mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
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Wochenbeilage: Illustriertes Lonntagsblatt.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
X 73.
Samstag, den 9. September 1916.
Amtliches.
Höchstpreise für Butter.
In Abänderung der bisherigen Festsetzung wird
hiermit auf Grund der Verordnung über Höchstpreise j vom 4. August 1914 in der Fassung der Bekannt
machung vom 17. Dezember 1914 R. G. Bl. S. 516
| folgendes festgesetzt:
Die Höchstpreise betragen beim Erzeuger für Pfund:
1. für Landbutter 2,10 Mk.
2. für Molkereibutter 2,40 Mk.
Der Preis für Landbutter erhöht sich um 10 Pfg. ; das Pfund, wenn die Butter in mit dem Namen
516
das
für des
Erzeugers versehenen Formen gut ausgepreßt ist.
Der Kleinhandelsverkaufspreis für Butter darf in keinem Falle 2,55 Mark für das Pfund übersteigen.
Schlüchtern, den 7. September 1916.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses. * *
*
Vorläufige Anordnung über den Verkehr mit Butter.
Auf Grund der Bekanntmachung des Reichskanzlers über Speisefette vom 20. Juli 1915 (R. G. Bl. S. 755) in Verbindung mit dem § 3 der im Kreisblatt Nr. 67 veröffentlichten Anordnung, die hierdurch abgeändert wird, wird bestimmt:
1. Die Ausfuhr von Butter und Speisefetten aus dem Kreise Schlüchtern und der Aufkauf durch Händler und Privatpersonen, die ihren Wohnsitz ... außerhalb des Kreise hüllen, wird äne^uHe. ^ 2. Händler, die im Kreise ihren Wohnsitz haben, dürfen Butter nur auf Grund eines neu zu beantragenden Erlaubnisscheines aufkaufen. Die bisher ausgestellten Scheine sind bis zum 12. September zurückzugeben
3. Die Händler haben Butter, die nicht unmittelbar dem Verbrauch im Kreise zugeführt wird, an die Kreissammelstelle in Schlüchtern (Molkerei) abzuführen.
4. Diese Anordnung tritt sofort in Kraft. Schlüchtern, den 8. September 1916.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.
irgendwie entbehrliche Butter der Kreissammelstelle in Schlüchtern zu verkaufen. Der Bezug von Butter im Kreise unmittelbar vom Erzeuger ist bis auf Weiteres gestattet.
Schlüchtern, den 8. September 1916.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.
Betr. Kartoffel-Lieferung
J.-Nr. 4974 K. G. Im Kreis werden dringend etwa 150 Ztr. Kartoffeln gebraucht, welche von auswärts nicht geliefert werden können.
Ich fordere deshalb die Anbauer von Frühkartoffeln gemäß der Anordnung vom 30. Juni 1916, veröffentlicht im Kreisblatt Nr. 62 vom 2. August 1916 auf, dem Kreis diejenigen Mengen zur Verfügung zu stellen, die in der eigenen Wirtschaft nicht gebraucht werden.
Die Anmeldung ist bei den Herrn Bürgermeister sofort zu bewirken und von diesen am Montag vormittag telephonisch an mich weiterzugeben.
Schlüchtern, den 9. September 1916.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.
Bei der reichlichen Zwetschenernte möchte ich wieder an die Kernsammlung erinnern. Jeder Zwetschenkern ist gut gesäubert und getrocknet aufzubewahren, größere Mengen nach Fruchtarten sortiert an die SamMlstelle von Frau Kaufmann Fehl, Fuldaerstraße abzugeben.
Ich bitte besonders die Herrn Lehrer in den Schulen auf die Wichtigkeit der Kernsammlung aufmerksam zu machen und dieselbe zu unterstützen.
lung der Oelknapphett zu steuern.
ÄerufMitNt^
Borsitzende des Baterl. Frauenvereins Schlüchter».
67. Jahrgang.
möglich sein, wenigstens ein Zehnpfennigstück zu spenden. Für jedes Zehnpfennigstück erhalten sie einen Kriegsbilderbogen mit Schattenbildern. Folgende Kriegsbilderbogen, von ersten Künstlern entworfen, werden in der Kriegsbilderbogenwoche zum Verkauf gebracht:
1. Helft meiner Kriegskinderspende!
2.
3.
4.
5.
©teilte, Kronprinzessin.
Wie Deutschland verteidigt wird.
„Lieb Vaterland, magst ruhig sein — Wir lassen keinen Feind herein." Deutschlands Jugend.
„Früh übt sich, was ein Meister werden will. Die deutschen Frauen in der Kriegszeit.
„Nichtswürdig ist die Nation, die nicht — Ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre." Kriegskrankenpflege.
„Edel sei der Mensch, — hilfreich und gut."
Die Bilderbogen werden an die Gemeindeschwester gesandt. Sie werden von diesen vertrieben werden.
Schlüchtern den 6. September 1916.
Die beiden Rotekreuzvereine.
J.-Nr. 4971 K. G. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich vorstehende Anordnungen als- ald in ortsüblicher Weise wiederholt bekannt zu machen nd die Erzeuger von Butter ebenso wie die für die emeinde zugelaffenen Händler aufzufordern, alle
Kriegs-Bilderbogen-Woche.
Die „Kriegskinderspende deutscher Frauen", durch deren Ertrag Not und Bedrängnis von vielen Kriegsmüttern abgewendet werden konnte, ist von Ihrer Kaiserlichen Hoheit, der Frau Kronprinzessin am 20. September 1915 ins Leben gerufen worden Reiche Mittel sind auch fernerhin erforderlich, wenn allen, die dringend der Hilfe bedürfen, geholfen werden soll. Große Beträge können nur wenige geben, wohl aber wird es Millionen deutscher Männer, Frauen und Kinder
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Im Schatten der Ueterpalllsfestung Roman von Hermann Gerhardt.
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Die sonderbarsten Gerüchte schwirrten durch die uft. Exaltierte Damen tuschelten einander zu: Katia ichailowna sei durch den Tod ihres Verlobten ge- ütskrank geworden; kein Mensch habe sie seitdem lä- eln gesehen, ja, sie habe der Welt für immer entsagt nb stehe im Begriff, ins Kloster zu gehen. Und in » Tat konnte es den Anschein haben, als ob an die- n Vermutungen etwas Wahres sei. Denn man sah Das junge Mädchen nirgends anders als nur in der irche, oder wenn sie ihre tägliche Ausfahrt im Schlit- n nach den „Inseln" machte. In ihrer Begleitung be- _ nd sich dann stets die schöne Ausländerin, ihre Ge- sillschaftsdame, von der behauptet mürbe, daß sie einen Uns Wunderbare grenzenden Einfluß auf die Leidende ausübe.
£ Das Katia von dem erschütternden Ereignis kör- pkrlich und seelisch auf Tiefste asfiziert war, entsprach allerdings den Tatsachen. Und hätte sie nicht Margarete zur Seite gehabt, die sie pflegte und aufzuheitern Mte, so hätten die Nachwirkungen sehr wohl derar-
sein können, wie die Welt es annahm. So aber M infolge des zurückgezogenen Lebens, das sie in der Wohltuenden Gesellschaft einer ihr sympathischen Na- führte, allmählich eine gesündere Gemütsverfassung und ihr von Hause aus heiteres, sanguinisches Tein- Mament gewann wieder die Oberhand und verscheuchte "ach und nach die trüben Schatten. .
l In dieses Stilleben brachten die täglichen Besuche »res Vaters eine willkommene Abwechslung. Bei fol«
Gelegenheiten pflegte feine liebenswürdig M Geltung zu kommen. Er hatte dann fiel
Gelegenheiten pflegte seine liebenswürdigste Seite a Bettung zu kommen. Er hatte dann stets aller« »and interessantes von der Außenwelt zu erzähle», oder
er brächte ein Buch mit und las mit seinem wohlklingenden Organ daraus vor. Meist ivar es ein neues Erzeugnis der Belletristik, oder ein packender Artikel über eine Zeitfrage. Mehr als einmal holte er auch mit vielsagendem Lächeln ein russisches Zeitungsblatt oder eine Broschüre hervor, aus der er, mit überraschender Gewandtheit übersetzend, eine fulminante Kritik der bestehenden Verhältnisse und Staatseinrichtun- gen zum besten gab.
„Recht geschickt gemacht," pflegte er 311 sagen, „der Antor, ein unreifer Bursche, besitzt entschieden mehr Geist als Lebensklugheit. Ich hätte gar nicht übel Lnst, statt ihn verhaften zu lassen, das Thema mit ihm bei einer Flasche Wein zu diskutieren. Aber man ist nun einmal, leider Gottes, Polizei-Präfektl"
Durch solche Aeußerungen hatte er bald, bei der liberal gesinnten Margarete einen Stein im Brett, und wenn sie auch noch nicht ganz so weit war, den Präfekten aufrichtig gern zu mögen, so fing sie doch bereits an, ihn für einen der bedeutendsten und in- teressautesten Männer ihrer Bekanntschaft zu halten.
Biruleff seinerseits, der wohl merkte, welchen Eindruck er machte, hütete sich ängstlich, durch Wort oder Mienenspiel etwa wieder zu verlieren, was er an Boden bereits bei ihr gewonnen. Je näher er den Gegenstand seiner Liebe kennen lernte, desto unmöglicher erschien es ihm, daß man sich ihr mit unpassender Vertraulichkeit nähern könne. Er hätte es jetzt nicht mehr gewagt, ihrem keuschen und aufrichtigen Blick mit einem solchen zu begegnen, aus dein eine unreine Leidenschaft sprach. Und indem die Zeit verstrich, ohne daß er dem Ziel seiner Wünsche näher geloimnen wäre, gab er den Gedanken auf, ihrer weiblichen Ehre nachzustellen. Kein Preis erschien ihm jetzt zu hoch, wenn er damit ihren Besitz erlaufen Konnte r und allgemach reiste in ihm der feste Vor- atz, alle« daran zu setzen, ihre Gegenliebe z» wecken und sie zu bewegen, daß sie (ein Weib wurde.
Unser Vorrat an Hemden ist durch die starke Inanspruchnahme unserer Lazarette vollständig aufgebraucht. Da dringender Bedarf vorliegt und neue Hemden kaum oder nnrzu sehr teueren Preisen zu beschaffen sind, richten wir an die bessergeftellten' Kreisbewohner die Bitte, uns
getragene Hemden
schenken zu wollen.
Wir danken im Voraus.
Schlüchtern, den 28. Juli 1916.
Sie beiden Rote Kreuz Vereine.
Bis jetzt gingen weitere Hemden ein:
5. K. R. Schlüchtern, 3 Hemden
6. Durch Herrn Pfarrer Kurz, Salmünster,
12 Hemden.
WTB. Sofia, 7. Sept. (Amtlich.)
Gestern, den 6. September, 2 Uhr 30 Minuten nachmittags, fiel nach heftigem
Um den endgültigen Erfolg war ihm nicht bange. Weshalb sollte es ihm nicht glücken, dies unvergleichliche Wesen dauernd an sich zu fesseln? War er doch kein verlebter, alter Mann, ivie ihn so manches junge und schöne Mädchen schon geheiratet, nur um zu Reichtum und Ansehen zu gelangen! Er stand ja noch im besten Mannesalter; sie paßten geistig und körperlich gut 31t einander. Und war sie schließlich nicht ein Weib, und ein mittelloses dazu? Mußte ihr nicht feine hohe Stellung verlockend erscheinen, und würd« sie sich nicht geschmeichelt fühlen, daß ein so angesehener Mann ihr seine Liebe zu Füßen legte? —
Einmal an jedein Tage mußte Katia auch den Besuch von Madame über sich ergehen lassen, die dann immer von guten Ratschlägen überstimmte. Es sei doch eigentlich unmotiviert und nebenbei durchaus nicht zu billigen, daß Katia noch immer ihr zurückgezogenes Leben weiterführe I Die Lente fingen bereits an, sich darüber aufzuhalten, Andeutungen und Vermutungen auszustrenen, die, wenn auch selbsterständlich völlig grundlos, doch schließlich geglaubt würden. Undj man könne es ihnen gar nicht einmal so sehr verdenken! Auch sei es gar zu peinlich, immer von neuem dieselben Fragen beantworten zu müssen und die bedeutungsvollen Mienen der Leute zu sehen, sobald Katia Michailoivnes Name erivähnt wurde.
Im Uebrigeu sei es klar, daß dies Einsiedlerleben dem lieben Kinde schlecht bekomme; ihr Aussehen hab« schon so etwas Mattes, fast Stumpfes, und Fräulein Rittberg würde gut tun, ihren ganzen Einfluß anfzu- bieten, daß sie sich überwäude, öfter abenbS, sei eS auch nur auf ein Stündchen, im Familienkreise zu er» scheinen.
Im Grunde ihres Herzens wünschte die Pilsoutsky freilich alles andere eher, als das, da sie mit der gegenwärtigen Lage der Dinge mehr als zufrieden sein toimte. Nur war die Versuchung stärker als sie, wenn es galt, eine kleine Bosheit entfliehen zu lassen. 231,18’