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mitAmtlichem Kreisblatt". Woche-beilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Erscheint INittwoch und Samstag Preis mitAreisblatt vierteljährlich 2, Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum \5 Pfj.

M 27. Mittwoch, den 2. April 1919. 70. Jahrgang.

J.M. 4303. Am 7. April d. Mts., vormittags von 10. Uhr ab, findet in der Werkstätte des Cchuh- machermeisters Phltlipp Werner hier die Gesellen­prüfung für Schuhmacher und am 12. d. MtS., vor­mittags von 10. Uhr ab in der Werkstätte des Schneidermeisters Ludwig Freund hier die Gesellen­prüfung für Schneider statt.

Anmeldungen zu den Prüfungen sind an Herrn Schneidermeister Johannes Alt hier einzssenden, bet dem auch die Anmeldeformulare abzuholen sind.

Schlächtern, den 1. April 1919.

Der Landrat. I. V. Schultheis.

J.-Nr. 1913 K. A Da: 15 Jahre im Dienste der Familie Jakob Huth in NomSthal stehenden Maria, Elisabeth Roll, ist für treue Dienstzeit eine Prämie von 15 Mark aus Treibmitteln b<miäigl worden.

Schlächtern, den 29. März 1919.

Der Vorsitzende des KreiLausschussis.

J.-Nr. 1870 K. A. Dem Müller Wilh. Paul, im Dienste deS Mühlenbesitzers Heinrich Traudt in Steinau, .ist für 26jährtge treue Dienstzeit eine Prämie von 25 Mark aus Treibmitteln bewilligt worden.

Schlüchtern, 28. März 1919.

Der Vorsitzende des Kreisausschuffes. von Trott zu Solz.

Die Sünden unserer Zeit

Der Uebermut der Ententesieger hat einen mächtigen Stoß bekommen, er ist stark mit Furcht und Angst durchsetzt, daß der Jmperalismus, dem sie huldigen, einen Wechselbalg erzeugen wird, nämlich den Welt bolschewismus. Die rote Fackel, die si^ in Rußland entzündete, hat Funken gestreut, aus denen sich ein furchtbares Feuer nach Dem andere« ^zünden kann. In Ungarn ist Russisch politischer Trumpf, und Korolpi predigt ganz offen den Wellbotschewismus als einzige Rettung aus den Klauen der Entente. In Paris aber hat diese Erklärung wie eine Bombe eingeschlagen, es rückt da eine Gefahr der Grenze näher, die man früher nur gegen uns auszunutzen gedachte. Daß Italien einen trefflichen Nährboden für den Bolschewismus bildet, ist seit langem bekannt, ebenso daß das Elend des KriegeS den Volkslörper dort noch bedeutend bazillenempfänglicher gemacht hat.

Und was für Berlin gilt, gilt, wenn auch etwas abgeschwächt, für Frankreich. Es wird j.tzt immer mehr bekannt, daß die gallischen Regimenter in den letzten Wochen des Krieges stellenweise ge-adezu anlimtli- taristisch durchseucht waren, und daß nur die Nerven- erschlaffung der Deutschen die Gallier vor der Rocke bewahrt hat, die wir, Gott sei's geklagt, spielen muffen. Wohl hat in Frankreich die jetzige Regierung durch ihrenSieg" augenblicklich eine gewiffe Festigung erhalten, aber sie weiß ganz genau, daß die Basis, auf der sie steht, aus anDerm Metall als aus Beonze

Schuld und Sühne.

Roman von Käthe Lubowski. 67

Aber Du kannst alles gut machen an Marie Luise. Sie mürbe sterben, wenn Du sie nicht aufhöbst imb tröstetest. Am 12. kommt sie und ihr Kind in Bre- merhaven an. Ich kann nicht 311 ihr. Ruth auch nicht. Sie muß mich pflegen, weil ich nicht aus dem Stuhl anfstehen kann. Ich bitte Dich, nimm Dn sie in Emp- saug."

Was soll er nun tun? Kaltblütig ihr Gefühl mor­den, bier bleiben, bezahlte Kräfte hinschicken, daß sie sie nach Berlin geleiten?

Ja, wen» ihre Briefe nicht gewesen wären. Dann hätte er es vielleicht gekonnt. Er weiß nicht, ivas in ihm lebt, und sich gegen das Uebermaß des glühenden Stromes, den sie über ihn ergießt, wehrt.

Es ist noch nicht so weit.

Aber es wird etwas daraus entstehen, wenn er ihm den Willen läßt. Etwas Großes, Berauschendes, an das er doch nicht mehr glauben wollte.

Ich ängstige mich um Sie," hat vorher eine Stimme in die dunkle Nacht seines Kampfes gesagt.

Aengstigeu," wer tut das um einen, den er nicht lieb hat.

Und er liest wieder in Marie Luises Briefen. Ihre Leidenschaft macht ihn heiß. Aber es ist ein Gefühl, als wenn der glühende Sonnentag zu unbarmherzig quält. Er möchte sich in den Schatten retten. Wie ist es nur gekommen, daß seine große Liebe schlafen ging?

Er findet immer noch nicht die richtige Antwort. Sie ist tot. Das muß genügen. Gestorben weil sie sich betrogen sah. Und doch darf er Marie Luise das nicht sagen. , r

Ich würde sterben, wenn Du muf) verschmähtest," heißt es in einem Brief, der nach des Gatten Tod ver­saßt ist.Und Du hättest einen Mord aus der Seele."

besteht. Schon sind die Ström», die die Basis unter- spülen möchten, kaum noch als unterirdische zu be­zeichnen. Der Taumel eines nie geahnten Steges und die angenehmen Spaziergänge in dieeroberten" Ge­biete hält die Sinne der breiten Masse von ihren eigentlichen inneren Wünschen fern. Ein übermütiges Überschreiten gewisser Grenzen durch die Leute um Poincars wird ganz bestimmt auch in Frankreich das entfachen, was in Ungarn unterm Druck der Entente an die Oberfläche schlug. Clemenceau mag unter Alter und Krankheit leiden das Schwert derRache" wird dem Tiger durch ganz andere Gewalten aus der Hand gezogen.

Man darf doch vor allem nie vergessen, daß nur der die Stimmungsbilder aus den fremden Ländern übermittelt, der den Ferndrath in der Hand hat. Was wissen wir von den Unterströmungen in England? Das internationale Proletariat hat ganz bestimmt etwas, das nach Solidarität schmeckt. Sie versagte, als es sich um Krieg oder Frieden handelte, sie wird vielleicht nicht versagen, wenn es sich um den Hunger handelt. Und man muß dabei das Wort in seiner weitesten Bedeutung fassen ungesunde Verhältnisse in den Staaten sind seine Vorboten. Hat eS aber je etwas ungesundes gegeben, so ist eS das heutige Miß Verhältnis zw schen Arbeit und Lohn. Aus diesem Mißverhältnis muß am Ende überall das geboren werden, was man als Bolkshunger bezeichnen darf. In Paris herrscht diese Not nicht geringer als in Berlin, und in London täuscht darüber nur ein momentaner Reichtum. In Spanien ist Generalstreik, in Ungarn und Rußland Bolschewismus, in Deutsch­land h-rrscht ein Zustand, den man schwer konkret einrd^n kann, und an die Pfcet r -^r Regierungen klopft eine Hand, die man schwer zurückweisen kann, wenn man nicht von innerer Stärke getragen ist Das ist aber heute kaum eine Regierung. Ucberall hat der Krieg Bewegungen erzeugt aus früher geordneter Ruhe, und werden diese Bewegungen nicht ins rechte Geleise gelenkt, dann wehe der Zukunft.

Bestimmt kann man sich verschiedene Staatsformen als gute Glücksunterlage für die Völker denken. Die Geschichte weist blühende Völker unter verschiedensten Staatsformen auf aber noch nie hat eine Ochlokratie, das ist eine Herrschaft der breitesten Masse, Aolksglück geboren. Politische Desperados mögen in solchen Zeit­läuften sich wohl fühlen und sich kitzeln lasfin durch die eingebildete Herrschaft über verführte Menschen findet sich unter den Desperados auch nur ein Mann mit wirklicher Kraft, so wird er danach streben, die Mcn'chm nur als Sprungbrett, aber nicht als Regierungs- basis zu benutzen. Auch dafür gibt uns manches Blatt der Geschichte vollsten Beweis.

Kaum zur Zeit der Völkerwanderung wand sich Europa in furchtbareren W,hen, als es heute tun muß.

In feinem jetzigen überreizten Zustand muß er ihr recht geben. Und doch mirb er die Empfindung einer großen Grausamkeit nicht los. Sie nimmt seinen Au­gen das Licht und seiner Seele die Schwingen, die ge­rade jetzt wieder zu wachsen beginnen.

Vielleicht ist es möglich, daß einer blind unb lahm den Rest seines Lebens findet unb nach Haus kommt.

Wenn nur das wundersame unerklärliche Drängen sich nicht zur Wehr setzte.

Es ist doch noch kaum Frühling. Die Körner des nach dem Winter Gesäeten liegen starr in der Erde. Woher sollen sie da schon keimen und wachsen kön­nen ?

Sie wachsen ja auch noch gar nicht. Sie liegen nur auf dem Grunde seiner Seele lind füllen sich langsam mit Lebenssehnsucht.

Und es gilt für ihn nichts meiter zu tun, als diese Sehnsucht zu töten und bafür einzulösen, was er dem Vater versprach.

Als der Morgen endlich dämmert, läßt er sich den alten Matuschek rufen, um ihm mitznteilen, daß er heute nacht auf einige Tage verreisen müsse.

Die Weser schimmert in der Nähe des mächtigen Kaiserbassins in Bremerhaven wie ein Stück Bernstein, das »licht ganz sauber gewaschen ist. Inmitten der Wartenden, welche die Blicke dem Schiff ihrer Sehn­sucht entgegensenden, steht Erich Rastiugeu. Gegen Zivölf soll die Gertraude hier sein. Und so spät ist es bald.

Das Stoßen der gewaltigen Dampferschraube rat­tert bumpf durch das Wasser. Die Bernsteüssarbe wird Heller und durchsichtiger. Die tiefen Wasserrinneu mit ihren seinen Schaumperlen zu beiden Seiten des Dampfers liegen mie blasse Hände über dem auf und niedergehenden Geivoge.

Wenn das Wiedersehenuurerstvorüber märe!" denkt Erich Rastingen dumpf.

Der Dampfer steht. Die Stricke gleiten herunter.

Er ist unleugbar, daß nur aus der Bewegung Neues entstehen kann, aber geht eine Bewegung stark ruckweis, dann kann sie nur zerstörend, nie aufbauend wirken. Am Ende wird sich auch da aus den Ruinen neues Leben entfalten, aber wehe dem Geschlecht, über dem der Bau zusammenfällt! Sieht das die Eutent« jetzt ein? Der Uebermut galt schon bei den Griechen als die schwerste aller Untugenden betrachten sich nicht die Gallier, trotz der Italiener, als die geistigen Erben der Großvölker des Altertums? Wollen sie nicht von ihren geistigen Vätern lernen? Oder spottet die neue Zeit über alle Lehren der Väter? Das wäre ein Spott, der sich bitter rächen würde an unsrer Zeit und der Zeit unserer Kinder. Die Würde der Mensch­heit ist jetzt in die Hände der Entente gegeben! Wird sie sie bewahren? Er scheint kaum so. Sie trägt Brennstoff mit ihrem Uebermut auf den Scheiterhaufen der Bolschewiste». Hört sie damit nicht bald auf, so wird sie selbst mit auf diesem Scheiterhaufen brennen. Sie und auch wir! Sie aus der Sünde des Uebermuts, wir aus der der feigen Selbstaufgabe.

Deutsches Aeich.

In der preußischen LandeSversammlnng hat gestern dessen Präsident die neue Ministerliste bekannt gegeben. Das preuß. Ministerium setzt sich danach endgültig folgendermaßen zusammen: Ministerpräsident Paul Hirsch (Soz); Inneres: Wolfgang Heine(Soz.) Justiz: Am Zehnhoff (Zir.), Kultus: Konrad Hänisch (Soz.), Finanzen: Südeknm (Soz.), Landwirtschaft: Otto Braun (Soz.), Volkswohlfahrt: Stegerwald (Ztr.), Eisenbahn: Oeser (Dem.), Handel: Fischbeck (Dem.), Kriegsminister Reinhard.

Der preußische StaatshaushalLPlan schließt mit 9,6 Milliarden Mark ab. Die Schlußsxmme erhöht sich gegen das Vorjahr in Einnahme und Ausgabe um 3,09 Milliarden Mark. Zur Herstellung des Gleich­gewichts sind 786,15 Millionen Mark als außerorsent- ltche Einnahme eingestellt, die im Wege der Anleihe zu beschaffen ist.

Berlin. (Die Aufwandsentschädigung für den Reichrpräfidenten.) Die Mitteilung, daß der Reichs­präsident Ebert 100 000 Mk. monatliche Aufwands­gelder beziehen solle, hat vielfach zu irrigen Schluß­folgerungen Anlaß gegeben. ES sei daher betont, daß der Rtichrprästdent aus dieser Summe die Kostin seiner gesamten BüroS zu bestreiten hat, daß er es auch für selbstverständlich erklärt hat, über die Verwendung dieser Summe Rechnung zu legen und einen etwaigen Ueber- schuß zurückzuzatzlen. Herr Ebert hat erklärt, daß er aus dem Amte so herauszugehen wünsche, wie er er übernommen hat. Auf Antrag der mehrheitssozialistischen Frakliou wird der ganze EtatSposten in der Budget­kommission einer Nachprüfung unterzogen werden.

Die Brücken schieben sich vor. Rücksichtslos drängen die Menschen aneinander vorbei. Es zitiert immer noch ein leises Stoßen vor seinen Augen. Oder ist es sein Herz, das in qualvoller Aufregung klopft?

Die Paffagiere stürzen aus Land. Lachen und Wei­nen schivebt in der Luft. Töne, von denen man nicht zu sagen iveiß, ob sie aus Jauchzen ober Leid geboren wurden.

Erich Rastingen steht unbeweglich und wartet.

Vielleicht ist sie noch nicht mit den letzten Erin­nerungen fertig.Sie wird schon kommen," denkt er. Kommen und mich himiehmen mie ihr gutes Recht." .

Aber sie komint nicht. Der Menscheustrom beginnt sich zn verlaufen. Vereinzelte Koffeiträger und solche, die niemand haben, der sich über ihr Kommen freut, stehen noch herum.

Da entschließt sich Rastingen zum Handeln. Er geht die schivebende Brücke hiuaiss und wendet sich an einen Matrosen, der ihm gerade begegnet.

Sind noch Passagiere unten?"

Der zuckt die Achsel und verweist ihn an den Steuer«, wann. ,

Der Steuermann tut sehr eilig und schickt ihn jum Kapitän.

Ich wollte Fran Hauptmann von Diedersleben unb ihr Kind abholeu," sagt Rastiugeu, nachdem er sei« neu Namen genannt hat.

Der Kapitän zieht die Schultern empor.

Ich weiß nicht, ob Sie mit der Dame nahe ver- maubt sind. Aber es tut wohl auch nicht viel zur Sache. Gesagt muß es ja doch mal werden." Unb er spricht zu ihm, wie ein Mann eben zu einem andern Mann redet. Ohne viel uuuützes Erbarmen. Gerade unb klar.

Der Chinese mit dem Kind ist unten in »der ersten Kajüte. Frau von Diedersleben erlag zwischen Co- lombo unb Aden einer Lungenentzündung." Er meist auf das Meer hinaus. ... ~". 229,18*