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chlüchterner Zeitung

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

mit amtlichem Kreisblatt.

Telefon Nr. (»5.

Vochenbeilage: illustriertes Sonntagsblatt.

Telefon Nr. 65,

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1,20 Ulf. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

L 44. Mittwoch, den 31. Mai 1916.

67. Jahrgang.

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vatertande!

| Christi Himmelfahrt.

I An diesem Festtage müssen alle Christen i Heimweh spüren. Denn der Himmel, 311 dem Her Erlöser uns vorausgegangen, ist auch Unsere Heimat. Mag der Leib von Lehm der Erde stammen, die Seele stammt von hem Sitze Gottes, der mit seinem Odem sein Ebenbild in's Leben rüst. Heimkehren soll unser unsterblicher Teil zu seiner Ursprungs­stätte, heimkehren aus diesem Tal der Er­bärmlichkeit in die erhabenen Hallen des himmlischen Stammschlosses. Und auch der sterbliche Teil soll am Auferstehungstage nachfolgen in das Glück und Glanz der Wohn­ung des Vaters. Das herrliche Heim ist bereitet für den zurückkehrenden Sohn wenn nur dieser mit gutem Willen der Füh­rung. des Erlösers folgend die Vaterarme sucht.

Hier ist keine Heimat. Droben liegt sie in den lichten Höhen, wo vor dem höchsten i Geist-chie- seligen Geister ihr Hosianna singen. kNicht im niederen Schmutz der vergäng­lichen Materie, wo Rost und Motten die l Schätze und Würmer die Körper fressen, wo Her Mensch mit unvernünftigen Tieren Ge­nossenschaft pflegen muß und oft den Stand­punkt dieser Mitwohner des Erdenhauses herabsinkt.

Empor die Augen und die Herzen! Das rechte Leben beginnt erst, wenn das Prüfungsleben auf Erden zu Ende ist.

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Preußischer JL vom Landesverein Roten Kreuz

Aufruf.

Sammelt ausländisches Held!

Die lange Dauer des Krieges nötigt zu immer weiterer Ausdehnung der Liebestätigkeit. Nicht nur während die Kämpfe toben, sondern auch später, auf lange Zeit hin, müssen noch ungeheure Aufwendungen gemacht werden, um die Schäden, die der Krieg ver­ursacht, zu heilen. Auch zur Pflege und Versorgung der verwundeten und erkrankten Krieger bedarf das Rote Kreuz noch großer Mittel. Diesem Zwecke vornehmlich gilt unsere Sammlung.

Jeder, der von einer Auslandsreise Geld mitge­bracht hat oder sonst in den Besitz solcher Gegenstände gekommen ist. stelle sie uns zur Verfügung. Zu großen Mengen vereinigt, haben sie bedeutenden Wert.

Wer umlauffählge ausländische Geldstücke (auch Papiergeld) im Betrage von wenigstens 25 Mark einsendet, erhält als

Ehrenpreis eine von dem bekannten Tierbildhauer Professor Gaul entworfene Erinnerungsmünze, die aus Eisen unter Verwendung von Geschoßmerall hergestellt ist. Ver­eine, Schule«, Stammtische ««d jeder ein­zelne werden Herzlich gebeten, sich der Sammeltätigkeit zu widmen.

Zentral-Komitee des Preußischen Landesvereins vom Roten Krem.

Sammelstellen für den Kreis Schtüchiern:

Kreissparkasse, Schlüchtern, Stadtsparkasse, Landesrenteret, * Stadtsparkasse, Salmünster, Vorschußkasse in Steinau, Kreis-Ausschußbüro.

Dom Kriegsschauplatz.

Amtlicher Tagesbericht. WTB. Großes Hauptquartier, 29. Mai. (Amtl.)

Westlicher Kriegsschauplatz:

Feindliche Monitore, die sich der Küste näherten, wurden durch Artilleriefeuer vertrieben.

Den Flugplatz beiFurnes bewarfen deutsche Flieger erfolgreich mit Bomben.

Auf beiden Ufern der Maas dauert der Artillerir- kauipf mit unverminderter Heftigkeit an. Zwei schwäch­liche französische Angriffe gegen das Dorf Cumier^S wurden mühelos abgewiesen.

Oestlicher und Balkan-KriegSschäuplatz: Nichts Neues.

Oberste Heeresleitung.

* *

Englands wirkliches Kriegsziel

DieBirmingham Post", das Organ Austin Cham- berlains, führt im Gegensatz zu Greys Erklärungen im amerikanischen Jnterniew und zur Darstellung von Englands wirklichem Kriegsziel aus: England kämpft nicht, um einen Krieg künftig unmöglich zu machen, sondern um es Deutschland unmöglich zu machen, künf- tig Krieg zu führen. Deutschland müsse alle seine Kolonien einbüßen. Dieser Verlust würde aber nur vorübergehend sein, falls England nicht zugleich die deutsche Flotte vernichte. Geschehe das nicht, so werde sicherlich die deutsche Flotte England vernichten. Zum Glück gebe es in England niemand, der einen anderen Friede mit Deutschland wolle, als um den Preis, den England fordert. Nur ein verbrecherischer Narr könne mit dem Feind der Zivilisation einen Frieden schließe«, der nicht dessen Vernichtung als Militärmacht be­deutet." Da ist also Grey in den Augen dieses eng­lischen Zeitungsschreibers einverbrecherischer Narr" ? Grey will Deutschland nicht mehr zerschmettern, sondern es nurzur Freiheit erlösen". Wer von den beiden zeigt nun das rechte englische Gesicht? Vielleicht keiner von beiden.

Auf den Spuren der Rufiengreuel

Der amerikanische Oberrichter Nippert besuchte in Begleitung des Regierungspräsidenten den Kreis ßa^iau, um dort die durch die Ruffen verursachten Zerstörungen in Augenschein zu nehmen und sich über die an der wehrlosen Bevölkerung von den Ruffen verübten Greuel­taten zu unterrichten. Nach Königsberg zurückgekehrt vernahm Nippert in den einzelnen Lazaretten Schwestern und verwundete Soldaten über russische Greueltaten. Darauf bereiste er das Zerstörungsgebiet in den Kreisen Eylau, Friedland und Wehlau und ließ sich besonders über die grundlose Erschießung von 50 Bewohnern aus dem Kreise Eylau in Abschwangen berichten. Nippert besucht auch die Gräber der Gemordeten.

Zeh« Baterla«dsverteidiger

Mit Stolz kann der Winzer Johann Maßmich au-

Im Schatten der Ueterpaulsfestung.

Roman von Hermann Gerhardt. 8

Gut. Ehe wir also an die Arbeit gehen, mein Junge, stelle mal diesen Stuhl an seinen Platz zurück und nimm Dir den da, mit der geraden Lehne."

Danke, ich bin ganz gut hier, ich ziehe diesen vor." I In Rittberge Augen blitzte eS auf.

Mischa, Du mußt mich nicht mißverstehen; ich ver­lange Gehorsam! Wie Du siehst, bin ich viel stärker als Dn, eS wäre mir ein Leichtes, Dich zur Tür hin- auS zu befördern; und das wird sofort geschehen, wenn Du noch weiter auf Deinem Willen bestehst."

Bestürzt blickte der Junge seinen Lehrer an und ein Zittern durchlief seinen Körper, in seinen Zügen malte sich höchst« Wut. Noch zögerte er; aber dann schien eS ihm doch daS Geratenste, sich der Uebermacht zu fügen. Er stand langsam auf, schob heftig seinen Stnhl zur Seite und holte sich den, welchen Rittbelg ihm bezeich­net hatte.

So macht er immer mit Mr. Brown," sagte Manja mit einem hämischen Aufleuchten seiner runden, schwar­zen Augen;er will niemals tun, was der Lehrer sagt."

Ohne diese Bemerkung zn beobachten, äußerte Ritt­berg, er wünsche die Bücher zu sehen, welche bisher beim Unterricht benutzt worden. Diensteifrig erbot sich Manja, sie zu holen und rannte davon.

Mit seinem renitenten Schiller allein gelassen, be­obachtete Rittberg ihn verstohlen. Seine ganze unge- bändigte Natur war offenbar in Aufruhr geraten, den- «och aber lag iu dem intelligenten Gesicht, dem fe­sten energischen Munde uub der freien Stirn etwas, das sympathisch beriihrte. Vermutlich war baß erste Mal in seinem kurzen Leben, daß ihm mit Entschie­denheit eutgeg«»lgetreten ward. Bon devotem Personal

umgeben, hatte dieser herrschsüchtige Charakter üppig inS Kraut schießen können. Im Grunde seines Her­zens tat er Rittberg leid.

Mischa," sagte er endlich,versetze Dich doch ein» mal in meine Lage! Wenn nun Du der Lehrer wärst und ich der Schüler, der sich nicht fügen will, wür­dest Du Dir das ruhig gefallen lassen?"

Ohne Zögern aber gab Mischa die charakteristi­sche Antwort:Ich würde ihn zu Boden schlagen!"

Der Lehrer lächelte:Ein drastisches Mittel! Wie Du siehst, bin ich nicht einmal so streng, und dennoch verdenkst Du mir meine Handlung-weise."

Mit finster gerunzelter Stirn blickte Mischa zu Bo­den, aber sein Zorn war im Verrauchen und er schien etwas wie Verlegenheit zu empfinden. Seinen Vorteil wahrnehmend, fuhr Rittberg fort:Glaube mir, ich selbst leide barimter, wenn ich genötigt bin, Dich hart anzufassen, mein Junge! Dn denkst doch nscht etwa, daß es mit Vergnügen macht, einem Schwächeren ge­genüber den Tyrannen zn spielen? Also sei klug und verschone uns beide in Zukunft: denn der Eigenwille, den eine allzn nachsichtige Erziehung in Dir groß- gezogen hat, droht, die besten Eigenschaften in Dir zu ersticken. Wer nicht gehorchen gelernt hat, der lernt auch nicht befehlen. Und nun schlag ein und laß uns Freunde sein I Ich meine es gut mit Dir."

DaS Gesicht abgewendet, tat Mischa, als sähe er die dargebotene Hand nicht. Auf dem Korridor wurden MaujaS flinke Schritte vernehmbar. Mit Herzklopfen fragte Der Lehrer sich, ob dieses sein erstes Experiment

Fürchtest Du Dich, mir ins Gesicht zu sehen, Mi­scha ?"

DaS traf. Die Blicke der beiden begegneten sich und, sie hätten wohl nicht zu sagen gewußt, wie kam, auch ihre Hände.

Ich danke Dir, mein Junge," flüsterte Rittberg,

denn in dem Augenblick flog die Tür auf und Manja stürmte herein, den Arm voll Bücher. Seine schlauen, Augen gingen von einem zum andern; waS war vor» gefallen, daß Mischa so still und blaß war? Und bet Lehrer, bk am Fenster gestanden hatte und sich jetzt umwandt«, sah auch so sonderlich auS, gar nicht boseli Der Kleine war enttäuscht; er hatte sich so sehr beeilt um nur ja die erwartete Szene nicht zu verpaffen, und nun war nichts damit! Wäre nur erst bie Stunde zu Ende, daß er den Bruder auSfragen konnte.

Hätte Rittberg, da er in fliegender Eile an Marga­rete schrieb, eine Ahnung gehabt, wie wenig willtom-, tuen ihr Erscheinen in diesem Hause, sowohl der Pil» soutSky, als auch Katia sei, seine Freude hätte einen starken Dämpfer erhalten. /

Katia grollte im stillen, weil man sie nicht gefragt,; während doch die ganze Angelegenheit fte vorzugsweise anging! Sie wollte kein« Gesellschafterin: dieses deut­sche Mädchen würde gewiß übergefühlvoll und schwär» merisch sein, und dabei sie, Katia, doch auf Schritt und Tritt bewachen und Hofmeistern wollen, mit bet« goldenen Freiheit war nun endgültig oorbet wen», sich diese Fremde wie ein Schatten an ihre Ferse«, heften würde!

So oft sich die Gelegenheit bot, erzählte Rittberg ihr von seiner Schwester. Seitdem die gemeinsamen Lesestunden in Gang gekommen, war sie ihm gegen« über ein klein wenig aus ihrer Refkoe getreten, abet er war enttäuscht, saß sie auf dieses Hema so gat nicht einging. In der Tat trugen seine Schilderungen nur dazu bei, das bestehende Vorurteil zu befestigen.: Wenn er dieses Juwel in begeisterten Worten prie». so ärgerte sie sich darüber ganz unbeschreiblich, fei, daß ihre eigene Unzulänglichkeit ihr durch den Kon­trast doppelt zum Bewußtsein kam, fei es, daß sie eifersüchtig war! So viel ist gewiß, daß sie in stillen Stunden recht »i0 d-M« nachdachte. 231t18^