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mit amtlichem Rreisblatt. , Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. SS. R)ochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «5.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

M 37.

Mittwoch, den 16. Juli 1913.

64, Jahrgang.

Amtliches.

Simmentaler Znchtgenosseuschaft.

Zum Verkauf stehen:

1. bei Johannes Gerlach in Elm zwei tragende Kühe.

2. bei Bürgermeister Rüster in Ahlersbach eine hochtragende Kalbin.

Bekanntmachung.

Im November d. Js. finden die Neuwahlen der Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder der Apotheker­kammer für die Provinz Hessen-Nassau für die Wahl­periode 1914/16 statt.

Die Liste der im Regierungsbezirk Cassel wohnhaften wahlberechtigten Apotheker liegt auf dem Königlichen Landratsamt in Schlüchtern in der Zeit vom 16. bis einschließlich 31. Juli d. Js. öffentlich aus.

Einwendungen gegen die Liste sind innerhalb 14 Tagen nach beendeter Auslegung bei dem Vorstände der Apothekerkammer in Cassel anzubringen.

Cassel, den 7. Juli 1913.

Der Vorstand der Apothekerkammer:

M a g e l l e, Königlicher Hofapotheker, Vorsitzender.

Reichs- und Landesfinanzen.

Das Kaiserliche Statistische Amt veröffentlicht eine Darstellung der Finanzen des Reichs und der deutschen Bundesstaaten. Die Ausgaben, die Einnahmen, die wichtigeren Bestandteile der Staatsvermögen sowie die Schulden werden behandelt. Die Nachweise beziehen sich durchweg für die Voranschläge auf das Rechnungs­jahr 1912, für die Staatsrechnungen auf das Jahr 1910.

Insgesamt betragen die Staatsausgaben nach den Voranschlägen der Bundesstaaten 6460 Millionen Mk. (darunter außerordentliche 267) für das Reich 3286 (darunter außerordentliche 134), zusammen in Reich und Bundesstaaten 9746 (darunter außerordentliche 401).

Die Staatseinnahmen belaufen sich in den Bundes­staaten auf 6436 Millionen Mark, im Reich auf 3286, zusammen in Reich und Bundesstaaten 9722 (darunter außerordentliche aus Grundstock, Anlehen und sonstigen Staatsfonds 243 bezw. 134),

Unter den Ausgaben und Einnahmen der Bundes­staaten stehen diejenigen aus Staatsbetrieben mit 3226

bezw. 4247 Millionen Mark an erster Stelle. Der Hauptanteil entfällt auf die Staatseisenbahnen mit 2385 bzw. 3142. Der Rest verteilt sich auf Domänen, Forsten, Bergwerke Staatsdampfschiffahrt, Post, Tele­graph und die sonstigen Staatsbetriebe.

Die ordentlichen Ausgaben und Einnahmen des Reichs an Erwerbsanstalten (817 bzw. 979) entfallen hauptsächlich auf Post und Telegraphie (692 bzw. 808) und auf die Eisenbahnen (115 bzw. 142).

Die nächstwichtige Einnahmequelle bilden Steuern und Zölle. Die Bundesstaaten erheben an direkten Steuern 812, Aufwandsteuern 118, Verkehrssteuern 114 und Erbschaftssteuern 22, zusammen 1066 Milk. Mark.

Das Reich bezieht aus Zöllen 849, aus Aufwand­steuern 672, aus Verkehrssteuern 276 und aus der Erbschaftssteuer 43, zusammen 1840 Millionen Mk.

Zahlenmäßige Nachweise über das Staatsvermögen der einzelnen Bundesstaaten konnten nur in bezug auf wichtigere Bestandteile erbracht werden. Neben Ueber« schüssen früherer Rechnungsjahre, verfügbaren Staats­kapitalvermögen usw. besitzen die Bundesstaaten an Domänen ein Areal von 766 609 ha, an Forsten 5 082 179 ha. Die Staatseisenbahnen repräsentieren eine Länge von 55 618 km (im Reich 1897) und ein Anlagekapital von 16 650 (im Reich 834) Millionen Mark.

Die fundierten Staatsschulden beziffern sich zu Be­ginn des Rechnungsjahres 1912 für die Bundesstaaten auf 15 005 (darunter Preußen 8789, Bayern 2286), für das Reich auf 4582 Millionen Mark. Die schwebenden Schulden betrugen insgesamt 912 Mill. Mark; sie entfallen in der Hauptsache auf das Reich (220) und Preußen (640).

Ergebnis der Nationalspende zum Kaiserjubilättm.

Wie bereits bekannt geworden ist, wurden Seiner Majestät dem Kaiser am Tage des Regierungsjubiläums als vorläufiges Ergebnis der Nationalspende für die christlichen Missionen in den deutsche Kolonien und Schutzgebieten 3 800 000 Mark zur Verfügung gestellt, worunter 2'/, Millionen bis dahin von evangelischer Seite aufgebracht waren.

Der Kurhessische Landesausschuß für die Jubiläums­spende teilt uns nunmehr das abschließende Ergebnis der aus evangelischen Kreisen im Regierungsbezirk Cassel herrührenden Spenden mit, woraus hervorgeht, daß die Teilnahme an der Missionsspende überall eine gleich rege gewesen ist. Die Wiedergabe wird daher unseren Lesern von Interesse sein. Es gingen ein: Aus Cassel Stadt und Land 23 067,6 8 M.; ferner

aus den Kreisen: Eschwege 3486,50 M., Frankenberg 1111,35 M., Fritzlar 2954,80 M., Fulda 811,4 0 M., Gelnhausen 2057,80 M., Gersfeld 1232,85 M., Hanau Stadt 3551,60 M., Hanau Land 6480,71 M., Hersfeld 2758,30 M., Hofgeismar 4041,60 M., Homberg 3753,49 M., Hünfeld 470,25 M., Kirchhain 3368,78 M., Marburg 3851,15 M., Melsungen 3297,21 M., Rotenburg 2413,55 M., Rinteln 4225,62 M., Schlüchtern 2188 M., Schmalkalden 1510,20 M., Witzenhausen 2061,24 M., Wolfhagen 2454,30 M., Ziegenhain 3576,72 M.; Ergebnis der Kirchenkollekte am 15. Juni 1913: 6066,81 M. Ein rührendes Zeugnis für die durch die Nationalspende angeregte Opferwilligkeit ist die Gabe einer durchaus nicht in glänzenden Verhältnissen lebenden Dame in Cassel, die aus ihrem kleinen Vermögen einen Betrag von 5 000 M. in mündelsicheren Wertpapieren für die Nationalspende zur Verfügung gestellt hat. Mit Ein­schluß dieses Betrages belauft sich die Gesamtsumme der Sammlungen aus evangelischen Kreisen im Regierungsbezirk Cassel auf 95 791,94 M. ein höchst befriedigendes Ergebnis, mit dem Kurhessen erheblich über dem Durchschnitt im Deutschen Reiche steht.

Der Kurhessische Landesausschuß für die Jubiläums­spende ersucht uns, Allen, die zu diesem erfreulichen Ergebnis beigetragen haben, herzlichen Dank zu über­mitteln. Seinen besonderen Dank hat der Landes­ausschuß auch der Tagespresfe für ihre Mitwirkung an dem Werk der Jubiläumsspende ausgesprochen. ES gereicht uns zur Genugtuung, durch Aufklärung über den kulturfördernden Einfluß der christlichen Mission in den deutschen Kolonien zu dem erreichten Erfolge mit beigetragen zu haben. Daß die Unterstützung der christlichen Missionen in unseren Kolonien die Wirkung haben wird, dem deutschen Gedanken in der Welt einen außerordentlichen Dienst zu leisten, kann keinem Zweifel unterliegen._______________________________________________

Deutsches Reich.

Balestrand. Von der Nordlandreise. Die Hohenzollern" verließ Bergen am 12. d. Mts. um 6 Uhr früh mit Kurs nach Norden. Am Eingang des Sognefjords ging der Kaiser nebst Gefolge auf den Sleipner" über und fuhr nach Balholm, wo die vom Grafen Görtz geschaffene Bele-Statue aufgestellt wurde. Am Nachmittag wurde nach Bangsnäs gefahren und die Arbeiten zur Aufstellung des Fridtjof-Denkmals besichtigt. Die Abendtafel fand auf derWittelsbach" statt. Abends um 9 Uhr traf dieHohenzollern" vor Balholm ein.

Zwei kurze Anfragen aus dem Reichstag sind in diesen Tageu von der Regierung durch den Staats-

Mröotene Ffade.

Kriminalroman von Otto Viehofer.

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Ha, wie Graf auf den Leim gegangen war, wie ihn der schnöde Mammon gereizt hatte. Aber es hatte sich nicht um die eine Mark per tausend Kilogramm ge­lohnt, nein, Herr Graf wirklich nicht, da war es schon besser, man blieb beim alten Käufer. Und der Vertre­ter hatte es gewußt, daß es so kommen würde, jawohl, ge­mußt. Als Renommage diente die eine Mark aber als Köder war sie zu gering. Ah,war das nicht fein durchdacht?

Der Detektiv hatte diese Gedanken gesponnen, wäh­rend er das Vorzimmer und den großen Hof des Schlos­ses verlassen hatte, und nun stand er bereits wieder auf der Straße, die ihn hierhergeführt hatte.

So, nun konnte der ernstere Teil dieses Spieles be­ginnen, die Dunkelheit brach mit Gewalt herein und der Nebel kam und sekundierte ihr.

Der Detektiv schritt stadtwärts etwa hundert Meter die Straße entlang bis zu einem Busch. Er überzeugte sich da, daß er von Schloß Bruckhoff aus absolut nicht mehr gesehen werden konnte, und dann vertauschte er sei­nen roten Vollbart mit einem kohlschwarzen Schnurrbart, ersteren steckte er in die Hintere Rocktasche. Die Perücke wechselte er nicht, denn die ivurde ja vom Hute fast voll­ständig verdeckt, und der Rest würde in der Dunkelheit in der Farbe gar nicht zu erkennen sein. Nur die Brille wg er noch von den Augen, iveil er ohne sie Dunkel- heit und Nebel besser zu durchdringen vermochte. Der Graf? Nun, der hatte ihm noch nie ins Auge geschaut, und würde auch heute abend nicht die Ehre haben.

Vorsichtig prüfend befühlte der Detektiv noch seinen aufgesetzten Schnurrbart, betastete er seinen Gnmmibauch, imo dann nahm er seinen derben Stock und schritt guer- leloein in einem großen Bogen um Schloß Bruckhoff her- um, hinüber zu dem kleinen Landwege, welcher die bei-

wanderte er dann zurück und heran bis auf etwa fünf­zig Meter an das Schloß des Grafen. Da dieser Weg ebenfalls reichlich von Gebüsch eingefaßt war, so bot er

gute Deckum

:e Deckung.

Herbert Balthasar suchte sich

einen der größten Büsche

aus, stellte sich dahinter und wartete. Kommen muffte der Graf hier entlang, wollte er wieder zu einer Klet- terpartie an der Trampitzer Schloßmauer. Ja, kommen mußtePonto", denn die FrauBaronin bedurfte feinerm ihrem Schmerze jeden Abend. Aber ein Schießeisen würde der nicht mit sich führen, nein, das brauchte er gar nicht, damit hatte ihm sicher die Baronin immer ausgeholfen.

Auch die stolzen, klirrenden Reiterstiefel von vorhin würde der Herr Graf nicht spazieren führen auf diesem heimlichen Pfad, Znastiefel durften es nur sein, die sei­nen schleichenden Fuß umhüllten; ganz leichte undve- quem abzuziehende Zugstiefel, denn die Rinde am Baume dort zeugte nur von einem bestrumpften Fuß.

Der Detektiv horchte plötzlich auf. Was Teufel, schon! Oder sollte ein anderer zu dieser Stunde den Weghier betreten? Aus welchem Grunde denn? Nein, nein, die Arbeiter und Knechte des Grafen hatten schon längst geierabend, sie saßen bereits in ihren Katen oder in den tällen. Also der da Herkam von Schloß Bruckhoff, mußte der Herr Graf schon selber sein.

Da, die Tritte, wie sie über den Boden tapsten, leicht und beschwingt, und doch auch wieder mit einer bestimm­ten Männlichkeit. Ein Graf konnte nur so treten den ge­frorenen Boden.

Der Detektiv duckte sich, um in der Finsternis von unten herauf besser sehen zu können.

Und da tapp! Die schwarze, hohe Gestalt war schon vorüber am Busch. Also richtig, der Herr Graf war es gewesen, genau erkannt hatte ihn der Detektiv. Aber nun hinterher, Tritt gefaßt mit ihm, damit das gräfliche Ohr keinen Anlaß fand zum Lauschen.

So, das ging fein: tapptapptapp immer doppelt

sen Sohlen und mit flatterndem Flügel. Die schwarzen, Gespenster am Wegesrand lockte sie, und die schlichen rau» nend mit die dürren Büsche. Und der Nebel kam unb neckte den Detektiv, neckte ihn mit Millionen feuchten Bläschen, so daß sein dicker Schnurrbart die Lust verlos nach oben zu streben. . « s

Hoppla! Teufel noch 'mäl, der Detektiv war ge» stolpert. Halt, nicht weiter stapfen, erst angespannt da8j Ohr. Was, des andern Fuß stockte auch, der Herrj Graf horchte ebenfalls? Himmel, der hatte ihn gehört« Was nun? Nicht von der Stelle rühren durfte er sichj jetzt, vielleicht setzte der andere seinen Weg doch noch fortq

Da ein Blitz zuckte auf in der Finsternis, ein KnaH folgte, die Kugel sauste hart an dem Detektiv vorbei, und! der vom Luftdruck gereizte Nebel spie ihm ins GesicW Der Herr Graf hatten geruht zu schießen. ^x^ . <

Und nun? Und nun?Ja, nun war es Essig mit' der Verfolgung, mißlungen war sein ganzer Plan heuten

Blitz, Knall pfeifend fuhr die zweite Kug^l ins/ Gebüsch. . , y

Donner und Doria, jetzt war ös Zeit, daß er fidf); von dieser Stelle verfügte - daß er Reißaus nahm, quer* selb ein. A

Hei, wie schon die Hacken brausten, wie die feuchten > Nebelschwadeu ihm um die Ohren schlugen. Ausgegriffer» nur ihr Beine, immer lang, lang, der andere konnte nach* kommen. . '

So, nun war es genug damit, der Atem ging schon, schwer, und der Puls hämmerte. Ohren auf. Nein/ der Herr Graf war nicht gefolgt auf dieser krummen, hol­perigen Straße der wandelte gewiß weiter auf gera­dem, ebenem Pfad.

Herbert Balthasar hatte ohne Mühe den Weg'wieder- gefunden, der von Schloß Bruckhoff nach der Stadt führte^ also denselben Weg, den er am Nachmittag gekommen war. Nun jagten sich in seinem Kopfe wieder die Ge-> danken. j- . . - ;:: - . . . ____107.185