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ZchlilchtemerMung

mit amtlichem Rreisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 6». Mochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «3.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Alk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

M 62.

Samstag, den 2. August 1913.

64. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 3967 K. A. Der Buchbinder H. Corzilius in Selters hat sich erboten, die seit 1899 erschienenen Gesetze PP. zusammenzustellen und in Form eines Nach­trags zu dem von ihm im Jahre 1899 gelieferten Verzeichnis sämtlicher Gesetze vp. gegen eine geringe Vergütung abzugeben.

Ich werde die Bestellung t s Nachtrages für sämt­liche Gemeinden des Kreises veranlassen, wenn nicht bis zum 1 5. A u g u st d. J s. ablehnende Nachricht eingeht.

Schlächtern, den 28. Juli 1913.

Der Vorsitzende des Kreis Ausschusses.

B e r t a.

Gerste-, Hafer- und W' m-Ernte-Berkauf!

1. Donnerstag, den 7. ^. ruft Nachmittags 6 Uhr wird die Gerste- und Wicken Ernte von etwa 560Casseler Acker beidem hiesigen Krankenhans-Neubau.

2. Freitag, den 8. August Nachmittags 7^Uhr die Hafer ernte von 460 Casseler Acker in der alten Kreisbaumschule Herolz öffentlich meistbietend an Ort und Stelle verkauft.

Schlüchtern, den 1. August 1913.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschußes: Berta.

Deutscher Reich.

Bad Homburg v. d. H. Wie nunmehr sest- steht, trifft der Kaiser bestimmt am 13. August zu 14 tägigem Aufenthalt hier ein. Die Kaiserin hat ihren Aufenthalt bis zum 24. August verlängert. Die Nachricht, der Kaiser würde Ende August nach Kurfu reisen, entbehrt jeder Begründung.

Die Bestimmungen des deutsch-französischen Abkommens über die Landung deutscher Luftfahrzeuge auf französischem Boden und französischer auf deutschem Boden, das bereits am 15. August in Kraft treten soll, werden amtlich bekanntgegeben.

Der Alterspräsident des Reichstags, der Zent­rumsabgeordnete Prälat Dr. Lender, ist am 29. vorigen Monats nachmittag im dreiundachtzigsten Lebensjahre gestorben.

Die Millionenerbschaft des Kaisers, die der Gutsbesitzer Hermann Knorr aus Tauschwitz bei Pflauen i. V. hinterlassen hat, gilt weniger dem Kaiser per­sönlich, als vielmehr allen Repräsentanten der deutschen Kaiserkrone. Das Testament, scweit es sich auf den Kaiser bezieht, lautet: Ich ernenne den jeweiligen deutschen Kaiser als meinen alleinigen Erben. Derselbe soll das Vermächtnis zur Stärkung von Herr und Marine verwenden." Das Testament ist erst vor kurzer Zeit offenbar unter dem Eindruck der Wehrvorlage

errichtet. Die Frau des Verstorbenen, die nahezu vollkommen Übergängen worden ist, und zahlreiche Ver­wandte Knorrs wollen das Testament anfechten.

Die vaterländische Gesinnung der deutschen Studentenschaft wird bei der Einweihung des Völker­schlachtdenkmals sich wieder glänzend bewähren. Ihren Entschluß, an der Einweihungsfeier am 18. Oktober teilzunehmen, um auf diese Weise den. Anteil zu be­zeugen, den die deutsche Studentenschaft in so hervor­ragender Weise an den Freiheitskämpfen 1813 genommen hat, haben bis jetzt über 2500 Studierende mit 165 Fahnen und 495 Chargierten bekundet. Zahlreiche weitere Zusagen stehen in nächster Zeit noch bevor.

Mit Vorsichtsmaßregeln gegen Choleragefahr befaßt sich eine Rundverfügung, die der preußische Minister des Innern erlassen hat. Es wird darin bemerkt, daß nach amtlichen Nachrichten unter den bulgarischen wie auch unter den grichischen Truppen in der Gegend von Saloniki die Cholera ausgebrochen ist, und daß das Auftreten der Cholera auch aus andern Teilen der Balkanhalbinsel gemeldet wird. Es erscheine daher angebracht, dem Reiseverkehr aus den Balkan- staaten besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Der Minister ersucht die Regierungen, die Polizeibehörden anzuweisen, die aus den Balkanländern, einschließlich Rumänien, zureisenden Personen bis auf weiteres ge­mäß § 8 der Anweisung des Bundesrats zur Be­kämpfung der Cholera vom 28. Januar 1904 einer Beobachtung zu unterwerfen. Es empfehle sich, diese Personen einer nach dem Gutachten des beamteten Arztes zu bemessenden, aber nicht länger als fünf Tage seit dem letzten Tage der Anwesenheit am Choleraorte dauernden Beobachtung zu unterstellen, jedoch in schonender Form und so, daß Belästigungen tunlichst vermieden werden. Die Beobachtung soll in der Regel darauf beschränkt werden, daß durch einen Arzt oder durch eine sonst geeignete Person täglich Erkundigungen über den Gesundheitszustand der betreffenden Personen eingezogen werden.

Ausland.

Die Konferenz in Bukarest ist nunmehr zu­sammengetreten und hat ihre Verhandlungen begonnen. Der von Bulgarien nachgesuchte Waffenstillstand wurde von den andern Staaten abgelehnt. Im übrigen ist die S'immung durchaus hoffnungsvoll. Bulgarien glaubt, auf die Unterstützung Rumäniens rechnen zu dürfen, und ist besorgt, den Eindruck, welchen die Haltung Bulgariens in den rumänischen Kreisen zurück­gelassen hatte, vergessen zu machen; ebenso trat dabei der Wunsch der bulgarischen Regierung zutage, eine neue Aera der bulgarisch-rumänischen Beziehungen zu

begründen. Man erwartet, daß f der Vorfriedensvertrag schon Mitte dieser Woche, also übermorgen, unter­zeichnet wird, worauf dann die allgemeine Abrüstung erfolgen würde.

Ein gemeinsamer Schritt der Mächte in Kon- stantinopcl wird von den diplomatischen Kreisen der Großmächte eifrig erwogen. Ueber die Einzelheiten herrscht noch keinerlei Uebereinstimmung. Der Schritt soll jedoch keinesfalls eine Drohung enthalten,' sondern nur bezwecken, die Türkei auf den Weg der Verhandlung zu weisen, da sie nur hierdurch eine giiltige ,'Gestaltung bet Linie EnosMchia erzielen könnte. Daß es zu einem Einmarsch Rußlands in Armenien komme, glaubt man nicht, da alle beteiligten Mächte, einschließlich England und Frankreich, dagegen seien. Auch über die Wirksamkeit einer Flottenkundgebung herrscht keine Uebereinstimmung.

Die Erstürmung der Forts von Hukvu an der Mündung des Pojangsees, auf die die Operationen,der Revolutionäre von Kiangsi basiert waren, wird als entscheidender Sieg der Regierungstruppen angesehen. Man schreibt: Dieser Erfolg, der hauptsächlich durch das Eintreffen der Flotte erreicht wurde, bricht der Bewegung in Kiangsi das Rückgrat und wird die Truppen und die Kanonenboote für die Offensive weiter unterhalb am Flusse und für einen Angriff auf die Nachhut der Nankinger Armee freimachen. In Schang­hai soll bereits der Abschluß eines Waffenstillstandes zwischen den beiden Heeren zustandegekommen sein. Unter den Führern der Rebellion des Südens sind übrigens Streitigkeiten ausgebrochen, sie scheinen durch die Niederlagen ihrer Truppen entmutigt worden zu sein und bereiten ihre Flucht nach Japan vor.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, den 1. August 1913,

* 100 Jahrfeier der 13 er Husaren. Die Schlie­ßung der Listen zu den Sonderzügen am 15. August 1913 findet heute statt. Die Karten für die Rück­fahrt werden erst in Diedenhofen ausgegeben.

* Sonntag, den 3. August findet wie alljährlich das Augustfest, das zur Feier der Weitzel'schen Stiftung veranstaltet wird, auf dem schön gelegenen Acisbrunnen statt. Für Unterhaltung ist für das erwachsene Pub­likum sowie für die Jugend hinreichend Sorge getragen. Der Festwirt wird auch sein mögliches tun, durch gute Speisen und Getränke die Besucher zufrieden zu stellen. Die Prämien, für die am Mittwoch vorgeführten Tiere und besichtigten Früchte gelangen dort zur Verteilung.

* Der Vorstand der Fechtanstalt des Deutschen Kriegerbundes zu Berlin, für die Waisen Deutscher

M

Verbotene Made.

Kriminalroman von Otto Viehofer. 64

Und außerdem weiß ich ja gar nicht, ob mir die jetztige Stellung später nicht doch noch zusagen wird, ob sie nicht die aufwiegen wird, die Sie mir soeben offerieren. Herrschaft und Bediente müssen immer erst nä­her in Berührung kommen, müssen sich erst einigermaßen kennen lernen, dann erst entscheidet es sich, ob der eine oder der andere Teil nicht zu kurz kommt. Ich kann Ih­nen, mein Herr, heute also noch nicht sagen, ob ich meine jetzige Stelle in nächster Zeit wechseln werde oder nicht. Sollte es der Fall sein, so werde ich, falls Sie mir Ihre leerte Adresse zurücklassen wollen, mich beehren, Sie in diesem Punkte anzugehen; vielleicht haben Sie auch dann noch etwas Gutes für mich auf Lager."

Der Detektiv war verblüfft. Erwartet hatte er von diesem jungen Manne von vornherein eine gewisse Ge- svandtheit und einen geweckten Sinn, aber daß er schon in solchen Zungen sprach, nein, das konnte man nicht annehmen von einem Jüngling, der kaum achtzehn Jahre alt sein durfte. Himmel, das würde was sei» für den gräflichen General. Haben mußte er ihn, haben, und heraus aus dem Salon der Baronin mußte der junge Mann, sollte es auch kosten, was es wolle I

Der Detektiv hatte sich am Tische des Dieners nie- dergelassen und wollte nun seine ganze Redekunst spielen - lassen.

Hören Sie, mein junger Freund," fing er an, ,^Sie sagten, Sie könnten Ihre jetzige Stellung so nur nichts, °rr nichts nicht aufgeben. Ja, roeun in Gestalt eines lie­ben Mitmenschen ganz plötzlich und unerwartet dasSchick- sal zu Ihnen konimt und reicht Ihnen höchst vorleilhaft die Hand, so können Sie das doch nicht so nur nichts, dir nichts nennen. Ja, im Gegenteil, so etwas ist eine

Mensch nicht abweisen darf, wollte er sich nicht gegen Gott rmb sich selbst versündigen. Und große Vorteile bie­tet Ihnen doch das Schicksal jetzt, denn Seine Exzellenz der Herr Graf in Berlin zahlt seinem Diener jährlich fünfhundert Mark bar, daneben läuft noch freie Station und Livree; hinzu kommt außerdem noch reichliches Trink­geld, denn im Hause Seiner Exzellenz gehen, wie das ja ganz selbstverständlich ist, viele hohe Offiziere unb Ari­stokraten aus und ein. Bedenken Sie doch, was das be­deutet gegen die paar Mark, die man Ihnen auf einem Landschlosse zählt! Höchstens dreißig Mark können es da doch nur sein nach festein Engagement, nicht wahr, stimmt's nicht so? Naja, sehen Sie, das stimmt also bis auf den Pfennig. Und nun weiter: Sie haben die besten Absichten Ihrer Herrin gegenüber, Sie wollen den Vertrag in absehbarer Zeit selber nicht lösen. Ja, wis­sen Sie denn überhaupt, ob man Ihnen nicht heute oder morgen schon zuvorkommt, ob Sie nicht so ganz uner­wartet hinausfliegen? Aus Ihrer Aeußerung über die Baronin von Paltzow vorhin ging doch hervor, daß Ihre Herrin nicht allzu zart uinzugehen pflegt mit ihrem Dienst­personal, ja, das zeigt schon allein der Umstand, daß Sie sowohl wie auch der Kutscher vorerst nur auf Probe engagiert sind. Aber selbst angenommen Sie haben Ge­währ dafür, daß Sie auf Schloß Trampitz längere Jahr- verbleiben können, was bedeutet denn das, abgesehen schon vom materiellen Punkt, in rein menschlicher Hin­sicht gegenüber einer Positur in der Großstadt! Jin Kuh- stall sitzen Sie ewig auf Schloß Trampitz, un monoto­nen freien Felde, wo im Winter nur die Krähen krach­ten und im Sommer die polnischen oder galizischen Ar­beiter schmutzig und stupide einherstampfen Nichts bietet sich da dem Auge, nichts dem Herzen, Sie können da we­der lernen noch genießen. Aber die schone, schone Welt- ftabArlmein lieber, junger Freund Berlin bietet Ihnen alles- Kunst und Wissen und Genuß IN ungezählterViei- fältigkest. Ein ganz anderer Mensch sind Siem »n paar

Wochen dort geworden, Sie, gerade Sie, der Sie so in­telligent in die Welt schauen .'Wohlan nun, junger Mann, kündigen Sie heute noch Ihre Stellung, und ich zahle Ihnen hier auf der Stelle noch ein Angeld von zwanzig Mark! Nichts zu tun hat dieses Geld mit Ihrem Ge­halte, es wird Ihnen das nicht abgezogen werden, denn ich zahle das aus meiner eigenen Tasche und zwar auS dem Grunde, weil ich als Geschäftsmann einerseits mei­ner vornehmen Kundschaft gegenüber mein Renommee aufrecht erhalten will, und weil ich als Menschenfreund andererseits einen so intelligenten, jungen Mann einem vornehmen Wirkungskreis zuführen möchte. Ich kann mir diese Extraausgabe wohl schon einmal leisten, denn ich habe in meiner Praxis schon sehr, sehr viel Geld verdient."

Der Detektiv zog seine Börse, entnahm ihr das ver­sprochene blinkende Goldstück, und dann zog er aus sei­ner Brusttasche zwei teils gedruckte, teils beschriebene For­mulare und einen Füllfederhalter.

Das alles schob er dem jungen Diener hin:So, mein junger Freund, hier sind die zwanzig Mark, und da ist mit Duplikat die Bescheinigung, daß Sie die neue Stelle angenommen haben. Bitte, unterschreiben Sie beide For­mulare, und weiterer Formalitäten bedarf es dann nicht mehr. Meine Adresse sowohl wie die Ihrer zukünftigen Herrschaft finden Sie auf dem Formular verzeichnet."

Während der Rede des Detektivs war der junge Die», ner zuerst sinnend mehr und mehr zusammengesnnken. dann hatte sich sein schlanker Körper allmählich wieder, gestreckt gehabt, und nun saß er da kerzengerade und mit, funkelnden, entschlossenen Augen. Ja, der hatte vollkom- mett recht, der rotbärtige Herr, nichts hatte er auf solch, einem Landschlosse, nichts! Also heraus denn aus dem Kuhstall, entgegen der Freude und auch dem Mam-, mon!

So da prangte auf den Formularen schon der, Name des jungen Dieners.Konrad Wenzel" stand da unten zu lesen. Und das funkelnde Goldstück war schow verschwunden in seiner Tasche. 197,12?