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Zchluchterner Zeitung

mit amtlichem Areisblatt. Alönatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

Samstag, den 36. April 1913.

64. Jahrgang.

Amtliches.

Krels'Biehverstcherungs Anstatt

Nach Prüfung der vorläufigen Abschlußergebnisse für das Rechnungsjahr 19127, 12-31/3 13 ist zur Deckung der Ausgaben die Erhebung folgender Prämien für das zweite Halbjahr erforderlich:

I. Rindviehversicherung: 60 Pfennig (anstatt 70 Pfennig in den letzten Jahren) von 100 Mark Ver­sicherungssumme.

II. Pferdeversicherung: 1 Mark von 100 Mark für Pferde, welche nur im Landwirtschaftsbetrieb ver­wendet werden und P/e Mark von 100 Mark für Pferde der Gewerbetreibenden, Beamten, und solcher Landwirte, die nebenbei noch Lohnfuhren leisten (wie bisher.)

Die Einzahlung und Ablieferung der Prämien an die Kreiskommunalkaffe dahier muß bis spätestens zum 17. Mai d. Js. bewirkt sein

Die Herren Bürgermeister wollen diese Bekannt­machung den Herren Ortsvertrelern zur Kenntnis vor­legen lassen und dieselben in den örtlichen Geschäften im Interesse der Viehbesitzer tunlichst unterstützen, denn nur durch die kostenfreie Verwaltung der Anstalt und durch die dankenswerte Mitarbeit der Ortsvertreter usw. kann die Anstalt mit so geringen Prämien ihre wohltätigen Aufgaben erfüllen.

Schlächtern, den 24. April 1913.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Valentiner.

Deutsches Reich.

Der Kaiser besuchte am Mittwoch von Hom- burg aus Gießen und besichtigte dort das Infanterie­regiment Nr. 116. Gießen war festlich geschmückt, der Kaiser kam um die Mittagsstunde in der Kaserne an und begrüßte den Großherzog. Nach dem Abschreiten der Front fand der Parademarsch statt, an welchem sich auch die Gießener Jungwehr unter ihrem Führer Rechts­anwalt Kaufmann beteiligte. Diesem sprach der Kaiser seine Freude darüber aus, daß die Jugend aller Stände hier in Reih und Glied steht. Dann begab sich der Kaiser im Automobil nach Wetzlar und besichtigte den dortigen Dom. Von dort aus erfolgte die Rückfahrt nach der Saalburg und Bad Homburg. Der Kaiser reiste am Donnerstag früh um 8 Uhr 15 Min. nach Metz.

Am 26. d. M. begeht Generalfeldmarschall Graf von Häseler im Alter von 78 Jahren sein 60jähriges Militärdienstjubiläum.

An der gemeinsamen Huldigung der deutschen Städte zum Regierungsjubiläum des Kaisers, die auf Anregung der Vorstandschaft des bayrischen Städte-

Verbotene Ufade.

Kriminalroman von Otto Viehofer.

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Hei, wie das nun packte und knackte, klatschte und dumpf krachte!

Ach Gott, ach Gott, Hilfe, Hilfe!" schrie Liesellaut auf, die mit ihrer Laterne bis zum Pferdestalt zurückge­

wichen war. ,

Hilfe, zu Hilfe!" kreischten im Hintergründe Schank- wirtin und die anderen Mägde. ,

Und da vier dunkle Gestalten flogen zur Seite, Windmühlenflügeln getroffen wor- ' ' 'irrwarr: Wen-

als waren sie von Windmühlenflügeln gi den. Nur zwei standen aufrecht in dem Wu zel Koczmierski und sein Freund.

Die Kriminalpolizei ist hier, wehe, wer sich wehrt! Vorwärts Leute, faßt sie, faßt sie beide!" donnerte Spie- gel wieder und stürzte sich von neuem auf den $olen.

Und wieder fuhren Arme hoch und nieder: puff, krach, klatsch, hin und her schössen die dunklen Gestalten, wälzte sich der Knäuel.

Ich schieße, ich bin Polizeibeamter; laß mich los, Hallunke verdammter, oder ich schieße!" kam s plötzlich in gurgelndem Ton von dem Geheimpolizisten.

Wicht elender, schieß nur, schieß, Deine Polizeikehle drick ick Dir zu!" höhnte der Riese. ., .

Da ein Blitz, ein Knall, daß die Stallwande wl- derhallten

Herzzerbrechende Aufschreie aus Frauenbrust.Und noch­mals : Blitz, Knall da, da lagen die zwei, der Pole und dessen Freund, der Berliner Riese.

Licht her, Liesel!" keuchte der Geheimpolizist.

Und die Liesel fam herbeigestürzt und die dicke Schankivirtiu mit den anderen Mägden auch:Ach Wolt,

ach Gott, wer is bot wer?" . ,

. Und diesen bangen Fragen folgten etn paar Seufzer Seufzer der Erleichterung: Nein, er war mch bot, der Hwrrige Schenkwirt, und anK Franz »vars Nicht, der

tags vom deutschen Städietag veranstaltet wird, be­teiligen sich sämtliche unmittelbaren Städte des König­reichs Bayern. Der Gesamtwert der Stiftungen, die sie aus diesem Anlaß errichtet haben, beträgt rund 1650000 Mk. Alle Stiftungen mit Ausnahme von zweien diene» der Fürsorge für bedürftige Veteranen.

Der Reichstag setzte am letzten Sonnabend die zweite Lesung des Etats der Heeresverwaltung fort. Der Fall Krupp wurde von Rednern der verschiedensten Parteien erörtert; es herrschte überwiegend die Ansicht, daß zunächst das Ergebnis der Untersuchung abgewartet werden müsse, dann aber nötigenfalls die äußersten Konsequenzen zu ziehen seien. Der Kriegsminister trat dieser Ansicht durchaus bei und stellte baldige weitere Auskünfte über die Angelegenheit in Aussicht. In der Debatte wurde weiterhin besonders behandelt die Kon­kurrenz der Militärkapellen gegenüber den Zivilmusikern. Am Montag brachten namentlich sozialdemokratische Abgeordnete eine Fülle einzelner Wünsche, Beschwerden und Beanstandungen zum Militäretat vor, auf die der Kriegsminister von Heeringen und verschiedene Generäle die nötigen Aufklärungen gaben.

Das preußische Abgeordnetenhaus verabschiedete am vergangenen Sonnabend den Gesetzentwurf über die Aenderung der Landesgrenze gegen das Herzogtum Anhalt und trat dann ein in die zweite Lesung des Gesetzentwurfs über die Elktrisierung der Berliner Stadt- und Ringbahnen. Entgegen dem Kommisions- antrage und den Ausführungen des Ministers der öffentlichen Arbeiten von Breitenbach machte Abg. von Pappenheim namens der Mehrheit der Konservativen aus rein technischen und wirtschaftlichen Gründen schwere Bedenken gegen die Vorlage geltend. Lebhaft erörtert wurde im einzelnen die Möglichkeit, den Zweckverband Groß-Berlin zu den Kosten heranzuziehen, und eine etwaige Erhöhung der Fahrpreise. Am Montag beendete das Haus die Debatte über die Elektrisierung der Berliner Stadt, Ring- und Vorortbahnen, nachdem noch eine Reihe von Gegnern und Freunden der Elektrisierung zum Wort gekommen war. Der Minister der öffentlichen Arbeiten von Breitenbach sprach sich nochmals für die Vorlage aus; die Abstimmung wurde vertagt. Es folgte dann die Lesung mehrerer kleinerer Gesetzentwüffe.

Die Verlobung König Manuels mit einer Hohenzollernpriuzessin wird aus Sigmaringen gemeldet. Am Sonntag abend wurde dort mit Genehmigung des Kaisers und des Fürsten von Hohenzollern die Ver­lobung der am 19. August 1890 zu Potsdam geborenen Prinzessin Auguste Viktoria von Hohenzollern mit dem früheren König Manuel von Portugal, der zurzeit zum Besuch in Sigmaringen weilt, verkündet. Die Braut

Schatz der Liesel. Und der andere Knecht auch nicht und auch nicht der Herr Geheimpolizist. Gott sei gelobt und gedankt, der der Doppelmörder lag da und sein Ge­fährte. Hervor quoll aus den Lumpen das rote Blut, und in den mistigen Hof rieselte es. Eja, gut mars, daß

die es büßten.

Spiegel hatte der Magd die Laterne entrissen und beugte sich nun, von den erhaltenen Hieben vor Schmerz stöhnend, über die beidenOpfer. Gott sei Dank, erhalte getroffen, wohin er wollte: beide Schüsse saßen im Ober­schenkel; allerdings ein bißchen hoch, wie es schien, aber das schadete nichts, wenigstens hatte er das Leben der beiden geschont. Ein guter Verband würde das Blut so­fort zum Stillstand bringen.

Gerade als der Geheim

wieder aufrichtete,

erschollen auf dem Hofe fremde

_______________ ännerstimmen, und das Licht mehrerer ßaternen zitterte daher. Die Bauern und Knechte der Nachbarschaft waren es. Sie hatten das Hilfe­geschrei und die Schüsse gehört, und waren nun, be- ivaffnet mit Knütteln und Mistgabeln, gekommen, um Hilfe zu bringen. Aber wie waren sie erstaunt, als sie die beiden Wanderburschen schon in ihrem Blute liegen sahen. Offenen Mundes und mit aufgerissenen Augen ließen sie sich durch ein paar Worte berichten, worum es sich handelte. .

Fassen Sie bitte an, meine Herren," bat Spiegel deuSchenkwirt und dessen Knechte,wir wollen die bei­den in den Pferdestall tragen und sie dort verbinden.' Und dann zur Schenkwirtin:Und Sie, Frau Wirtin, schaffen schleunigst saubere Verbandsstoffe heran

Sofort verschwand die Bäuerin mit ihren Magden, aber der Schenkwirt und dessen Knechte zeigten keine Lust, der Bitte Spiegels zu willfahren. Fluchend stan­den sie da unb hielten sich die schmerzenden Stellen auf die die Fäuste der am Boden Liegenden herniedergesaust

"°", ok uoch verbinne?" knirschte der Schenkwirt.

Dotschla'n m

ist ein Patenkind der Kaiserin und die einzige Tochter des Fürsten Wilhelm von Hohenzollern und seiner 1909 verstorbenen Gemahlin Maria Theresia, geb. Prinzessin von Bourbon-Sizilien. König Manuel wurde am 15. November 1889 als zweiter Sohn König Carlos I. von Portugal und seiner Gemahlin Amalie, geb. Prin­zessin von Frankreich aus dem Hause Bourbon-Orleans geboren. Er bestieg den portugiesischen Thron am 3. Februar 1908, nach der Ermordung seines Vaters sowie seines älteren Bruders. Am 5. Oktober 1910 ging er nach einer Revolution des Thrones verlustig und verließ Portugal. Seit der Zeit hatte König Manuel fast dauernd seinen Aufenthalt in England. Die Prinzessin Braut wird staatsrechtlich den Titel einer Herzogin zu Sachsen" mit dem Prädikat Königliche Hoheit erhalten.

Eine Auszeichnung für den Herzog von Cumber- land wird soeben amtlich bekanntgegeben. Wie der Reichsanzeiger" mitteilt, ist dem Herzog von Cumber- land, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg vom Kaiser der Schwarze Adlerorden verliehen worden. Sicherem Vernehmen nach steht es übrigens nunmehr fest, daß der Herzog von Cumberland mit der Herzogin und Prinzessin Olga an der auf den 24. Mai festge­setzten Vermählung seines Sohnes mit der Prizessin Viktoria Luise von Preußen teilnehmen werden.

Eine Abwanderung deutschen Kapitals wegen der kommenden neuen Steuern glaubt dieKölnische Zeitung" seststellen zu können. Sie schreibt: Zuver­lässigen Nachrichten zufolge hat das Abströmen deutschen Kapitals nach der Schweiz in der letzten Zeit einen ungewöhnlichen Umfang angenommen. Zum Teil ist diese Abwanderung von Kapital, worunter sich anch nicht unbeträchtliche Mengen baren Goldes befinden, auf die bisherige unbehagliche internationale Lage zu- rückzuführen, vor der man in der neutralen Schweiz Zuflucht suchte. Zu einem sehr erheblichen Teil wirkt dabei aber auch die in Aussicht stehende Vermögens­abgabe für Heereszwecke ganz offensichtlich mit.

Der deutsche Botschafter in London Fürst Lichnowsky brächte bei dem Jahresfestessen der Deutschen Wohltätigkeitsgesellschaft den Trinkspruch auf den König von England aus und erwähnte, daß der König dem­nächst Gast des deutschen Kaisers sein werde. Er be­tonte den familiären Charakter des Besuchs, der aber dennoch ein Beweis inniger Beziehungen zwischen den Höfen sei, die in den vertrauensvollen Beziehungen beider Reiche ein vollwertiges Gegenstück fänden. Der Botschafter toastete sodann auf den deutschen Kaiser und sagte, er dürfe die Hoffnung aussprechen, daß

herzugelaufenen Bauern und Knechte pflichteten ihm voll­kommen bei.

Endlich, endlich war es der Ueberredungskunst Spie­gels gelungen und nun lagen die beiden Verwundeten schon auf weichem, sauberen Haferstroh im Pferdestall, während die benachbarten Bauern mit ihren Knechten schon wieder heimgegangen waren. Und da langte auch die Wirtin an mit lauwarmem Wasser und schneeigem Linnen.

Als sie gleich wieder gegangen, griff der Geheimpo­lizist sachgemäß gu, und kaum war eine halbe Stunde verstrichen, da lagen die beiden Verwundeten in tadel­losen Verbänden.

Hatte sich Spiegel schon während des Kampfes ge­wundert, daß der Pole nicht geschossen, so war er jetzt vollends perplex, denn bei dem Betastendes Polen, wäh­rend des Verbindens, hatte er die Wahrnehmung ma­chen müssen, daß er einen Revolver überhaupt nicht bei sich trug. Ja, wo hatte er denn den Revolver, mit bent er die Tat auf Schloß Trampitz begangen, gelassen? Etwa unterwegs fortgeworfen, oder barg ihn vielleicht das Bündel?

Schnell schritt der Geheimpolizist zum Futterkasten

und öffnete das Bündel.

Nein, er war auch nicht im Bündel, der Revolver. Nur die großen Holzschuhe, ein Paar leichter Pantinen und ein paar alte Kleidungsstücke fand er da vor. Also war der Pole wirklich so gerissen gewesen und hatte sich des Revolvers unterwegs entledigt. Nun, die Hauptsache, war, dieHolzschuhe waren vorhanden. 197,18

Er band das Bündel wieder zu, unb dann ging er: daran, nachzusehen, welchen körperlichen schaden er und seine Mitkämpfer beim Kampfe erlitten hatten.

Nein, sie hatten alle keine schweren Verletzungen da- vongetragen, am allerwenigsten im Gesicht, was nur ihrer Gewandtheit zuzuschreiben war. NurBeulen waren'S am Kopfe, und blutunterlaufene Stellen unter den Kitteln, Her^