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Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 83. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt Telefon Nr. «3.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

-M 26. Samstag, den 29. März 1913. 64. Jahrgang.

Die im 64. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und v»rbreiteste Zeitung im Kreise Schlächtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung. . . . _

nT, Is ^ 1, _L._ _L.. ,,.. daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der W PP MyP I h I wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen

11 h | | I | hig Postabonnenten, welche bis spätestens 30. März unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen,

uuuuug ihnen unsere Zeitung vom 1. April ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreiche« Bestellungen auf das mit dem 1. April 1913 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

April 1913 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Amtliches.

Aufgebot.

Das auf den NamenLina Rosenbaum Emils Tochter zu Schlächtern" ausgestellte Haussparkassen- Einlagebuch unserer Kaffe Nr. 177, ist angeblich ver­loren gegangen.

Der etwaige Besitzer dieses Einlagebuchs wird hier­mit aufgefordert, seine vermeintlichen Ansprüche binnen drei Monaten bei uns geltend zu machen, widrigenfalls nach Ablauf dieser Frist das obige Sparbuch gelöscht wird und die Lina Rosenbaum ein neues Einlagebuch über das Guthaben erhält.

Schlüchtern, den 28. März 1913.

Die Direktion der Kreissparkasse: Pfalzgraf.

Die Einzahlung der Krankenversicherungs-Beiträge für die Zeit vom 30. Dezember 1912 bis zum 30. März 1913 wird hiermit in Erinnerung gebracht.

Spätestens vom 14. April d. J.s ab beginnt bie kostenpflichtige, zwangsweise Einziehung der dann noch bestehenden Rückstände.

Kreiskrankenkasse.

Au pair.

Unter diesem Titel hat die seit einigen Jahren in Paris wohnhafte deutsche Schriftstellerin Frau Marie Louise Becker, Witwe des Dichters Wolfgang Kirchbach, vor einiger Zeit in denMünchener Neuesten Nach­richten" nachstehende .Warnung an deutsche Mädchen vor unbedachter Annahme von sogenannten ,,Au pair"= Stellen in Paris veröffentlicht, bie ihre Bedeutung halber auch hier wiedergegeben sei.

Jahr für Jahr wächst das Heer der deutschen Mädchen stärker an, die nach Paris gehen, um sich in der Sprache zu vervollkommnen, unddie blonden Gretchen" aus Deutschland nehme, einen großen Platz ein in der dienenden Bevölkerwg von Paris. Jawohl, in der dienenden. *

Denn ein Mädchen, das von einer Familie fort um einen Broterwerb in eine Sellung geht, ist in

Verbotene Made.

Kriminalroman von Ott Viehofer. 13

O Herr Rat," wendete nun Kmmissar von Behlow ein,"der ist schon gestern abend irSchutze der Dunkel­heit verschwunden, denn festgestellrst ja, daß ersertdem fehlt." Und zum Oberinspektor:mt er denn Papiere gehabt, als Sie ihn einstellteu?"

Jawohl, Herr Kolumissar, feie Papiere waren in Ordnung."

Wie war der Kerl gebaut, waer groß und kräftig? Und trug er Hvlzschuhe?"

"Und nun sagen Sie uns nochins " fiel mit allen Zeichen höchster Spannung der Uursuchuugsnchter eur, hat der Davongelaufeue währeuirines kurzen Au ent- halts hier vielleicht schon einen kleen Streit gehabt nut dem Herrn Baron? Oder wo nicht,-aren Anzeichen vor­handen, daß er dem Herrn Baron rmgstens nicht wohl wollte? Es gibt doch Leute, die imer räsonnieren, die nie zufrieden find, und ganz besours unter den Po­len."

Das kann ich wirklich nicht sag, Herr Rat, zu Oh- reu gekommen ist mir nichts. UlDas wäre ja auch noch schöner in den drei Tagen!"

Wieder war es der Gärtner, Verehr wußte als sein Vorgesetzter, der Oberinspektor. Vongekommen war er gerade an den Herren und hatte nzieng deren Wor­ten gelauscht und da mußte es auhm heraus, was er wußte:Kleinen Streit? Gewiß, H-Obermspektor ha er mit dem seligen Herrn Baron en Streit gehabt. Gleich den zweiten Tag. Der Herr Wn sagte ihm vom erlogenster aus, er solle im ParÜeißiger feilt Das war alles, und darauf machte derJr Baron das Fen- ster wieder zu. Und der Pollack, was der ? fNun, was tat der?" fragte bertte^^

Paris gesellschaftlich deklasfiert. Besonders, wenn es in die Familie eintritt.

Es ist nun in Deutschland die Annahme verbreitet, daß es das bequemste Mittel sei, deutsche junge Damen in Parisstudieren" odersich vervollkommnen" zu lassen, indem man sie in eine Familie au pair, das heißt ohne Gehalt, gibt. Das erspart den Eltern selbst die Unterhaltungskosten, und gibt ihnen scheinbar die Sicherheit, die Tochter gut aufgehoben und gut behandelt zu wissen. Das verfluchte veraltete Spar- system bei der Erziehung von Mädchen spielt bei diesem leichtsinnigen Treiben der Eltern die Hauptrolle. Für einen Sohn, der diese oder jene Karriere ergreift, muß das da fein, und muß das zur Verfügung stehen, was er braucht, das Mädchen dagegen muß sich ein­richten.

Man gibt ihr das Reisegeld und vielleicht noch ein paar Hundert Mark, bis sie eine Stelle hat, hat sie zu leben. Aber sie müßte eben gerade Geld haben, wenn sie eine Stelle hat. Ihre paar Hundert Mark verrinnen in dem teuren Paris wie Butter in der Sonne. Die Stellen sind auch nicht immer so da, wie ^man will. Im Sommer bis lief in den Herbst hinein tftt»te-^UU^-a«A-,;iif Stunden - ist bis tief in den Januar hinein nicht zu rechnen. Bekommt sie schließlich eine au xair-Stellung, so zeigt man ihr ein hübsches Zimmer und sichert ihr für ihre Studien und andere Unterrichtsstunden freie Zeit zu. Das Leben ist teuer in Paris, da wird die freie Wohnung, das Esfen und Trinken ungeheuer -bewertet.

Wenigstens den Ausländern gegenüber. Eine Fran­zösin würde nie eine au pair-Stelle annehmen, oder dort etwas tun. Jede Französin läßt sich ihre Arbeit, wie immer sie sei, so hoch wie möglich bezahlen und blickt verächtlich auf die Deutsche, die ohne Lohn arbeitet.

Denn arbeiten muß sie!

Au pair ist ein weiter Begriff, und in Bürger­familien, * in denen es einigermaßen knapp hergeht, spart man am Essen, um den Aufwand nach außen und die Mitgift der Töchter zu bestreiten. Familien

ungeduldig, als ihm die Pause des Gärtners zu lange dauerte.

Na, er schimpfte schimpfte in einem fort, bis ich ihm das verbot."

Hat denn der Herr Baron davon gar nichts gehört?" Nee, woll «ich."

Nun, meine Herren, da haben wir wahrhaftig den zweifachen Mörder, den Mörder des Barons und seines Kutschers!" stieß der Untersuchungsrichter miteinem Male hervor.Das heißt," verbesserte er sich sofort,wir haben ihn leider noch nicht in unseren Fängen, aber der ist der Doppelmörder! Beweis: große Holzschuhe, wie sie die Abdrücke dort auf der Straße aufwiesen, und das plötz­liche, sonst gänzlich unmotivierte Verschwinden nach der grauenvollen Tat hier, unter Zurücklassung seines Arbeits­lohnes. Und das Motiv zur Tat? Rachsucht! Denn rach­süchtig sind die Polen. Und der Kutscher mußte eben dran glauben, weil er zum Verräter werden konnte!"

Jawohl, Herr Rat, jawohl," pflichteten sämtliche Be­amten dem Untersuchungsrichter bei.

Nun denn, meine Herren, auf die Jagd, befahl er, nachdem die Beamten das genaue Signalement sowie das Nationale des zu Verfolgenden vom Oberinspektor sich hatten geben lassen.Aber bedenken Sie, ich muß noch heute abend fort!" mahnte er noch.

Und nun ging es mit Fango zuerst in die Schlafkam­mer des Polen. Leider hatte der nicht das geringste zurück- getassen, woran der Hund hätte Witterung nehmen kön­nen. Und die Atmosphäre des Raumes allein genügte dazu nicht, denn die war mit dem Duft der Rüben ge­schwängert.

Eingesperrt mußte der Hund also wieder werden, und seine Herren die Verfolgung allein aufnehmen.

Können Sie nn§ vielleicht ein paar Fahrräder zur Verfügung stellen, Herr Oberinspektor?" fragte Kriminal­kommissär von Behlow Cisele.

in guten, soliden Verhältnissen nehmen keine au pair« Stützen, sondern gut bezahlte Kräfte. Es gibt natürlich in Paris eine Reihe sehr guter Stellen, obgleich das junge deutsche Mädchen fast nie Familienanschluß im deutschen Sinne findet. Die französische Familie ist so streng in sich geschlossen, daß jede Fremde nur .immer die Angestellte bleibt, und Sentimentalitäten dort unangebracht sind.

Aber gerade die Familien, die sparen wollen, deren Geld nicht für den Aufwand reicht, den sie machen, die nehmen die Ausländerin, das au pair-Fräulein.

Wenn sie ein bis zwei Wochen da ist, und sich wohl und geborgen fühlt, wird,zufällig" das Dienst­mädchen entlassen und Fräulein muß vorübergehend alle Arbeiten tun. Dabei bleibt es denn, wenn das junge Mädchen nicht die Mittel hat, fortzugehen, oder mit einer Kündigung zu drohen. Die geprüfte Er­zieherin hat Teller zu waschen, Zimmer zu reinigen, Stiefel zu putzen und man hält sie in Schach damit, daß man ihr droht,keine Empfehlung" zu geben.

Denn die Empfehlung ist in Paris alles, das deutsche Zeugnis nichts.

Auch ihr Zimmer muß sie einer durchreisenden Tante oder einem heimkehrenden Sohn geben, und oben in den sechsten Stock ziehen, wo die Dienstmädchen des Hauses mit ihren Liebhabern nächtliche Orgien feiern.

Dienstmädchen sind sehr teuer in Paris und stellen große Ansprüche. Da ist das deutsche Fräulein viel billiger; sie muß mit allem zufrieden sein, was man ihr gönnt und kann außerdem noch als Gesellschafterin die Töchter begleiten. Denn kein heiratsfähiges junges Mädchen, selbst der mittleren Bürgerfamilien, geht in Paris ohne Begleitung aus.

Dann aber ist sie in einem neuen Konflikt: sie soll die Töchter behüten, und die Tochter hat ihre kleinen Geheimnisse und Rendezvous und wird viel eher die Lehrmeister!» des deutschen Gretchens.

Die Heime tun, was sie können, aber das meiste erfahren sie gar nicht, und die Spur von Tausenden verliert sich in den Tiefen von Paris. Wie manche

Jawohl, Herr Kommissar, selbstverständlich l Wie« viel denn?"

Drei, eins für mich und zwei für die beiden Schutz» leute."

Schön."

Oberinspektor Eisele rief drei Knechte herbei, von denen er wußte, daß sie Fahrräder besaßen:Holt mal schnell Eure Räder her und gebt sie für die drei Herren da! Wenn was kaput geht, das wird Euch bezahlt."

In ein paar Minuten waren die Räder zur Stelle und wie die Windspiele sausten die drei Kriminalbeamten davon, auf der Straße jeder eine andere Richtung ein* schlagend.

Im selben Moment erschien auch der Gendarm auf dem Hose. Schnell ward er vom Untersuchungsrichter instruiert, und auch er flog mit seinem Rade von ban­nen.

Oberinspektor Eisele aber hatte schnell zwei Pferd« satteln lassen und stob nun mit dem Amtsvorsteher eben­falls davon. Denn während die Kriminalbeamten und der Gendarm auf den offenen Straßen und in den Dör­fern forschten, wollten sie beide querfeldein reiten und die Strohschober und dergleichen absuchen. Es war ja möglich, daß der Täter sich da vorläufig verborgen hielt.

Untersuchungsrichter und Protokollführer aber hatten sich währenddem auf ein Parterrezimmer des Schlosses zurückgezogen, um die grausigen Vorgänge zu protokol­lieren.

7. Kapitel.

Pferdehufe klapperten, und leicht und federnd kam ein eleganter Wagen auf den Schloßhof gefahren, dem zwei Herren entstiegen.

Untersuchungsrichter Schwerdtmann sah zum Fen­ster hinaus, und dann eilte er nach dem Hof.

Geheimer Sanitätsrat Doktor Striebel, Königliche» Kreisarzt und hier mein Gehilfe, Herr Doktor Dan- nenberg," mürbe ihm da porgestellt, 197,18*