werden. In Gmunden werden für den glanzvollen Empfang der Kaiserin bereits alle Vorbereitungen getroffen.

Der Reichstag führte am Donnerstag die zweite Lesung des Postetats zu Ende. Die Ostmarkenzulage wurde bedauerlicherweise mit den Stimmen des Zentrums, der Sozialdemokraten und Polen abgelehnt. Eine konservative Resolution betreffend die Unterstützung der Altpensionäre wurde der Budgetkommission überwiesen. Eine fortschrittliche Resolution auf Erhöhung der Löhne und Zulagen der Telegraphenarbeiter wurde angenommen. Der Etat für die Reichsdruckerei wurde ohne Debatte genehmigt. Dann folgte der Etat der Reichseisenbahnen, wobei Abg. Hasenzahl (Soz.) für die allmähliche Ver­einheitlichung der deutschen Eisenbahnen und Einführung der Reichseisenbahnen eintrat. Am Freitag wurde zunächst eine kleine Anfrage über die Maßnahmen zum Schutze der Deutschen in Mexiko vom neuen Staats­sekretär v. Jagow in beruhigendem Sinne beantwortet und dann die Beratung des Reichseisenbahnetats fort­gesetzt. Die Wünsche auf Vereinheitlichung des deutschen Eisenbahnwesens beantwortete der Präsident des Reichs­eisenbahnamts v. Wackerzapp dahin, daß die Bundes­staaten bisher nicht den Willen hätten, in dieser Be­ziehung an ihrer Selbständigkeit rütteln zu lassen. Im übrigen wurden allerlei Sonderwünsche vorgebracht, woraus der Etat des ReichseisenbahuamtS erledigt war.

Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Donnerstag die Beratung des HandelsetalS fort. Abg. Rahardt (frkons.) beschäftigte sich hauptsächlich mit Handwerkerfragen und sprach sich dahin aus, daß die Handwecker und Gläubiger bei den Zwangsverkäufen von Grundstücken Millionen verloren hätten, daran seien die Großbanken schuld, die durch unfaire Hand­lungsweise dem Unwesen Vorschub leisteten. Keine einzige Berliner Großbank könne er von diesem Vorwurf ausnehmen, sie handelten alle gegen die guten Sitten, indem sie zu wenig Bangest gäben und nachher die Forderungen der Handwerker an sich brächten. Diesen Ausführungen trat Abg. Rosenow (fortsch. Vp.) ent­gegen. Auch der Abg. Schifferer (natl.) nahm die Großbanken gegen die erhobenen Vorwürfe in Schutz. Abg. Borchard (Soz.) hielt eine seiner bekannten Hetz, reden gegen den Handwerkerstand, und Abg. Carow (kons.) erwiderte ihm und hielt ihm vor, die Sozial-

Meröotene Ufade.

Kriminalroman von Otto Viehofer, 1

Nachdruck nicht gestattet.

1. Kapitel.

Ein stockfinsterer Abend war über Schloß Trampitz hereingebrochen und der dichte Landregen, der schon am Vormittag eingesetzt hatte, rieselte nur noch dichter und schwerer hernieder. In den riesigen, zum Teil schon ent­laubten Baumkronen im großen Schloßparks ächzte und stöhnte eS, als ob ein Heer intelligenter Lebewesen den Todeskampf führte. Es war der kalte Herbststurm, der da seine Orgien feierte. Ein Wetter war's, bei welchem sich sogar die Hofhunde des mächtigen Rittergutes in ihre Holzhäuser verkrochen.

Nicht ein einziges menschliches Lebewesen war mehr auf dem Hofe anwesend; denn es war bereits acht Uhr und draußen alles besorgt. Warm und gesättigt stand daS zahlreiche Vieh in den Ställen und warm und mol­lig saßen Arbeiter und Gesinde in ihren Stuben oder aber auch was Kutscher und Knechte anbelangte in den Stallkammern. Um so unheimlicher machten sich da auf dem Riesenhofe der gewaltige Sturm und sein Bundesgenosse, der prickelnde kalte Regen.

Da ein Lichtschein flammte plötzlich auf dem Hofe auf. Er war von der großen Freitreppe des Hofes ge­kommen und schwebte unsicher und flackernd an einem der Hundehäuser vorüber, den Pferdeställen zu. Der Trä­ger dieses umglasten, kämpfenden Lichtes war Johann, der alte, knöcherne Kammerdiener des Schloßherrn.

Nun war er eben an dem Kutschstalle, das war der Stall, in dem ausschließlich die Kutschpferde seines Herrn standen, angelangt. Ein kurzes Trommeln der Knochen- finger gegen die Tür und er ward von dem im Stall anwesenden Kutscher Friedrich, einem kleinen, schmächti­gen, aber hübschen, jungen Menschen von vierundzwan« tzig Jahren, eingelassen.

Machen Sie keinen Unsinn, Johann! Sie bringen mir sicher den Befehl, bei diesen: Hundewetter anzuspan- nen!" empfing der Kutscher drinnen den Diener, ehe der zu Worte gekommen.

Unsinn hin, Unsinn her," erwiderte unwillig und halb verletzt der alte, treue Diener,gewiß sollen Sie anspannen, Friedrich, und zwar sofort! Jetzt ist es acht Uhr, und in fünfzehn Minuten sind Sie vorgefahrenl Sie wissen es doch ebenso gut wie ich: der gnädige Herr Baron hat um neun Uhr Sitzung in der Stadt; die Her­ren Kreisdeputierten haben da eine wichtige private An­gelegenheit zu besprechen, und das läßt sich nicht um­gehen. Nein, davon hält sie auch das scheußlichste Hun­dewetter nicht ab, am allerwenigsten unsern gnädigen Herrn. Also vorwärts, Friedrichs in fünfzehn Minuten an der Freitreppe!"

Die Stalltüre, begünstigt noch vom Sturme, knallte und Johann war schon wieder draußen.

Alter Knochenfritze," murmelte Friedrich hinter ihm her,bei solchem Wetter kannst Du mir oft kommen mit solchem Befehl!"

Ein Seufzer entrang sich der Brust des jungen Man­nes. Er hatte wahrhaftig gehofft, sein Herr werde die sieben Kilometer lange Fahrt nach der Kreisstadt heute aufgeben. War das bei dem Wetter nicht wirklich purer Unsinn? Es ging ganz gewiß auch ohne den Herrn Ba­ron, und wo nicht, so hätte man doch vorher irgend eine Abmachung treffen können, etwa die, daß bei schlechtem Wetter die Sitzung heute gänzlich ausfallen und an einem anderen, günstigeren Abend stattzufinden habe. Er kannte solche Sitzungen schon zur Genüge: mehr als einmal hatte er die ganze Nacht im Stall des HotelsKronprinz" herumgelungert, und mehr als einmal war er, bis auf die Haut durchnäßt, mit schäumenden Pferden am grauen­den Morgen heimgekehrt. Aber da half alles nichts, er mußte anspannen, er war ja nur der Diener seines Herrn!

Er schritt zu einer kleinen Tür, die vom Pferdeftall aus direkt in seine Schlafsammer führte, öffnete sie und

rief in die Kammer hinein:Fritz, wir müssen anfpannen. Vorwärts, die großen Laternen angesteckt und die Re­mise geöffnet! Und die Wagenlaternen gleich angesteckt!"

Fritz, der Stalljunge, der es sich auf seinem Bette be­quem gemacht hatte, räkelte sich empor und ging, um dem Befehl seines Gebieters schnellstens nachzukommen.

Nun kam ein leises, schmeichelndes Pfeifen auS den Zähnen deS jungen Kutschers: er nahte sich den beiden feurigen, zur Fahrt bestimmten Rappen, ein sanftes Strei­cheln und Klopfen, ein paar geschickte Handgriffe und schon blinkten die Rosse im Schmucke ihres Geschirrs.

Da erschien der Stalljunge wieder, in der Hand die flackernde Laterne; er meldete die ausgeführten Befehle. Friedrich nahm nun die Pferde beim Kopf und führte sie in der Remise vor den geschlossenen Wagen, dessen tadelloser Lack im Schein der Laternen sich spiegelte.

Die letzten Handgriffe beim Anspannen vollbrachte der Stalljunge allein, währenddem sich Friedrich in seine Livree und dann in einen langen Regenmantel geworfen hatte.

Nun zog der Kutscher die Uhr.Acht Uhr dreizehn," murmelte er,also noch zwei Minuten Zeit." Und zum Stalljungen gewendet:Fritz, verschließe Du ordentlich die Remise, dann lösche die Laternen aus und lege Dich meinetwegen schlafen! Im Stall ist alles besorgt und auf meine Rückkehr brauchst Du nicht zu warten!"

Dann schwang sich Friedrich auf den Bock und ge­nau um acht Uhr fünfzehn Minuten stand er mit sei­nem Gespann vor der breiten Freitreppe.

Er brauchte nicht lange zu warten. Eine einzige Mi­nute später erschien die hohe Gestalt des Barons Egon von Paltzow, den großen, schwarzen Hut tief ins Gesicht gezogen und vollends eingehüllt in einen dunklen Man­tel.

Johann war der Hünengestalt voraufgeeilt, öffnete ehrerbietigst den Wagenschlag und half ihr beim Ein^