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-mitAmtlichem Kreisblatt". Wochmbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon 65. :: Postscheckkonto Frankfurt a. M. 11402 :: Telefon 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitAreisblatt vierteljährlich 2, Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 15 pfg.

M 2. Samstag, den 4. Januar 1919. 70. Jahrgang.

Amtliches

Bekanntmachung!

Da ich durch Maßnahmen des Vollzugsrates des Soldaten- Arbeitcr- und Bauernrates an der Ausübung meines Amtes verhindert werde, führen vorläufig meine gesetzlichen Vertreter der Herr Kreisdeputierte Haupt­mann a. D. Berta in Soden und der Herr Kreis­sekretär Schultheis die Amtsgeschäste.

Schlüchtern, den 2. Januar 1919.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

Deutsches Reich.

Berlin. Wie demBerl. Lokalanz." aus Kol- bcrg gemeldet wird, sind das Artillerieregiment 2 und das Infanterieregiment 54 nach Gncsen zur Unter­drückung der polnischen Unruhen abgegcngen.

Die Deutschen in Südwestafrika haben an Wilson die Bitte gerichtet, als Republik im Bundcs- verhältniS mit Deutschland bleiben zu dürfen. Die Eingeborenen stimmten einer solchen Regelung zu.

Die ersten Lebensmittel aus Amerika. Als erste deutsche Stadt hat Darmstadt amerikanische Lebensmittel erhalten. Dient tag sind, über die Schweiz kommend, 15 Eisenbahnwagen mit Lebensmitteln aus Amerika eingetroffen, darunter vor allen Dingen größere Mengen Kaffee, Reis, Schokolade, Konserven und Speck.

Es geht nicht ohne Disziplin. Der A.- und S.-R. in Nordhausen veröffentlicht einen Austuf, worin er u. a. von den Kameraden fordert: Pünktliches Er­scheinen bei den angesetzten Parolen, während jetzt viele einfach fernbleiben. Durch Nichterscheinen hat der Be­treffende bewiesen, daß, er nichts freiwiT^ weiterdienen will, und wird demzufolge aus dem Heeresdienst ent­lasten. Jedem Kamerad wird nahegelegt, sämtliche Offiziere und Unteroffiziere kameradschaftlich zu grüßen, denn jeder Kamerad wird später im Zivilleben seine Vorgesetzten und Arbeitgeber eines Grußes würdigen. Dieser Aufruf spricht für sich selbst. Es geht also doch nicht ohne Disziplin!

Die Landwirtschaftskammer ersucht die größeren Grundbesitzer im Regierungsbezirk, bis zum 15. Januar mitzuteilen, ob und welche Flächen sie zum Zwecke der Ansiedelung heimkehrender Krieger freiwillig abzutreten bereit sind. Es kommen sowohl ganze Güter, als auch Teile in Betracht, die besiedelungSfähig (nicht etwa auf weit abgelegene Außenschläge beschränkt) sind. Natür­lich wird vollständige Entschädigung gewährt.

Ein Aufruf von Riearda Huch.

N carda Huch veröffentlicht in der deutschen Politik einen Aufruf zur Wahrung nationaler Würde, in dem es heißt: Was für ein Schauspiel, jetzt d'e Begeister- ttÄ des Jahres 1914 im Staube sich winden und sich

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Schuld und Sühne.

Roman von Käthe Lilboivski. 64

Als auS dem leidenschaftlichen Gefühl ihrer kind­lichen Verehrung der erste Funke fur Nastingen auffprang, bat sie ihr Gesicht in die Hände vergraben lind ist in einen Winkel gekrochen, weil sie sich geschämt hat.

Jetzt geht sie ernst und feierlich durch dre Menschen |,md hat ein Gefühl, als ob sie geheiligt sei durch ihre Liebe.

Ja, sie liebt Pan Erich. Nicht mit [euer flammen­den, begehrlichen Liebe, die sich dar Erringen *1$ Ziel steckt. O nein, ganz anders. Sie würde die, der « sei­nen Namen schenkt, segnen können, wenn sie ihn glück­lich zu machen verstände. Ihren eigenen Wünschen steht er viel zu hoch. Als er damals vor bald »ier Jahren, in der Nacht nach Boldroivo kam. Du lieber Gott! Der Vater nicht zu Hause, die Leute sämtlich auf dem Bahnhof zum Koruabladen, und die Hausmädchen im Dorf zu einer Hochzeit, sie zauz allein. Und er halb ohn- mächtig I Mit wirrem Haar und vom Neg«u durchnäß­ten Kleider» hatte er plötzlich vor ihr gestanden. Wie ein Bettler vor dem HauS, das doch sein war.

Sie hatte seine starren Hände mit dem Hauch ihres Mnndek erwärmt, die schweren Stiefel von seinen Füßen gezogen wie eine Magd. Und doch so stolz und froh wie eine Königin, weil sie ihn: bleuen konnte.

Seitdem ging er nicht wieder von Boldroivo fort.

Sie fliisl-rten sich zu, daß er irgend etwas Schreck- i liches getan hätte, etwas, daS seines Kaiser» Rock ent- J weihte und beschmutzte, so daß er hinfort nicht mehr würdig genug erschien, ihn zu tragen. Mochten sies reden. Jadwiga glaubte ihnen nicht."

Pan Erich würbe niemals etwas Gemeines tun können, und wenn er selbst zu ihr Kirne und sagte; ^Es ist doch so. Glaub Ihnen »mr/ sie würd»-

schuldig am Kriege bekennen zu srhen! ES ist ein schlechter Vogel, der sein eigenes Nest beschmutzt. Man mißverstehe mich nicht, vor Gott sich demütigen, ein Unrecht einsehen und bekennen, schändet nicht, wohl aber einem triumphierenden Feinde, der feinen Ver­nichtungswillen unverhohlen kundgibt, zu schmeicheln und womöglich, um ihn zu gewinnen, ihm diejenigen preiszugeben, die er am meisten haßte, weil er einst sie am meisten zu fürchten Ursache hatte. Wir waren seinerzeit hart genug als Sieger gegen das besiegte Rußland, haben wir aber die Auslieferung des Groß­fürsten Nikolai Nikolaijewttsch gefordert, der als das Haupt der Kricgspartet bekannt war? Haben sich in Deutschland Stimmen erhoben, welche die Auslieferung der führenden Männer in Italien, Frankreich und Eng­land verlangten? In Frankreich wurde der Schrei nach Bestrafung der Deutschland regierenden und führenden Männer bereits erhoben, als der Sieg noch sehr fern lag. Es ist furchtbar und unerhört, derartige Forderungen zu erheben, ehrlos sie zu gewähren, ihnen Gehör zu schenken. Deutschland hat, wie jedes Land, Fehler; es hat ferner den unheilbaren und aller- verhängniLvollsten Fehler der Uneinigkeit; es hat ferner den Fehler, moralisch handeln zu wollen und doch nicht heilig zu sein. Unsere Feinde handeln stets unbedenklich so, wie es für ihr materielles Wachstum nützlich ist, und erklären dann diese Handlungsweise für moralisch und edel. Wir machen es umgekehrt; die Angst, ob wir auch moralisch handeln, lähmt und zersplittert unser Handeln, das natürlicherweise auch egoistische Triebfedern hat. Unsere allerverhängnisvollste Schwäche ist unsere Uneinigkeit, unsere Zerrissenheit, die Kluft namentlich, die zwischen den besitzenden und besitzlosen, hm gebildeten und ungebildeten Klassen herrscht. Unsere Arbeiter stehen dem Bürgerlichen fremder gegenüber als einem fremdem Volke, woran die Anfangsschuld fraglos die Ueberbebung und Ver- ständnislosigkeit der Besitzenden trägt. Infolgedessen sympathisieren die Sozialisten mehr mit den Gesinnungs­genossen in außerdeutschen Ländern als mit den feind­lichen Parteien des eigenen Volkes, und die höheren Klassen ihrerseits sind von jeher gewohnt, mit dem Auslande zu liebäugeln. Wir wechseln ab zwischen Uebermut und Knechtfinn. Augenblicklich herrscht der letztere; knechtisch winden wir uns vor dem Feinde, in der Meinung oder unter dem Vorwande, dadurch bessere Fciedensbedingungen zu erhalten. Welche Ver­blendung! Je mehr wie uns entwürdigen, desto mehr werden mir verachtet und mit Füßen getreten werden WaS müssen unsere Feinde noch tun, damit Deutsch-, land endlich seinen VernichtungSwillen erkennt? Es ist hart, einem besiegten Volke anzugehören. unerträglich, einem würdelosen. Auch im Untergeben kann man noch groß sein, ja auch noch im schweigenden Ertragen des Unvermeidlichen. Gestehen wir uns selbst unsere

cheln und antworten: Dann sind Sie eben so krank da« malS gewesen, daß Sie nichts von Ihren Sinnen wußten, Pan Erich."

Sie dachte an die Zeit zurück, da sie noch halb Kind halbes und unverstandenes gehört hätte. Und diese Erinnerung gebar damals weitere, Die sonderbar­sten Märchen wurden erzählt. Auch M«ri< LuiseS Name war genannt worbeit. Aber die Verbiuduugs- striche, die vielleicht die Geschichte zu einer klaren und glaubwürdigen gemacht hatten, fehlten darin. Es waren lauter Fragezeichen und Lücken vorhanden, welche die Phantasie der einzelnen Erzähler allmählich nach Be­lieben fortlöschte oder anSfüllte. Jadwiga hatte während jener Zeit in ihren Freistunden mit Genehmigung ihres VaterS Religisnsunterreicht bei einem Pfarrer genoni-

Seitdem war sie in all ihrem Handeln viel siche­rer geworben. Sie durchdachte scharf und gründlich daS gegenwärtige und überließ die Zukunft dem Lenker des Alis, der in der Hand hat, sb sie überhaupt bm« wen soll.

Sie dachte auch niemals darüber nach, waS anS ihrer großen, reinen Liebe werben solle, wenn Erich Nastin- geu ein Wri» nahm. Nur fein zergrübelte», überreizte» Empfinden, daS ihre Umgebung gepeinigt hätte. Liebe erweisen Zartheit über den schütten, der wohl gar nicht fühlte, daß sie von ihr kam. Das war genug. Sie war dabei ganz ruhig und glücklich gewesen, bis das Gespenst des Hasses mit hungrigen Augen in das Boldrowoer Herrenhaus spähte und Opfer wollte

Der Vater hatte tanfenbmat recht, wenn er sagte, daß der Zeitpunkt, es nieder zu schmettern versäumt war. Damals war es ein Samenkorn gewesen, das dre Hand eines Kindes zerstören konnte. Pan Ench hatte geglaubt, daß eS die aufkeimellds Dankbarkeit fei, die sich beta- tiaeii wollte und hatte es sorgsam groß gezogen.

Nuu hatte es Mark in den Knochen, und Hundette stände« hinter ihn; und waren gefügig, wenn es befahl.

Fehler ein und suchen wir uns zu bessern, ein einiges fielt von Brüdern zu sein, vernichten wir aber nicht mutwillig, was wir an Kraft und Tüchtigkeit im Lande haben. Täuschen wir uns nicht, in der Welt wird nie die Güte herrschen, sondern nur die Kraft. Wie können wir, sofern wir ehrlich sind, angesichts der Schwarzeu, die der Feind im deutschen Gebiet einrücken läßt, noch daran zweifeln! Haben Italien, Rußland, Frankreich darauf gebrannt, Deutschland glücklich zu machen, indem sie ihm die beste RegierungSform ver­schafften ? Scheute man sich doch nicht, glauben machen zu wollen, unsere Feinde kämpfen für Demokratie und Freiheit, während sie mit der einzigen noch bestehenden Autokratie Europas, mit dem zaristischen Rußland, verbündet waren! Zweifelt man, daß sie seinerzeit den Zaren wieder eingesetzt hätten, wenn es möglich gewesen wäre? Ich erinnere mich der Tage, da Frauen aller Stände, Damen in Spitzen und Frauen aus dem Volke, unsere Soldaten mit Liebesgaben und Dankbezeugungen überhäuften. Jetzt, nun diese Un­glücklichen, nachdem sie unendliches getan und gelitten haben, wund und elend wicderkehren, dürfen Frauen ungetadelt öffentlich sagen, Soldaten seien Menschen­schlächter. Beschimpft und erwürgt nur die Kraft, die das Vaterland verteidigen, gegen feindlichen Uebergriff schützen kann! Gerade ein demokratisches Volk sollte wehrkräftig sein. Ein Volk, dessen Männer das nicht mehr sind, verdammt sich selbst zum Untergänge. Wir haben nur zwei Möglichkeiten: verzichten wir auf unsere Selbständigkeit und geben wir uns selbst dem Feinde preis, oder aber bewahren wir unseren Stolz den wir auch als besiegtes Volk noch haben dürfen, und vor allen Dingen, suchen wir durch Einigkeit uns kräftig zu machen. Der Wille zur sogenannten Soziali- sterung ist allgemein. Dir Reichen sind bereit zu großen Opfern um des Ganzen willen. Was für ein Elend, wenn nicht die nächste dringendste Not uns einig machen kann. Verbannen wir das gegenseitige Mißtrauen und die gegenseitigen Anklagen richten wir unsere ganze Tätigkeit auf die Nationalversammlung.

Bor der Nationalversammlung.

Wie dieFrankfurter Nachrichten" melden, fand am Montag in Sachsenhausm eine Wählerversammlung der Deutschen liberalen Volkspartei statt, in der Redakteur Fcölich über das Thema:Vor der National­versammlung" sprach, wobei er betonte, daß die Nationalversammlung vor allem auf Wahrung der Einheit des Vaterlandes zu sehen habe, daß sie die Grundrechte des Staates festzuftellen, den Frieden herbeizuführen und dem deutschen Volke Lebensbeding- ungen zu schaffen habe. Freiheit und Vaterland flehe auf der Fahne der deutschen Volkspartei, der Partei des liberalen Bürgertums, geschrieben.^ Freiheit, nicht im Sinne von Willkür, Klassenherrschaft oder Diktatur DaS Gespenst trug die Züge ßabiSlauS von Dubli- schinSkiS.

Die polnischen Arbeiter sind ja so stumpf, ehe sie allfgeiveckt werben. So froh, wenn man sie träumen und schlafen läßt, »hu« irgend etwas von ihnen zu for­dern. DaS Pulver ihrer Leideuschaft taun nur durch W»dki und klingende Reden entzündet werden. Danil bremit es allerdings auch wie alle künstlichen Spreng­stoffe. Anflodernd zur ungeahnten Höhe mit ele­mentarer Wildheit zerschnietternd, was sich hindernd in den Weg stellt, bis es verbraucht ist und schwarz und stumpf die Seele füllt.

Noch aber bräunte eS. .

Jadwiga hatte ein Grauen uorbevfommenben ^eier.

Mechauisch zerschnitt sie die Kucheir in gleichmäßige Scheiben und streute Zimt und Zucker darüber. Ganze Berge türmten sich von den weißgeschenerten Tiicheil empor. Dazwischen standen die blanken Bicrkannei: und der braune Kaffeetopf, der der Füllens harrte. In der Mitte aber prangte eine Kaiserbüste.

Die hübsche Raselka, die Gesiudeköchiu, sah sie lange an und lachte, daß ihre weißen Zähne hinter den vollen, roten Lippen hervorb litzteu. Dann wandle ne sup zu der Civtka (Tantchen)/die immer habet sein mußte, wenn eS galt, Teller abzusaminelu und Kucheureste aufzulese». Und flüsterte ihr etwas zu.

So leise, daß Jadwiga es nicht velstehen konnte.

Ich bin neugierig Tätlichen, ob die am eloenb auch noch heil ist, sagt sie auf Polnisch.

15. Kapitel.

Aus einer Bodenluke des Boldrowoer Hauses wehte stolz die schivarz-weiß-rote Fahne. Erich Rastiugsu hatte sie mit eigener Hand dort befestigt. Nnil winkt sie die Leute besau, mit stolzer Hoheit sich neigend, auffabienb und gen Himmel weifenb.

Der da oben ist mein Bundesgenosse. Kommt unb hE 229.18*.