mit „Amtlichem Kreisblatt". —. Wocheubeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.
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Wie bekannt geworden, werden in der Landwirtschaft deutsche Arbeiter vielfach deshalb nicht eingestellt, weil mit der Abgabe von Kriegsgefangenen gerechnet wird. Wo genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen und Gefangene somit entbehrlich sind, widerspricht deren Einstellung den bisherigen Grundsätzen. In Zukunft sollen deshalb Kriegsgefangene in der Landwirtschaft erst beschäftigt werden, wenn die Arbeitgeber der Kommandantur des Gefangenenlagers nachweisen können, daß bei den örtlich zuständigen Arbeitsnachweisen, sowie bet den zuständigen ZentralauskunftSstellen und der nächstliegendenTruppenverwendungsstelle, deutsche Arbeiter nicht zu erhalten sind.
Damit sich die Landwirte rechtzeitig nach geeigneten landwirtschaftlichen Arbeitern um.ehen, wird bemerkt, daß die Zahl der für landwirtschaftliche Arbeiten zu erwartenden Kriegsgefangenen und Ostarbeiter (Saisonarbeiter) äußerst gering sein wird.
Schlüchtern, den 8. April 1919.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
Bekauutmachuug über die Anmeldung von Geldzeichen, die auf Rubel russischer Währung lauten.
Vom 24. März 1919.
Auf Grund des § 3 des Gesetzes betreffend Verkehr mit russischen Zahlungsmitteln vom 15. März 1919 (R. G. B. S. 321) wird folgendes bestimmt:
Alle im Inland befindlichen Bestände an GeU Zeichen (Banknoten, Keeoetbilletten, Minzen usw., nicht aber Anleihestücke und Zinsscheine), die auf Rubel russischer Währung lauten, gleichgültig ob sie In- oder Ausländern gehören, sind in der Zeit vom 5. bis 15. April 1919 bei einer Neichsbankanstalt (in Berlin bei der Statistisch'" Abteilung der Ruchsbank, Bc '.r S W. 19, Alte Leipzigerstraße 2) werktäglich in den Dienststunden anzumelden.
Zur Anzeige verpflichtet sind die Eigentümer oder ihre gesetzlichen Vertreter, Verwalter von VermögenS- maffen aller Art, Bevollmächtigte und sonstige Verfügungsberechtigte.
Für die Anmeldung stellt die Reichsbank Formulare zur Verfügung. Die Anmeldung hat auf doppelt ein- zuretchendem Formular zu erfolgen. Em Stück erhält der Anmeldepflichtige mit der Bescheinigung der Reichs- bank über die bewirkte Anmeldung zurück.
Es wird darauf hingewiesen, daß jeder, der nach dem 15. April 1919 im Besitze von Zahlungsmitteln der bezeichneten Art betroffen wird, ohne eine Beschet nigun; der Reichsbank über die Genehmigung ibrer Em- oder Durchfuhr oder über ihren Erwerb durch Vermittelung oder mit Genehmigung der Reichsbank oder über ihre Anmeldung bei der Reichsbank deibrin- gen zu können, den in den §§ 5 und 6 des Gesetzes, betreffend Verk.hr mit russischen Zahlungsmitteln, vom 15. März 1919 angedrohten Strafen und sonstigen Nachteilen unterliegt.
Berlin, den 24. März 1919.
Der Netchsminister der Finanzen. Schiffer.
Deutsches Reich.
— Was die Revolution dem deutschen Volke kostet. Bet der Annahme des Nachtrags und Notetats in der deutschen Nationalversammlung wurden auch die Zustände auf den Flugplätzen Adlershof und Döberitz beleuchtet. Dort wehren sich die überflüssig gewordenen Mannschaften mit Händen und Füßen gegen die Demobilmachung, und bet der notorischen Schwäche der Revolutionsregie- rung haben sie natürlich ihren Willen bisher durchzu- sttzen vermocht. Dabei ist es keineswegs dle Furcht vor Arbeitslosigkeit, die die Leute auf den Flugplätzen festhält, da es sich fast durchweg um technisch geschultes und handwerksmäßig auSgebildeteS Personal handelt, das an anderen Arbeitsstätten sehr gesucht wird, sondern der Hang zur Bequemlichkeit und Arbeitsscheu. Nach dcn Angaben des Abg. Nießer von der Deutschen Nolkspartti verschlingt dieses Treiben allein auf den beiden Berliner Flugplätzen eine Jahrcssumme von 63 Millionen Mark. Nun haben wir aber 40—50 Flugplätze, wo eS ebenso hergeht, und dazu kommen noch die übrigen Netchsbetriebe, Waffenfabrik n usw., wo die Dinge auch nicht and.rs liegen. Danach kann man ermeffen, was die Revolution dem deutschen Volke kostet.
— Weimar. W.imar als Bundeshauptstadt. In Abgeordnetcnkceisen verlautet mit Bestimmtheit, daß die Regierung die Absicht hat, Weimar zur Bundeshauptstadt zu erklären. Sie soll bereits Landkäufe gdätigl haben, um die notwendigen Bauplätze für die Errichtung der Regterungsgebäude zu sichern. Die Absicht
Mittwoch, den 9. April 1919.
der Regierung soll in erster Linie dadurch hervorgerufen worden sein, d.ch sie glaubt, in Weimar unbeeinflußt von irgend welchen Straßenkundgebunzen und anderen Zwischenfällen arbeiten zu können, während Berlin nach wie ror als zu unsicher gilt.
— Der Deutsche Wirtschaft; Kongreß Veranstalter am Mittwoch, den 16. April, nachmittags 4 Uhr im großen Saal der Philharmonie eine Kundgebung mit der Tagesordnung: Die Kammer der Arbeit (Wirtschafts- parlamcnt) und das Rätesystem. Es werden Vertreter der ReichSreg'erung, der Industrie, der Landwirtschaft, des Handwerks, der Gewerkschaften und der Arbeiter- räte zu Worte kommen. Nummerierte Eintrittskarten sind in der Geschäftsstelle Berlin NW. 6, Schiffbauer- damm 6/7, auf schriftliche Anforderung erhältlich. Die genaue Rednerliste wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben.
— Scheidemanns Stellung geschwächt. Die parlamentarische, politische und persönliche Niederlage, die Herr Scheidemann sowohl als Ministerpräsident wie als Parteiminister in Weimar erleben mußte in Verbindung mit der starken Bewegung nach links, von der die großen Arbeiterzentren Deutschlands betroffen sind, hat die Stellung des Kabinetts Scheidemann erheblich geschwächt. Man werde daher, meint der „Berliner Lokal-Anzeiger", gut tun, auf einen Kabinettwechsel gefaßt zu sein, mit besten Eintritt die Unabhängige Sozialdemokratin unterstützt oder bekämpft von den Kommunisten, ans Staats- ruder käme. Die kommunistische Partei würde damit zum ersten Male in Deutschland legitim werden. Unabhängige und Kommunisten hätten sich inzwischen mehr und mehr verbrüdert, was nicht aussch'.icße, daß ihr Verhältnis zu dem etwaigen neuen Kabinett sich ähnlich entwickelt, wie es zwischen Mehrheitssozialisten und Unabhängigen war, als Herr Haase neben Herrn Scheidemann saß. Dann würden die Kämpfe um eine noch radikalere Linksorientierung nicht aufhören, sondern aller Wah'scheinlichkeit nach mit noch v.rschäfter Heftigkeit entflammen. Die gegenwärtige Lage scheine es noch auszuschließen, daß wir direkt zu einer kommunistischen Regierung kommen. Immerhin lehrte der Verlauf der deutschen Revolution, auf Ueberraschungen gefaßt zu sein. Gerüchte in Wilhelmshaven wissen, der „Börsenztg." zufolge, von einer allgemeinen über ganz Deutschland verbreiteten und organisierten Revulution, die sich im Mai in die Tat umsetzen werde. Auch aus Marinekr.isen liegen Nachrichten vor, He von einem Anwachsen radikaler Strömungen sprechen.
— Berlin. (Die Blockade wird aufgehoben!) „Homme libre" teilt mit, die Ententeregierungen hätten beschlossen, die Blockade über alle feindlichen Länder, mit Ausnahme von Ungarn aufzuheben. Deutschland werde in voller Freiheit aus allen Ländern einführen können, was es wolle. Das Blatt schreibt, daß diese von den Alliierten geübte „Großmut" ihnen auch das R.cht und die Pflicht gebe, auf genaueste Erfüllung aller von ihnen verlangten Sicherheiten für die künftige Haltung Deutschlands zu dringen.
— Berlin. Neuer Oberpräsident. Der * Bürgermeister von Charlottenburg, Dr. Adolf Mater, ist zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg, an Stelle des Herrn v. Loebell, ernannt worden.
— Berlin. Das Ende der preußischen Armee. Wie wir erfahren, werden die noch bestehenden Regimenter b s spätestens 1. Juli im Bereich des preußischen Heeres aufgelöst. Ihre Uebernahme in die neue Reichswehr erfolgt nicht allgemein, sondern nur nach dem selbständigen Ermessen des ReichSwehrministers Regimenter, die mit ihren Soldatenr ten nachweislich regierungsfeindliche Politik mitmachren, bleiben samt und sonders außerhalb der neuen Reichswehr und werden entwaffnet.
— Bauern gegen die Räterepublik. Dir jüngst in Ansbach versammelten mittelfränkischen Bauernräte lehnten mit großer Mehrheit dir Bildung einer Räterepublik ab und drohten im Falle deS Fortbestehens der revolutionären Diktatur Münchens mit einer Ab- fondernng Frankens von dem übrigen Bayern. Man wird das angesichts der Münchener Treiben« sicherl:ch begreiflich finden, nur meinen wir, daß deutsche Bauern sich auch ihrerseits jeder Nachäffang bei widerlichen russ schen Vorbildes enthalten »xö auf die Räteorgani- sation eiäfürallemal vorzichten sollten. Sie »eisigen in i^en Reih.n über so treffliche altbewährte «tandetor- ganisationen, daß sie sich damit wahrlich begnüg«« könnten. Das ausländische, halbasiatische Reis paßt nicht auf die deutsche Bauernrede.
— Wirkungen der Hungerblockade. Ja der „Sozialen Praxi«" wird die Wirkung der Hungerblockade auf die Votkrgesnndheit untersucht. Hier einige Zahlen: Das Hungerelend in Köln a. Rh. legte der Dezernent für
70. Jahrgang.
das öffentliche Gesundheitswesen, Beigeordneter Prof. Dr. Krautwig, in der Stadtverordnetenversammlung dar. Für Köln ist festgestellt worden, daß 1918 mindesten» 2500 Menschen jährlich mehr gestorben find als 1914, das macht für Köln einen Verlust von sieben Menschen täglich als Opfer der Hungerblockade. In Düss-lsorf und Duisburg ist infolge der Milchknappheit ein förmlicher betlehtmitischer Säugling-mord eingetreten. Die Säuglingssterblichkeit in Düsseldorf war im Dezember 1918 um 70 v. H. höher als im Dezember 1917. Die Milchknappheit in Düsseldorf rührt daher, daß seit Besetzung des linksrheinischen Gebietes die Stadt von ihren am linken Rheinufer liegenden Milchquellen abgeschnitten ist und der Stadt jetzt nur noch 5 v H. der vor dem Kriege verbrauchten Milchmenge zur Verfügung steht. Die Stadtverwaltung hat versucht, von den Befehlshabern der französischen Besatzung Erleichterungen für den Milchverkehr zu erzielen t- leider vergeblich. Die Stadt Magdeburg veröffentlicht Zahlen über die Sterblichkeit der Kinder bis zu 15 Jahren. Die Sterblichkeit betrug 1913 23,>9 v. H., sie war 1917 auf 32,97 v. H. gestiegen und wird 1918 aller Wahrscheinlichkeit noch höher sein. Auch dir Geburts- zahlen nahmen ab, sie waren 1917 nur halb so groß wie 1913.
— Ausschaltung Hamburgs aus der Weltwirtschaft. Pläne zur Ausschaltung Hamburgs vom amerikanischen Transithandel nach Mittel- und Osteuropa tauchen immer wieder auf. Wie der New Aork Herald mitteilt, hat der Mitinhab r der Kopenhagener Firma Wessel und Bett, William Vett, dem internationalen „Chearing House" in New Dock Warenausträge bis zur Höhe von 10 Millionen Dollar erteilt. Der Auftrag umfaßt große Lager von Woll- und Baumwollwaren. Herr Bett prophezeit in einem langen Interview den amerikanischen Exporteuren in Dänemark eine große Zukunft und fordert sie auf, Agenturen in Dänemark zu errichten, das nun anstatt Hamburg das Zentrum für die baltischen Lande geworden sei.
— Paris. In Washinton glaubt man zu wissen, daß Präsident Wilson hofft, gegen den 20. April in die Bet einigten Staaten zurückkehren zu können. Wenn diese Information genau ist, so wird der Präsident vor seiner Abreise aus Frankreich durch ein Kabeltelegramm den Kongreß für die ersten Maitage zu einer außerordentlichen Session einberufen.
Assgepsßt, BsuerMMer!
Nach Zeitungsnachrichten und auch nach Berichten, die wir vom Lande erhalten, wird in zahlreichen Kreisen der Versuch gemacht, unter angeblich neutraler Firma WirtschaftSverbände der Landwirte zu begründen, die unpolitisch sein so len. Das Programm dieser Verbände zeigt manche Uebereinstimmung mit den Zielen des Deutschen Bauernbundes, namentlich auch mit seinen Bestrebungen zur Beseitigung der Zwangswirtschaft. Trotzdem liegen gewichtige Tatsachen vor, die uns diese Bewegung, die wir an sich nur begrüße« könnten, in nicht zweifelsfretem Lichte erscheinen lassen.
In Nr. 27 der „Deutschen Tageszeitung" findet sich ein Inserat, unterschrieben „Hermann Hillger-Spiegel- berg", das folgendermaßen lautete:
„In vielen Landkreisen sind zur xachdrücklichen Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Landwirte WirtschaftSverbände gegründet. Jeder dieser KreiSver- bände sucht einen tüchtigen, zuverlässigen Verbandsdirek- tor. Im VerwaltungSwefln ttfahrene Herre« mit landwirtschaftlichen Kenntnissen und organisarorische» Talent, die eS verstehen, mit den tausend kleinen und großen Mstgliedern jeder KreiSverbandoS zu verkehren, könne» sich hier eine angesehene Lebensstellung schaffen. Gehalt etwa Mk. 10000.-."
Wer ist Herr Hermann Hillger-Spiegel-erg, und wer hat ihm diesen Aoftrag gegeben? Herr Hillger ist ein bekannter Berliner VerlagSbuchhändler, der gleichzeitig ein Gut besitzt und für die Deutschnationale Partei beim Wahlkampf in Potsdam 1 — 9 ka»didiert uxd «uf» eifrigst» geworben hat. Der Beauftragt» scheint also parteipolitisch doch recht erh»blich gebunden zu feix. Und woher hat er die Mittel? Mk. 10000 für jeden preußischen Kreis macht allein für Preußen, i» dem es rund 600 Kreise gibt, die Summe von 6 Mil- lioxen. Daz« kommen die Kosten für die zahlreichen Versammlungen. Sollte die völlige Niederlage des Hundes der Landwirte bei den Wahlen den Gedanken nahegelegt haben, als anderem Wege jetzt die Landwirtschaft einzufangen, sollt« die in Aussicht stehende Vermögensabgabe Großgrundbesitz und Schwerindustrie ver« anlassen, lieber vorher für solche politischen Zwecke un-