Einzelbild herunterladen
 

Telefon Nr. «5. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt» Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

Samstag, den 15. November 1913

64. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 5539 K. A. Der Hebamme Anna Barbara Noth zu Gundhelm ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 25 Mark aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlüchtern, den 8. November 1913.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.

V alentiner.

J.-Nr. 5538 K. A. In die Ziegenbock-Körkom- mission wurden gewählt: a Mitglieder.

1. Gast- und Landwirt Kohlhepp-SchwarzenfelS, Vorsitzender.

2. Kaufmann Ludwig Leinberger-Schlüchtern, stellvertr. Vorsitzender.

3. Schweinehirt Raab-Herolz.

b Stellvertreter.

1. Lehrer Mohr-Marborn,

2. Stadtrentmeister a. d. Röder-Schlüchtern. Schlüchtern, den 8. November 1913.

Der Landrat: Valentiner.

Verdingung der Laudwegeban-Arbeite» für 1914 n. Grasversteigerung für 19141918.

Zur Vergebung der Anlieferung und des Zer« kleinerns von Basalt- und Kalksteinen und der sonstigen Arbeiten auf den Landwegen des Kreises für 1*914, sowie zur Verpachtung der Grasnutzungen auf den Böschungen, Banketten und Gräben für die Jahre 19141918, werden folgende Termine anberaumt:

1. Donnerstag, den 20 November er.

Vormittags 9. Uhr in dem GasthauseZum Löwen" in Schlüchtern, für Schlüchtern, Elm, Herolz, Ahlersbach, Hohenzell, Lindenberg Niederzell. Nachmittags 2 Uhr in der Fehl'schen Wirtschaft zu Wallroth, für Wallroth, Hintersteinau, Reinhards, Klosterhöfe, Breitenbach, Kressenbach.

2. Freitag, den 21. November

Vormittags 10 Uhr in der Müller'schen Wirtschaft zu Gundhelm. für Gundhelm, Hütten, Oberkalbach, Heubach, UttrichShausen, Vollmerz, Ramholz, Hinkel- Hof.

3. Sonnabend, den 22. November Vormittags 9 Uhr in der Schreiber'schen Gastwirt­schaft zu Sterbfritz, für Sterbfritz, Oberzell, Weichers- bach,Mottgers, Züntersbach, Altengronau, Neuengronau, Jossa, Breunings, Sannerz, Weiperz.

4. Montag, den 24. November

Vorm. 8*/, Uhr in der Halbreiterffchen Gastwirtschaft zu Steinau, für Steinau, Hundsrück, Marborn, Bellinas, Marjoß, Seidenroth.

psBMMMBgwega^sMMiaaBMM^

Verbotene Ufade.

Kriminalroman von Otto Viehofer. 85

Aber wie das anstellen? Teufel noch mal, daß er da den Sprechapparat nicht arbeiten lassen konnte. Ach Gott, er mußte wagen, einfach vom Korridor aus sein Ohr an das Schlüsselloch zu legen. Um sieben Uhr braun­en ja schon die Lampen, und kam dann jemand dazu, so machte er sich eben an dem Licht zu schaffen. Wer wollte ihm denn was, wenn die elektrische Birne, die gerade vor dem Salon der Baronin hing, trotz vorheri­ger größter Fürsorge plötzlich nicht recht brennen wollte? Eija, das würde gehen.

Herbert Balthasar stieg mit leichtem Schritt die Treppe khwor, und überbrachte feinern hocherfreuten väterlichen Freunde die Botschaft der Baronin.

28. Kapitel.

Da lag er nun in abendlicher Stille, der lange Kor- kidor. Die beiden Glasbirnen summten ganz, ganz leise ein traulich Lied, und ihr Licht fiel lieblich vom Pla­fond herab. Es tanzte auf dem breiten Goldrahmen des runden Kristallspiegels, spiegelte sich in dem weißen Lack der Türen zu beiden (Seiten, versteckte sich in den grn- nen Blattpflanzen, die hier und da int Korridor lauschig shre Zweige reckten. Und von den Wänden herab lachte Übliches Blumengemälde, buntund scharf sich abhebend, als war es natürliches Geranke. Und mit lahmem Flu- gUschlag flatterte es entlang den Korridor. War aufge- sUegen, flatterte, stieß an die Blumenwand und sank sich zusammen.

Die leisen Stimmen waren es gewesen, die aus dem valon der Baronin gedrungen, die Stimmender Schloß- Horrin und die ihres einstigen Dieners Johann.

Zlnd da, lauter war mit einem Male das Gespräch Hunnen geworden, Tritte ließen sich hören und von

Mittags 12'/, Uhr in der Heilffchen Gastwirtschaft zu Ulmbach, für Ulmbach, Sarrod, Rabenstein, Rebdorf, Urrzell, Neustall, Klesberg.

Nachmittags 4 Uhr in dem GasthauseZum Hirsch" zu Soden, für Soden, Salmünster, Ahl, ,Romsthal, Eckardroth, Wahlert, Kerbersdorf.

Die Herren, Bürgermeister wollen obige Termine im Interesse ihrer Gemeinden rechtzeitig bekannt machen lassen.

Schlüchtern, den 14. November 1913.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.

BeÄfchLZ Reich.

Berlin. Am Dienstag um 11 Uhr wurde im Lustgarten die Vereidigung der Rekruten der Garnison Berlin und der benachbarten Garnisonen des Gardekorps vorgenommen. Dazu hatten sich eingefunden: Die Generalität und das Offizierkorps von Berlin, die fremdherrlichen Offiziere und Militärbevollmächtigten und das kaiserliche Haupt- quartir. KurzvorHUhr ritt der Kaiser in der Uniform eines Generalfeldmarschalls, mit dem Feldmarschallstab, den Orden des Schwarzen Adlers über dem Paletot, aus dem Schloß heraus. Ihm folgten die Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm, Oskar und Joachim, sowie Prinz Gabriel Konstantiowitsch. Nach den Ansprachen des evangelischen und des katholischen Geistlichen erfolgte die Vereidigung brigadeweise. Dann hielt der Kaiser an die Rekruten eine Ansprache. Nach dem Vorbeimarsch der Fahnen und Standarten begab sich der Kaiser ins Schloß zurück.

Ueber den Arbeitsplan des Reichstags verlautet bisher, daß der Präsident beabsichtigt, in der zweiten Plenarsitzung nach dem Wiederzufammcntritt die erste Lesung des Svionagegesetzes vorzunehmen. Dann sollen die zu erwartenden Interpellationen (Arbeits­losigkeitsversicherung und Welfenfrage) und die spruch­reifen Wahlprüfungen besprochen werden. Die erste Etatslesung wird in den ersten Dezembertagen erfolgen und 34 Tage währen. Außerdem sollen noch einige kleinere Vorlagen vor der Weihnachtspause erledigt werden, so der Entwurf über die Beschäftigung von Hilfsrichtern am Reichsgerichts und der Entwurf über die Verlängerung des deutsch-englischen Handels­provisoriums. Beide Entwürfe treten am 31. Dezember 1913 in Kraft.

Eine Auslandreise deutscher Kriegsschiffe steht bevor. Die LinienschiffeKaiser" undKönig Albert", begleitet vom Kleinen KreuzerStraßburg" werden Anfang Dezember zum Zwecke ihrer Erprobung auf langer Fahrt eine Reise von drei bis vier Monaten nach dem Atlandischen Ozean antreten. Sie werden

der Tür hinweg huschte auf den Korridor die betreßte Gestalt des Detektivs.

Die höchste Zeit war es für den Lauscher gewesen, denn schon öffnete sich die Salontür, und mit hochro­tem Gesicht erschien Johann Kersten und trippelte ver­gnügt die Treppe hinan zu seinem Zimmer.

Und in seinem Zimmer saß nun Herbert Balthasar ebenfalls vergnügt. Hahaha,lachte er in sich hinein, hahaha, alles hatte er gehört, was die beiden sich da drinnen fast zwei Stunden hindurch zu erzählen gehabt alles, und nicht eineMenjchenseele hatte ihn dabei gestört.

Donner und Doria, nun wußte er ganz genau, wo­her der Herr Rentier gekommen. Zehntausend Mark hatte er sich selber erspart gehabt, fünftausend seine Marie und fünfzigtausend hatte ihm seine hochherzige Herrin gespen­det für treue Dienste.

Aber nicht nur allein an sich hatten die beiden da drinnen gedacht, sondern auch an den Herrn Grafen Pe­ter von Bruckhoff und an Wenzel Koczmierski.

Ja, das wäre da eine böse Sache gewesen an der Mauer, hatte die Baroniu ihrem Vertrauten erzählt, mit zerschundenen Gliedern hätte der Vagabund den Herrn Grafen heimgeschickt und, was immerhin nicht unbedenk­lich sei, den Revolver hätte der Strolch sich zu erringen gewußt. Und das Allerneueste wäre, daß der Verteidi­ger des verurteilten Polen die Revision des Mordpro­zesses augemeldet hätte.

Hin und her geschwankt hatte angesichts dreser bei­den Tatsachen die Baronin während des Erzählens, ein­mal hatte sie an ihre absolute Sicherheit geglaubt, und das andere Mal wieder waren ihr die größten Bedenken aufgeststg^ann, ^ ^Qtte ijer fic^ gu aüebem gestellt? Ausgelacktt hatte er zunächst seine einstige Herrin, aus- gelacht, und sie dann wie folgt belehrt: Wenn der Ver­teidiger des Polen auch wirklich die Revision des Pro- ze ses anaemeldet, so sei das durchaus nicht etwaauSdem

dabei unsere Westafrikanische Kolonien besuchen und in den südamerikanischen Gewässern die Flagge zeigen.

Als Lohn für heldcn-nütige Lebensrettung hat der Norddeutsche Lloyd den Offizieren und Mann­schaften der DampferGroßer Kurfürst" undSeydlitz", die beim Brande desVolturno" sich hervortaten, besondere Auszeichnungen zukommen lassen. Der bisherige erste Offizier Spangenberg, welcher das Komando auf dem DampferGroßer Kurfürst" vor­läufig innehatte, wurde zum Kapitän ernannt. Die Offiziere der Rettungsboote erhielten ein Geschenk und sämtliche Bootsmannschaften der zwölf Rettungsboote beider Schiffe ein Monatsgehalt, anßerdem die anderen am Rettungswerk irgendwie beteiligten, Leute entsprechende Geschenke. Ferner ging jedem einzelnen Mann der Bootsbesatzungen, Matrosen, Heizern und Stewards, persönliche Dankschreiben der Direktion des Norddeutschen Lloyds zu.

Zu den Vorfällen in Zabern wird folgendes als tatsächlich festgestellt: Jener Offizier des Infanterie- Regiments 99 in Zabern hat in der Jnstruktionsstunde von den tätlichen Angriffen, die in letzter Zeit gegen Soldaten gerichtet worden seien, gesprochen. Er warnte die Rekruten vor Händeln und Schlägereien, sollten sie aber einmal von einem solchenWackes" angegriffen werden, so sollten sie sich ihrer Haut wehren und kräftig dreinhauen. Wenn dabei solch ein Kerl, der es wage, einen Soldaten anzugreifen, Schaden nähme, so sei das weitere nicht schlimm. Wer sich richtig benehme, erhalte von ihm (dem Leutnant) noch eine Belohnung von 10 Mark; und kein Vorgesetzter werde dagegen etwas einzuwenden haben. Mit dem WorteWackes", so wird gesagt, wollte der Offizier keinen Elsässer beleidigen. Ein Wackes" sei für ihn ein Rowdy. In Westfalen nenne man zum Beispiel diese Sorte von Menschen Büttcher", und in OstpreußenLorbaß".

Ein sozialdemokratisches Zugeständnis ' der schlimmen Streikfolgen enthält dieMetallarbeiter- zeitung", die über die Nachwirkungen des belgischen Generalstreiks vom Frühjahr 1913 u. a. folgendes schreibt:Der (belgische) Metallarbeiterverband und andere Gewerkschaften, die obendrein erhebliche Mit­gliederverluste erlitten, müssen heute noch Mitglieder unterstützen, die infolge des Generalstreiks arbeitslos wurden. Das sozialdemokratische Hauptblatt Belgiens feiner sieht sich zu der Mitteilung gezwungen,daß der allgemeine Ausstand sehr ungünstig auf die Ge­werkschaftsbewegung gewirkt habe." Und trotz , so augenscheinlicher Streikschäden wagt es die Sozial- demokratie gewissenloserweise immer wieder, die

Grunde geschehen, weil er Bciveismittelvon seines Klien­ten Unschuld beizubringen imftanbe sei, sondern er be­folge bamit vielmehr nur eine allgemeine Regel, er nutze das Recht aus, das das Gesetz einem jeden Verurteilt-» einräume. Oder aber erhabenachträglich einen Formfehler bei der Prozeßverhandlung festgestellt und gedenke, auf! diesem Wege wenigstens noch den Kopf des Verurteilten zu retten, also daß er bei siner eventuellen nochmaligen Verhandlung mit lebeuslänglichemZuchthausdavonkom» me.Nein, nein, Frau Baronin," hatte Johann wört­lich gesagt,nichts weiter käme, sollte der Revision wirklich stattgegeben werden, dabei für uns heraus, als daß wir höchstens noch einmal nach Berlin führen, benn nichts geht doch über die Holzschuhe des Polen. Und die nochmalige Zeugenschaft? Du lieber Himmel: Doch nimmermehr so schwer würde die uns fallen als das erste Mal. Na, und die Geschichte mit dem abhanden gekom­menen Revolver kann uns, Frau Baronin, doch ebenso­wenig rühren. 197,18*

Denn, gesetzt den Fall, der Revolver käme wirklich in die Hände der Behörde und diese würde in ihm die vielgesuchte Mordwaffe vermuten, so würde man doch nur allein den derzeitigen Träger des Schießeisens fas. sen. Ja, nur allein jener Strolch wäre dann der Mör- der. Niemand, niemanb auf der Welt würde ihm glau­ben, daß er sich den Revolver an der Trampitzer Schloß- mauer erst errungen habe. Und, Frau Baronin, gehen wir auch noch weiter, nehmen wir selbstan, man schenkt dem Vagabunden wirklich Glauben, mit wem hatte er dann überhaupt gerungen an der Mauer hier ? Doch nicht etwa mit einem Grafen Peter von Bruckhoff? Hat denn schon jemand, außer uns zwei, den Revolver in des Grafen Händen gesehen? Nein, noch niemand hat die Ehre ge­habt. Also nur wieder mit seinesgleichen, mit einem Strolch konnte der Strolch gerungen haben, und mit nieman­dem sonst. Sehen Sie, gnädigste Frau Baronin, und nur allein der oder die Strolche wären dann diejenigen, die dein Polen den Kopf respektive die Freiheit retteten." J