Einzelbild herunterladen
 

Zchluchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. o>. wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «s.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg,

,M 69. Mittwoch, den 27. August 1913 64. Jahrgang.

Amtliches

Ankauf volljähriger Truppendienftpferde im Herbst 1913.

1. Zum Ankauf von warmblütigen volljährigen Reit- und Zugpferden sollen im Regierungsbezirk Kassel die nachbezeichneten öffentlichen Märkte abgehalten werden:

am 17. Oktober 9/2 V. Elm

am 18. Oktober 8 B. Bebra.

2. Die Pferde sind in geringem Umfange für Ka­vallerie, in der Hauptsache für Feldartillerie und Train zum Teil auch für Maschinengewehr-Kompagnien be­stimmt.

3. Beim Ankauf werden die Anforderungen zugrunde gelegt, die für den Remonteankauf maßgebend sind; mit Rücksicht auf die große Zahl der für d.n sofortigen Truppengebrauch erforderlichen Pferde wird allgemein ein scharfer Maßstab angelegt werden.

Zugpferde für Maschinengewehr-Kompagnien müssen in Sielen gehen, sind paarweise mit 1000 kg Last im tiefen Boden vom Bock vorzufahren und dürfen keine Schimmel sein.

Es werden nur Pferde angekauft im Alter von fünf bis zu zehn Jahren und in einer Größe von 1,52 m bis 1,66 in Stockmaß (ohne Eisen gemessen).

Von diesen Alters- und Größengrenzen wird nicht abgewichen werden. Pferde, die erst 4 % jährig sind, oder bei denen das Zahnalter Zweifel zuläßt, müssen daher zurückgewiesen werden. Tragende Stuten sind yom Ankauf ausgeschlossen.

4. Die angekauften Pferde werden sofort abgenommen und den Truppenteilen unmittelbar überwiesen. Die Bezahlung erfolgt gegen Quittung bar oder mittels Schecks.

5. Pferde mit Mängeln, die gesetzlich den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises, der Transport- und sonstigen Kosten zurückzunehmen, desgleichen solche Pferde, die sich binnen 45 Tagen nach dem Ankaufstage als Klophengste er­weisen und Stuten, deren Trächtigkeit nachträglich fest­gestellt wird. Da dies häufig erst im vorgeschrittenen Stadium möglich sein wird, muß vor dem Verkauf ge­deckter Stuten gewarnt werden.

Die gesetzliche Gewährsfrist wird für periodische Augenentzündung auf 28 Tage, für Kehlkopfpfeifen auf 21 Tage verlängert. Mit Rücksicht auf die durch die Zurücknahme für den Verkäufer entstehenden Unkosten wird empfohlen, die Pferde vor dem Verkauf besonders auf Rohren eingehend zu untersuchen.

UeröoLene Ufade.

Kriminalroman von Otto Viehofer. 61

Sagen Sie mal, Fritz," fragte er den Stallburschen, wie hat denn der Herr Baron von Paltzow eigent­lich ausgesehen, war er ein schöner Mann?"

Fritz benahm sich nun etwas gefälliger als vorhin am Tisipe.

O ja," antwortete er,der Herr Baron ist ein schö­ner Mann gewesen, er war groß und stark und gut ge­wachsen."

Soso! Und trug er auch einen Schnurrbart?"

Ja, einen kräftigen sogar, einen blonden."

Verdammt noch mal, dem Detektiv kribbelte eS plötz­lich in allen Gliedern. Aber verwischen mußte er seine Fragen wieder, sonst konnte der Stallbursche am Ende stutzig werden.

Na ja," sagte er in scheinbar größter Ruhe,so wird es sich auch gehören: zu einer schönen Frau ein schöner Mann. Denn die Frau Baronin ist doch eine schöne Frau!"

Ja, das ist sie," erwiderte Fritz.

Aber böse ist sie wohl, nicht?"

Na, jetzt wohl ja, aber früher, als der Herr Baron noch lebte, da nicht."

Na ja, das kann man sich leicht denken. So ist sie wohl auch mit meinem Vorgänger ziemlich unsanft ver­fahren? Warum wurde er denn entlassen? Oder kündigte er selber?"

Ach, das war mit dem so 'ne Geschichte! Inder Stadt war er gewesen mit dem neuen Kutscher, da hatte er Bier getrunken, und als er wieder vor die Baronin trat, da roch sie das. Sie stellte ihn zur Rede, aber er wurde gleich schnodderig, ja, er kündigte sogar, und da flog er auf der Stelle hinaus. Der war ja sowieso nur »uf Probe hier. Sind Sie das vielleicht auch, Kaspar?"

,I bewahre, Fritz, mich engagierte die Frau Baro- um gleich fest auf ein ganzes Jahr I

Zur Anzeige von dem Mangel eines Pferdes ist nicht nur die Kommission, die es gekauft hat, sondern auch jede andere Stelle der Heeresverwaltung berechtigt, also auch der Truppenteil, dem das Pferd überwiesen ist.

6. Verkäufer, die Pferde vorführen, die ihnen nicht eigentümlich gehören, müssen sich gehörig ausweisen können.

7. Der Verkäufer ist verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke, rindlederne Trense mit glattem, starkem, einfach gebrochenem Gebiß und eine neue Kopf- halfter von Leder oder Hanf mit zwei mindestens 2 m langen Stricken unentgeltlich mitzugeben.

8. Die Verkäufer werden ersucht, die Schweife der Pferde nicht übermäßig zu beschneiden und die Schwanz­rübe nicht zu verkürzen.

9. Vorstehende Ankaufsbedingungen gelten sinngemäß auch für nicht öffentliche Märkte.

Berlin, den 14. Juli 1913.

Kriegsministerium.

Remonte-Jnspektion: gez. H a a ck.

J.-Rr. 8575. Die Herren Bürgermeister und Guts­vorsteher ersuche ich, die vorstehende Bekanntmachung in den Gemeinden rc. zu veröffentlichen und die Pferde- züchter nochmals besonders darauf hinzuweisen.

Schlüchtern, den 5. August 1913.

Der Königliche Landrat: Valentine!.

J.-Nr. 9436. Der zum Ankauf volljähriger Truppen­dienstpferde auf den 17. Oktober d. Js. in Elm an­gesetzte öffentliche Markt findet nicht um 8 Uhr vor­mittags, sondern um 9 */, Uh r vor mit tags statt.

Schlüchtern, den 21. August 1913.

Der Königliche Landrat. J. L.: Heuser.

J.-Nr. 9522. Auf Auordnung des Kricgsmini- fteriyms, Remonte-Jnspektion, zu Berlin erhält in der Bekanntmachung vom 14. v. Mts., betreffend den An­kauf volljähriger Truppendienstpferde im Herbst d. I., der letzte Absatz in Ziffer 3 folgende Fassung:

Nur ausnahmsweise und nur für die Kavallerie dürfen auch gut entwickelte vierjährige Pferde genommen werden. Tragende Stuten sind vom Ankauf aus­geschlossen."

Schlüchtern, den 25. August 1913.

Der Königl. Landrat: Valentiner.

Zwischenverkauf.

Auf meine kürzliche- Bekanntmachung hin, nach welcher Herr Kreisgärtner Wüstenhagen auf Wunsch den Verkauf von Zwetschen vermittelt, ist die N a ch -

Na, da müssen Sie ihr wohl gleich gefallen haben."

So muß es wohl gewesen sein, Fritz," gab der De­tektiv mit geschmeicheltem Lächeln zurück.

Also nun wußte er es ganz genau, wie das gekom­men war mit Konrad Wenzel, seinem Vorgänger. Aber das andere das andere, du lieber Himmel! Fein war es doch, daß er den Herrn Grafen von Bruckhoff, den Ponto", vorher gesehen hatte. Ach Gott, wie das hier noch enden würde! Wie der Dienerzwischenfahren würde zu guter Letzt, daß es nur so rauchte. Wie die Gerech­tigkeit ihren Arm ausstrecken würde, und wie die Ketten klirren würden in diesem Schloß. Ei ei, schöne Frau!

Im Hof desRoten Löwen" stand der gelbe Wa­gen schon.

Fritz," sagte da der Diener zum Stallburschen,nun führen Sie mich einmal nach dem Kaufhaus Tippelmann, dort werde ich mir eine nagelneue Livree aussuchen, mei­nen Koffer holen wir nachher."

Fritz befestigte noch ordentlich die Zügel des Pfer­des, löste einen Strang, und dann ging's hin zu Tip­pelmann.

Lächerlich mittete es dem Diener an, als man ihm da mit der ausgesuchtesten Höflichkeit entgegen kam. Das scharwenzelte hin und scharwenzelte her, Chef sowohl wie Ladenschwengel, geradeso, als war er der Herr Baron selber, und nicht der Diener seiner Witwe.

Und auf einmal steckte Herbert Balthasar drin in der Kluft; hellblau leuchtete auf seinem üppigschlanken Kör­per das Tuch, und silbern glitzerten darauf die Litzen. Und der hohe, steife Hut glänzte ebenfalls im Sonnen­schein.

Nicht wahr, das paßt alles ausgezeichnet?" fragte Herr Tippelmann, als er das Lächeln des Dieners vor dem großen Spiegel aufgefangen, und daran dessen Freude zu erkennen geglaubt hatte.

Ja, das paßt alles sehr gut!" erwiderte Herbert Balthasar, immer noch ein leises Lächeln um seine Mund­winkel.

frage (namentlich nach gepflückten Zwetschen) von auswärts bisher größer als das Angebot aus dem Kreise. Dies ist um so auffälliger, als die Zwetschen- bäume vielerorts im Kreise sehe voll hängen. Damit nun keine Käufer unnötig abgemiesen werden müssen, ist es dringend erforderlich, daß die V e r k ä u f e r von Zwetschen umgehend den Herrn Kreisgärtner be­nachrichtigen, wieviele Mengen Zwetschen sie ab­geben können.

Nur wenn der Kreisgärtner weiß, welche Mengen von verkäuflichen Zwetschen vorhanden sind, kann eine erfolgreiche Verkaufsvcrmittelung durchgeführt werden.

Schlüchtern, 26. August 1913.

Der Landrat. gez.: Valentiner.

J.-Nr. 9468. Die Ortspolizeibehörden des Kreises ersuche ich, mir bestimmt bis zum 30. d. Mts. die Namen derjenigen Teilnehmer an der Hundertjahrfeier des Kurhessischen Jäger-Bataillons Nr. 11 in Marburg am 10. d. Mts., die beim vormaligen Kurhessischen Jäger- und Schützen-Bataillon gedient haben und denen die Kurhessische Jubiläumsdenkmünze ausgehändigt worden ist, nach dem hierunter abgedruckten Muster mitzuteilen.

Schlüchtern, den 26. August 1913.

Der Königli he Landrat: J. V.' Heuser.

J.-Nr. 9640. Im Manöver früherer Jahre hat es sich als störend erwiesen, daß Dienstautos, sonst für Kraftfahrzeuge brauchbare Straßen, auf denen der Verkehr von Kraftfahrzeugen polizeilich untersagt

Na, das ist man schön," freute sich Herr Tippel­mann,dann wollen Sie die Güte haben und sich im Ankleideraum wieder umziehen, damit wir gleich alles recht schön einpacken können. Oder belieben Sie vielleicht, die Livree gleich anzubehalten?"

Um Gottes willen, nein, da würde die Frau Baro­nin mir schön auf den Kopf kommen."

Herbert Balthasar war schon im Ankleideraum ver­schwunden, und als er wiederkehrte, da stand Herr Tip­pelmann hinterm Ladentisch, gebeugt über den dicken Folianten, und schrieb zu dem Konto der Baronin von Paltzow sorgfältig den neuen Kauf.

Das war ein Geschäftchen gewesen so in früher Nach­mittagsstunde, denn die Frau Baronin bezahlte sehr gut. Ueberhaupt das erste war es heute, und da mußte er sich dem Diener gegenüber noch besonders erkenntlich zei. gen.

Er schritt zum Regal, holte ein HalbesDutzend weißer, minderwertiger Taschentücher hervor und reichte sie dem Diener:Ich habe Ihnen hier ein kleines Präsent zu- gedacht, bitte, prüfen Sie erst, ob's Ihnen auch zusagt; wo nicht, suche ich Ihnen etwas anderes hervor. Und gleichzeitig unterbreiteich Ihnen die Bitte: Beehren Sie mein Haus recht bald wieder mit Ihrem werten Be­such!"

Dasselbe Lächeln wie vorhin war über das Antlitz des Detektivs geglitten, er besah sich die Tücher und sagte: Die Taschentücher gefallen mir sehr, Herr Tippelmann, und ich kann sie auch gebrauchen. Ich danke Ihnen viel­mals für diese Aufmerksamkeit, und es wird mir stets ein Vergnügen sein, bei Bedarf Ihr geschätztes Haus wie. der aufzusuchen."

Herr Tippelmann machte eine tiefe Verbeugung, und ein paar Minuten später hatte ein Kommis Livree wie Taschentücher eingepackt. Nochmals Verbeugungen hüben wie drüben, und Kaspar und Fritz schritten demRo­ten Löwen" zu, um das Riesenpaket im Wägelchen zu verstauen. 197,18*