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Wüchtemer Zeitung

mit amtlichein Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

r-<-s°« Nr. «s. Vochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Te>-k»n Nr. «s.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitÄreisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg,

K 36.

Mittwoch, den 3. Mai 1916.

67. Jahrgang.

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Patertande!

Amtliches.

_ J.,Rr. 2062. R. S.

Lichtbil-e »vertrag

Alu Mittwoch, den 3. Mai 1916 abends 77- Uhr wird im Saale des Gasthauses zvm Stern hier Herr Professor Ehringhaus aus Kassel früher Pfarrer in Hohenzell einen Lichtbildervortrag über Kriegsbeschäditttenfürsorge halten.

Hierzu lade ich freundlichst ein.

Schlüchtern, den 27. April 1916.

Der comm. Landrat. von Trott zu Solz.

Dom Kriegsschauplatz.

Amtlicher Tagesbericht.

Aut-el-Amara.

General Townshend ergibt sich bedingungs­los mit 13 300 Mann.

WTB. Großes Hauptquartier, 29. April. (Amil.) Die in Kut-el-Amara eingeschlossene englische Trup- Penmacht hat sich dem topferen türlifchen Belagerer ergeben müssen. Mehr als 13 000 Mann sind kriegSgefangen.

Oberste Heeresleitung.

WTP ^nttftnnflnrtnps 99. Nh?il

Wie der Vizegencralijsimusder OSmanifchen Armee neidet, hat die englische Garnison vcn Km-el Amaro, die aus 13300 Mann nnter dem Befehl des Generals TvwnShend besteht, bedinsungslos kapituliert.

* *

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WTB Großes Hauptquartier, 1. Mai.

Westlicher Kriegsschauplatz:

Im oDßtmeinen ist die Loge unverändert.

An der HöheToter Mann" wurde auch gestern heftig gekämpst.

*

Unsere Flugzeuggeschwader belegten feindliche Trup Pcnunterkünfte westlich und Magazine südlich von Verdun ausgiebig mit Bomben. Ein französischer Doppel­decker wurde östlich von Noyon im Luftkampf abge« schössen; die Insassen sind tot.

Oestlicher und Balkan Kriegsschäuplatz: Keine Ereignisse von besonderer Bedeutung.

Oberste Heeresleitung.

Zirauenlieöe.

Roman von Clara Aulepp-StübS. 62

Frau Arnheim ist sehr erschöpft, ja; aber mit Got­tes Hilfe wird sie sich erholen!" Sie drückte den Da- nien die Hände und eilte wieder hinaus.

Ich kann nicht länger abkommen oben," entschul- digte sie sich noch von der Tür her.

Die beiden Damen aber sahen sich an. Sie fühlten wohl beide, daß es in unserem Leben Augenblicke gibt, Augenblicke, in denen der Mensch erschauernd fühlt, daß eS eine dunkle, geheimnisvolle Macht gibt, eine Unberechenbarkeit, ein Aneinanderreihen von Zufällig­keiten, die uns in eine bange Unsicherheit stürzen, daß wir hilflos diesem Dunklen, Geheimnisvollen gegen- überstehend und nur bittend die Hände heben können, flehend:Herr, hilf, hilf Du, denn Deine Güte währet ewiglich I"

13. Kapitel.

Kommerzienrat Arnheim war unzurechnungsfähig. Er verbrachte seine Tage im Fahrstuhl und saß, wenn die Witterung es irgend erlaubte, unter den Linden im Garten.

Klaus meinte wohl oft, der Herr verstände ganz ge­nau, was um ihn her vorginge, seine Augen blitzten oft so seltsam, aber der Arzt schüttelte den Kopf:Nein, nein, KlauS I Gewiß sieht und hört er alles. aber das Verständnis für die Dinge fehlt. Es ist sehr traurig*

Sehr, Herr Doktor, denken Sie bloß daran, wer das große Werk nun leiten soll? Der Kommerzienrat krank, der junge Herr tot bleibt nur noch die junge, gnädige Frau."

Und die wird eS schon tun, da verlassen Sie sich darauf, alter Klaus." Der Arzt klopfte dem treuen Al­ten auf die Schulter unb ging.

Unb Klaus sah ihm mit offenem Munde nach.Wa

wa was hatte der Doktor da gesagt?"

Das Eiserne Kreuz 1 Klasse für Krupp von Bohleu Halbach.

Essen, 29. April. Der Kaiser hat in Anerkennung der von der Firma Krupp erzielten Kriegsleistungen Herrn Krupp von Bohlen bei seiner Anwesenheit im Großen Hauptquartier das Eiserne Kreuz erster Klasse verliehen und ihm diese Auszeichnung persönlich über­reicht.

* *

Wünsche und Enttäuschungen

Alle Augenblicke wechseln unsere Feinde die Pläne, nach denen sieunsere Niederschmetterung" bewirken wollen, wie sie mit jedem Monat des Krieges ihre Kriegsziele einschränken, modificieren und mit Kommen­taren versehen. Nachdem die Dampfwalze versagt hat, sehnt man sich in Albion nach der amerikanischen Geld- mühle, um in ihr langsam, aber wie man hofft, sicher das Deutsche Reich zu zermahlen. Gibt also zu, daß die jetzigen Ententemittel nicht ausreichen.

Wie sie uns besiegen könnten, darüber stellen unsere Feinde immer wieder neue Hypothesen auf. Der edle Plan, uns auszuhungern, wird wohl noch energisch ventiliert und durch allerhand neue Maßnahmen ver­stärkt, genießt aber nicht mehr das rechte Zutrauen. Unsere Feinde sehen, wie wirdurchzuhalten" verstehen, und lesen in den Schriften der Neutralen, die etwas von deutschen Verhältnissen verstehen und wirklich neutral sind, daß wir wirtschaftlich unbeschränkt durchzuhalten vermögen. So veröffentlicht der bedeutende schwedische Nationalökonom Professor Gustav Cassel von der Stockholmer Hochschule der als unparteiischer Sachverständiger während einer Reise durch Deutschland Gelegenheit gehabt hat, nähere Kenntnis von denwirt- frbnfih'dipn Nerbällnissen n Deutschland zu gewinnen, seine Ergebnisse in einem Buche unter dem Xitel Deutschlands wirtschaftliche Widerstandskraft". Er be­tont in dem Buche, daß Deutschland unter allen Um­ständen wirtschaftlich werde durchhalten können, und ist sogar der Ansicht, daß die Lebenshaltung trotz der Be­schränkungen nicht niedriger ist als vor einem öderem paar Jahrzehnten, und vertritt des weiteren mit Recht die Ansicht, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse im Fortgang des Krieges in wesentlichen Hinsichten sogar besser werden dürften. Ein fortgesetzter Kampf bedeute nur eine gleichförmig fortschreitende Entkräftung ganz Europas.Wenn die militärische Lage sich nicht all­zusehr verändert, wird die wirtschaftliche für Deutsch­land kein Grund zur Nachgiebigkeit sein. Nach einem Jahre wird Deutschlands wirtschaftliche Kraft im wesent­lichen, in dem, was für die Fortsetzung des Kampfes entscheidend ist, ungefähr wie jetzt dastehen."

Im Grunde genommen wußten unsere Feinde schon seit längerer Zeit, daß Deutschland nicht durch Ab-

Er setzte sich zunächst erst einmal, denn das war ihm in die Beine gefahren.

Nee, das ist nicht möglich!" brummte er vor sich hin,das is nich möglich! Das kann die Frau nicht!"

Lieber Alter! Eine Frau kann viel, sehr viel, be­sonders, wenn sie aus solchem Holz geschnitzt ist, wie Frau Lotti!"

Die wuchs sich aus zu einer jener stolzen, geraden Frauennaturen, die sich nicht mögen bemitleiden lassen. Sie legte sich in ihrem Innern ihre Aufgabe zurecht nach ihrem persönlichen Urteil und ihren persönlichen Anschauungen.

Wohl zog sie in Betracht, was es heißen wollte, als Weib, allein, die Oberleitung einer solchen Firma zu übernehmen, wie es die Arnheimsche war, allein ein Blick auf die Wiege ihres Kindes zeitigte ein solches Hoch- und Kraftgefühl in ihrer Brust, daß sie sich stark genug fühlte, alle Schwierigkeiten zu überwinden.

Je mehr sie leidlich gesundete, je höher entwickelte sich auch Seele und Geist. Ihre junge Mutterschaft ver­lieh ihrem Schmerz um den Mann etwas Weihevolles. Und zu der inbrünstigen, heißen Trauer um den Ge­liebten gesellte sich jetzt eine tiefe, innerliche Dankbar­keit, denn er war es ja, der ihr die liebkosenden Händ­chen ihres Knaben gegeben, durch ihn hatte ihr Leben einen Inhalt betommen, und war er auch bahinge- gangen, so hatte er sie doch nicht allein gelassen.

Keine öden, leeren Einsamkeitsstunden harrten ihrer; wie die lichte Glut aufsteigender Morgenröte schim­merte leise und sacht erwachende Kindesliebe aus den Augen ihres Knaben ihr entgegen und gab ihr die wehmütig beglückende Verheißung eines ausgefüllten Daseins, ausgefüllt durch Liebe und Pflicht.

In dieser Gemütsverfassung trat sie den leitenden Her­ren des Bureaus entgegen und fragte und ließ sich be­lehren und arbeitete in ihres Mannes Simmer oben von früh bis spät,

schnürung zu besiegen ist, sie lassen aber ihre Völker in dem Glauben, um ihnen nicht den Mut noch weiter zu dämpfen. Im übrigen trösten sie sich selbst mit andern Hilfsmittelchen.Militärisch abnutzen" wollen sie uns, langsam erwürgen möchten sie uns. Der ehe­malige englische Minister Mastermann hat sich diese Prozedur mit Hilfe der englischen Flotte folgendermaßen gedacht, wie er es hübsch anschaulich in einem Buche schildert:Langsam, aber sicher, ohne Schaugepränge und Ruhmredigkeit, gleich einer unsichtbaren Hand, die einen Menschen im Dunkeln erwürgt, hat sie ihre Hand an die Kehle Deutschlands gelegt, und sie wird erst loS- lasfen, wenn ihr Widersacher tot ist. Das Opfer mag kämpfen, mit Händen und Füßen zappeln, sich in seinem Todeskampfe und in der Anstrengung, alles Umgebende zu zerbrechen, winden aber die Umklammerung wird ungeachtet di-ser Heftigkeit allmählig enger werden und der Druck wiro sich verstärken". So spricht ein Eng­länder von der Flotte, die hinter Stahlnetzen im Hafen liegt und zu Paaren getrieben wird, wenn sie sich deutschen Schiffen stellt. Das letzte Seegefecht ist dessen Beweis, bei dem wir die Besatzung des feigen ,King Stephen" in die Hände bekamen. Und wenn nun gar die Franzosen behaupten, daß die Schlachten bei Verdun uns nurabnutzten" und die Franzosen für die große Offensive stärkten, so ist die Behauptung so töricht, daß man sie nur als aus sinnloser Angst geboren bezeichnen kann. Abgenutzter als die,Franzosen jetzt ist wohl kaum je ein Volk in der Geschichte gewesen. Wir bewundern deshalb seinen heroischen Widerstand, aber sehen dem Ende mit Vertrauen entgegen.

Wer weiß, was Frankreich noch bevorsteht, wer weiß, wie es aus diesem Kriege des Monsieur Poincarä und Genossen hervorgehen wird? Der Franzose Ber« trourieur yai jetzt ükc < ^Ifi. erscheinen lassen unm dem TitelDie Wahrheit". Er gibt darin eine Gr- schichte von Calais und spricht es unverblümt aus, daß die Engländer den französischen Hafen, den sie von 1347-1558 schon besaßen, wohl niemals wieder den Franzosen herausgeben würden: denn dann wäre er das erste Mal, daß die Engländer ein Land gutwillig räumten, das siezu Hilfe" rief. Also heute schon sprechen die Franzosen offen aus, daß es ihnen passieren kann, daß sie das hochwichtige Calais verlieren auf der Abendteuererfahrt gen Osten. Wen werden sie dann gegen die Engländer zu Hilfe rufen?_______________

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, den 2. Mai 1916.

* Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß es sich infolge des ständigen Steigens der greife für ausländische Tees empfiehlt, in Zukunft mehr ein­heimische Tees im Haushalte zu verwenden. Als solche

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Endlich war alles geordnet, sie der Vormund ihres Knaben. Der Herr Justizrat führte ehrerbietig die kleine, feste Frauenhand an die Lippen. Die Tapferkeit und schlichte Seelengröße dieser blutjungen Frau hatte ihn tief ergriffen. Und er war doch an vieles gewöhnt; er meinte doch nachgerade kein Uebermaß an Gemüt zu be- sitzen.

Den Beamten der Firma erging es aber nicht an- ders. Da war wohl keiner unter ihnen, der sich nicht im stillen das Gelöbnis gab, der in ihrer tiefen Trauer so rührend lieblich erscheinenden jungen Frau ein treuer Diener zu sein. Die jungen Ingenieure trugen den Kopf noch einmal so hoch und Herr Direktor Vogt atmete tief auf. An ihnen sollte es nicht fehlen, oj sie wollten der Welt schon zeigen, was sie leisten konn­ten, die sollten schon Singen machen.

Herr Vogt war herzensfroh, daß alles in dieser Weise > geordnet war. Herrgott, hatte er eine Angst ausge-.j standen. Es wär ihin ja ein Schnitt inS Herz gewesen,, wenn die Werft verkauft worden wäre. So aber war i alles gut. Doch diese Frau auch! Wie verständig und; klar ihr Urteil, welche Kenntnisse hatten sich in diesem. feinen, blonden Köpfchen angesammelt l

Herr Direktor Vogt hatte sich nie um die Gleich- stellungstendenzen der Frauen gekümmert, höchstens dann und wann einmal um ihr Gefühlsleben. Und da war er nie in die Tiefe gegangen. Ein paar oberfläch­liche Verhältnisse wie das so geht und sonst ge- sellschaftlicher Firlefanz, mit seltenem, höchst seltenem; Gedankenaustausch von Mensch zu Mensch. Im übri­gen nahm sein Beruf ihn vollständig gefangen; er war ihm Geistes- und Herzenssache zugleich. Denn was in i aller Welt konnte mehr befriedigen, als Schiffe zu bauen unb die stolzen Fahrzeuge dann übers Weltmeer an ferne Küsten zu senden, und durch sie beizutragen am Emporblühen von Handel und Wandel des geliebten Vaterlandes? 219,18*j