Müchtemer Zeitung
^^ ^ OH Monatsbeilage: tandwirtschaftlicher Ratgeber.
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lvochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
mit amtlichem Rreisblatt.
Telefon Nr. 65.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — preis mit „Areisblatt" vierteljährlich 1,20 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.
M 76.
, den 20. September 1916.
67. Jahrgang.
AintUche»
18. Armeekorps Stellvertretendes Generalkommando.
Illb. Tgk^. No- 18250/5464.
Frankfurt a. M., 15. 9. 1916.
Betr. Beschlagnahme von Obst.
Zur Sicherstellung des andernfalls gefährdeten Bedarf des Heeres und der Bevölkerung an Marmelade und Mus bestimme ich im Interesse der öffentlichen Sicherheit auf Grund des § 9b des Gesetzes über den Belagerungszustund vom 4. Juni 1851 :
§ 1-
Die gesamten noch nicht im Kleinhandel befindlichen Aepfel, Zwetschen und Pflaumen werden, auch soweit sie noch nicht geerntet sind beschlagnahmt. Der Absatz darf nur an Personen erfolgen, die einen mit dem Stempel des Kriegsernährungsamts versehenen Ausweis mit sich führen.
§ 2»
Die nach § 1 beschlagnahmten Aepfel, Zwetschen und Pflaumen sind bis zur Ablieferung an die in § 1 bezeichneten Personen zu verwahren und pfleglich zu behandeln. Die Verarbeitung und der Verbrauch im eigenen Haushalt bleiben zulässig.
§3.
Zuwiderhandlungen werden, soweit nicht nach den bestehenden Gesetzen strengere Strafen verwirkt sind, mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. Beim Vorliegen mildernder Umstände kann auf Haft oder auf Geldstrafe bis zu 1500 Mk. erkannt werden.
Die unteren Verwaltungsbehörden (Polizeipräsidenten Landräte, Kretsämter) können nach Anweisung des Kriegsernährungsamtes insbesondere zur Verhinderung des Verderbens der Früchte Ausnahmen von den Vorschriften in § 1 zulassen.
Der Kommandierende General.
Freiherr von Gall, General der Infanterie.
J.-Nr. 5135 K. A. Die Ortspolizeibehörden ersuche ich, für sofortige ortsübliche Bekanntmachung zu sorgen. Nach Anweisung des Kriegsernährungsamtes vom 15. d. Mts. bestimme ich gemäß § 3 Absatz 2 der , Verordnung:
< - 1. Der Absatz von Aepfeln und Zwetschen aller Art innerhalb des Kreises Schlüchtern wird freigegeben.
Aufkäufer die einen unterstempelten und von mir mit Sichtvermerk verfeheven Ausweis des «riegseroähruugSamtes vorweisen, haben jedoch das Vorkaufsrecht zu Gunsten der Heeresverwaltung.
2. Für den Fall, daß für bestimmte Obstmengen infolge der Beschlagnahmeverfügung bei nicht rechtzeitiger Verwendungsmöglichkeit Gefahr des Verderbens zu besorgen ist, kann auf Antrag eine Ausnahme für den Absatz im Kreise und nach auswärts von mir zugelassen werden.
Schlüchtern, den 18. September 1916.
Der comm. Königl. Landrat. von Trott zu Solz.
J-Nr. 501.8 K. A. Die Bauern Johannes Lang und Johannes Kister sind als Schöffen und der Bauer Nikolaus Fröhlich als Schöffenstellvertreter der Gemeinde Seidenroth bestätigt resp.vereidigt worden.
Schlüchtern, den 15. September 1916.
Der c. Landrat.
J.-Nr. 10038. Die Herren Bürgermeister, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 5. August d. Js. Nr. 8413 (Kreisblatt Nr. 64), das Aehren- sammeln betr., noch im Rückstände sind, werden an deren alsbaldigen Erledigung erinnert. Schlüchtern, den 15. September 1916.
Der comm. Köngliche Landrat. I. V.: Schultheis.
Amtlicher Tagesbericht.
WTB Großes Hauptquartier, 18. Septbr.
Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Die gewaltige Sommeschlacht führte auf 45 Kilometer Front von Thiepval bis südlich von Permando- Villers zu äußerst erbitterten Kämpfen, die nördlich der Somme zu unseren Gunsten entschieden sind, südlich des Flusses die Aufgabe völlig eingeebneter Stellungs
teile zwischen Barleux und Vermandovillers mit den Dörfern Berny und Demecourt zur Folge hatten. Unsere tapferen Truppen haben glänzende Beweise ihrer unerschütterlichen Ausdauer und Opferfreudigkeit geliefert.
, Starken feindlichen Luftgeschwadern warfen sich unsere Flieger entgegen und schössen in siegreichen Gefechten zehn Flugzeuge ab.
Heeresgruppe Kronprinz.
Zeitweise lebhafter Feuerkampf im Maasgebiet. O estlich von Fleury vorgehende feindliche Abteilungen wurden zur Umkehr gezwungen.
Oestlicher Kriegsschauplatz: Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Westlich von Luck verhinderten wir durch unser wirkungsvolles Sperrfeuer ein erneutes Vorbrechen des Feindes aus seinen Sturmstellen gegen die Truppen des Generals v. d. Marwitz. Es kam nur nördlich von Szelwow zu einem schwächlichen Angriff, der leicht abgewiesen wurde. Viele Tausende gefallener Russen bedecken das Kampffeld vom 16. September.
Zwischen dem Sereth und der Strypa endeten die wiederholten russischen Angriffe aus die Gruppe des Generals V. Eben mit einem in gleicher Weise verlustreichen völligen Mißerfolg wie am vorhergehenden Tage.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
In schweren Kämpfen haben sich türkische Truppen, unterstützt durch die ihnen verbündeten Kameraden, westlich der Zlota Lipa der Angriffe des überlegenen Gegners erfolgreich erwehrt. Eingedrungene feindliche Abteilungen sind wieder geworfen. Deutsche Truppen unter dem Befehl des Generals v. Gerok traten beiderseits der Najarowka zum Gegenstoß an, dem die Russen nicht ftandzuhalten vermochten. Wir haben den größten Teil des vorgestern verlorenen Bodens wieder in der Hand. Abgesehen von den hohen blutigen Ver. lüften hat der Feind über dreitausendfünf- hundert (3500) Gefangene und sechszehn (16) Maschinengewehre eingebüßt.
In den Karpathen sind russische Angriffe abgeschlagen.
In Siebenbürgen sind südöstlich von Hötzing (Hatszeg) neue für uns günstige Kämpfe im Gange. Wir nahmen u. a. sieben (7) Geschütze.
Balkan-Kriegsschauplatz: Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Ein entscheidender Sieg krönte die geschickt und energisch geführten Operationen in der Dobrudscha. Die deutschen, bulgarischen und türkischen Truppen verfolgen die geschlagenen russischen, serbischen und rumänischen Kräfte.
Nach dreitägigem Rückzug vor den verfolgenden verbündeten Truppen haben die geschlagenen Russen und Rumänen in einer vorbereiteten Stellung in der allgemeinen Linie Rasova—Cobadinu—Tuzla bei neu herangeführten Truppen Aufnahme gefunden. Deutsche Bataillone sind längs der Donau südlich von Rasova bereits bis zur feindlichen Artillerie durchgestoßen, haben fünf Geschütze erhelltet und Gegenangriffe abgewiesen.
Mazedonische Front:
Mehrfache vereinzelte Angriffe des Gegners an der Front zwischen dem Prespasee und dem Wardar blieben ergebnislos.
Der oberste Ge«eralquartiermiister: Ludendorff.
Städtisches Arbeitsamt Hanau Arbeitsnachweis für Stadt und Landkreis Hanau und die Kreise Gelnhausen und Schlüchtern.
Gesucht werden im Kreise Schlüchtern:
4 tandwirtschaMche Knechte und 1 Ketzer.
Zeichnet Uviegranleihe.
Zahlreiche Zuschriften, die ich aus Anlaß des am 9. d. M. von mir veröffentlichten „Mahnwortes" aus verschiedenen Gegenden des Reiches erhalten habe, lassen kaum noch einen Zweifel, daß die Agitation mit dem Schlagwort: „Wer Kriegsanleihe zeichnet, verlängert den Krieg", von unseren Feinden angestiftet worden ist und in manchen Kreisen, besonders der ländlichen Bevölkerung, Eingang gefunden hat. Das
ist aber nur da möglich, wo nicht genug geschehen ist, um in jedem Deutschen das Bewußtsein zu erwecken und rege zu erhalten, daß es sich in dem gegenwärtigen Kriege um nichts geringeres als darum handelt, ob das deutsche Land und Volk in Zukunft frei und glücklich sein wird, oder ob wir verurteilt sein werden, Sklavenarbeit für andere Völker zu verrichten. Sollte vielleicht hier und da die Erkenntnis der Opfernotwendigkeit unter zu starker Betonung unserer berechtigten Zuversicht auf den Enderfolg des Krieges gelitten haben? Das wäre wohl denkbar, zumal der Kanonendonner so fern ist, Heer und Flotte uns die Feinde so weit vom Leibe halten, daß Leichtfertige daheim glauben mögen, es werde auch ohne Opfer von ihrer Seite alles gut gehen. Aber ihnen sei gesagt, daß jene Zuversicht nur dann begründet ist, wenn das ganze Volk, ohne jede Ausnahme, bereit ist und bleibt, alles einzusetzen für die Ehre. Denn kaum zuvor ist ein Volk von übermächtiger: Feinden so schwer bedroht gewesen, wie das deutsche in dem gegenwärtigen Kriege. Nach Hunderten von Millionen zählen die Menschen aller Raffen, über die die uns jetzt feindlich gegenüberstehenden fünf Großmächte und fünf kleineren Staaten samt ihren Kolonialvölkern und Reichtümern verfügen. Wohl stehen auch uns drei treue Bundesgenossen zur Seite. Aber, wie die Vernichtung des Deutschen Reiches und des Deutschtums das Hauptziel unserer Feinde ist, so hat auch das deutsche Volk die Hauptlast des Krieges zu tragen. Und was uns bevorstände, wenn wir unterlägen, darüber laffen alle Stimmen, die von außen zu uns kommen, keinen Zweifel. In den maßlosen Schmähreden der leitenden Staatsmännern und Volksvertreter in den Haßerfüllten. Zeitungsartikeln der feindlichen Länder wird täglich laut verkündet, daß uns kein Frieden gewährt werden solle, der es uns jemals ermögliche, uns wieder zu erholen. In die Hälfte des deutschen Gebietes und in unsere sämtlichen Kolonien wollen die feindlichen Staaten sich teilen, der Rest des Reiches soll zerstückelt, unsere Kriegs- und Handelsflotte uns fortgenommen, die Staatsform und Heeresverfassung uns vorgeschrieben, eine Kriegsentschädigung von 200, mindestens 100 Milliarden, uns auferlegt i nd bis zu deren Abtragung Beschlag auf unsere Eisenbahnen, Festungen usw. gelegt werden. Nicht genug damit, sollen wir nach dem Kriege verhindert werden, mit anderen Völkern Handel zu treiben, kein Deutscher soll in den feindlichen Ländern je wieder Einlaß finden.
Das sind nicht etwa Gedanken einiger wahnsinniger Köpfe, sondern zweifellos die bei den feindlichen Regierungen und Völkern ernsthaft bestehenden Vorsätze. Ueber die Ausführung eines Teiles von ihnen finden sogar, zuverlässigen Nachrichten zufolge, bereits seit längerer Zeit eingehende Verhandlungell zwischen den Regierungen statt. Zu ihrer Verwirklichung fehlt allerdings noch die Kleinigkeit der Ueberwältigung Deutschlands und seiner Verbündeten. Da wir uns nicht gern lächerlich machen, hüten wir uns, davon zu reden, wie wir das Fell des Bären teilen wollen, wenn wir ihn erlegen, werden aber der Absichten eingedenk bleiben, die unsere Feinde für den unwahrscheinlichen Fall hegen, daß das Bärenfell ihnen zufallen sollte.
Und nun fragen wir: Welcher Deutsche, der von den vorstehenden Absichten unserer Feinde Kenntnis hat, könnte zögern, seine Spargroschen dem Vaterlande zur Verfügung zu stellen, zumal dieses ihm dafür reichliche Zinsen bietet? Will er zur Verkürzung des Krieges dadurch beitragen, daß er dem Vaterlande das geringe Opfer verweigert, dessen es bedarf, um die niederträchtigen Absichten der Feinde zu vereiteln? Sollen alle bisher für diesen Zweck gebrachten Opfer an Blut und Gut vergeblich gebracht sein? Wer Kriegsauleihe zahlt verlängert nicht den Krieg, sondern beschleunigt die für uns siegreiche Beendigung des Krieges
v. Blume, General d. Jnf. z. D.
Lokaler und Provinzieller.
Schlüchtern, den 15. September 1916.
—* Wir erfahren, daß die öffentlichen Sparkassen in unserem Kreise, „Kreissparkasse Schlüchtern", „Stadtsparkasse Schlüchtern" und „Stadtsparkasse Salmüuster" zur Verstärkung ihrer Zeichnungen auf die 5. Kriegsanleihe beabsichtigen, s. g. „Kriegssparbücher" auszugeben über Bareinzahlungen von 5 Mark an bis zur Höhe von 3000 Mark, gegen 5 % Verzinsung und Rückzahlung in bar drei Monate nach