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mit amtlichem Rreisblatt.

Telefon Nr. 65,

lvochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

Samstag, den 4. März 1916.

67. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 1898 R. K.

An sämtliche Herren Lehrer des Kreises.

Mit Rücksicht auf den zur Zeit bestehenden außer­gewöhnlich hohen Bedarf an

Füllmaterial für Strohsäcke dessen Beschaffung in genügenden Mengen nicht uner­hebliche große Kosten verursacht, und in Anbetracht mit Papier zum Füllen von Strohsäcken bereit ge­machten guten Erfahrungen, soll in der Zeit vom 6. März bis 18, März d. Js. eine

Sammlung von Zeitungspapier erfolgen. Zu diesem nützlichen patriotischen Unter­nehmen werden die Schulen dienstbar gemacht werden lönnen. Indem wir hiervon Kenntnis geben, bitten wir die Herren Lehrer, das Sammeln durch ihre Schüler gefälligst vornehmen zu lassen.

Wenn jeder deutsche Hausstand im Durchschnitt 5 Kilo Papier freiwillig zur Verfügung stellt, so ist, nach allerdings nur ungefährer Schätzung, ein Er­gebnis von zirka 2000 Waggons zu erwarten, was gleichbedeutend wäre mit einer Ersparnis von 3 Mil­lionen Mark.

Das Ergebnis der Sammlung ist an das Kom­mando des Landsturm-Ausbildungs-Bataillons XVIII/51 Schlächtern in Schlächtern zuzuführen.

Schlächtern, den 3. März 1916.

N^merrS b^H^I^ Vsr-"re Uom Noten Krenz^ _____Anna von Trott zu Solz.

Kreis Pferde Bersicherungs Anstalt

Alle Pferde, welche bei uns versichert sind oder vom 1. April d. Js. ab n e u versichert werden sollen müssen in der Zeit vom 9. b i s 2 5. März er. unseren Vor­standsmitgliedern zur Begutachtung und Festsetzung des Versicherungswerts vorgeführt werden.

Bekanntgabe der Ortstermine erfolgt einige Tage vorher, durch die betreffenden Vorstandsmitglieder.

Bei der Vorführung sind die älteren Versicherung^- fh ine nebst Zugangs-Anzeigen oder neue Versicherungs- Anträge auf den vorgeschriebenen Formularen abzugeben.

Unterbleibt die Vorführung der Pferde, so erfolgt Streichung der Versicherung am 31. März d. Js.

Schlichtern, den 2. März 1916.

Der Vm stand der Kreis Pferde Versicherungs-Anstalt.

Pfalz gras.

J.-Nr. 1164 K. A. Die Witwe Katharina Pyroth in Soden beabsichtigt, auf dem in der Gemarkung Soden gelegenen Grundstück des Heinrich Betz, Karten- blatt 5 Parzelle Nr. 661/365 ein Schlachthaus zu er­richten. Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntnis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren an- zubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Ein­wendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht

Dienstag, den 21. März 1916 vormittags

10 Uhr

vor dem Unterzeichneten an. Im Falle des Aus­bleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden wird gleichwohl mit Erörterung des Unternehmens der Einwendungen vorgegangen werden. Zeichnungen und Beschreibungen der Anlagen können während der Dienststunden Büro des Kreis-Ausschusses eingesehen werden.

Schlüchtern, den 3. März 1916.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses von Trott zu Solz.

Dom Kriegsschauplatz.

Die Aeste Douaumont fest in deutscher Kand.

Amtlicher Tagesbericht.

WTB. Großes Hauptquartier, 2. März.

WestlMer Kriegsschauplatz:

Die Loge hat im wetenll'chen keine Aenderung erfahren.

Im Mergebiet war der Feind mit Artilllerie be­sonders tätig.

Auf dem östlichen Moasufer opferten die Franzosen an der Feste Douaumont abermals ihre Leute einem nutzlosen Gegenangriffsversuch.

Oestlicher Kriegsschauplatz:

Auf dem nördlichen Teile der Front erreichten die Ar­tilleriekämpfe teilweise größere Lebhaftigkeit. Kleinere Unternehmungen unserer Vorposten gegen feindliche Sicherungsabteilungen hatten Erfolg.

Nordwestlich von Mitau unterlag im Luktkampf ein russisches Flugzeug und fiel mit seinen Insassen in unsere Hand. Unsere Flieger griffen mit Erfolg die Bahnanlagen von Molodeczno an.

Balkan-Kriegsschauplatz:

Nichts Neues.

Oberste Heeresleitung.

i^^^^^^I^^^^^^ ^^^^^^ Zeichnet die vierte Kriegsavleihe!

Das deutsche Heer und das deutsche Volk haben eine Zeit gewaltiger Leistungen hinter sich. Die Waffen aus Stahl und die silbernen Kugeln haben das ihre getan, dem Wahn der Feinde, daß Deutschland vernichtet werden könne, ein Ende zu be> reiten. Auch der englische Aushungerungs­plan ist gescheitert. Im zwanzigsten Kriegs­monat sehen die Gegner ihre Wünsche in nebelhafte Ferne entrückt. Ihre letzte Hoffnung ist noch die Zeit,- sie glauben, daß die deutschen Finanzen nicht so lange standhalten werden wie die Vermögen Englands, Frankreichs und Rußlands. Das Ergebnis der vierten deutschen Kriegsanleihe muß und wird ihnen die richtige Antwort geben.

Jede der drei ersten Kriegsanleihen war ein Triumph des deutschen Reiches, eine schwere Enttäuschung der Feinde. Jetzt gilt es aufs neue, gegen die Lüge von der Erschöpfung und Kriegsmüdigkeit Deutsch­lands mit wirksamer Waffe anzugehen. So wie der Krieger im Felde sein Leben an

-Asuna des Vaterlandes setzt, so muß der Bürger zu Hauseffem Erspartes dem Reich darbringen, um die Fortsetzung des Krieges bis zum siegreichen Ende zu ermöglichen. Die vierte deutsche Kriegs­anleihe, die laut Bekanntmachung des Reichsbank-Direktoriums soeben zur Zeich­nung aufgelegt wird, muß

der große deutsche Frühjahrssieg auf dem finanziellen Schlachtfelde werden. Bleibe Keiner zurück! Auch der kleinste Betrag ist nützlich! Das Geld ist unbedingt sicher und hochverzinslich angelegt.

Irauenkreöe.

Roman von Clara Aulepp-Stübs. 49

Die Lähmung der rechten Seite hatte nur wenig nachgelassen; meistens lag der Kranke auch in einer so teilnahmlosen Lethargie, daß man fast befürchtete, auch das Gedächtnis habe gelitten. Ein andermal jedoch ver­langte er wieder mit einer so hartnäckigen Beharrlich­keit etwas, daß man von dieser Befürchtung abkam. Doch verhehlte der Arzt nicht, diese Willensäußerungen konnten auch nur das letzte Aufflackern eines starken Geistes sein und die Lethargie nur die Vorbotin der gänzlichen Erschlaffung.

Zu dieser Eröffnung schüttelte Frau Doktor Falk den Kopf. Sie war der festen Meinung, Kommerzieu- rat Arnheim würde in nicht allzu ferner Zeit vollstän­dig genesen sein und hatte in dieser Beziehung an dem alte» Klaus einen treuen Bundesgenossen, während die Krankeuschivester nur die Achseln zuckte und sagte:Man muß abwarten, und dem Leidenden jede Aufregung fernhalten!"

Das hatte man ja bisher redlich getan nnd freute sich der kleinen Besserung, die eingetreten war. Anstands­los wurde Giovanni zu ihm geführt.

Wollte nun der Kranke die ausgestreckte Hand seines Sohnes nicht sehen, oder war anch seine gesunde Linke zu kraftlos, um dieselbe erfassen zu können ?

Giovanni wußte es nicht, zog nach einer kleinen Weile des Harrens seine Hand verstimmt wieder zurück.

Er blieb erst einen Augenblick lang unschlüssig ste­hen, wußte nicht recht, ob er gehen oder bleiben sollte, nahm sich aber dann einen Stuhl und setzte sich feinem Vater gegenüber, dessen Lehnstuhl man dicht neben den Schreibtisch gerückt hatte, und zwar so, daß er mit der linken Hand imstande war, etivas von der Platte neh­men zu können.

Er mochte wohl mich schon dieses und jenes Schrift­

stück berührt haben, denn der Briefbeschwerer ein Stück Lava mit einem Makkaroni essenden Lazzaroni daranf, wie sie von Jtalienreisenden so gern mitge­bracht werden war dem Herunterfallen nahe.

Giovanni erhob sich, schob ihn etwas zurück, nahm dann wieder Platz und fing an zu plaudern.

Der Kom nerzienrat hörte vielleicht seinen Worten zu, gab aber kein einziges noch so kleines Zeichen seines Interesses. Er starrte mit fest zusammengepreßteu Lip­pen vor sich nieder auf den Boden.

Giovanni wurde ungeduldig; er ärgerte sich, daß sein Vater so teilnahmslos blieb. Wenn er sich so we­nig erregte, konnte er ihm schließlich auch ohne Um­schweife von seiner beabsichtigten Reise sprechen und vielleicht auch das andere sagen 1

Merkte denn Giovanni das unheimliche Funkeln und Flackern nicht, das in den halbgeschloffenen Augen zu­weilen aufzuckte? Sah er denn nicht, wie die Finger der jliukeu Hand sich krampfhaft in die seidene Decke krallten, die über den Knien des Kranken lag ?

Nein, Giovanni achtete nicht auf diese allerdings kaum merkbaren Zeichen der Erregung.

Der Husten, der ihn besonders jedesmal quälte, wenn er von draußen kam, und die plötzliche Wärme des Zim­mers die kranken Teile reizte, legte ihm seine Mittei­lung ganz von selbst auf die Zunge. Er kleidete die­selbe jedoch in die Form einer Frage, zwar einer sol­chen, deren Bejahung für ihn unbedingt fraglos sein mußte, da es sich hier um seine Gesundheit handelte.

Er erzählte, wie sehr ihn dieser ewige Katarrh be­lästige, erwärmte sich au seinen eigenen Worten und als er nun einmal so weit gekommen war, vergaß er die nötige Vorsicht und ließ sich hinreißen, dein Vater auch von feinen Kämpfen und seiner Qual und der schließlichen Verletzung der Bedingung zu berichten.

Und so ruhig, als ob ihm die gleichgültigste Sache von der Welt vorgetragen würde, nahm Kommerzien- rat Arnheim die Mitteilung seines Sohnes entgegen,

nicht eine Muskel des krankhaft fahlen verzerrten Ant­litzes bewegte sich. Selbst die Augen blickten seltsam starr immer auf einen Punkt immer auf einen Punkt.

Giovanni atmete auf. So wußte es dann der Vater!

Es hatte doch anf ihm gelastet, gedrückt, wie eine Schuld, ja, wie eine Schuld! Und die war es ja schließ­lich auch.

Aber er war doch kein Kind mehr ; der Vater hatte doch nicht das Recht, ihn immer und ewig nur seinen Zwecken dienstbar zu machen! Er mußte ihm doch auch Rechte einräumen, vor allem das Recht des Mannes, der sich in seinem eigenen Haus auSleben will.

Aber auch dieses hatte er ihm vorenthalten; die Muße­stunden daheim verbitterte er ihm durch die Versa- gung dessen, was ihnen erst den Wert, den Inhalt gab, was ihm Lethe ward! Das Entbehren erzeugte die Sehnsucht, den Groll, die nervöse Unrast, die ihn frü­her so oft in den wilden Strudel des Lebens gestürzt, peinigte ihn auch jetzt, trotzdem ein geliebtes Weib an seiner Seite saß und mit süßem Geplauder dieselbe zu bannen suchte und als sie sah, daß ihr das nicht gelang daß die Sehnsucht zu tief saß, daß der Frieden, das Glück ihrer Ehe bedroht, da war sie es, die ihm daS Ersehnte bot ohne die Zustimmung des Vaters !

Daß ihm diese aber noch nachträglich zu teil wurde, der Kommerzienrat ihm nicht zürnte, machte ihn doch ausatmen.

Vielleicht hatte die Krankheit seinen Vater milder gestimmt? Es kam ja häufig vor, daß sanfte Men­schen während eines Krankenlagers ungeduldig und reiz­bar wurden, während bei den harten, heftigen Charak­teren eine ganz ungewohnte Milde zum Vorschein kam.

Ja, gewiß, so würde es auch bei seinem Vater sein, denn noch deutete nichts auf einen Widerspruch; nur den Kopf hatte er ein wenig, die gelähmte Seite mochte ihn wohl hindern, dem Schreibtisch zugewandt, 219,18*