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mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. «3. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «5.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
M 38.
Samstag, den 19. Juli 1913.
64. Jahrgang.
Amtliches.
J.-Nr. 3852,3853 K. A. Den nachgenannien Personen sind für langjährige treue Dienstzeit nachstehende Prämien aus Kceismitteln bewilligt worden:
1. Dem Dienstknecht Kaspar Dorn, Ramholz 25 Mark.
2. Dem Dienstknecht August Ringel, Seidenroth 10 Mark.
Schlächtern, den 15. Juli 1913.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Berta.
J.-Nr. 3888 K. A. Die nächste
BttllenkLvung findet Sonnabend, den 2. August d. Js. Vormittags 10 Uhr in Sterbfritz statt.
Schlächtern, den 15. Juli 1913.
Der Königliche Landrat: I. V. Verta.
Die Revolte im Jangtsetal in China.
Schanghai, 16. Juli. Die Revolte im Jangtsetal breitet sich augenscheinlich aus. Revolutionäre Proklamationen wurden heute in ganz Schanghai verbreitet. Sie besagen, daß eine starke Expedition unternommen wird, um Juanschikai zur Rechenschaft zu ziehen wegen der Ermordung des früheren Unterrichtsministers Sung- tfchiaoyen und wegen Verletzung der Verfassung. Die Proklamationen versprechen den fremden Schutz.
Aehnliche Proklamationen sind in Rantschang -und in Nanking veröffentlicht worden. General Huangksing hat Befehl, Truppen nach Pukan zu befördern. Der eigentliche Anstifter in Nangking ist ein früherer Vizekönig von Kanton Sentschungsuan. Der Kampf an der Bahnlinie Tientsin-Pukau nimmt seinen Fortgang. Bei Likwo, 20 Meilen nördlich von Sutschufu, ist die Strecke zerstört.
In Schanghai hat das Geschäft vollständigen Stillstand erreicht. Auktionen von Stückgütern haben wegen Mangels an Käufern aufgehört. Der Dollar steigt rapid im Werte.
Berlin, 17. Juli. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die Meldung des Neuterschen Büros aus Peking, wonach das deutsche Konsulat in Nanking von den Ausständigen eingeschlossen sei, ist bisher durch nichts bestätigt worden. Der Kreuzer * „Leipzig" traf am 16. Juli vor Nanking ein und bleibt bis auf weiteres dort.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser befindet sich zurzeit noch auf der Nordlandreise, und alle Meldungen, die über die Fahrt der „Hohenzollern" vorliegen, lassen erkennen, daß die
Reise seinen ebenso anregenden wie schönen Verlauf nimmt. Die Norweger zeigen sich überall beflissen, den Kaiser durch völkische Feste, Aufzüge usw. zu ehren. Den Glanzpunkt der Reise wird zweifellos die feierliche Einweihung des vom Kaiser gestifteten Frithjof-Deak- mals in Bandnees bilden, die Ende dieses Monats in Gegenwart des Kaisers und des Königs von Norwegen statifinden wird. — Der Prinz Ernst August von Cumberland ist mit seiner Gemahlin, der Kaisertochter, am Mittag in Rathenow eingezogen, wo das hohe Paar bis zum Regierungsantritte des Prinzen in Braunschweig, der bekanntlich im Herbste d. Js. erfolgen soll, residieren wird.
— Prinz Ernst August in Lebensgefahr. Als er mit seiner Schwadron Husaren den Bahnkörper passierte, nahte ein Zug. Die Schranken wurden verspätet heruntergelassen, während gerade der Prinz sich auf den Schienen befand. Es gelang jedoch noch, eine der Schranken so schnell wieder zu öffnen, daß der Prinz kurz vor dem herannahenden Zug den Bahnkörper verlassen konnte. Der Prinz selbst be- bewahrte in der gefährlichen Lage große Kaltblütigkeit.
— Der Einzug des Herzogpaares Ernst August in Rathenow gestaltete sich am Montag Abend zu einer festlichen Begrüßung durch die zahlreich erschienene Einwohnerschaft. Die Stadt hatte Flaggenschmuck angelegt und die Hauptstraßen festlich geschmückt. Prinz Ernst August und Prinzessin Viktoria Luise waren auf der Fahrt vom Bahnhöfe nach ihrem Landhause Gegenstand unaufhörlicher jubelnder Kundgebungen. Am Morgen nach der Ankunft wurde dem Prinzen von dem Regimentskommandeur der Zithenhusaren die vierte Eskadron übergeben, die er als Rittmeister führen wird.
— Die Veröffentlichung der Wehr- und Steuergesetze ist in der neuesten Nummer (41) des „Reichsgesetzblattes" unter Ziffer 4247 bis 4253 erfolgt.
— Infolge der Amnestie zum Kaiserjubiläum sind durch den Oberstaatsanwalt 352 bedingt verurteilte Jugendliche, bei denen es sich um Gefängnisstrafen von 1 Tag bis zu 4 Monaten handelte, straffrei gelassen worden.
— Der Untergang des Torpedobootes „8 178" bildete in Wilhelmshafen den Gegenstand einer Gerichtsverhandlung. Kapitänleutnant Koewe vom Panzerkreuzer „York" stand vor dem Kriegsgericht unter der Anklage, durch Fahrlässigkeit den Zusammenstoß mit dem Torpedoboot 8 178 verschuldet zu haben. Auf Grund der Beweisausnahme wurde er jedoch für nichtschuldig erachtet und somit freigesprochen.
— Am Grabe des Fürsten Blücher stattete der der zurzeit in Breslau tagende Deutsche Kriegerbund
und der Preußische Landes-Kriegerverband einen Besuch ab. Auf dem Bahnhof Kanth empfing Graf von Cramer-Zieserwitz mit dem Kreiskriegerverband von Neumarkt den Kriegerbund. Durch die festlich geschmückte Stadt fuhren die Krieger nach Krieblowitz, wo am Sarge des Fürsten Blücher Kränze niedergelegt wurden.
Ausland.
— Auf die Vermittluugsvorschläge Rußlands zur Einstellung der Feindseligkeiten antwortete die griechische Regierung, der Friede werde auf dem Schlachtfelde geschlossen werden. Auch die serbische Regierung soll sich vorläufig ablehnend verhalten. Das ist beiden Staaten insofern nicht zu verdenken, als sie andauernd in siegreichem Vorrücken begriffen sind. Die serbischen Truppen sollen ihren Einmarsch in Bulgarien bis Küstendil fortgesetzt und auch diese Position bereits im Besitz haben. Nach anderer Meldung ist die serbische Vorhut nur noch einen Tagesmarsch von Sofia entfernt. In Athen ist das Gerücht verbreitet, die Griechen hätten auch bereits Drama und Dedea- gatsch besetzt.
— Der Kriegszustand zwischen Bulgarien und Rumänien ist nun offiziell dadurch erklärt worden, daß die rumänische Regierung dem bulgarischen Geländen Kalinkow seine Pässe zugestellt hat. Der bulgarische Gesande Kalinkow und das Personal der Gesandtschaft haben daraufhin Bukarest im Sonder- zug verlassen und sich über Giurgewo nach Rustschuk begeben.
— Ueber die Unwahrscheinlichkeit eines europäischen Böllers-reges sprach sich der englische Schatzkanzler Lloyd George auf dem Lord-MayorS-Bankek recht beruhigend aus. Er sagte, das Konzert der Mächte habe zuvor Verwickelungen vermieden. Er sehe keinen Grund, weshalb es jetzt nicht erfolgreich sein sollte, falls die Mächte zusammenhalten und durch gemeinschaftliches Vorgehen und Zusammenarbeiten die Schwierigkeiten aus dem Wege räumen könnten. Solange die Balkanstaaten nichts täten, um die Entscheidungen, über welche sich die Großmächte bereits geeinigt haben, wie z. B. den Status Albaniens, um- stoßen, sei zu hoffen, daß keine Großmacht es nötig finden wird, einen Schritt zu tun, woraus Schwierigkeiten unter den Großmächten selbst entstehen könnten.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, den 18. Juli 1913.
—* Die Teilnahme der Handwerksammern an Ge- sillenprüfungen. Zur Herbeiführung einer richtigen
Schießeisen — jawohl, entreißen. Aber wie— wie? Gleich Feuer spie Graf Peter. —
Am liebsten wäre Herbert Balthasar sofort zum Untersuchungsrichter nach Berlin gefahren und hätte zu dem gesagt: „Herr Landgerichtsrat, verhaften Sie die Baronin Ena von Paltzoiv und den Grafen Peter von Bruck- Hoff, denn das sind die wahren Hauptschuldigen an dem Berbrechen gegen den Baron von Paltzow und seinem Kutscher. Und die oder den Mitschuldigen werden Sie dann ohne Mühe ebenfalls entlarven können."
Aber der Detektiv fuhr nicht sofort nach Berlin, sondern er lachte auf der Stelle laut auf. Der Untersuchungsrichter, damit konnte er dein gerade kommen. „Was wollen Sie denn, Balthasar," würde der zu ihm sagen, „was wollen Sie denn? Mit der Liebelei zwischen Graf und Baronin und dem ganzen Drum und Dran ist doch noch lauge nicht bewiesen, daß die sich eines grausigen Verbrechens schuldig gemacht haben. Das sind nur Hypothesen, denen ich nicht zu folgen vermag. Tatsachen müssen Sie mir bringen — Tatsachen! Die nur allein sind es, die im stande wären, meinen festgefügten Jndizienbau ins Wanken zu bringen."
Und besah Herbert Balthasar sich von dieser Seite die Medaille, so mußte er dem Untersuchungsrichter vollkom- men beipflichten, wollte der in gedachtem Falle ihn energisch abweisen. Nein, greifbare Tatsachen konnte Herbert Balthasar allerdings noch nicht bringen, Indizien waren es nur, die er zusammengetragen — Indizien, die bei Licht besehen noch nicht einmal so fest gefügt waren, als die des Untersuchungsrichters. - .$
Aber dennoch stand es fest bei ihm, daß er auf dem richtigen Wege sich befand. Also der Revolver mußte vorerstkommen. > -p^ $? '
Die Lichter der Stadt waren vor dem Detektiv schon aufgetaucht, und da auf dem unbebauten Gelände nie- mahb war, der ihn beobachten konnte, so wechselte er hier wieder seine Bärte und setzte sich auch die Brille wieder auf. ' ___«
^erboteue Ufade.
Kriminalroman von Otto Biehofer. 50
Wie der Graf nur so rigoros hatte vorgehen können. Konnte nicht ein anderer als gerade der Detektiv hinter dem Hergekommen sein? Aber der Herr Graf war gestern abend sicher nicht beider Baronin gewesen, halte also noch nicht erfuhren, daß „Onkel Köster" von der Bildfläche verschwunden sei. So hatte er, da er am vorgestrigen Abend den „Spion" aus dem Trampitzer Parke vertrieben, in diesem kritischen Momente ganz richtig vermutet, daß dieser ihm außerhalb der Trampitzer Schloßmauer auf den Fersen sei. Aber die Schüsse — die Schüsse, die waren doch weithin hörbar. — Ach, Gott, schließlich nahmen es die Leutchen hier nicht so genau, ks fiel aus dem Lande ja manchmal ein Schuß, ohne daß man wußte, warum, ohne daß gerade nach Hasen oder Rebhühnern geschossen wurde. Hatte es geknallt, so war es auch schon verhallt — abgetan ivar es dann auch schon für solch brave Leutchen. Und damit hatte eben der Herr Graf gerechnet. Hahaha, aber für ihn, den De- >s'tiv, waren diese Schüsse noch lauge nicht abgetan, ja, sur ihn fingen die vielmehr erst an, brenzlich zu wer-
. Wie staub es denn mit dem Revolver — denn ein lolitjer konnte es nur gewesen sein, weil die Blitze nicht fürs langem Rohr, sondern in unmittelbarer Nähe des Grasen aufgezuckt waren — also wie stand es denn mit °«n Revolver, aus dem die Schüsse gekommen waren?
das vielleicht der Schießprügel, der dem Kutscher Mwdrich das tödliche Blei durchs Hirn gejagt hatte?
llanz gewöhnliche Fünfmillimeterrevolver, wie der reisurzt gesagt hatte? Donnerwetter, er glaubte es! Zarinn sollte nicht auch ein Graf einen ganz gewöhn-
—,""ch heutigen Begriffen ganz gewöhnlichen Re- sein eigen nennen? Altes Erbstück oder so! - E^ost. entreißen mußte ^jeuen^das geheimnisvoll^,
Der Spiegel überzeugte ihn zuletzt, daß alles in Ordnung sei an Herrn „Emil Würzberg", und dann schritt er flink feinem Hotel zu.
17. Kapitel.
Die Heilung der Schußwunde bei dem Polen Wenzel Koczmierski war nur langsam vorgeschritten, es waren unvorhergesehene Komplikationen eingetreten, und so war es gekommen, daß er erst gestern, nach etwasieben- wöchiner Behandlung in der Chärilee, in das Berliner Untersuchungsgefängnis Moabit eingeliefert worden war.
Heute war es nun neun Uhr vormittags, und ein eisiger Januarwind umheulte das kleine vergitterte Zellen» fenster, hinter welchem der Gefangene mit gefesselten Händen und knirschenden Zähnen seine Flüche an die nackten Wände schleuderte.
Da rasselten auf einmal draußen vor dem großenZellen« schloß dieSchlüssel, ein kurzes, energisches Knirschen folgte, und in der geöffneten Tür stand der Gefangenenaufseher: „Los, Koczmierski, kommen Sie mit zum Untersuchungsrichter!" -
Voll von Wut, und ohne den Aufseher eines BlickeS zu würdigen, trampelte der Gefangene aus der Zelle. Gleich wollte er den Korridor entlang, als ob es eines Aufsehers gar nicht bedurfte bei ihm, aber da hatte ihn der Rotkragen auch schon energisch beim gefesselten Arm gepackt: „Halt, Pole, was unterstehst Du Dich, keinen Schritt weiter ohne mich!"
Er drehte mit der andern Hand wieder den Schlüssel um im Schloß, und dann ging es den Korridor ent* lang, rechts der hühnenhafte Gefangene, stark gefesselt und in Sträflingskleidung, und linkster rotkragige Aufseher mit glitzernden Knöpfen, baumelndemSchwerteund rasselndem Schlüsselbnnde.
Aber nicht im Erdgeschoß des mächtigen Gebäudes amtierte der Untersuchungsrichter, sondern oben im ersten Stock. *•
„Hinauf die Treppe mit Dir, Du verruchter Pollacke,- schob der Aufseher energisch nach.... .. 197,18V