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ZWchtemerMung

mit amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «3. lVochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «3.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

M 74.

Samstag, den 13. September 1913.

64. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 4660 K. A. Es wird hiermit nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß am

Sonnabend, den 13 September abends 7 Uhr

in der Nan'schm Wirtschaft zu Herolz Termin zum Verkauf des jetzigen Kreisbaumschulgeländes nebst Gebäuden statt-indet. Bei annehmbarem Gebot, wird nur dieser eine Termin abgehalten. Die Grund­fläche ist in 1213 Quartiere mit mindestens 15 m Straßenfront eingeteilt. Jedes Quartier ist 1112 ar groß. Eignet sich das Grundstück schon wegen seiner Lage an der Straße zu Bauplätzen, so ist auch die Flächengröße der einzelnen Teilparzellen zur Anlage eines Gemüse- und Grasgartens ausreichend groß genug. Das Kaufgeld kann auf Wunsch gegen Sicher­heitshypothek stehen bleiben. Außerdem erhält jeder Käufer sobald er die Fläche bebaut hat, 10 junge Obstbäumchen gratis geliefert, auch werden die Bau­zeichnungen vom Kreisbauamt kostenlos angefertigt. Die näheren weiteren Bedingungen werden im Termin bekannt gemacht.

Schlüchtern, den 10. September 1913.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses:

V a l e n t i n e r.

Bekanntmachung.

Am Sonntag, den 14. September d. Js., nachmittags 2 7, Uhr, finden bei R a m Holz (zwischen Vollmerz und Ramholz) die diesjährigen Areiswettkämpfe

der schulentlassenen Jugend, die vierten seit 1909, statt.

Zugelassen sind alle Jngendvcreinigungen, Turn­vereine und Sportklubs des Kreises, welche dem Kreis­ausschuß für Jugendpflege angeschlossen sind.

Die Wettkämpfe bestehen aus:

L Staffettenlauf ^ ^ die Spielmannschaften

3. Einzelwettlauf 150 Meter weit, ohne Hinder­nisse, frei für sämtliche Mitglieder der an den Wettkämpfen teilnehmenden Spielmann­schaften.

4. Musterschlagballspiel zwischen den Mannschaften von Züntersbach und Degenfeld.

Um den neu Hinzutretenden die Beteiligung an den Wettspielen zu erleichtern und namentlich um eine ge­rechte Bewertung zu ermöglichen, sollen zum ersten Male zwei Spielklassen gebildet werden.

In der Klasse I wirken alle diejenigen Mann­schaften mit, welche sich schon bisher an den Wettspielen

beteiligten, es sei denn, daß eine Mannschaft selbst in der Klasse II zu spielen wünscht. Ferner diejenigen neu hinzutretenden Mannschaften, welche sich ausdrück­lich für Klasse I melden.

Zu Klasse II gehören die übrigen neu Hinzu­tretenden und von den älteren Mannschaften diejenigen, welche in dieser Abteilung mitwirken wollen.

Die endgiltige Verteilung der Mannschaften auf die beiden Spielklassen bleibt aber, wenn nötig, den Schiedsrichtern vorbehalten.

Preise.

Der Preis für die höchste Punktzahl in Klasse I ist die Fahne.

Sie ist ein Wanderpreis und muß von der sieg­reichen Spielvereinigung im nächsten Jahre verteidigt werden. Wer die Fahne 2 Mal hintereinander oder 3 Mal in Zwischenräumen erringt, erhält sie zu Eigen­tum. Außerdem erhält die siegreiche Mann­schaft das Recht, den Ort der nächstjährigen Kreiswettspiele zu bestimmen.

Die Fahne ist gegenwärtig im Besitz der Degen- felder Vereinigung in RamholzVollmerzHinkelhof.

Der Siegesprets in Klasse II ist ein großes gerahmtes Kaiserbild für das Vereinslokal und wird sofort Eigentum der betreffenden Vereinigung.

5 Preise für den Wettlauf:

1. Ein Feldstecher, gestiftet von der Frau Baronin von Stumm auf Schloß Ramholz.

2. Ein Gutschein für eine passende, vollständige Wanderausrüstung nach Art der Pfadfinder, be­stehend aus Jacke, kurzer Hose, Wanderstiefel, Hut, alles nach Maß und Ledergürtel mit Karabinerhaken.

3. Ein vollständiger Feld - Kochapparat für Wanderungen.

4. Ein guter Rucksack.

5. Desgleichen.

Alle teilnehmenden Vereine erhalten Kränze von Eichenlaub mit schwarz-weiß-roter Schleife. Die­jenige Hälfte der Vereine, welche die höhere Punktzahl erreicht hat, erhält dazu einen zweiten Kranz. Von 1914 ab wird in jedem Jahre ein besonderer Preis (kein Wanderpreis) für diejenige Jugendvereinigung ge­schaffen, welche bis dahin (also seit 1910) die meisten Kränze insgesamt errungen hat. Bleibt aber eine Jugendvereinigung den Kreiswettspielen ohne berechtigten Grund fern, so werden ihr alle bis dahin errungenen Kränze nicht mehr angerechnet. Sie muß also von neuem anfangen.

Schiedsrichter sind Landrat Valentiner, Rektor Maldfeld - Steinau, Seminarlehrer Groß - Schlächtern, Lehrer Klauer - Weichersbach, Lehrer Hahn - Marjoß, Lehrer Traudt-Gundhelm.

Wegen der Fahrpreisermäßigung auf der Eisenbahn, welche den Jugendvereinigungen auf Grund ihrer Zugehörigkeit zum Kreisausschuß für Jugendpflege zusteht, haben die Leiter der Vereine bereits Nachricht erhalten.

Alle Freunde einer körperlich tüchtigen, geistig regen, sittlich zuverlässigen deutschen Jugend sind herzlich ein­geladen.

Schlächtern im September 1913.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

Die deutsche evangelische Seemanns mission im Jahre 1912.

Die deutsche evangelische Seemannsmission hat auch im vergangenen Jahre ihre Pflicht an ihren getauften Gliedern, welche zur See fahren, wieder treu erfüllt und hat wachsende Erfolge zu verzeichnen. In 200 Häfen der Welt hat sie Fuß gefaßt und steht dort als .treuer Freund dem Seemann in allen Fragen seines inneren und äußeren Lebens mit Rat und Tat zur Seite. In ihren 34 Seemannsheimen hat sie über 21000 Seeleuten für billiges Geld gute Unterkunft gewährt, und darüber hinaus noch was mehr wert ist, einen sicheren Zufluchtsort gegen die berüchtigten Ver­führungen der Hafenviertel der großen Seestädte. 26 Seemannspastoren im Hauptamte und 62 Diakonen haben 43 000 Schiffsbesuche und 13 000 Kranken­besuche gemacht. An den Gottesdiensten nahmen 38 000 Seeleute, an den Unterhaltungsabenden 37 000, an den Weihnachtsfeiern 10 000 teil. In den Lesezimmern gingen 31 000 Seeleute ein und aus. Etwa 5000 Mann wurde durch die Mission eine Stelle vermittelt; 100 000 Briefsachen wurden zwischen den Seeleuten und ,r« Angehörigen vermittelt.

Der eigentliche Erfolg all dieser Arben kann selbst­verständlich nicht zahlenmäßig festgestellt werden, es kann nicht zahlenmäßig angegeben werden, wie viele Menschen durch die Seemannsmission auf dem rechten Weg erhalten oder wieder auf denselben gebracht worden sind, auch nicht was durch Trost und Erquickung, an Kranken- und Sterbebetten erreicht wurde, auch nicht, was an Beruhigung den Eltern daheim zuteil wurde, die ihre Söhne in der Gefahr nicht ohne Schutz wußten. Ein Erfolg aber ist offenbar, das ist das Vertrauen, dessen sich die Seemannsmission unter den Seeleuten erfreut. Das zeigt sich darin, daß die Heime gern auf­gesucht werden, und daß die Dienste der Seemanns« mission gerne in Anspruch genommen werden, noch mehr aber darin, daß die Seeleute durch die Mission sich immer mehr zur Sparsamkeit haben erziehen lassen. In 1912 wurden ihr von denselben 1 840 000 Mark

Mröotene Ufade.

Kriminalroman von Otto Viehofer. 68

Vor dem Richtertisch lag aufgehäuft all das Material, das Untersuchungsrichter imb Kriminalpolizei zusammen­getragen hatten, um den Angeklagten da der grausigen Doppeltat zu Überfuhren.

Aber der stand auf der Anklagebank mit funkelnden Augen, und, trotz der schweren Fesselung hoch aufgerich­tet, bereit zum Kampf. Nichts schien er zu fürchten, we­der die drohenden Blicke des Staatsanwalts, noch die strengen Gesichter der Geschworenen, noch die beiden her­kulischen Schutzleute an seiner Seite.

Der Eröffnungsbeschluß, lautend aufzweifachen Mord, war bereits verlesen, die Zeugen aufgerufen, und wieder hinausgeschickt worden, ein Räuspern und Hüsteln ging durch den Saal, dann tiefe Stille, und der Vorsitzende wandle sich an den Angeklagten:Sie sind der ledige landwirtschaftliche Arbeiter Wenzel Stanislaus Kocz- mierski, am vierund zwanzigsten März achtzehnhundert- fünfundachtzig zu Koschmin in Posen geboren?"

Fest sah der Pole den Vorsitzenden an:Ja, der bin ich."

»Was sind Ihre Eltern und wo sind Sie zur Schule gegangen?"

Arbeiter wie ich, sind meine Eltern, und in Schule g'ug ich in Koschmin."

Sind Sie schon einmal bestraft?"

Das Auge des Polen flammte triumphierend aus: -Nein, noch nicht, nie bin ich bestraft nie I"

Bekennen Sie sich schuldig, den Herrn Baron Egon von Paltzow auf Schloß Trampitz und dessen Kutscher Friedrich Hilbert ermordet zu haben?"

Die breite Brust des Polen wölbte sich, ferne Arm- Vulskeln zuckten und das Auge bohrte sich tief m das des Vorsitzenden:Ich - ich soll haben ermordet Baron »««? Wie kann Richter so was fragen, hab ich

doch gesagt vorUntersuchungsrichter, daß ich getan hab rein nichts. Ja die, die wollten morden mich mich,

Wenzel Koczmierski, vor Kuhstall im Dorf! Hunde ver !"

Wie von der Natter gestochen, war der Vorsitzende von seinem Sitz emporgeschnellt, und seine Rechte war abwehrend und unterbrechend jäh nach dem Polen hin­gefahren:Angeklagter, ich verbitte mir hier ein derar­tiges Auftreten, Sie sind doch hier nicht unter polnischen Raufbolden. Sie haben sich an diesem Orte nur eines absolut anständigen Tones zu befleißigen, oder sonst ge­brauche ich andere Maßregeln gegen Sie!"

Er hatte sich wieder gesetzt und fuhr dann etwas mil­der fort:Ueberhaupt möchte ich dem Angeklagten ra­ten, durch gesittetes und reueoolleS Benehmen sich die Milde seiner Richter zu gewinnen."

Des Verteidigers schwarze Gestalt am Verteidiger­tisch hatte sich erhoben:Ich protestiere gegen den Aus­druck des Herrn Vorsitzenden: reuevolles Benehmen! Wie­wohl ich auch selber meinem Klienten ein anständiges Ver­halten seinen Richtern gegenüber nur dringend anempfeh­len kann, so erachte ich den Ausdruckreuevoll" doch nicht für angetan, den Angeklagten in seine Schranken zurück- zuweisen. Ja, im Gegenteil, der Ausdruck muß ihn ge­radezu reizen, denn er drückt den Angeklagten mit voller Wucht auf die Tat hinab, während es noch gar mcht er­wiesen ist, daß er der Täter ist!"

Herr Verteidiger," wandte sich der Vorsitzende an den Rechtsanwalt,ich verbitte mir Ihrerseits jegliche Unter- brechung. Wenn Sie etwas gegen meine Amtsführung haben, so legen Sie formale Beschwerde ein."

Der Verteidiger schwieg und der Vorsitzende wandle sich wieder an den Angeklagten:Also, Angeklagter, Sie haben ruhig zu antworten, entweder mit za, oder mit nein: Ich frage Sie nun nochmals: Haben Sie den Ba­ron Egon von Paltzow und dessen Kutscher Friedrich Hil- ^MdnlMiang es kurz und mit verhaltener Wut zu-

radezu reizen, denn er Wucht auf die Tat hin

Der Vorsitzende nahm nun den hohen schwarzen Kut­scherhut vom Tische und hielt ihn dem Angeklagten ent- gegen:Kennen Sie diesen Hut?"

Nein!"

Also nicht. Nun, dann werde ich es Ihnen sagen: der Hut gehört dem ermordeten Kutscher Friedrich Hilbert. Aber wissen Sie vielleicht, wer das Loch dahinein ge­schossen hat?"

Wie soll ich wissen, wer Loch schießt in Hut. Hab ich nichts gehört, auch nichts gesehen."

Der Vorsitzende deutete nun auf den starken Knüttel auf dem Tische:Aber diesen Knüttel kennen Sie doch?"

Ja, is sich meiner, hab ich gehabt, als ich ging von Trampitz weg."

Aha! Und warum gingen Sie von Schloß Tram- pitz fort?"

Nu, weil mir nicht gefiel dort, und weil Baron ge­schimpft hat auf mich."

Soso. Aber so heimlich itnb ohne daß Sie Ihren Arbeitslohn abgehoben hatten? Sie waren doch ohne Mit-

Ja, gewiß. Hätt ich gesagt zu Oberinspektor, ich will gehen und hätt gefordert das bißchen Lohn so wär Ba­ron gekommen und hätt geschimpft noch mehr auf mich, was ich nicht kann vertragen. Und da ging ich lieber so."

Der Vorsitzende sandte einen bedeutungsvollen Blick nach den Geschworenen. Dann hob er vom Tische einen Kittel und ein Beinkleid empor:Wem gehört dieses, An­geklagter?"

Das ist meine Jacke und meine Hose."

So. Und wessen ist das Blut, das daran klebt?"

Der Vorsitzende hatte die Photographien, die von Beinkleid und Kittel ausgenommen worden waren, und die deutlich verwaschene Blutspritzer aufwiesen, den Ge­schworenen zur Ansicht überreicht, und der Angeklagte ant­wortete:Mein Blut ist das, mein, Richter, und keinem andern seins! Von meiner Nas' ist das, hab ich doch auch schon gesagt bei Untersuchung." ' 197 18*