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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

M 81.

Mittwoch, den 8. Oktober 1913.

64. Jahrgang.

Amtliches.

J-Nr. 11268. Die öffentliche Vorführung der Hengste des Königlichen Landgestüts Dillenburg findet am Freitaa, den 10. d. Mts. vor­mittags ll1/, Uhr statt. Anschließend daran ein gemeinsames Essen.

Anmeldungen über Teilnahme am Festessen werden schleunigst an das Landgestüt Dillenburg erbeten.

Schlüchtern, dcu 4. Oktober 1913.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

Bekanntmachung.

Die diesjährigen Herbst - Kontroll - Versammlungen finden wie folgt statt:

1. in Hauswurz.

Freitag, den 7. November 1913, vorm. 11 Uhr für die Ortschaften: Hauswurz, Brandlos, Buchenrod, Höf und Haid, Kauppen, Magdlos, Stork, Weidenau, Hintersteinau, Reinhards.

2. in Hosenfeld (Medlersche Wirtschaft).

Freitag, den 7. November 1913, nachm. 1'/, Uhr für die Ortschaften: Hosenfeld, Blankenau, Giesel, Gersrod, Hainzell, Jossa, Pfaffenrod Poppenrod, Schletzenhausen.

3. in Oberkalbach.

Sonnabend, den 8. November 1913, vorm. 11 Uhr für die Ortschaften: Oberkalbach, Eichenried, Veitstein­bach,Zillbach, Gundhelm, Heubach, Hütten, Uttrichshausen.

Zum Erscheinen bei den Kontrollversammlungen sind verpflichtet: ,

1. sämtliche Reservisten der Jahrgänge 1906 bis- einschließlich der Jahrgänge 1913 sowie die Jäger der Klasse A vom Jahrgang 1901 ab aufwärts;

2. die vor beendeter Dienstzeit zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften;

3. diejenigen Wehrleute, welche zur Landwehr II. Auf­gebots überzuführen sind, das sind die in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1901 einge­tretenen Mannschaften;

4. die Halbinvaliden der Reserve.

Die als zeitig Ganzinvalide oder als zeitig feld- unb, garnisondienstunfähig anerkannten Mannschaften müssen zur Kontrollversammlung erscheinen.

Die Milttärpaptere sind mitzuvringeu, (Paß mit Kriegsbeorderung und Führungszeugnis).

Wer durch Krankheit oder dringende Geschäfte an dem Erscheinen bei der Kontrollversammlung verhindert ist, muß rechtzeitig spätestens bis zum 3. Novbr. d. J. ein ärztliches Attest bezw. einer Bescheinigung der Orts­behörden an das Meldeamt Fulda einreichen, damit

Mröotene Made.

Kriminalroman von Otto Biehofer. 73

Herbert Balthasar war schon im Salon der Baronin. Aber sein Blick ging da nicht gleich nach der Lampe oben, sondern scharf ringsum in dem Gemach.

Und plötzlich rissen sich seine Augen weit auf, als sähen sie etwas Ueberirdisches. Was war das dort? Papier­fetzen in demzierlichen Papierkörbchen neben dem Schreib­tisch der Baronin?

Mit einem Satz war Herbert Balthasar am Schreib­tisch. Wahrhaftig, erhattesichnichtgetäuscht, anscheinend ein Brief war zerrissen und ins Körbchen geworfen wor­den. Aber wie war es denn nur möglich, am Nachmit­tag war das Körbchen doch noch leer gewesen? Sollte etwa die Zofe in letzter Stunde--? Aber nein, sie würde es gar nicht wagen, das Körbchen ihrer Herrin mit Papierfetzen zu füllen. Also mußte es die Baronin selber gewesen sein.

Teufel noch mal, das war doch höchst auffallend: Don einem Schwurgerichtstermin gekommen und gleich Papierfetzen fortgeworfen. Sollte die Frau Baronin am Ende doch einmal unvorsichtig gewesen sein? Heraus mit den Fetzen aus dem Körbchen ohne weiteres Zögern, und hinein mit ihnen in seine Tasche, nicht ein einziges Streff- lein zurückgelassen. Auf seinem Zimmer hatte er jetzt noch Zeit genug, sie alle wieder fein zusammenzuflicken.

Ein leises Rascheln im Korb, die Lampe erlosch plötz- uch, und der Diener war schon wieder auf seinem Zimmer.

An seinen Kleiderschrank ging er da, schloß den darin bestudlichen Koffer auf und entnahm ihm einen festen stopierbogen und ein Fläschchen mit Fischleim und Pin- g- Dann begab er sich an den Tisch und fing an, die Fitzen folgerichtig auf den leeren Bogen zu^bm^ ^

die Entscheidung noch vor der Kontrollversammlung mitgeteilt werden kann.

Befreiungsgesuche genießen nur dann Portofreiheit, wenn die Gesuche durch Erkrankung, gerichtlicher Vor­ladung oder ähnliche, von dem Willen der Kontroll­pflichtigen unabhängige Umstände veranlaßt werden.

Alle übrigen Gesuche, welche nur bittet) Privat- interesse begründet werden, sind zu frankieren.

Nur wer durch plötzliche Erkrankung oder ganz unvor­hergesehene Fälle abgehalten ist, der Kontroll-Versammlung beizuwohnen, kann an dem betr. Kontrollplatz mit Ueber- reichung eines ärztlichen bezw. amtlichen Zeugnisses ent­schuldigt werden.

Unentschnldigtes Ausbleiben, ober nicht pünktliches Erscheinen sowie Erscheinen auf einem nicht zuständigen Kontrollplatz ohne Erlaubnis wird mit Arrest bestraft.

Da Fußmessungen stattfinden haben die Leute der Jahrgänge 1908 und 1909 mit reingewaschenen Füßen zu erscheinen.

Die Herren Orts- und Gutsvorsteher werden ersucht, dies in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

Fulda, den 4. Oktober 1913.

Königliches Meldeamt.

Klauer, Major z. D. und Bezirksoffizier.

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DmtMs Reich.

Berlin. Der Kaiser hat seinen Romintener Jagdaufenthalt beendet und ist am Sonntag über Königsberg und Danzig nach Potsdam zurückgekehrt.

Königsberg i. Pr. Seine Majestät der Kaiser ist am letzten Freitag vormittag 9 Uhr 40 Min. im Sonderzuge von Rominten nach Königsberg abgefahren. Landrat v. Gehren war zur Verabschiedung am Bahn­hof erschienen. Der Kaiser begab sich in Königsberg zu den neuen Kasernen seines Grenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm I. (2. Ostpreußisches) Nr. 3, wo er im Kreise der Offiziere frühstückte. Um 3 Uhr begab sich der Kaiser nach Langfuhr.

Für die Einweihung des Völkerschlachtdenkmals am 18. Oktober ist folgendes offizielle Programm auf­gestellt worden: 8 y2 bis 10'/, Uhr Aufstellung der Festteilnehmer; 10 bis 117, Uhr Anfahrt der ge­ladenen Fürstlichkeiten; 11'/, Uhr Ankunft des Kaisers und des Königs Friedrich August; 117, bis 12'/, Uhr Weihe des Denkmals. Gemeinsamer Gesang: Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten". Weihereden. Gemeinsamer Gesang:Nun danket alle Gott". Ankunft der Eilboten. Besichtigung des Denk­mals im Innern durch die Fürstlichkeiten. 123/4 Uhr Abfahrt vom Denkmal. Zu der Feier hat König Friedrich August von Sachsen dem Reichstag 100 Ein-

Es war ein schwieriges Ding, all die winzigen, oben­drein noch starkzerknüllten Papierstückchen richtig zu ord­nen, und es gehörte eine große Geduld dazu. Ein rich­tiges Zusammensetzrätsel war es.

Aber Herbert Balthasar ließ sich die Mühe nicht ver­drießen, unzählige Male wechselte er die Fetzen, nahm das oberste zu unterft, und das unterste wieder zu oberst, glättete hier und preßte dort.

Neun Uhr war's bereits, als er zu seiner Freude das Geschriebene Zeile für Zeile folgerichtig zusammengestellt hatte. Es war wirklich ein Brief, und der Detektiv las mit der größten Spannung:Clarens in der Schweiz, den 1. März 19 .. Hochwohlgeborene, hochverehrte, gnä­digste Frau Baronin! Ich danke Ihnen gehorsamst für den letzten Brief, den Sie die Güte hatten, mir zu schrei­ben. Aber gleich vorweg will ich Ihnen sagen, Frau Ba­ronin: Die Furcht, die Sie hegen meiner Aussage we­gen vor dem Schwurgericht, ist vollkommen unbegrün­det.

Denn ich habe mir meine Aussage so gründlich ein­geprägt, daß es ausgeschlossen ist, mich zu verfangen. Be­denken Sie doch: es gilt mir so gut wie Ihnen. Nein, gnädigste Frau Baronin, haben Sie nur weiter keine Angst, ich halte fest an dem, was wir verabredet haben. Ja noch mehr: Ich werde Komödie spielen vordem Schwurgericht sowohl als auch vor Ihrer hohen Umge­bung, indem ich Ihnen offene Abbitte leisten werde we­gen meiner schroffen Kündigung damals. Ich halte es nämlich an der Zeit, daß wir uns versöhnen, weil es nicht anzunehmen ist, daß eine Herrschaft ihrem Diener, der ihr ein ganzes Menschenalter hindurch treu und er­geben gedient, einer Lappalie wegen Zeit ihres Lebens grollen könnte. Und umgekehrt der Diener seiner Herr­schaft. Das ewige Grollen könnte am Ende gerade das Gegenteil von dem heraufbeschwören, was wir selber da­mit bezweckten. _ ___'L

ladungen zugehen lassen, die unter die Fraktionen ver­teilt werden.

Die Wiedereröffnung des mecklenburgischen Land­tages ist von den Großherzögen beider Mecklenburg auf den 20. Oktober festgesetzt worden. Damit beginnt der mecklenburgische Versaffungskampf von neuem; die Verhandlungen finden wieder in Schwerin statt und beschäftigen sich mit den bekannten Verfassungsvorlagen vom vergangenen Frühjahr

Der Wechsel in der Berliner amerikanischen Botschaft gilt mit dem 1. Oktober als vollzogen. Mr. John G. A. Leishman, der scheidende Botschafter, hat seine Tätigkeit beendet. Der Staatssekretär des Aus­wärtigen Amtes V. Jagow gab ihm zu Ehren ein Ab- schiedsesfen, der Reichskanzler empfing ihn zum Ab­schiedsbesuch. Infolge der Abwesenheit des Kaisers wird Mr. Leishman dem Monarchen sein AbberufungS- schreiben nicht selbst überreichen, sondern sein Nachfolger, Mr. Gerard, wird zugleich mit seinem eigenen Be­glaubigungsschreiben das Abberufungsschreiben des Mr. Leishman in des Kaisers Hände legen. Zum Empfange des neuen Botschafters, Mr. Gerard, veranstatet die amerikanische Kolonie der deutschen Reichshauptstadt ein Frühstücksmahl des neugegründ.Amer. Luncheon Club".

Der Prozeß gegen den Amtsrichter Knittel hat im Gegensatz zur ersten Instanz mit der Verurteilung des Angeklagten zu 2400 Mk. Geldstrafe wegen Be­leidigung geendet. Die wichtige und erfreuliche Be­deutung dieses zweiten Knittelprozesses liegt darin, daß den beleidigten Offizieren, die infolge der Freisprechung des Angeklagten seinerzeit in eine peinliche Lage ge­kommen waren, durch das jetzige Urteil und nament­lich durch dessen Begründung die gebührende Genug­tuung geworden ist. Es ist jetzt einwandfrei festgestellt, daß sie sich als korrekte Offiziere Verhalten haben und sich nicht das Geringste haben zu Schulden kommen lassen. Besonders ist dem schwerbeleidigten Hauptmann Kammler das Zeugnis eines tüchtigen, pflichttreuen Offiziers vom Gerichtshöfe ausgestellt worden.

Die Rückkehr des deutschen Militärfliegers Steffen aus Boulogne jur Mer, wo er eine Notlandung hatte vornehmen müssen, ist nunmehr erfolgt, nachdem kurz -vorher die Deutsche Botschaft in Paris von dem französischen Ministerium der Auswärtigen Angelegen­heiten die Mitteilung erhalten hatte, daß dem Ober­leutnant Steffen die Erlaubnis zur. Rückreise nach Deutschland mit der Eisenbahn erteilt worden sei. Die Untersuchungen haben erwiesen, daß der Fall einer Notlandung tatsächlich vorlag und kein Anhalt für den Verdacht der Spionage erbracht ist. Oberleutnant Steffen hat bereits sein neues Kommando bei der Kriegsakademie in Berlin angetreten.

Also, Frau Baronin, die beste Gelegenheit zur Ab­bitte ist gegeben am Tage der Gerichtsverhandlung in Berlin, und ich bitte, mir da recht wahrheitsgetreu ver­geben zu wollen. Sind wir erst offen ausgesöhnt, so steht unserm Verkehr nichts mehr im Wege. Wir können uns dann schreiben wie es sich gehört zwischen einer hoch­edlen Herrschaft und ihrem bis in den Tod treu erge­benen Diener. Da wird dann endlich auch mein Lieb­lingswunsch in Erfüllung gehen, noch in diesem Früh­ling auf ein paar Tage wieder unter dem vornehmen Dache meiner einstigen Herrin verweilen zu dürfen. Denn was nützt all die schöne Natur hier, nach dem Orte, an dem man alt und grau geworden ist, zieht es einen im« mer wieder hin. Es zieht einen hin nach dem geliebten Vaterlande. Ain liebsten hätte ich Sie, gnädigste Fran Baronin, gebeten, mich gütigst aufnehmen zu wollen gleich nach meiner Abbitte in Berlin, aber das wäre denn doch gar zu plötzlich gewesen. Ein paar Wochen später muß es schon sein. Und das schadet ja schließlich auch nichts, wenn ich die Reise nach Deutschland zweimal mache in diesem Jahre, an dem nötigen Mammon fehlt es ja nicht, dafür haben die gütige Frau Baronin ja gesorgt. Die Hauptsache bleibt immer die, ich sehe mein geliebtes Tram- pitz recht bald wieder. Nicht wahr, gnädigste Frau Ba­ronin, Sie haben die Güte und schreiben mir dann, wann ich Ihrer Gnade neuerdings teilhaftig werden darf? Mei- ner Marie, die ja von allem nichts weiß und auch für alle Zukunft nichts wissen darf, werde ich die Sache schon plausibel machen. Sie sollihrer einstigen Herrin die längste Zeit gegrollt haben.Fahrigkeit" undschlechtes Kochen" von damals sollen aus ihrem blutenden Herzen recht bald gänzlich verbannt sein. Sie sehen also, Frau Ba­ronin, es wird sich alles wieder zum Guten wenden. Noch­mals, keine Furcht weiter. Und indem ich mich nun freue auf das Wiedersehen meiner gnädigen Herrin in Berlin/ sowie später auf dem Schlosse Ihrer Väter, verbleibe für immer der gnädigsten Frau Baronin untertänigster Die-

^ner Johann Kersten.O £ . ~ " 197,1^