mit amtlichem Areisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. «5. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt Telefon Nr. «8.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.
«M 34 Samstag, den 5. Juli 1913. 64. Jahrgang.
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finden in der Schlüchteraer
Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.
Deutsche» Reich.
— Der Reichstag setzte am Sonnabend nach Genehmigung einiger kleinerer Vorlagen die Beratung der Heeresvorlagen fort. Bei der dritten Lesung der Wehrvorlage bot den sozialdemokratischen Abgeordneten Scheidemann ein anscheinend hartes Kriegsgerichtsurteil in Erfurt willkommenen Anlaß, gegen Militarismus und Wehrvorlage in so maßloser, wüster Weise loszuschimpfen, daß er mehrmals zur Ordnung gerufen werden mußte. Gegen diese unerhörten Angriffe und Beleidigungen nahm in würdiger, vornehmer und entschiedener Rede der Reichskanzler Heer und Volk in Schutz und brandmarkte scharf die unfruchtbare, zersetzende Kritik der Sozialdemokraten, denen es um eine Besserung der Verhältnisse gar nicht zu tun sei. Ein nationalliberaler Antrag, die in zweiter Lesung gestrichenen drei Kavallerieregimenter wiederherzustellen, wurde vom Kriegsminister und von konservativer Cüte energisch befürwortet. In einer längeren, lebhaften Erörterung des Erfurter Urteils erklärte der Kriegsminister, erst nach Akteneinsicht Ausschlüsse geben zu können; er warnte eindringlich davor, den gestellten sozialdemokratischen Antrag auf Reform des Militär- strcffrechts zu überstürzen. Der Antrag wurde schließlich vertagt. In dritter Lesung erledigt wurden der einmalige Wehrbeitrag und das Reichsstempelgesetz.— Am Montag wurde ein Kompromißantrog auf Aenderung des Militärstrafgesetzbuches (anstelle des soziademokrati schen) in allen drei Lesungen angenommen, nachdem der Reichskanzler seine persönliche Befürwortung in Aussicht gestellt hatte. Die Abstimmungen zur Wehrvorlage ergaben bereit restlose Annahme, auch die bisher gestrichenen drei Kavallerieregimenter wurden unter großem Jubel des Hauses zur Freude der Regierungsvertreter bewilligt. Ebenso wurde in dritter Lesung das Finanzgesetz mit mehreren Kompromißanträgen angenommen. Bei der dritten Lesung
Meröotene Ffade.
Kriminalroman von Otto Viehofer. 45
Und mit einem Male war sie draußen im Hofe: „Vater, Vater, tomm nur schnell herein, unser — unser Herr will heute fortreisen!"
Die vom Abwaschen noch feuchten Hände über den starken Leib gefaltet, stand Frau Kohlmann schon wieder vor dem Detektiv, und im selben Moment tauchte auch bereits ihr Ehegespons auf. die Augen groß aufge- rissen und die Arme schlaff herabhängend: „Jst's wahr, Herr Küster, was ich da eben von meiner Alten gehört habe? Ist's wahr, ist's wahr, Sie wollen fort von uns, heute —noch heute?"
»Ja, Herr Kohlmann, leider, leider ist's wahr. Ein Telegramm habe ich soeben erhalten — dringende ®e= schiffte find's, die mich unerwartet wieder heimrufen. Ja sa, auch ein Rentier ist nicht ganz ohne Geschäfte — ohne Sorgen I"
„Oder — ober haben wir Sie nicht — vielleicht nicht aufgepaßt, so wie's sich gehörte, Herr Küster?" zweifelte der Alte, und während seiner Worte trippelte Frau Kohlmann wieder umher, als machte sie sich innerlich schon die schwersten Vorwürfe.
„Um Gottes willen, Herr Kohlmann — Frau Kohl- wann, was denken Sie denn," beschwichtigte der Detektiv, dem das Gebühren der alten Frau nicht entgangen war — um Gottes willen, was denken Sie denn von mir? Großartig haben Sie nrich ausgenommen, und großartig hat'« mir auch gefallen bei Ihnen. Und selbst wenn dem nicht so gewesen wäre, so würde ich Sie trotzdem nicht so plötzlich verlassen. Nein, nein, so schlecht bin ich nicht, mein Herz flitzt immer noch auf dem rechten Fleck.
Das hatte die beiden Leutchen vollständig zufrieden- gestellt, und war ihr Eifer vorhin mehr von der Angst getrieben worden, so betätigte er sich jetzt in freudig-weh- Mütiger Weise. FrM Kohlmann trockneyschuell ihre^,
3 Besitzsteuergesetzes legte Graf Westarp nochmals e Gründe für die ablehnende Haltung der Konser- ativen dar. Zur Frage der Steuerpflicht der Fürsten erhob der Reichskanzler warnend die Stimme mit dem Erfolge, daß in der Abstimmung diese Steuer- pflicht tatsächlich gestrichen wurde. Im übrigen nahm das Haus sämtliche Deckungsvorlagen an. Da hiermit die Tagesordnung erschöpft war, kündigte der Präsident mit einem kurzen Rückblick auf den letzten Sitzungsabschnitt den Schluß der Tagung an, worauf nach dem üblichen Dank an den gesamten Vorstand des Reichstages der Reichkanzler dem ganzen Hause seine Anerkennung aussprach für die geleistete Arbeit zur Stärkung unserer Wehrkraft und zur Sicherung des Friedens. Nachdem der Reichskanzler die kaiserliche Verordnung verlesen hatte, durch die der Reichstag bis zum 20. November vertagt wird, schloß der Präsident den Reichstag mit einem dreimaligen, begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser.
— Der Tod des Grafen Kanitz-Podangen hat der konservativen Partei sowie der gesamten deutschen Landwirtschaft einen schweren Verlust zugefügt. Hans Graf von Kanitz war am 17. April 1841 in Nednicken geboren, besuchte das Gymnasium zu Roßleben und studierte in den Jahren 1859 bis 1862 in Berlin und Heidelberg die Rechts»und Staatswiffenschasten. Er trat in die Verwaltung ein und stand von 1869 bis 1877 als Landrat an der Spitze des Kreises Sprottau, um sich dann ganz der Landwirtschaft zu- zuwenden. Als Reserveoffizier hat er in den Feldzügen von 1866 und 1870/71 für seinen König und für Deutschlands Einheit gefochten. Sein aus- । gesprochener politischer Sinn wies ihn früh in die parlamentarische Arena; bereits in den Jahren 1868 bis 1870 war er Mitglied des Norddeutschen Reichstages. 1886 trat er als Vertreter des Wahlkreises Pr. Holland-Mohrungen in das preußische Abgeordnetenhaus ein. 1889 als Vertreter des Wahlkreises Ragnit- Pillkallen auch in den Druschen Reichstag. Beiden Parlamenten hat er seither ununterbrochen angehört. Er zählte nicht nur zu unseren ältesten, sondern zugleich zu den hervorragenden Parlamentariern, die seit Jahrzenten, eine dauerde Erscheinng unseres parlamentarischen Lebens waren.
— Der Ausschuß der deutsch-hannoverschen Partei hat in einer besonderen Sitzung zu dem jetzigen Stande der Welfenfrage einen Beschluß dahingehend gefaßt, daß kein Verzicht des Herzog und des Prinzen Ernst August von Cumberland auf die hannoverschen Rechtsansprüche weder direkt noch indirekt vorliege. Es besteht demnach keinerlei Anlaß, eine Aenderung, des Verhaltens der Partei bei ihrer politischen Betätigung
stgen, harten Hände, schlug die aufgekrempten Aermel wieder herunter und band sich eine reine Schürze vor.
„Na, denn — denn ist man gut, Herrchen," sagte sie dabei, „wenn wir nicht schuld sind an Ihre plötzliche Abreise! Und womit kann ich Sie denn nu am ersten dienen, Herre?"
„Vorläufig mit gar nichts, Frauchen," erwiderte der Detektiv. „Es ist immerhin möglich, daß die Frau Baronin mir keinen Wagen stellt, und dann muß ich sofort aufbrechen, um doch noch zu Fuß den Weg zum Bahnhof zurückzulegen. Andernfalls aber habe ich noch Zeit, und dann bitte ich Sie selbstverständlich noch ums Mittagsbrot, und zwar Punkt elf Uhr."
Herr Kohlmann, der inzwischen ins offenstehende Privatzimmer verschwunden war, mußte die Worte des Detektivs gehört haben, denn er kam nun, angetan mit seiner Sonntagsjacke, herbeigeeilt und sagte wichtig: „Die Frau Baronin, eija, die wird dem Herrn schon einen Wagen geben. Ja, das wird sie schon, denn eine gute Frau ist die ja immer noch, wenn auch die Dienstboten zuletzt sie schwer geärgert haben."
Der Detektiv empfahl sich einstweilen, und dann be- gab er sich eilends wieder auf sein Zimmer.
Der Spiegel mußte da zunächst noch einmal herhalten: ganz akkurat sollte alles sitzen an „Onkel Küster", Perücke, Brille, Bart und Gummibauch. Ha, die Baronin sollte schmählich irre geführt werden. Jedes Mißtrauen sollte ihr dadurch genommen werden, daß er, der vermeintliche Spion, frei und frank nun doch ihr Schloß betrat, daß er Knall und Fall abreiste, ja, sie sogar noch um einen Wagen bat, um zur Bahn zu kommen. Nein, einem wirklichen Spion würde das jetzt gar nicht einfallen — jetzt nachdem er hier schon stark hineingerochen haben mußte in die Verhältnisse. Nur ein echter, harmloser „Onkel Küster" konnte so etwas tun. Aber nicht selber würde die Baronin sich sehen lassen vor ihm, sie würde sich beleidigt stellen darüber, daß er am Tage seiner Ankunft hier es ablehnte, unter ihrem Dache Woh
vorzunehmen. Die Partei sei eine Rechtspartei, sie werde daher solange bestehen, bis ihr lediglich auf der Grundlage von Gesetz und Verfassung erstrebtes Ziel erreicht ist. Die Partei hoffe, daß die Erkenntnis ihrer Bestrebungen zu dem von ihr bestrebten und noch nicht geschlossen endlichen Frieden führen wird, zum Segen des gesamten deutschen Vaterlandes. — Trotz aller bisherigen halbamtlichen Erklärungen verharrt also die Welfenpartei auf ihrem Standpunkte.
— Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" berichtet: An freiwilligen Beiträgen zu den Kosten der Heeresverwaltung sind von der deutschen Kolonie in Antwerpen im ganzen 350 811,31 Mk. bei der Reichs- Hauptkasse eingegangen.
— Die Tagegelder für Schöffen und Geschworene sind vom Bundesrat nach Verabschiedung des Entwurfes durch den Reichstag auf 20 Mark festgesetzt worden. Die gleichen Sätze sollen für Sachverständige bei Gericht festgesetzt werden.
Ausland.
— Dec Ausbruch des neuen Balkankrieges ist nun doch in letzter Stunde noch erfolgt. Schon glaubte man an einen baldigen Beginn der Verhandlungen in Petersburg, da hat anscheinend die hochgradige Erregung im bulgarischen wie serbischen und griechischen Lager alle künstlichen Dämme zerrissen. An mehreren Punkten in Mazedonien haben Kämpfe in großem begonnen. Es handelt sich um Engagements größerer Truppenkörper. Die serbischen Angriffe erstreckten sich auf die bulgarischen Stellungen in dem Defilä des Vardar-Knics zwischen den Eisenbahnstationen Krivolak, Demirkapu und der Haltestelle Udovo. Diese Kämpfe gestalteten sich äußerst blutig. Auf beiden Seiten kämpften reguläre Truppen. Die bulgarische Armee hat einen allgemeinen Angriff gegen die griechischen und serbischen Streitkräfte begonnen. In der durch die Serben besetzten Region hat sie die durch das Protokoll festgesetzte Grenzlinie überschritten und ist gegen Nezikoos, Bogdautza und Gewgheli vorgerückt. In zuständigen Kreisen wird erklärt, daß der bulgarische Angriff gegen die griechisch-serbische Front lange vorbereitet worden sei. Die griechische Regierung hat alle notwendigen Maßregeln getroffen, um die Sicherheit des eroberten Landes aufrechtzuerhalten. Eine amtliche Nachricht über eine Kriegserklärung Bulgariens liegt nicht vor.
— Die französisch-spanische Annäherung wird von den maßgebenden Kreisen anscheinend eifrig gepflegt. Bei einem Bankett, das vom republikanischen Handelsund Jndustrieverein zu Ehren der in Paris eingetroffenen
nung zu nehmen. Hingegen würde sie ihm den Wagen stellen, — aus lauter Pietät dem ermordeten Friedrich gegenüber. Nein, dem echten, rechten, harmlosen und einzigen Anverwandten desjenigen, der im Dienste seines Herrn sein Leben gelassen, würde sie diese Bitte nicht versagen, wiewohl er sich ihr gegenüber auch unhöflich gezeigt hatte. „Für seinen Herrn ließ er sein Leben. — Treue wird belohnt — Auf Erden und dort oben!" —
Nicht ganz so schmerzgebeugt wie zu Anfang, schritt Onkel Küster dem Schlosse zu. Offen fand er da das große Tor, ein prächtiger Jagdhund lief ihm entgegen, ein paar Leute reckten neugierig ihre Hälse.
Allein er kümmerte sich weder um den Hund noch um die Leute, er stapfte gemessen die Freitreppe empor und zog an der elektrischen Klingel.
Der Diener war erschienen: „Sie wünschen, mein Herr?"
„Hier ist meine Karte, bitte, melden Sie mich der Frau Baronin!"
Der Detektiv hatte, gleichwie am ersten Tage bei der Begegnung mit dem Diener, seine Stimme zu einem tiefen Baß herabgedrückt, und obgleich jener ihn zum zweiten Male auf dem Kirchhof gesehen hatte, schien der ihre jetzt gar nicht zu kennen. 197,18*
„In welcher Angelegenheit darf ich den Herrn der Frau Baronin melden?" fragte er gewohnheitsmäßig.
„Ich bin der Onkel des verstorbenen Kutschers Friedrich, und ich reise heute wieder nach Brüssel zurück. Mein Zug fährt mittags um ein Uhr ab, und da ich mich heute nicht besonders wohl fühle, so bin ich gekommen, die Frau Baronin zu bitten, mir einen Wagen zu stellen nach dem Bahnhof; ich würde den gern bezahlen."
Nun hob der alte Diener den Kopf, und fein selbstbewußter Blick streifte Herrn „Oswald Küster, Rentier, Brüssel" — wie es auf der Visitenkarte so schön hieß. Aber nur sehr oberflächlich, er schien bereits mit seiner Marie am Genfer See zu weilen, der alte Johann,