Telefon Nr. «5. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «5.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1 ,20 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.
47. Samstag, den 10. Juni 1916. 67. Jahrgang.
Wer über das gesetzlich zulässige Maß I hinaus Hafer, MengKorn, Mischfruchr worin sich Hafer befindet, oder Gerste verfüttert, versündigt sich am
Vaterlande!
Amtliches.
3144 Ka. Da dem Vernehmen nach, der Bedarf an Aufzuchtschweinen (Ferkel) im hiesigem Kreise nicht gedeckt werden kann, beabsichtigt der Kreisausschuß eine Anzahl Ferkel von auswärts einzuführen und zum Selbstkostenpreis abzugeben. Es soll dies in der Kürze geschehen.
Kreiseinwohuer, welche von der günstigen Gelegenheit Gebrauch zu machen beabsichtigen, wollen mir dies unter Angabe der Ferkelstückzahl bis spätestens 14. Juni schriftlich anzeigen.
Schlüchtern, 9. 6. 1916.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.
J.-Nr. 6269. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, in Zukunft darauf zu achten hnfs Rft-0&««<j»n f«* OMEftungen x^M' ZWkW genommen werden, wenn über dieselbe Leistung bereits ein BergiNungs- anerkenntnis erteilt sworden ist. Es soll damit verhütet werden, daß die Vergütnng für ein und dieselbe Leistung zweimal ausgezahlt wird, was wiederholt vor- gekommen ist.
Schlüchtern, den 7. Juni 1916.
Der comm Königl. Landrat. von Trott zu Solz.
Die Herren Bürgermeister erlüge ich um Bericht bis zum 12. ds. Mts., wieviel Zucker die in der Gemeinde ansässigen Gastwirte, Bäcker, Konditoren, Apotheken durchschnittlich monatlich im Gewerbebetrieb verbrauchen. Die Menge ist nicht sumarisch für die Gemeinde, sondern unter Angabe des Namens, der Bezeichnung des Betriebes und des Verbrauchs mitzuteilen.
Schlüchtern, den 7. Juni 1916.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses, von Trott zu Solz.
Im Schatten der Ueterpaussfestung.
Roman von Hermann Gerhardt.
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Mit ein paar raschen Schritten war Rittberg an ihrer Seite. . ..
„Gnädiges Fräulein «" flüsterte er erreg , wäre es nicht besser, Sie würden ein wenig vom Fenster zilruck-
SSarmn?" Mit hochgezogenen Brauen wandte sie ihm ihr Profil zu nnb vermied es geflissentlich, feinem Blick zu begegnen. Da packte ihn ein heftiger Zonii gegen sie. Offenbar wünschte sie ihn sich »SÄ" Schritte vom Leibe" zu halten! Sie wollte ihm wohl begreiflich machen, daß sie sich inzwischen anders besonnem und ihm wegen seines gestrigen unquallfizrerbaren Beuch mens zürne! Da er sich nicht getraute, etivaS z r- widern, trat er zurück und eilte zu der noch rmmer wehklagenden Pilsoutsky.
$m allgemeinen besaß Rittberg nicht allzu viel Nachsicht mit die er Sorte von weiblichen Wesen, die wegen jeder Lappalie gleich in Todesangst geraten und denn Anblick einer Spinne oder einer MauS fast in Krämpfe verfallen. Aber er wußte wohl, daß es eine nervöse Anlage gibt, die durch elektrische Entladungen a fS stärkste affiniert wird, nnb beim Gewitter von einer Art Delirium ergriffen, jedwede Selbstbeherrschung verliert. Und daß er eS hier mit einem derartigen Fall zu tun habe, sah er ein.
So bengte er sich mitleidig zu ihr herab und versuchte, sie aufzurichten, wobei er ihr tröstend undbe- ruhigend zusprach, während sie seinen Arm umklant- wert hielt und flehentlich bat: „Verlassen Sie muh nicht— verlassen Sie mich nicht!" Dabei stund er so, daß er Katia den Rücken zukehrte; in seiner Besamn^ en dir Leidende hatte er mowÄ
Erntestäche« Erhebung
Auf die im Kreisblatt Nr. 46 vom 3. Juni d. Js. enthaltene Bekanntmachung betr. Ernteflächen-Erhebung wcise ich hierdurch nochmals hin. Bei der großen Bedeutung, die ihr zukommt, ist bei den Aufstellungen die größte Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit geboten. Sollten sich Schwierigkeiten ergeben, ist umgehend zu berichten. Ich erwarte die genaue Einhaltung des Termins zur Einreichung der Ortsliste.
Schlüchtern, 7. Juni 1916.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.
Nach § 3 Ziffer 4 der Verordnung des Bundesrats vom 3. Dezember 1914 und § 4 Ziffer 4 der Bekanntmachung vorn 23. April 1915 wird als ein Teil der Reichs Wochenhilfe für Wöchnerinnen, solange sie ihre Neugeborenen stillen, Stillgeld bis zum Ablauf der 12. Woche nach der Niederkunft gewährt. Das Stillgeld kann deshalb nur dann angewiesen werden, wenn die Hebamme an dem Tage, an dem das Stillgeld, fällig wird, sich davon überzeugt hat, daß die Wöchnerin das Kind tatsächlich noch stillt. Sie kann und darf deshalb die betreffende Bescheinigung erst ausstellen, wenn fie sich von dieser Tatsache Gewißheit verschafft hat.
Ich ersuche die Herren Bürgermeister, die Hebammen auf die genaueste Beachtung dieser Vorschriften bei Ausstellung ihrer Bescheinigungen hinzuweisen.
Schlüchtern, den 22. Mai 1916.
Der Vorsitzende des K eis-Ausschusses und des Königl. Versicherungsamtes.
Trott zu Solz.
0097 fti.. CM . m..
Stadt- und Landgemeinden mit Ausnahme von Uerzell ersuche ich unter Bezugnahme auf die Kreisblattverfügung vom 4. Mai 1905 — J.-Nr. 1354 Ka. —, den am 1. Juni er. festgestellten Bestand an Kühen, deckfähigen Rindern und lpcungfähigen Bullen mir innerhalb 8 Tagen mitzuteilen.
Schlüchtern, den 5. Juni 1916.
Der comm. Landrat.
Bekanntmachung.
Nach Mitteilung der Inspektion der Infanterie- schulen finden Einstellungen in die Umeroffizierschulen vor Herbst 1917 voraussichtlich nicht mehr statt und werden Anmeldungen von Freiwilligen der Jahrgänge 1897 und 1898 überhaupt nicht mehr entgegengenom- men, solche des Jahrgangs 1899 nur soweit sie in ihrem Korpsbezirk nicht zur Einberufung heranstehen.
gez. Hardt,
Oberstleutnant und Bezirkskommandeur.
ihrem Herzen aus! Das also nndschaft für sie, wie ein zärt-
chens Gegeuwmt, sonne seinen eigeiwn Kummer total vergessen. Sie aber hatte sich beim Klang seiner Stimme nach ihm umgedreht, und wie sie ihn so voll rührender Sorgfalt um ihre Feindin bemüht sah, da quoll eifersüchtige Bitterkeit in ihrem Herzen anf! Das also war seine gepriesene Freundschaft für sie, wie ein zärtlicher Liebhaber nahm er sich dieser Frau an dre lhr das Leben so unsäglich schwer machte. Denn daß er ihre berechneten Künste und Koketterie für bare Münze nahm, konnte Katia unmöglich glauben! SM Verräter war er, ein feiger Ueberlänfer!
Der Anblick war nicht länger zu ertragen. Flink nnb lautlos schlüpfte sie zur Tür hinaus, jagte die Treppe hinan und schloß sich in ihr Zimmer ein, wo sie sich widerstandslos ihrer leidenschaftlichen Verzweiflung hm- gab, während draußen in der Natur der gleiche Sturm tobte. Wäre ihre alte Kinderfrau zugegen gewesen, sie hätte gleichmütig geäußert, Katia Michailowna habe wieder einmal einen ihrer Anfälle. Als Kind war sie bei solchen Anlässen einfach sich selbst überlassen geblieben, bis der Paroxysmus vorüberging; keinem Menschen wäre es eingefallen, sie deswegen zu schelten oder ihr vernünftig zuzureden. Der kleinen Gnädigen durfte beileibe nicht entgegengetreten werden! Spater m der Pension war sie der verzogene Liebling gewesen, und fitzt, da sie erwachsen, sah sie sich gleichfalls von Schmeichlern und Schönrednern umgeben. So war dies denn tatsächlich der erste Stoß, den ihre Eigenliebe empfing, noch dazu von der Hand deS Mannes, der ihr erst gestern feine Freundschaft angetragen I
Endlich aber legte sich doch die Gewalt deS Sturmes: und mit der allmählichen Beruhigung! zog die Rene in KatiaS Brust ein. Wie hatte sie sich nur so benehmen können! WaS war denu aus all ihren guten Vorsätzen geworben? Sie, die sich vorgeuommeu, ibm au zeigen, wie sehr sie seine Freundschaft zu lläVn misse, sie hatte auS einer unbegreiflichen ßaime
Schweinemast öetr.
Um die Schweinemästung noch mehr als bisher zu fördern, soll für diejenigen welche sich vertraglich zur Erfüllung der hierüber aufgestellten besonderen Bedingungen verpflichten, für jedes Schwein mit einem Durchschnittsgewicht von 215 Pfund neben dem jeweiligen Verkaufshöchstpreis eine
Prämie von 10 bis 15 Mark von Staatswegen gezahlt werden.
Die Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen soll außerdem noch dadurch erleichtert werden, daß für jedes Schwein als Beifutter 5 Zentner Getreide oder Maisschrot oder Mais — den Zentner für 16 bis 17 Mark — überwiesen wird. Die weiteren näheren Bedingungen können hier eingesehen werden.
Ich hoffe, daß von der günstigen Gelegenheit auch im Kreise Schlüchtern Klein- wie Großbauern recht viel Gebrauch machen werden und bitte diese, sich baldigst bei mir oder im Kreisausschußbüro zu melden.
Schlüchtern, den 6. Juni 1916.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.
Wollsachen-Sammlung.
Die im Vorjahr stattgehabte Wottfamm- luttg brächte, wie bereits mehrfach beka««t gemacht wurde, im Kreise Schlächter« ei« überaus günstiges Ergebnis. Wir stnd überzeugt, daß auch heute wieder bei manche« du«gsstücke«, alte« Strümpfen, Unterzieh zeugen vorfinden und bitten daher er»e«t, solche Stücke Gemeindeweise zu sammeln und an uns abzuliefer«.
Die Herren Pfarrer, Lehrer Bürgermeister und jeden Einzelnen bitte« wir, fich «m die Sammlung zu bemühen. Am Zweckmäßigste» ist es, wenn i« jedem Ort ein besondererTag zur Sammlung be- stimmt und bekannt gemacht wird und dann durch eine oder mehrere Personen die Stücke abgeholt werde«.
Sobald die Sammlung beendet ist, bitte« wir um Mitteilung durch den Herrn Bürgermeister unter Beifügung eines Berzeich niffes Wir werde« dann de« Zeitpunkt der Ablieferung bestimme»
Schlüchtern, den 5. Juni 1916.
Männerverein vom Roten Kreuz.
Nachdem daS Wetter sich aufgeklärt, machten Rittberg und Mischa einen Gang inS Freie. Sie^ wandten sich dem Walde zu, um in einem weiten Boaen wieder in die Parkwege einznlenken. Wie pochte Ritt- berg das Herz, als er plötzlich zwischen bem Grün der Bäume ein helles Kleid schimmern sah! Mischa, der die Schwester gleichfalls entdeckt, raunte hinter ihr her und faßte sie von hinten um die Taille, mit erschrecktem Aufschrei blieb sie stehen. Dann, als Rittberg herangekommen, Mischa aber weitergelanfen und ihren Blicken entschwunden war, trat ein verlegenes Schweigen ein, das, wie zumeist in solchen Fällen, von bem weiblichen Teil zuerst unterbrochen ward: „Ich hoffe doch, es ist Ihren Bemühnnge» vorhin gelungen, Madames Aufregung zu beschwichtigen? Sie schienen sich zu dieser Aufgabe ganz vorzüglich zu eignen I"
Die Aufregung wirkte wie der Fmrke im Pulverfaß. Heftig erregt fuhr Rittberg auf: „So? Meinen Sie? Und wie hätte ich mich Ihrer Ansicht nach denn sonst verhalten sollen?"
„Genau so, wie Sie es getan haben!" gab Katia mit provozierender Ruhe zurück. „Sie tun ja gerade, als hätte ich Ihnen einen Vor>vurs daraus gemacht, während ich im Gegenteil Ihr Talent, mit schwach- nervigen Damen umzugehen, rlickhaltlos anerkannte."
AIS Katia jetzt schwieg, sagte Rittberg: „Bitte, gn». digeS Fräulein, fahren Sie doch fort; ich bin aan, Ohr. Sie entwickeln ivirklich eine erstaunliche Menschenkenntnis für Ihre Jahre."
RittbergS Stimme bebte von verhaltenem Aerger.
„O, Sie schineichelu mir. Znm Höfling hätten Sie jedenfalls auch Anlage gehabt," versetzte sie mit mokantem Lächeln.
„Wie boshaft Sie sind!" stieß er zischend hervor.
Da erblaßte sie bis in die Lippen, und ihre zierlichen Nasenflügel bebM. 33 M8*