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Schüchterner Leitung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

r->-!°" Nr. «s. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. r-i-so» Nr.«,.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

X 95. Mittwoch, den 26. November 1913. 64. Jahrgang.

Amtliches.

Ordmmg für die Inanspruchnahme der Tätigkeit des Kreis­baubeamten im Kreise Schlächtern.

J.,Nr. 5698 K. A. Auf Grund der §§ 20 und 74 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885 wird für den Kreis Schlüchtern folgende Ordnung erlassen.

§ 1. Die Kreisverwaltung des Kreises Schlüchtern stellt den Städten, Landgemeinden und Gutsbezirken des Kreises zur Beratung in bautechnischen Angelegen­heiten, zur Bearbeitung von Bauprojekten pp. und zur Abnahme von Bauten den Kreisbaubeamten zur Ver­fügung.

§ 2. Die Vergütungen betragen:

1. Für die Abnahme von Neu- und Umbauten (Rohbau- und Schlußabnahme)

a) von Gebäuden die nicht unter b) fallen, 2/10 70 des Neubauwertes, jedoch mindestens 5 Mk.

Bei Bauten eines Bauherrn, die an einem Tage abgenommen werden, beträgt die Höchstgebähr 20 Mk.

b) von Gebäuden untergeordneter Art, (Schuppen, Ställen, kleinen Scheunen, Gartenhäuschen, Kegel­bahnen, und hallenartigen Gebäuden einfacher Art)

7io Prozent des Neubauwerts, mindestens aber 4 Mark.

c) von Einfriedigungen und Schornsteinen und sonstigen kleineren Bauwerken 2 Mk.

d) von Dampfschornsteinen, und zwar unabhängig von den für die betreffenden Gebäude nach a oder b zu entrichteten Beträgen bei einer Höhe bis 20 Meter 10 Mark bei einer Höhe über 20 Meter 15 Mk.

2. Die für Bearbeitung von Bauprojekten pp. von den Gemeinden pp. zu zahlenden Vergütungen werden vom Kreis-Ausschuß in jedem einzelnen Fall festgesetzt.

3. § Außer den Sätzen des § 2 werden erhoben: 1. für jede gesonderte Rohbauabnahme einzelner Bau- arbeiten oder Bauteile sowie für jede Wiederholung einer fruchtlos verlaufenen Rohbauabnahme die Mindest­sätze des § 2. 2. für jede gesonderte Gebrauchsab­nahme einzelner Bauarbeiten oder Bauteile sowie für die Wiederholung einer fruchtlos verlaufenen Gebrauchs- abnahmc die Hälfte der Mindestsätze des § 2.

§ 4. Der Neubauwert ist in glaubhafter Form nachzuweisen. Im Zweifelsfalle ist der Brandkassen- Ivert maßgebend.

, § 5. Zur Zahlung der in den §§ 24 näher be­zeichneten Beträge ist die Gemeinde verpflichtet, in deren Bezirk der Baubeamte tätig war. Die Ein­ziehung erfolgt durch die Kreiskommunalkasse. Die

verbotene Made.

Kriminalroman von Otto Viehofer. 91

. Ein Doppelmord um der Liebe willen? Ja, wahr­deftig, die Liebe war Hinmeggestürmt über zwei Leichen, da stand es ja schwarz auf weiß. Nichts zu deuteln war an den zwei Briefen, nichts zu drehen, sie sprachen nur »an, Schuld eindringlich von Schuld. Sie klagten an '-sie klagten an. Drei Mann hoch klagten sie an: den Grafen, die Baronin, und deren Diener Johann.

Kleinmütig und unsicher, gleichwie ein geschlagener Feldherr, wandte sich Staatsanwalt Hobrecht wieder an den Detektiv:Und was ist es mit dem Sprechapparat, was vermag denn der zu verraten?"

.Einen Augenblick, bitte, Herr Staatsanwalt," trium­phierte Herbert'Balthasar.

Er schaltete den auf einen Aktentisch gestellten Pho­nographen ein, und der tat sogleich seineSchuldigkeit.

Liebesworte brächte er zunächst zum Vorschein Lubesworte, immer abwechselnd: Graf und Baronin, und Baronin und Graf. Den Beweis erbrachte erzunächst U neben den beiden Briefen, daß Baronin Ena von Mjoro und Gras Peter vonBruckhoff sich unendlich lieb-

, Und da auf einmal bei der Abschiedsszene, als Kenu- äMluung seines Charakters, die Stimme des Grafen:

fürchte nichts, mein Lieb, ich falle nicht sogleich, ich "alle lieber, anstatt daß ich falle. Und sollte es ein flet- chender Hund sein, der mich belästigt unterwegs rch ("lasse ihn nieder auf der Stelle. Bei mir trage rch stets Schießprügel den Schießprügel meiner Väter, das weißt Du ja!"

Die knallenden Küsse, die nun folgten aus dem Ap­parat, überhörte der Staatsanwalt. Nein, die interessrer- 611 rhn nicht mehr, denn er hatte schon genug gehört "ud gesehen.

" ?us seinem Sessel gefahren ivar er ivieder und rannte

Befugnis der Gemeinden, Baupolizeigebühren von den Bauherrn zu fordern und entsprechende Gebührenord­nungen zu erlassen, wird durch diese Ordnung nicht berührt.

§ 6. Diese Ordnung tritt am Tage der Ver­öffentlichung in Kraft.

Schlüchtern, den 8. November 1913.

Der Kreistag des Kreises Schlüchtern: Valentiner, Vorsitzender.

Albrecht, L. Schäfer, Schade.

Mitglieder.

J.-Nr. 13147. In Steinau ist die Schweineseuche wieder erloschen.

Schlüchtern, den 25. Nov. 1913.

Der Königliche Landrat: I. V. S ch u l t h e i s.

Deutsches Reich.

Nach zehntägigem Verweilen beendete die Kaiserin am Dienstag abend ihren Aufenthalt auf Schloß Wilhelmshöhe.

Die Erhöhung der bayerischen Zivilliste wurde im Finanzausschuß der bayerischen Kammer der Ab­geordneten nach längerer Beratung, in der die Vertreter der einzelnen Parteien ihren Standpunkt darlegten, mit neun gegen sechs Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen gebilligt. In der Kammer wurde darauf der Regierungsantrag, der die Zivilliste auf 5 400 000 Mk, festgesetzt, mit 110 gegen 50 Stimmen angenommen. Die Sozialdemokraten stimmten geschlossen gegen den Antrag.

Die religionsfeindlichen Versammlungen der Sozialdemokratie haben, da sie für den. Bußtag ver­boten waren, am Tage darauf stattgefunden und mit dem ebenso betrübenden wie beschämenden Ergebnis geendet, daß 4209 Austrittserklärungen aus der Kirche erfolgt sein sollen. Mehr noch als bisher wird man der religions- und kirchenfeindlichen Verhetzung durch die konfessionslosen Kreise nachgehen müssen, um zu verhüten, daß die Trostlosigkeit des Glaubens­verrats noch weiter um sich greift.

Ein Verein abstinenter Polizeibeamter Deutsch­lands ist ins Leben gerufen worden, nachdem bereits vor längerer Zeit sich abstinente Vereine im Heer und in der Flotte gebildet haben. Der Verein be­zweckt, durch völlige Enthaltsamkeit seine Mitglieder vor den vielen Gefahren des Alkoholismus zu schützen und sie durch Anleitung und Studium zu einem tieferen Verständnis der Alkoholfrage zu bringen. Den Vorstand des Vereins vertreten der Polizeiwacht­meister Berger in Herten und der Kriminalwachtmeister Tykols in Recklinghausen.

mit langen Schritten durchs Zimmer. Teufel, Teufel, wie war das nur möglich.

Und als ob sich sein Inneres gegen die eben erst ge­

war das nur möglich.

Und als ob sich sein Inneres geg^ .

wonneue Erkenntnis noch einmal mit aller Gewalt auf-

bäumte, als ob er noch nach einem letzten Rettungsanker tastete, blieb der Staatsanwalt plötzlich vor dem Detek­tiv stehen und stieß hastig hervor:Aber des Polen Holz­schuhe, wie kamen die denn an den Tatort, wenn nicht durch ihren Träger selbst?"

Sie schleppte der Graf dorthin," entgegnete Herbert Balthasar.

Nun, und auf welche Weise?"

Das werde ich Ihnen genau berichten, wenn wir am Ende unserer Materialprüfung angelangt sind, Herr Staatsanwalt wenn ich die ganze Sache aufrollen werde. Denn ich will jetzt durchaus nichtvorgreifen, durch ausführliche Schilderungen die Prüfung meines Beweis­materials nicht beeinträchtigen."

So, na. Aber zwei Dinge, Herr Balthasar, möchte ich vorweg von Ihnen noch wissen; Erstens, in welcher Weise näherten Sie firfji der Baronin von Paltzow, um in den Besitz dieser Briefe und des Gespräches zu gelan­gen, und zweitens, wie war es nur möglich, dem Gra­fen den Revolver zu entreißen, ohne daß er sich entlud?"

Ich ließ mich von der Baronin einfach als Diener engagieren, Herr Staatsanwalt. Ich bin ihr Diener heute noch und nur bis übermorgen mittag beurlaubt. Und was Ihre zweite Frage anbetrifft, so umspannte beim Kampf meine Hand den Hahn sowohl wie den Abzugs- bügel des Revolvers, und zwar gelang mir das beim er­sten Zusammenprall sowohl als auch beim zweiten, und so konnte der Hahn sich nichtheben, der Schuß also nicht losgehen."

Nun war bei dem Staatsanwalt auch die letzte Hoff­nung geschwunden. Nein, nein, da war absolut lrichts mehr zu beuteln daran, das hatte da alles seine Rich­tigkeit. Echt waren die Briefe, echt war das Gespräch

Wegen Majestätsbeleidigung wurde in Berlin der vielfach vorbestrafte Fritz Fröhlich zu einem Jahr Ge­fängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte eines Nachts vor einer großen Menschenmenge schwere Beleidigungen ausgestoßen, in denen er die Person des Kaisers in Verbindung mit dem Prozeß gegen den Fürsten Philipp zu Eulenburg brächte. Der Staatsanwalt hatte mit Rücksicht auf die Schwere Beleidigung 2 Jahre Ge­fängnis beantragt.

Als Unterhaltsnachweis für den Einjährigen­dienst soll nach einem gemeinsamen Erlaß des Kriegsministers und des Ministers des Innern künftig die Vorlage eines Militärdienst-Versicherungsscheines nebst Quittung über die zuletzt fällig gewesene Prämie genügen. Der Versicherungsbeitrag Muß beim Ein­tritt des Versicherten in das wehrpflichtige Alter zur Auszahlung fällig sein. Daß diese erfolgt ist, muß der Prüfungskommission vor Aushändigung des Be­rechtigungsscheines (§ 89,1 Wehrordnung) glaubhaft nachgewiesen werden. Für den Dienst bei.unberittenen Truppen wird eine Versicherung in Höhe von 1800 Mark für ausreichend erachtet.

Gotha. Erkrankung der Herzogin von Coburg- Gotha. Die Herzogin Viktoria Adelheid von Sachsen- Koburg-Gotha, die sich seit einigen Tagen in Koburg aufhält, ist dort plötzlich an Blinddarmentzündung erkrankt und muß sich im Krankenhaus einer Operation unterziehen.

Anstarrö.

Ueber Oesterreich-Ungarns auswärtige Politik erstattete nach dem Empfang der Delegationen und nach der Thronrede des Kaisers Franz Joseph der Minister des Aeußeren Graf Berchtold in besonderer Sitzung ein ausführliches Expos«, in dem er unter anderem auch den Wert des Dreibundes und die zuverlässige Bundestreue des Deutschen Reiches rühmend hervor- hob. Die Ausschüsse der Delegationen nahmen das Expos« mit großem Beifall entgegen. Reichskanzler Dr. von Bethmann Hollweg und der Unterstaats­sekretär Zimmermann haben in Vertretung des auf Urlaub befindlichen Staatssekretärs von Jagow tele­graphisch den Grafen Berchtold zu seinem Expos« herzlichst beglückwünscht.

Zur Lage in Mexiko sprach sich Präsident Wilson dahin aus, daß die Regierung Huertas in der Zersetzung begriffen sei, und daß, obwohl die Dinge sich langsam entwickelten, die schließliche Abdankung Huertas sicher sei. Die beiden Häuser des Kongresses in Mexiko sind nunmehr zusammengetreten. Huerta hat in seiner Botschaft die diktatorische Auflösung des alten Kongresses zu rechtfertigen gesucht. In der

aus dem Kasten, und echt war auch der Revolver. Ja, der Revolver der Revolver. Herrgott ja, die Ku­gel in dem Revolver mußte ja noch geprüft werden, die Kugel, wenngleich auch die Würfel schon gefallen waren. Selber verlangte es ja der Detektiv, denn gesprochen hatte der vorhin:wenn wir am Ende unserer Materialprü-, fung angelangt sind." Und die Richter würden danach' fragen die Richter. Nein, nein, sie war noch nicht zu' Ende, die Materialprüfung, hineinbeißen mußte er noch' weiter in den sauren Apfel.

Gelöst hatte sich wieder die schmale, weiße Hand des Staatsanwalts von der schwindeligen Stirne, und seine' eben noch wankende hohe Gestalt schritt plötzlich aufrecht, und energisch an das Telephon.

Rrrrr drehte sich mit einem Mal die Kurbel, und gleich rief eine Stimme aus dem Apparat:Hier ßö» nigliches Polizeipräsidium. Wer dort?"

Und des Staatsanwalts Stimme schallte barsch unds herrisch in den Apparat hinein!Hier Staatsanwalt Ho»^ brecht. Bitte, den Kriminalkommissär von Behlow sofort zu mir zu schicken! Schluß!"

Der Hörer baumelte schon wieder am Haken, und der Staatsanwalt schritt aufrecht über die Dielen, hin wieder zu seinem Schreibtisch, und drückte an der Wand auf den Knopf der elektrischen Klingel.

Fast im selben Moment kam der Bureaudietter von' vorhin hereingestürzt:Der Herr Staatsanwalt wünq schen?" .

Kammer," befahl der Staatsanwalt,gehen Sie so­fort zum Sekretär Binder und sagen Sie rhm, er soU unverzüglich nach dem Keller Nummer drei bringen: er­stens, seinen Blitzlichtapparat, zweitens, die photogra», phischen Aufnahmen aus dem Doppelmordprozeß Wen­zel Koczmierski und drittens, den aus diesem Prozeß bekannten Hut des ermordeten Kutschers Friedrich. Un^ Sie selbst holen dann vom nächsten Fleischer einen klei-, neten Schweinskopf herbei. Verstanden? Einen kleinen Schweinskopf," 197,18"