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Deutsches Reich-
Ein Mfrilf au die deuischck Landwirte.
Berlin. Zur Jahreswende 1917 veröffentlichen der Kriegsausschuß der deutschen Landwirtschaft, der Deutsche i Reichsverband der landwirtschaftlichen Genossenschaften, ' der Bund der Landwirte, die Deutsche LandwirtschastS- gesellschaft und der Generalverband der deutschen Raiff- eisen-Genossenschaften folgenden Aufruf:
An die deutschen Landwirte!
Noch immer währt der Krieg. Das deutsche Volk steht in seiner schicksalsschwersten Stunde. Im Osten ist der Feind geschlagen. Da gilt es, noch einmal alle Kraft draußen und drinnen zusammenzufassen, um auch im Westen den noch schlimmeren Feind völlig nieder- zuringen. Von diesem eisernen Willen sind unser Heer und unsere Marine durchdrungen. Alle Männer, die draußen für die Heimat auf der Wacht stehen, werden bis zum letzten Atemzüge alles dransetzen, um uns den endgültigen Sieg zu verschaffen. Zu dieser gewaltigen letzten Kraftanstrengung ist aber nicht nur die Nervenkraft unserer kämpfenden Helden erforderlich, ist nicht nur die restlose Herstellung von Munition und Granaten und Waffen unentbehrlich, sondern ebenso das Durchhalten auch im Innern. Die fortgesetzte Heroorbringung von Lebensmitteln und ihre restlose Ablieferung an alle bedürftigen Volkskreise draußen und drinnen sind zum endgültigen Siege, zur Gewinnung eines ehrenvollen Friedens, der unserem Volke die Zukunft sichert, die dringendsten Aufgaben der Heimat und insbesondere unserer Landwirte. Es handelt sich um Sein oder Nichtsein unseres Volkes. Wohl wissen wir alle, in wie mühseliger und harter Arbeit die Landwirte und vor allem ihre Frauen, Töchter und die noch nicht erwachsenen Söhne jetzt im Kriege der Scholle die Lebensmittel ab- rknaen müssen. W. Zst. für alle ■•’ jmb ..für bje„ kommenden Geschlechter in die Tafeln der Geschichte eingegraben, welche großen vaterländischen Verdienste sich die Landwirtschaft in diesem Welkkriege erwarb. Ohne sie wäre das Vaterland längst verloren. Aber es gilt jetzt, das letzte herzugeben, was der Landwirt irgendwie entbehren kann. Um den letzten entscheidenden Schlag mit allem Nachdruck und ohne Erschöpfung durchzuführen, müssen die Menschen und Tiere ungeschwächt in den Endkampf treten können. Wir richten deshalb an alle deutschen Landwirte die herzliche Bitte, das Vaterland nicht im Stiche zu lassen. Jeder Zentner Hafer, jeder Zentner Brotkorn, jedes Pfund Butter, jedes Pfund Fett, jeder Liter Milch, die der Landwirt mehr als bisher abgibt, helfen zum Siege. Daruni erwäge jeder Landwirt noch einmal, was er von feinen Vorräten abgeben könnte, nicht im Wege des Schleichhandels, der nur den Reichen zugutekommt, während die arme Bevölkerung darben muß, sondern an die öffentlichen Verteilungsstellen. Doppelt gibt, wer schnell gibt; Jeder Landwirt möge seinen Nachbarn aufklären und sie bewegen, gleichfalls ihr Scherflein zum Endsiege über unsere Feinde beizutragen.
Bou der deutsche» Balerlaudspartei.
Die Große Gilde zu Riga hat au die Ortsgruppe Eberswalde der Deutschen Valerlands-Partei folgende Antwort auf ein Begrüßungstelegramm gerichtet: Die Große (St. Marien-) Gilde zu 9liga beehrt sich, der Ortsgruppe Eberswalde der Deutchen Vaterlands Partei den besten Dank für die freundlichen Grüße und Wünsche auszusprechen. Auch wir leben der festen Hoffnung und Ueberzeugung, für immer mit der deutschen Heimat verbunden zu bleiben, und nur diese Hoffnung hat uns baltischen Deutschen die Kraft und den Mut zum Aus- harren an unserem schweren Grenzposten gegeben. Die Deutsche Vaterlands-Partei wird, des sind wir gewiß, auch für unsere Hoffnungen weiter wirken und uns den ersehnten Anschluß an die alte Heimat verwirklichen helfen.
Politische Uebersicht
Dir Frist ist abgelunsru.
Brest-Litowsk, 6 Jan. (W.B.) Gestern abend ist folgender Funkspruch im deutschen Klariert abgesaudt worden:
An die russische Delegation zu Händen ihres Vor- Übenbcn Herrn Josse in Petersburg
In ihrer Antwort auf die Vorschläge der russischen Delegation hatten die Delegationen des Bierbundes am 25. Dezember 1917 in Brest-Litowsk gewisse Veit ^' für den Abschluß eines sofortigen allgemeinen Mieden- ausgestellt. Zur Vermeidung einer einseitigen MUegung hatten sie die Gültigkeit dieser Leitsätze wwbrüctiid) davon abhängig gemacht, daß sich sämtliche W am Kriege beteiligten Mächte innerhalb einer
Atittwoch, den 9. Januar 1918.
anzemesscueu Frist ausnahmslos und ohne jeden Rückhalt zur g-naueftcn Beobachlung der alle Völker in gleicher Weise bindenden Bedingungen verpflichten müßten. Mit Zustimmung der vier Verbündeten Delegationen war darauf von der russischen Delegation eine zehntägige Frist festgesetzt worden, innerhalb welcher die anderen Kriegführenden sich mit den in Brest Litowsk ausgestellten Grundsätzen eines sofortigen Friedens bekannt machen und über den Anschluß an die Friedensverhandlungen entscheiden sollten.
Die Delegationen der verbündeten Mächte stellen fest, daß die zehntägige Frist mit dem 4. Januar 1918 abgelaufen ist und von keinem der anderen Kriegführenden eine Erklärung über den Beitritt zu den Friedensverhandlungen bei ihnen eingegangen ist.
Gezeichnet: Der Vorsitzende der verbündeten Delegationen v. Kühlmann für Deutschland, Graf Ezernin für Oesterreich-Ungaren, Popow für Bulgarien Nessimp Bei für die Türkei.
Die Folgen von Brest L'towsk.
Verfolgt man die Geschichte der Freidensverhand- lungcn, so wird man wenige finden, die ohne Unter« brechung zu Ende geführt wurden. Die Mehrzahl von ihnen wurde unterbrach m, weil sich die Verhandelnden nicht einen könnten, doch bedeutete das nur in wenigen Fällen einen Abbruch der Verhandlungen, zumeist fanden sich die Friedenssucher an demselben oder einem anderen Tisch wieder zusammen. Hiernach braucht man Jfo den Abbruch der Brest-Litowsker Verhandlungen noch nicht allzu tragisch zu nehmen. Allerdings liegt für uns überhaupt dazu gar kein Grund vor, wir können warten. Die faktische Waffenruhe im Osten begrüßen wir natürlich freudig, aber im übrigen haben wir, trotz bestem Willen mit den Russen bald wieder in geordnete Verhältnisse zu kommen, keinen Grund, unseren östlichen Rach- Jw,» rrnchzrLuf«.. - D^ß Äraf H.Ali,^ glatt aLlehute, die Verhandlungen im Wirrsal einer neutralen Stadt fortzusetzen, hat die Billigung aller Deutschen, und daß er auch über Punkt 1 und 2 der Verhandlungen energisch den deutschen Standpunkt vertritt, wird ebenso überall voll gewürdigt. Wir haben gerade gründlich genug erfahren, was die Gefahr aus dem Osten bedeutet, und haben wirklich keine Veranlassung, uns mit Worten abspeisen zu lassen, sondern verlangen volle Garantien. Wir haben uns wahrhaftig friedensbereit genug gezeigt in unserer Verhandlung mit den von uns besiegten Russen. Gerade aber, wo in Rußland jetzt alles im Fluß ist, haben wir uns zu hüten, unsere Ostzukunft auf den Flugsand verbindlicher Worte auf- zubauen, sondern müssen mit aller Energie darnach streben, feste Grundlagen zu gewinnen. In diesem Sinne haben mir gar keine Veranlassung, den Zwischen- fall in Brest-Litowsk tragisch zu nehmen. Er hat uns den Frieden nicht ferner gerückt im Gegenteil, wir hoffen bestimmt, unser energisches Auftreten wird ihm uns bald recht nahe bringen.
Bern statt Brest Litowsk.
* Genf, 6. Jan. Die „Times" erfahren aus Petersburg: Hier geht das Gerücht, daß die Russen Bern als Ort für die Friedensverhandlungen vorgeschlagen hätten
Besprechungen mit Ukrainer».
Brest-Litowsk, 5. Januar (W.B.) Gestern und heute fanden in Brest-Litowsk unverbindliche Besprech ungen mit der ukrainischen Abordnung statt, die einen befriedigenden Verlauf nahmen.
Die Stnerfennnnfl Finnlands.
Berlin, 6. Jan. (W.B.Amtl.) Nachdem die russische Regierung erklärt hat, daß sie zur sofortigen Anerkennung der Unabhängigkeit Finnlands bereit sei, sobald ein Antrag der Finnen vorliege, und nach dem die finnische Regierung einen entsprechenden Schritt in Petersburg getan hat, der entgegenkommend ausgenommen worden ist, hat S. M. der Kaiser den Reichskanzler Grafen v Hertling unter den: 4. d. M. beauftragt, den hier anwesenden Bevollmächtigten der finnischen Re- gicrung, Staatsrat Hielt, Professor Erich und Direktor Sario im Namen des Deutschen Reiches die Anerkennung der finnischen Republik auszusprechen Reichs kanzler Graf v. Hertling hat in Anwesenheit des Nuter- staatSsekretärs Frhru. von dem BuSsche die drei Bevollmächtigten heute empfangen und ihnen die Anerkennung Deutschlands erklärt.
5d)hieben mib Finnland.
Der König von Schweden beschloß im Ministerrat, Finnland als unabhängigen Staat anzuerkennen.
Finnland von Frankreich «»erkannt
Paris, 5. Jan. (W.B.) Der „wnps" meldet: Die französische Regierung hat die Unabhängigkeit der finnischen Republik rechtlich und tatsächlich anerkannt.
69. Jahrgang.
Deutsch russische Wirtschaftsbeziehungen.
In den letzten Jahren vor dem Kriege bezog Deutschland aus Rußland an Lebensmitteln und Rohstoffen jährlich im Durchschnitt für 1'/, Milliarden Mark, darunter Gerste für 33 MillionenMark. Deutschlands Einfuhrbedarf an Roggen und Weizen wurde zu 86 v. H. aus Rußland gedeckt, an Gänsen zu 86, an Butter zu 51, an Eiern zu 40, an Bohnen zu 20, an Erbsen zu 48, an Linsen zu 100 v. H, ferner an Flachsund Hanf zu 70, an Holz zu 56, an Manganerz zu 65 v. H. Nach der wirtschaftlichen Wiederaufrichtung Rußlands kann Dentschland einen wesentlichen Teil seines Bedarfes «an Lebensmitteln und Rohstoffen aus Rußland erhalten und bei der großen Nachfrage in Rußland nach Fabrikaten aller Art einen bedeutenden Güteraustausch ent- wickelu.
Goremhkin ermordet.
Der frühere russische Ministerpräsident Goremykin, seine Frau und sein Schwiegersohn sollen in ihrem Landhause im Kaukasus von Einbrechern ermordet worden sein. Natürlich ist diese Meldung mit Reserve aufzunehmen. Ob es gerade Einbrecher waren, die den Erminister ermordeten?
Revolutionäre Diktatur.
Der russische Bauernkongreß nahm eine Entschließung an, daß die Zusammensetzung ,der Verfaffunggegebenen Versammlung sich völlig den Ansprüchen der Abgeordneten der Bauern, Arbeiter- und Soldatenräte anpassen müsse. Man ersieht hieraus, wie Revolution und Diktatur allemal unmerklich ineinander überfließen.
(»in deutsches Schiff am Roteu Meer.
* Bern, 6 Jan. Von besonderer Seite erfährt das „Bern. Tgbl. aus Athen, daß deutsche Seeleute aus einem aus einem ostafrikanischen Hafen entführten Schiffe" am—Sndrnrchzrmgr rrr Rsmv Mrerrd Itruynrr weshalb in Aegypten die Jndienfahrer Vorsichtsbefehle erhielten.
Persischer Dank.
Angeblich kämpst die Entente für die Freiheit der Völker. Mit dem Munde! Deutschland und seine Ver
e.
bündeten aber schreiten durch die Tat zur Völkerbe- freiung. In Persien haben sie das wieder erwiesen, und so ist folgendes Dankschreiben des persischen Abgeordneten' Tagizadeh nitt ohne historisches Interesse Der Perser richtete folgendes Schreiben an unseren Reichskanzler: „Im Namen des gesamten persischen Volles beehrt sich das Komitee der persischen Nationalisten in Berlin seine enthustastischen DankbarkeitZgefühle der kaiserlich deutschen Regierung aus Anlaß der wohlwollenden und wirksamen Unterstützung, die ihm bezüglich der Räumung des persischen Bodens von fremden Truppen zuteil wurde, zum Ausdruck zu bringen. Unsere Dankbarkeit ist um so größer, als der ganze Artikel 10 des Waffenstillstandsvertrages lediglich von dem Gesichtspunkte der Achtung der Freiheit, Selbständigkeit und territorialen Unversehrtheit des neutralen persischen Reiches geschloffen worden ist. Wir hoffen, daß diesem wohlwollenden Akte, der an und für sich ein leuchtendes Beispiel dafür ist, daß das Deutsche Reich der wirkliche Verteidiger der Freiheit der Völkerist, weitere Schritte folgen werden, die unerläßlich sind für die vollständige Selbständigkeit Persiens und seine Befreiung von den Fesseln," die sich mit den Prinzipien der Freiheit nicht vereinbaren lassen." — Ob die Entente wohl- dereinst derartige Dokumente Vorzeichen kann?
Muflöfmig der Salottikiarmee.
Das Schicksal der Sarrail-Armee schwebte schon lange höchst unrühmlich in der Luft. Wie eS scheint ist ihr der Boden in Saloniki aber nach den russischen Ereignissen nun doch zu heiß geworden, sie verduftet in andere Regionen. In griechischen Kreisen der Schweiz ist nämlich die Nachricht verbreitet, die Äusloiung der Salonikiarmee sei beschlossene Sache. Schon auf der letzten Alliiertenkonferenz in Paris habe England aus eine Liquidierung gedrängt und den Widerstand der französischen Regierung gebrochen. Man verhehle sich in der Entente nicht, daß Griechenland unter dem tiefen Eindruck der russischen Geschehnis stehe, und daß es immer schwieriger werde, das hungernde griechische "tolk in Freundschaft zur Salonikiarmee zu erhalten. Man zweifle in der Entente auch daran, ob es Beni zelos noch möglich sein werde, sein MobilisationSver sprechen zu erfüllen. Der Generalissimus Sarrail sei von Saloniki abberufen worden, damit man ihm im Demütigung erspare, die jahrelang befehligte Armee so wenig ruhmvoll auszulösen. General Guillaumat sei jedoch für diese Aufgabe bestimmt, und er habe Befehl, durch Südalbanien und über den Hafen von Balona die künftigen HeereörücktranSporte zu leiten.