lit Amtlichem Kreisblatt". — Wocheubeilage Illustriertes Lonntagsblatt.
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___ - Samstag, den 12. Januar 1918.69. Jahrgang.
Das mag konsequent sein, aber es :st doch eine Konsequenz, die den Stempel der Lächerl chkeit trägt, — Der Reichskanzler Graf Hertling wirb voraus- ganz zu schweigen davon, daß sie als staatsmännisch Pich die Gelegenheit wahrnehmen, sich bem Preußischen wirklich nicht betrachtet werden darf. Eins ist zwar ' zugegeben, die letzte Rede des englischen Premiers war nicht ganz so roh im Ton, wie seine früheren. Er rang sich einige anerkennende Worte für die Deutschen ab, und versicherte, es stünde nicht in seiner Absicht, sie vom Erdboden zu vertilgen. Aber ganz noch behandelte er sie als Besiegte, als er von den Bedingungen sprach unter denen England eventuell Frieden zu geben bereit wäre. Deutschlgnd soll Belgien „herstellen", eoenio Serbien, Montenegro und Rumänien, soll Elsaß Lothringen rausrücken und auf alle Vorteile im Osten ver zichten, und seine Kolonien sollen auf der Konferenz ausgeboten werden. Kurz gesagt: Deutschland zahlt die Kriegskosten für alle Kriegführenden, verzichtet auf jede Grenzregulierung und wartet demütig das Verdikt der Poineaw und Llovd George ab!
Das ist so heller Blödsinn, daß man sich an den Kopf saßt und sich fragt, ob die Briten wirklich noch normal sind, die sich solche Torheiten vor eben lassen und ihnen noch zujubeln. Auf einmal vill Lloyd George für Elsaß-Lothringen bis zum letzten surchhalten — im. Sternen der Selbstbestimmung der ölfer. Es widert einen fast an, da immer wieder die Gegenfrage zu erheben: Was soll denn mit Irland ge chchen, mit Aegiipten, Indien und den anderen Fremdln ckern unter britischer Herrschaft? Soll Frankreich Savov n behalten oder es Italien wieder ausliefern? WKP England seine Fahne über Gibraltar einziehenRicht ein Wort davon sagt der Engländer, da er eine lange Tirade über die Freiheit der Völker losläßt. Ist deutsche Herrschaft was anderes als englische? Hat der Brite höheres Reckt als der Deutsche ^ Fast ü int eä so als wäre der Engländer dieser Ansicht. Es wird so oft nach Kriegsgründen gesucht. Hätte der Brite diese Ansicht dem Deutschen gegenüber, so wäre das schon Kriegsgrund genug für den Deutschen gewesen, denn ein Volk wäre den Boden nicht wert, auf dem es lebt, wenn es sich solch wahnwitzige, in die Tat umgesetzte lieberhcbung gefallen lassen wollte. Lloyd George zeigt durch diese seine letzte Rede also wieder genau, bau der Brite der Friedensstörer der ganzen Welt ist. Wird sein Dünkel nicht auf das rechte Maß beschnitten, so kann es nie Frieden auf Erden geben, es sei _benn, alle Völker senken auf den Helotenstandpunkl der Franzosen und Portugiesen herab. Das aber wird der Deutsche nie tun, und müßte er dagegen sein letztes einsetzen. Sich und die anderen Völker davor zu bewahren, setzt er sein letztes ein. Der Deutsche sümpft also wahrhaft für die Freiheit der Völker. Dafür ist die letzte Rede Lloyd Georges wieder vollwichtiger Beweis, der englische Redepremier ward also ein unfreiwilliger Bekenner der eisernen Notwendigkeit des deutschen Abwehrkampfes.
Die Fricdeusvorhattdlnttgcn.
Brest LitowSk. 8. Jan. (WTB ) Heute nachmittag wurde eine Vorbesprechung zwischen den Vorsitzenden der hier versammelten Abordnungen abgehalten, an der teilnahmen: Staatssekretär v. Kühlmann, Minister des Aeußern Graf Ezernin, Justizminister Popow, Volks- kommissar für auswärtige Angelegenheiten Trotzky. Groß- vezier Talat Pascha und der ukrainische Staatssekretär für Handel und Industrie Wiewolod Bolnbowytsik. lltach Erörterung von Form- und Programmfragcn wurde für morgen vormittag 11 Uhr eine Vollsitzung anberaumt. Später fanden Besprechungen zwischen Vertretern der Vierbnndmächte und den ukrainischen
— Der Reichskanzler Graf Hertling wird voraus-
«renhause vorzustcllcn, da es am 15. des Monats hier kurzen Tagung Zusammentritt, um das Wohnungs-
und einige kleinere Vorlagen zu erledigen. Berliner Liter zufolge ist nicht ausgeschlossen, daß Mitglieder 1 Rechten des Herrenhauses einen Antrag einbringen sden, der über die schwebenden politischen Fragen ßkunst vom Ministerpräsidenten verlangt.
— Der Reichshaushaltsausschuß befaßte sich auch Mittwoch mit der Frage unserer zukünftigen Handels- Wirtschaftsbeziehungen zu Oesterreich-Ungarn. Dabei d das Problem einer Deutsch-Oestcrreichisch-Ungarisch- sischen Zollunion bezw. eines Zollbündnisses im :dergrund der Besprechungen. Die Frage, ob bei gänzlich veränderten Verhältnissen die Landwirt- stlichen Schutzzölle in dem früheren Umfange auf: t zu erhalten seien, spielte eine wesentliche Rolle. Verhandlungen waren nach wie vor vertraulicher
ur.
, — Die bundcsstaatlichen Finanzminister werden in in Tagen in Berlin zusammentreten, um, mit dem ■ hsschatzamt finanzielle Fragen zu erörtern, an -n das Reich und die Bundesstaaten interessiert . ES handelt sich bei diesen Besprechungen nicht die Einleitung irgend welcher besonderen Maßnahmen an um einen informatischen Meinungsaustausch.
? die Feinde unsere Bedingungen annehmen. König Ludwig ^von Bayern hielt am Montag aus aß seines Geburtstags an die Münchener Truppen Ansprache, in der er sagte:
„Viele von den Mannschaften hatten schon vor dem ,de gestanden, die anderen bereiteten sich tnv ln-w" -M" -TM^Mkren Offiziere wüßten ja, daß er, der ig, wie Kaiser Wilhelm, immer für den Frieden en sei. Der König erkannte die Tapferkeit der rischen Truppen an, die wie Löwen gekampft hatten. :raH seien sie, wie die anderen deutschen Heere, (er geblieben. Trotzdem hätte sich die Zahl der de immer vermehrt. Möge es gelingen auch den n, den Amerikaner, zu besiegen. Wir müßten >sen, bis die Feinde unsere Bedingungen annehmen, feien ja unerhörte Forderungen, die sie an uns en. Kein Fuß breit deutschen Bodens dürfe ab- ien werden. Ja, wir mußten unsere Grenzen zu :n versuchen. Der König gab schließlich der Erring Ausdruck, daß das bayerische Heer wie bisher Pflicht ausgezeichnet tun werde."
Die Polen in Berlin.
Berlin, 8. Jan. (W. B.) Im Laufe des Vormittags sie der polnische Regentschaftsrat mit dem Minister- denken und dem Leiter des Zivilkabinetts Prälaten mniki eine Reihe von Besuchen. Gestern nachmittag eine Beratung mit dem Reichskanzler statt, über i Verlauf die polnischen Teilnehmer sehr zufrieden Abends fand großer Empfang beim Reichskanzler Heute früh empfingen die Polen eine Abordnung wlnischen Fraktion des deutschen Reichstages.
cgsgefaugeue Offiziere in offene Städte« Vie in anderen offenen Städten, so würben jetzt nach Groß-Stuttgart, wo sich schon mehrere große - sSgefangenen - Lager, belegt mit Engländern und 1 tsächlich mit Franzosen, befanden, Hunderte von ißenen Offizieren verlegt; sie sind in den perlensten Teilen der Stadt untergebracht und werden sisahren feindlicher Fliegerangriffe mit der Bevölkerung 'ssenen Stadt zu teilen haben.
Politische Uebersicht.
>d Eevrge, bei- unfreiwillige Bekenner. während'in Brest LitowSk die FriedenSverhandlungen dem von deutscher Se'te mit Festigkeit begegnetem sichensall" ihren Fortgang nehmen, den Trotzkt 1 eigenhändig wieder in Gang brächte, nachdem Rainer sich mit den Mittelmächten in engere Ver 41lR gesetzt haben, die Rumänen um Waffenstillstand *' die Salonikiarmee abgebaut wird und die Entente maten sich anschicken, Petersburg, den Schauplatz Untaten, zu verlassen, hält Llovd George eine ' die sich jm Grunde in nichts von seinen früheren 11 unterscheidet. Die Arbeiterschaft Englands zeigt MedenSbereit, die 3Üirkung des Briefes des Lord doivne vertieft sich in Britannien immer mehr, die ^^ haben die allgemeine Wehrpflicht abgelehnt, Briten sprechen von der ernstesten Zeit, bie je durchwachte, doch Lloyd George redet, als ■ et die Hand am Zügel des SiegeSwagens.
Bertretcui statt.
Eine Stimme über Brest - ^itvwfk.
Recht treffend charakterisiert das Kopenhagener „Ett stradladet" die Lage nach dem Zivifchenfall van Brest Lilowsk, wenn es schreibt: -9a. die mächtigen Herren in Paris, London und Washington sagen werden, weiß man nickt. ES wuroc nur verkündet, daß eine Antwort erteilt werden soll als Appell an die Böller dei -luttA- machte über die Köpfe ihrer Staatsmänner hinweg. Das wird eine interessante, aber lieber unfruchtbare Aktion sein. Unter viel Lärm erfolgte die Einleitung der FriedenSverhandlungen. Selbst wenn noch Schwierigkeiten zu überwinden sein werden, der Friede wird dock kommen, wenn kein anderer, so doch ein Sonderfrieden. Eine Fortsetzung- d.'s Krieges im Osten ist eine tatsächliche Unmöglichkeit unb die heftigen Gebärden, womit die Bolschewiki jetzt die deutschen Vorschläge zuruelweisen, werden, wie wir vermuten, Staatssekretär von Kühlmann und den Prinzen Leopold ziemlich teilt lassen. Sie können sich ja beständig am Htudenburg und seine Soldaten stützen, wenn kein anderer Ausweg möglich m- Aber sicher wirb ein anderer Weg gebahnt «o kluge und gewandte Diplomaten, wie Kühlmann und Graf
Ezernin, wird kaum Lenin zwingen, rückwärts zu schreiten. Im Gegenteil ihre Kunst besteht gerade darin, Umwege abzuschneiden und sich gegenseitig zu finden. Und daß man sich in Brest-Litowsk finden wird, davon sind wir überzeugt.
Der Auszug der Engländer.
Der britische Botschafter Buchanan hat krankheitshalber Petersburg verlassen. Die britische Kriegsmission ist ebenfalls abgereist.
Die englischen Riesenverlustc.
Im Unterhause sagte der Abgeordnete Hogge, daß die englischen Verluste im Jahre 1917 mit Einschluß der Schlacht von Cambrai 850 000 Mann betragen haben. Seit Kijegsbeginn sind es mehr als 2 Millionen, darunter mindestens 3/» Millionen Tote.
Es gibt feilt Mittel
g. K. Schweizer Grenze, 9. Jan. (Eig. Meld). Unter dem Aufsehen erregendenTttel: „Es giebt kein Atittel gegen die U-Bootkrifis" veröffentlicht die^Jtalia die Liste von 18 englischen Schiffen über 1500 Tonnen die während der letzten Woche von deutschen Il-Booten versenkt wurden.
Der Manuschaftsmaugel in Frankreich.
Die „Times" erfahren aus Paris, die Entziehung französischer Divisionen an der Westfront für die italienische Front hat bereits genötigt, die Fünfzigjährigen wieder unter die Waffen zu berufen. Der Munitionsminister hat jetzt in Ueberlegung mit Clemeneeau beschlossen, daß die für den bewaffneten Dienst mobilisierten, zur Jahresklaffe 1914 gehörigen Reklamierten aus den Fabriken weggeholt und zur Verfügung des Oberbefehlshabers gestellt werden. Die Maßnahme tritt am 15. Januar in Kraft.
Italiener in Washitzgtou
Bern, 7. Jau. Im Staäle^Washinzton »’urben über 100 italienische Arbeiter verhaftet, die der an- archistischen Gesellschaft „Eireolo bi Studi Sozial:" angehören Die Untersuchungsbehörden stellten fest, daß diesem Verbände über 200 000 Arbeiter in den Vereinigten Staaten angehören. Gleichzeitig wurde ein Verschwörung italienischer Arbeiter gegen das Leben des Präsidenren Wilson aufgedeckt. Freiwillige sollen ausgelost worden sein, die die Aufgabe hatten, den Präsidenten Wilson und den König Viktor Emannel von Italien zu ermorden. Eine ungeheure Werbeliteratur dieses Verbandes reitz zum tätlichen Widderstande gegen die Wehrpflicht und den Waffendienst auf.
Amerika einst and jetzt.
In seinem Kriege mit Frankreich wandte England Ende des 18. Jahrhunderts dieselbe Methode der Aushungerung der Zivilbevölkerung an, die es in diesem Kriege Deutschland gegenüber zu befolgen trachtet. Der damalige amerikanische Präsident Jenerson führte in einer an den Botschafter der Vereinigten Staaten in London gerichteten Note an: „Müßten wir Lebensrnittel vom Transport nach Frankreich zurückhalten, so wären wir in gleicher Weise verpflichtet, Transporte auch für Fankreichs Gegner zurückzuerhalten und würden so enl- weder- uns alle Häfen Europas verschließen, in ^enen Nachfrage nach Lebensmitteln besteht, oder uns selbst zu Teilnehmern am Kriege machen. Großblttannien mag in der Tat den Wunsch fühlen, ein feine ltche^ Volk auszuhungern, aber es wird kein Recht haben, es auf unsere Kosten zu tun, oder uns zu seinem Werkzeuge zu nlachen. Dasselbe, was Präsident Jenerson hier mit würdigen Worten zurückweist, mutet Amenta gegenivärtig aber den neutralen Staaten zu, nachdem England es vorher bereits ihnen zugemutet hat. i urch nichts wird die Haltung, die die Entente heute den Neutralen gegenüber einnimmt, bemerkt treffend da' „Zürcher Rtorgenzeitung", deutlicher gekennzelchnet, als durch diese Gegenüberstellung der amerikanischen Neutral! tätSpolitik von einst und jetzt '
Austausch des „Emdeu" M'hrers.
Rotterdann 8’ Jan. iWB.) Die erste Gruppeder deutschen Austauschgefangenen aus
des Abkommens vom 2. Juli 191. trim wabricheml cher weise Ende dieser Woche in Holland ein. Darunter wirb sich der Kommandant des deutschen Kreuzer-- „Emden" Fregattenkapitän Karl «« Maller vennden.
Deutschlauds.ptlse.
Eine beachtliche Aeußerung'tat in der Haushalts- Verhandlung des ungarischen AbgeordüctenhauseS .er Abgeordnete Graf Tisza, dessen Politik als Munster- vraiibem angegriffen worden war. Er hob Deutschlands Eilfe für Oesterreich - llugarn hervor und sagte weiter. Nicht Deutschland braucht unsere Hilfe, sondern wir sind auf die Hilfe Deutschlands angewiesen. Wir find ja in den Krieg geraten und Deutschland hat un. geholfen."