ZchlüchtewrMung
mit amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. «5. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «5.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
M 76. Samstag, den 20. Septeulber 1913. 64. Jahrgang.
Die im 64. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreiteste Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.
Wer eiee litoectog '
nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober 1913 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
daher in der Zustellung imsersr Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. September unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß Ouartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. — Jede Postanstalt
die Expedition der „Schlüchterner Zeitung"
Amtliches.
HJ.-Nr. 10292. Seit kurzer Zeit tritt in einigen Bächen des .Regierungsbezirks Cassel unter den Forellen eine Krankheit auf, welche leicht für den Forellenbe- stand gefährlich werden kann. Es handelt sich um die Furunkulose.
Damit einer epidemischen Verbreitung der übertragbaren, sehr gefährlichen Krankheit vorgebeugt werde, mache ich die Interessenten auf sie aufmerksam und ersuche von deren Auftreten mir unverzüglich Nachricht zu geben. Etwa aufgefundene tote Fische müssen aus den Gewässern entfernt und durch Begießen mit Kalkmilch und Vergraben unschädlich gamacht werden.
Kenntlich sind die furunkulosekranken Fische an Geschwüren, die sich zuerst als erbsen, bis nußgroße Anschwellungen zeigen, dann aber aufbrechen und eine blutige eitrige Masse mit zahlreichen Bakterien ent« leeren.
Im Zweifelfalle würden verdächtige Fische zur Untersuchung an die Königliche Bayerische biologische Versuchsstation für Fischerei in München zu senden sein.
Schlüchtern, den 11. September 1913.
Der Königliche Landrat: J. V: Heuser.
J.-Nr. 253. G. Diejenigen Herrn Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 12. August ds. Js. — J.-Nr. 253. G. — noch im Rückstände sind, werden an die u m g e h e n d e Einsendung der eingeforderten Anzeige erinnert.
Schlüchtern, den 18. September 1913.
Der Königliche Landrat: J. V: Schultheis.
I. 16946. Der auf Donnerstag, den 25 September d. Js. in hiesiger Stadt angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekanntgegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 6'/, Uhr morgens begonnen werden.
Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 25. April
Ieröotene Ufade.
Kriminalroman von Otto Viehofer.
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„Na ja, das ist richtig. Aber warum waren Sie gerade zu der fraglichen Zeit auf dem Korridor, warum halfen Sie Ihrem Herrn denn nicht beim Ankleiden, wenigstens bei dem Anlegen des Mantels?"
„Ganz einfach, Herr Präsident, der Herr Baron kleidete sich stets selber an, er liebte derlei Hilfeleistungen seitens seines Dieners nicht."
„Soso. — Nun sagen Sie einmal: Warum kündigten Sie auf Schloß Trampitz denn eigentlich so plötzlich Ihren Dienst, Sie sind doch ein ganzes Menschenalter dort gewesen?" .
„Herr Präsident, Marie, die Köchin, war meine verlobte Braut, der wurde von der Frau Baronin gekündigt, und im Zorn darüber kündigte ich ebenfalls. Ich muß aber sagen, ja, ich will an dieser Stelle offen be^ tonen, daß ich dieses mein jähes Handeln längst bereut habe. Ich bereue es deshalb, weil ich der gnädigen Frau Baronin damit ganz ohne Grund sehr wehe getan habe, und ich will noch heute, nach beendetem Termin, vor meine einstige Herrin treten, um Abbitte zu leisten."
»Na, das ist ein schöner Zug von Ihnen. Aber nun zurück zum Herrn Baron. Also, Sie " Baron zum Wagen, öffnetest den ( , „ stieg ein?"
e geleiteten den Herrn Schlag und Ihr Herr
„Und weiter?" . . ,
. »Nun, ich schloß den Wagenschlag wieder und nes dem Kutscher zu: Fahren Sie zu, Friedrich: Einige Sekunden später war der Wagen vom Hose verschwunden. Und eine halbe Stunde später war er wieder da aber — aber leer, ohne den — den gnädigen Herrn— Baron!"
Schluchzend hatte der alte Diener die letzten Worte
hervorgestoßen, Tränen rolltenüber seine ledernen Wangen _ „a- ,
Herab, Md sein trockener Körper zuckte im tiefen Schmerz. ^D^nachste Zeuge.
1904 ist das Handeln mit Vieh und das Mustern von Vieh zwecks Handelns im Stadtbezirke außerhalb des Viehmarktplatzes vor und während der Dauer des Marktes verboten.
Auf Grund des § 47 der viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 1. Mai 1912 wird bestimmt, daß nach 9 Uhr vormittags Tiere nicht mehr zum Markt gebracht werden dürfen.
Besonders mache ich noch darauf aufmerksam, daß durch den 2. Zugang (vor der Lindenstraße) zum Viehmarktplatz nur voruntersuchtes Vieh aufgetrieben werden darf.
Fulda, den 12. September 1913.
Der Landrat: J. V: gez. K.öhler.
J.-Nr. 8975. Es ist wiederholt die Beobachtung gemacht worden, daß den ausländischen Arbeitern bei der Entlassung seitens ihrer Arbeitgeber aus irgend einem Grundedie Heimatspapierenicht ausgehändigt werden. Den Arbeitern entstehen dadurch beim Ueber- schreilen der Grenze nicht selten Schwierigkeiten und Weiterungen, die zu berechtigten Klagen Anlaß geben. Die Heimatspapiere ebenso wie die Legitimations- karten sind Eigentum der Arbeiter und dürfen ihnen daher auf keinen Fall vorenthalten werden, andernfalls sich der Arbeitgeber der Gefahr von Regreßansprüchen aussetzt.
Die Arbeitgeber mache ich hierauf aufmerksam.
Schlüchtern, den 9. September 1913.
Der Königliche Landrat: I. V: Heuser.
Deutsches Reich.
— Der sozialdemokratische Parteitag in Jena hat soeben seine Verhandlungen begonnen. Zu Vorsitzenden wurden die Genossen Ebert-Berlin und Bock-Gotha gewählt. Bei der Erstattung des Geschäftsberichts streifte der Genosse ) Scheidemann u- a. auch die Frage des Massenstreiks und erklärte, daß für einen Massenstreik in Deutschland die Sozialdemokratie noch nicht genügend vorbereitet sei. Genosse Braun äußerte ....____.W.f..^>,-----^«sy^i-^^M^ässtiiÄMKÄ^^aiiS^^
Das ganze Auditorium war gerührt von der Liebe und Treue dieses Dieners zu seinem unglücklichen Herrn.
Sanft kam die Stimme des Vorsitzenden : „Und wissen Sie vielleicht, wer auf so grauenvolle Weise den Wagen
unterwegs leerte?"
Jäh wendete sich Johann Kersten dem Angeklagten zu, und schrill und mit vvrgestrecktem Knochenftngerrief er: „Der ist es gewesen, Herr Präsident — der ruchlose Pole da!"
Herrgott, hatte das den Wenzel Koczmierski getroffen. Wie ein Löwe war der aufaefahren, seine Augen funkelten und die ungefesselten Beine wollten über die Brüstung der Anklagebank hinweg. Aber vier eiserne Fäuste waren schon in seine wehrlosen Arme gefahren, und wie angenagelt saß er wieder auf der Anklagebank.
Worte der Entrüstung sowohl wie der Genugtuung waren aus bem Zuhörerraum gekommen, aber der Vorsitzende trat ihnen diesmal nicht entgegen. Auch dem An- .......... Nur allein der Zeuge
geklagten trat er jetzt nicht entgegen. : interessierte ihn in diesem Augenblick.
„Woher wissen Sie denn, daß der Angeklagte die Doppeltat begangen hat?" fragte er eifrigst den einstigen Diener.
„Ja — ja, wer soll es denn weiter gewesen sein, Herr Präsident," antwortete noch immer schluchzend der Zeuge, „wer soll es denn weiter — weiter gewesen sein. Nur — nur er allein hat doch — doch Streit gehabt mit dem
seligen Herrn Baron."
Der Vorsitzende war enttäuscht.
„Also das ist nur Ihre Vermutung, aus eignerWahr- nehmung wissen Sie nichts?"
„Nein, Herr Präsident."
„Na, sehen Sie wohl, Zeuge. Wie kommen Sie denn nur dazu, den Angeklagten in dieser Weise zu beschuldigen? Nein, nein, das dürfen Sie an Gerichtsstelle nicht tun, wenngleich Ihnen die Tat auch noch so nahe geht. — Es ist gut, Johann Kersten, Sie können wieder auf den Korridor hinausgehen."
Der Vorsitzende wandle sich dem Gerichtsdiener zu:
seine Unzufriedenheit mit den geringen Erfolgen der sozialdemokratischen Jugendpflege, während von andrer Seite behauptet wurde, daß von der „Arbeiterjugend" sebst mancher Erwachsene noch lernen könne. Schließlich wurde wieder einmal die Agrarfrage angeschnitten, an deren baldiger Lösung eine besondere Kommission arbeiten soll. Das Mittel ist nicht ganz neu, denn schon in den neunziger Jahren hat man zweimal Kommissionen eingesetzt, um die Landarbeiter für die sozialdemokratischen Ideen zu gewinnen. Aber so wenig wie damals dürfte auch jetzt der Sozialdemokratie ein Erfolg beschieden sein, denn die landwirtschaftlichen Kreise sind aufgeklärt genug, um zu wissen, daß in der Irrlehre der landwirtschaftsfeindlichen Umsturzpartei ihr Heil keineswegs zu finden ist.
— Eine Darstellung der Entwicklung der Unfälle aller Art auf den deutschen Eisenbahnen wird auf Anordnung des Chefs für die Verwaltung der Reichseisenbahnen bearbeitet, um bei den Beratungen über den Reichsetat für 1914 vorgelegt zu werden. Diese Unfallstatistik wird den Beweis liefern, daß auf den gesamten deutschen Staatseisenbahnen außerordentliche Fortschritte hinsichtlich der Sicherung des Verkehrs vorhanden sind, und daß sich im Vergleich mir äußer- deutschen Verwaltungen für Deutschland ein äußerst günstiges Bild ergibt, das auch gegenüber den^Bahnen der Vereinigten Staaten von Amerika einen sehr bedeutenden Vorsprung feststellt.
ANZlanö.
— Der japanisch-chinesische Konflikt dürfte damit seine Erledigung finden, daß China sich bereit erklärt hat, die japanischen Sühneforderungen zu erfüllen. Diese Forderungen gehen dahin, daß die Zentral- regierung schriftlich ihr Bedauern über die Vorgänge in Nanking ausspricht. General Chang hat sich persönlich bei dem Konsul in Nanking wegen des Aufzugs der Truppen vor dem Konsulat in Nanking zu entschuldigen. Den Hinterbliebenen der bei den Unruhen
Der alte Johann schlürfte aus dem Saal, und vor den Richtertisch trat der Stallbursche Fritz.
Der bestätigte ebenfalls die Abfahrt des Barons und ihm folgte in der Zeugenschaft ein Kreisdeputierter, der beschwor, daß im Hotel „Kronprinz" in M. an dem Unglücksabend eine Sitzung der Kreisdeputierten wirklich anberaumt worden war und daß Baron vonPaltzow seinerzeit zugesagt hatte, bestimmt daran teilzunehmen.
Nun folgte der Schloßgärtner, der iiber den Konflikt des Barons mit dem Polen aussagte, und dann kamen die beiden Gutsinspektoren an die Reihe.
Drohend mehr und mehr zogen sich da die Wolken zusammen über dem Haupte des Angeklagten, denn dessen plötzliches Verschwinden vom Gutshofe ohne Abhebung seines Lohnes, der Zwischenfall zwischen ihm und dem ermordeten Baron, sowie die Abdrücke seiner Holzschuhe am Tatort und die Blutspritzer in seinen Kleidern waren nun einmal Tatsachen, die nicht aus der Welt zu schaffen waren.
Daran änderten alle Erklärungen und Folgerungen des Verteidigers nichts, und auch nicht die Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten. Man glaubte eben dem Angeklagten nicht, ja — man konnte ihm nicht glauben.
Und da trat nun, als Hanptzeugin, den schwarzen Schleier zurückgeschlagen, mit einem Mal die Witwe des ermordeten Barons in den Saal. Mit schmerzverzerr- tem Antlitz, jedoch hoch aufgerichtet und mit festen Schritten, begab sich die Baronin vonPaltzow vor denRichter» lisch, und aller Augen hingen an ihrer prächtigen Gestalt.
So fest und sicher wie ihre Haltung, war auch ihr Eid gewesen, und so klangen nun auch ihre Aussagen. Ihrem schönen Munde entfloß jetzt genau dasselbe, was sie einst beim Verhör durch den Kriminalkommissär angegeben hatte, nur war, veranlaßt durch die Zwischen» fragen des Vorsitzenden und des Verteidigers, hier und da eine kleine Ergänzung hinzugekommen. Auf ein Haar glichen sich ihre Aussagen mit denen ihres einstigen Die-' WA des astest Johann. . 197,18*