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mitAmtlichem Kreisblatt". Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt.

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Erscheint Mittwoch und Samstag preis mitAreisblatt vierteljährlich 2, Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 15 Pfg.

M 32. Smistag, den 19. April 1919. 70. Jahrgang.

Ostergrnß

Nun übers Meer auf frohen Schwingen Der Vogel nach der Heimat strebt, Nun durch die Welt mit süßem Klingen Das Lied vom jungen F ühling schwebt;

Nun überall die Keime sprossen, Zum Licht erweckt aus Nacht und Tod, Ach. nun uns Gottes Herz erschlossen Und ew'gen Lebens Morgenrot

O sagt, was bleibt uns noch zu sorgen Als dies: daß froh und kindbewußt Beim Herrn wir suchen jeden Morgen Zu treuem Wollen Kraft und Lust?

Daß wir in Gottes Hände legen Still alle Sorge, Lieb und Leid, Bis er des ew'gen Lenzes Segen Uns beut in jener Herrlichkeit?

Und ob der Tod mit dunklem Flügel Uns drohend übers Herz noch fliegt Getrost, es schwebt um alle Hügel Der Ostergruß: Das Leben siegt!

Paul DeliuS.

Ostern.

I Wohl noch niemals war die gedank iche Verknüpfung imtschen dem geistigen Gehalte des Osterfestes und den zeitgeschichtlichen Erscheinungen schwieriger als gegen» lvärtto. Ostern ist doch das Fest der Auferstehung und lineS neuen Werdens, das Fest über dem das Morgen- lot der Hoffnung strahlt; trostvoller Glaube und frohe kuversicht sprechen aus den Worten der Osterbotschaft iu uns, und alles an diesem Feste weist-.^swärt» und vorwärts, weist uns den Weg zu einer schöneren und lichteren Zukunft. Hierzu aber wollen die Dinge der Gegenwart so ganz und gar nicht passen. Oeb und grau, tröst- und hoffnungslos starrt uns ihr Bild entgegen. Es läßt sich anscheinend keine schrillere Diffonanz denken als diejenige, die zwischen der Osterfreude und den Zuständen, unter denen wir gegenwärtig seufzen, klafft. Ein geistvoller Russe, der Gelegenheit hatte, die Not seines Volkes aus der Nähe zu beobachten, hat kürzlich von den Wirkungen des Bolschewismus gesagt:Es ist eine Bartholomäusnacht im großen, die fhre Todesschatten über Rußland niedersenkt." Noch sind wir in Deutschland, Gott sei Dank, nicht ganz so weit, aber doch wahrlich nahe genug daran, und wer weif, ob uns nicht bald die furchtbare Welle «rfaßt, die uns vollends in den Abgrund ntedeisHmettert. Wo bleibt da, so fragen wir nochmals, die Brücke der Gedanken zwischen Ostern und der Wirklichkeit deS uns umgebenden Lebens? Und doch sie ist vorhanden.

Die Träger des Revolutionsgedankens rühmen und

Bergmanns Tsehterlein.

Roman von Martin Förster. 8 (Fortsetzung.)

Das wäre mir sehr angenehm, Herr Wiedemann", sagte der Verwalter augenscheinlich erleichtert.

Ich müßte aber noch heute abend diese Plakate auschlagen lassen, daß die Leute sie morgen früh lesen. Denn sie eS in der vorgeschriebenen Zeit erfahren, können sie sich nicht beschweren.Alles klipp und klar!" war stets mein Wahlspruch. Macht hiervon zwei deutliche Abschriften und dann wollen wir sie selbst heute abend aufhängen."

Wann?"

Trefft mich um neun Uhr an der Einfahrt in den Herrenschacht."---

Fast drei Wochen waren seit dem Abend verflossen, an welchem Konrad Wiedemann und sein Verwalter die Bekanntmachung erließen, daß nach Verlauf von vierzehn Tagen für gewisse Arbeiten Lohnverände- rangen vorgenommen werden sollten.

Die Seüht hatte viel böse« Blut gesetzt. Ein Arbiter «ach dem andere« war zur Einfahrt gekommmen, und diejenigen, welche lesen konnten, hatten ihren weniger gelehrten Gefährten den Inhalt der angehesteten An­zeigen mitgeteilt.

Und welche Aufregung hatte dies hervorgerufen. Die Bergleute hatten von Konrad Wiedemann schon zu viel Gewalttätigkeiten erfahren, um diesen Akt der Willkür mit Gleichmut hinzunehmen.

Der Streik wurde einstimmig beschlossen und nach Ablauf der festgesetzten vierzehn Tage holten die Leute ihre Werkzeuge au» dem Schacht herauf.

Seitdem war fast eine Woche vergangen, und weder

preisen das Neue, eben weil es ein Neuer ist. Für sie ist ja auch Ostern nur ein Frühlingsfest, und eben deshalb die Analogie zwischen dem Neuen in der Natur und dem Neuen in der Menschheitsgeschichte mit spielen­der Leichtigkeit gegeben. Uns Christen will dieses Gedankenfpiel reichlich flach, wo nicht absurd erscheinen. Nicht auf die Form als solche kommt er doch an, sondern auf den Inhalt, den sie in sich birgt, auf den Geist, der sich die Form für seine Auswirkung als Gefäß erwählt hat. Woher aber sollen wir den Geist nehmen, der uns zu wirklich neuen, dauernden und höheren Organisationsformen menschlichen Gemeinschafts­lebens führt. Den kann uns nur das Kreuz, auf Golgatha und das offene Grab des Ostermorgens geben.

Darin liegt ja der Grundfehler des Sozialismus, daß er die warme, lebendige Menschenseele und das .Wirken der Persönlichkeit aus seiner Rechnung ausschalten und alles unpersönlichen Mächten überlasten zu können glaubt. Daher der grandiose Widerspruch, daß man durch den Klrffenkampf zu einer klassenlosen, durch die ständige Predigt von Haß und Neid zu einer auf alt­ruistischen Gefühlen beruhenden und nur durch sie zu erhaltenden Gesellschaft gelangen zu können vermeint. Der Christ denkt umgekehrt und eben darum richtig. Erst die Menschen, dann die Zustände. "

EwigkeitSkräfte, Kräfte, die allein uns fähig machen, in dem Wirrwarr und der Trübsal unserer Zeit unsere DiesseitSaufgaben zu erfüllen, strömen von dem mit gläubiger Inbrunst ergriffenen Bilde deS gekreuzigten und auferstandenen Heilands aus. Die Märtyrer der ersten Christenzeit, die Glaubenszeugen der Reformation, die Puritaner und viele andere, in denen sich der christliche Geist eine besonders starke und eigenartige Ausprägung geschaffen hat, sind usz Zeugen dafür. Bismark hat einmal gesagt, er würde sein Leben wie ein schmutziges Hemd forttun, wenn er nicht von jenem lebendigen Christenglauben beseelt wäre, für den uns das Osterfest Siegel und Bürgschaft ist. Darin liegt auch für uns die Gedaakenbrücke zwischen dem traurigen Dunkel der Gegenwart und dem all« Zeiten überstrahlenden Glänze der Osterbotschaft. Der fromme Dichter von Dreizehnlinden, Friedrich Wilhelm Weber, hat einst seinem Sohne die Zeilen gewidmet:

Wenn längst ich schlafe unter Friedhofslinden,

So sollst du dies bewahren im Gedächtnis

Als müner Liebe teuerstes Vermächtnis:

Es ist in keinem Heil als nur im Kreuz zu finden."

Wir schließen uns diesen Worten von ganzem Herzen und aus vollster Ueberzeugung an und grüßen mit ihnen das Osterfest des Jahres 1919, des ersten Jahres der Revolution. Es ist in keinem Heil, als nur im Kreuz zu finden.

der Besitzer noch die Arbeite* hatten den Versuch gemacht, eine Verständigung Herbeirufähren. Der erstere hatte öffentlich erklärt, daß er die Leute durch Hunger zur Arbeit zwingen würde und nicht daran dächte, auch nur ein Titelchen von seiner Forderung abzulaffen.

Und die Bergleute ihrerseits waren ebenso hart­näckig. Bet der Versammlung in einem der DorfwirtS- Häuser war der einstimmige Beschluß gefaßt worden, nicht wieder in dem Herrenschacht zu arbeiten und so den Besitzer zur Nachgiebigkeit zu zwingen. Konrad Wiedemann war schon seit langer Zeit durch seinen Geiz und seine kleinlichen AuSnutzungSversuche ein ge- fürchteter und unbeliebter Vorgesetzter gewesen. Hetzt wurde er geradezu verhaßt, und man stieß heimlich und öffentlich Verwünschungen gegen ihn aus, die wohl geeignet waren, Besorgnis zu erwecken. So stand»n die Sachen, als da» dunkle Gerücht sich verbreitete, daß einige Männer Verräter an ihren Kameraden geworden seien und heimlich in dem Schachte arbeiteten, indem sie bei beginnender Dunkelheit abends hinein- führe« und morgens im Maschinenhaus« Ihr« Kleider wechselten, um der Entdeckung z» entgehen.

Diese Nachricht wirkte wie ein Funke im Pulverfaß. Die Wut der Streikenden kannte kein« Grenzen, und sofort am nächsten Abend begab sich ein Trapp ent­schlossener Bergleute nach dem Herr«uschacht, um die Wahrheit dieser Gerüchte« zu prüfen.

Einzeln erreichten sie ihren Bestimmungsort und verbargen sich dort hinter den ansgestellten Rinnen und Schirmen, Stangen oder Balken. Einige zogen sich katzenartig zusammen und krochen in leere Tonnen, aber jeder konnte genau die Stelle beobachten, wo die eisernen Kasten zur Einfahrt bereit hingen. Eine

Verteilung und Beschaffenheit der Anslands« leden-mittel.

Die in Rotterdam eingetroffenen ersten Lebens» mittelsendunges, die durch die Entente geliefert werden, werben nach einem Schlüssel verteilt, der die am meisten notleidenden Bedarfsgebiete, also die großen Städte und die Industriegebiete, in erster Linie berück­sichtigt. Ihre Belieferung wird je nach dem Eintreffen der Ware nacheinander erfolgen. Die anderen Bezirke werden danach beliefert. Die Behörden werden sich die schnellste Verteilung der zur Verfügung stehenden Mengen angelegen sein lassen, doch muß damit gerechnet werden, daß Verladung, Transport und Ausladung einige Zeit in Anspruch nimmt.

Hinsichtlich der Beschaffenheit des gelieferten Schmalzes und der Kondensmilch haben die durch die geschäftlichen Vertreter der zuständigen Reichöeinfuhr- stelle vorgenommenen Untersuchungen bargetan, daß wir «S soweit dies aus Proben überhaupt festgestellt werben kann mit durchaus guten und gesunden Waren zu tun haben. In dem Gutachten über die Proben, die aus den verschiedenen Ladungen an Kondensmilch entnommen sind, heißt es:Das Aussehen der Dosen war sauber und blank mit gefälliger Aufmachung, die Milch fett im Geschmack, ohne Berdickung und vollkommen gesund."

Ein bedeutender Teil deS Speisefetts wird in chinesischem Schmalz geliefert werden, das in Deutsch­land vor dem Kriege kaum gehandelt würbe. Es ist in der Farbe unansehnlich und schmeckt wegen der in China üblichen Fütterung der Schweine mit xisch- abfällen etwas tranig. Die Annahme diese» Schmalzes konnte nach dem Wortlaut des VortrageS von Spaa nicht verweigert werden. Die Engländer haben jedoch erklärt, daß sie ihre Zivilbevölkerung während des letzten Kriegsjahres wesentlich mit diesem Schmalz versorgt hätten, und daß ei anstandslos genommen worden sei. Die Ware ist jedenfalls als gesund anzusprechen. Als Brotaufstrich ist das Schmalz ver­wendbar, wenn es vorher mit Zwiebeln und Kartoffeln umzebraten wird. Das wird in den einzelnen Haus­haltungen geschehen können. Für Koch- und Backzwecke ist das chinesische Schmalz ohne weiteres zu ver­wenden.

Deutsches Aeich.

Zur Einführung der freien Nahrungsmittelwirt- schaft hat sich ein Hauptausschuß gebildet, dem bereits 65 Verbände und viele Großfirmen und Einzelpersonen der Nahrungsmittelbranche beigetreten find. Am 10. und 11. Mai soll ein erster Vertretertag in Berlin statt- finben, auch sind große Kundgebungen, so auch auf der Leipziger Messe, geplant.

Berlin. Palmnüsse für Deutschland! Bei den Verhandlungen mit den Fanzosin in Rotterdam über

Stunde verging und nicht» ließ sich blicken. Es trennten keine Lichter am Rande de» Schachtes, aber die Sommer­nacht verbreitete genügende Helle, um jeden erkennen zulassen, welcher sich etwa den Kasten näherte.

Noch eine halb» Stunde, dann wurde die Stille unterbrochen. Zuerst hörte man Stimmen, dann das Stampfen von schweren Stiefeln aus den eisernen Platten, welche vor dem Eingang den Boden bedeckten.

Seid still, Kameraden," flüsterte einer der Ver­borgenen'Es ist nur der Alt« und der Verwalter. Wartet, bis die andere« komm««."

Der Sprecher, noch ein junger Mann, besaß engen» scheinlich eine Autorität über die anderen. Man ge­horchte ihm unbedingt. Wieder verginge« einige Minute« und dann klapperten eine Auzahl Holzschuhe über die klirrenden Platten bi» dahin, wo der Besitzer mit seinem Verwalter stand.

Seid Ihr all« da?" hörten die Bergleute in ihrem Versteck Diedrich sagen.

Wir find unserer acht," war die Antwort.

Zündet die Fakel« an, Diedrich!" rief Wiedemax«, und laßt sie sofort einfahren, ich werde euch im Maschinenhaus« erwarten."

Sie der Verwalter ein Streichholz anzündete und die Fackel, welch» Her dem Eingang des Schachte» hing, hell axffl«ck»rt», sprangen di» »«rborgenen Bergleut» hervor und stürzten insgesamt nach der Esi.fahrr.

AaS wollt Ihr?" störte der Besitzer erbleichend, als er sich ummantle und sich etwa zwanzig Streikenden gegenübersah.

Wir wollen diese Männer an der Arbeit hindern," sagte der Sprecher von vorhin in finsterem, trotzigen Tone. (Fortsetzung folgt.)