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mit „Amtlichem Kreisblatt"
Telefon 65
Wochenbeilage: Illustriertes Sunntagsblatt.
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Erscheint LUittwoch und Samstag — preis mit „Areisblatt vierteljährlich 2,— Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 20 Pfg.
M75.
Mittwoch, den 17. September 1919.
70. Jahrgang
Amtliches.
J.-Nr. 7557 K. A. Der Kammerjungfer Johanna Wahl, ist für 25-jährige ununterbrochene Dienstzeit bei der Freifrau von Stumm — Schloß Namholz — eine Prämie von 25 Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden.
Schlächtern, den 11. September 1919.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I von Trott zu Solz.
s J.-Nr. 7634 K. A.
r M Samstag den 20. Sept. d.As. M vormittags 9 Uhr I findet in Schlächtern an der Stadthalle - feine Ziegeubockköruug statt. Zu dieser smo nur die Böcke vorzuführen, deren Ankörung ^erstmalig gewünscht wird.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, auf vor- ß stehende Bekanntmachung wiederholt in ortsüblicher Weise (Schelle rc.) in ihren Gemeinden aufmerksam k zu machen.
Schlücht.rn, den 15. September 1919.
. Der Landrat.
Volksabstimmung in Süd-Ostpreußen.
Nach dem Friedensvertrag soll durch Volksab- i stimmung entschieden werden, ob der Regierungsbezirk Allenstein und der Kreis Oletzko bet Deutschland : bleiben oder an Polen fallen sollen. Stimmberechtigt - sind alle übir 20 Jahre alten Personen beiderlei Geschlechts, die entweder im Abstimmungsgebiet ansässig oder in ihm geboren sind. Die Zahl der letzteren ist bet dir starken Abwanderung aus diesen ‘ Gebieten in den letzten dreißig Jahren eine außer- . ordentlich hohe und dürfte 60 000 überschreiten. Von verschiedenen Stellen im Reich ist die Frage der Rückführung in der Tagespresse erörtert worden; zahlreiche Körperschaften sind auch bereits an die praktische Aus- sührung herangegangen. Diese Bestrebungen müssen alle zusammengefaßt und vereinheitlicht werden, da nur eine geschlossene, einheitliche Organisation imstande sein kann, das Problem zu lösen. Diese Stelle ist bereits vorhanden in der BczirkZstelle Allenstein des ostdeutschen Heimatdienstes, die seit Wochen nach einem großangelegten Plan die Arbeit ausgenommen hat. Sie arbeitet zusammen mit den großen Verbänden der Masuren im rheinisch westfälischen Jndustriebezirk, wo neun Zentel aller Abgewanderten ansässig sein dürften, und mit den Vereinigungen, die sich mit der Lösung der Ostfragen beschäftigen, insbesondere dem Deu schen Schutz verband für Grenz- und Ausländsdeutsche. Die Beförderung soll kostenlos erfolgen, außerdem sollen Unterkunft und Verpflegung sichergestellt werden, eine angemessene Entschädigung für diejenigen, die durch die Abstimmung Ausfälle an ihrem Einkommen haben, ist in Au-ficht genommen.
Deutsches Reich.
— Berlin. (Die Vorbereitung der Wahlen.) Nach' einer weiteren Meldung der „Voss. Zeitung" hängt die Vornahme der Neuwahlen des Reichspräsidenten und des Reichstages von der tunlichst zu beschleunigenden Verabschiedung besonderer Wahlgesetze ab, die möglichst schnell der Nationalversammlung vorgelegt werden sollen.
— Versailles, 12. September. Der Oberste Rat der Alliierten hat in seiner gestrigen Vormittagfitzung die Antwort auf die deutsche Note betreffend Artikel 61 der Retchsverfassung festgestellt. Der Text wird jedoch erst veröffentlicht werden, nachdem die deutsche Regierung davon Kenntnis genommen hat. „Temps" glaubt, daß die Note noch heute abend der deutschen Friedensdelegation in Versailles überreicht werden könne. Das Blatt sagt, die Alliierten würden die Darstellung der deutschen Regierung nicht annehmen und den Grundsatz der Ausmerzung des Artikels 61 aufrecht- erhalten.
— Frankfurt a. M. (Die Gefangenen Heimkehr.) Die Kriegsgefangenenfürsorge teilt mit: Die in Frankfurt a M. geführten Verhandlungen haben zu dem Ergebnis geführt, daß vom 17. September ab täglich 2000 Mann der in amerikanischen Hand befindlichen Gefangenen ausgeliefert werden.
— Bell n. Die Reichszentralstelle für Kriegs- und Zivilgefangene teilt mit, daß der Abtransport der in amerikanischer Hand in Frankreich befindlichen Kriegsgefangenen bereits am 13. September beginnt. -Die ersten Transporte werden der Reihe nach den Durchgangslagern Wetzlar, Gießen, Rastatt, Limburg, Mannheim zugeführt.
— Berlin. Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Vereine vom Roten Wer»- hat durch das internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf einen Aufruf an die Gesellschaften vom Roten Kreuz in den Ententestaaten und in den neutralen Ländern gerichtet, in dem es heißt: „Lange Zeit wird eS dauern, bis all die Tausende von Kriegs und Zivilgefangenen wieder in den Schoß ihrer Familien zurückgekehrt sein werden. Im Namen der Menschlichkeit richten wir an alle Schwcsterorgantsatiouen den Ruf: Helft mit am Werke der Befreiung und beschleunigt es mit allen Euren Kräften! Nehmt Euch all derer hilfreich an, die sich gedulden müssen, denen das Licht der Freiheit und der Heimat noch in der Ferne leuchtet! Helft auch, wie wir gemeinsam uns bisher geholfen haben."
— Die Folgen eines deutschen Zusammenbruchs. „Daily Herald" schreibt in einem Leitartikel, die Gefahr des ZusammenbrucheS Deutschlands sei zugleich eine Gefahr für England. Die Lage in Deutschland sei ein Teil der Lage in Europa und daher auch der in England. Deshalb dürfe man nicht das Ziel verfolgen, den Zusammenbruch Deutschlands zu fördern, indem man
die deutschen Arbeiter, die deutschen Frauen und Kinder mit beiden Händen an der Kehle würge, sondern man müsse ihnen helfen, sich nach ihrem Zusammenbruch zu erholen, damit sich die Lebensmittel- Transport-, Kohlen- und die Finanzlage in der Welt bessere, und damit vor allem ihre geistige und moralische Verfassung sich vom Zerstören dem Schaffen zuwende. Eine gewisse Gruppe von „Patrioten" erwarte und hoffe anscheinend, daß Deutschland in den Staub sinke. Ein solches Deutschland werde aber ein* neues menschlich totes Gewicht sein, welches an dem Kopfe der friedlichen Welt hänge, die sich bemühe, das Vergangene wieder- gutzumachen und vorwärts zuschretten.
— Auf dem Wege zur Akkordarbeit. Bei den Tarifverhandlungen dringt jetzt stellenweise die Ueberzeugung durch, daß es nicht ohne die Verknüpfung von Arbeitszeit und geleisteter Arbeit weitergehen kann. Bei Tarifverhandlungen in der Chemnitzer Wirkwarenindustrie ist dieser Gedanke neuerdings so scharf zum Ausdruck gekommen, daß man schon vom verkappten Akkordlohn sprechen kann. Volkswirtschaftliche Erkenntnis muß schließlich jedem nicht vollkommen verhetzten Arbeiter sagen, ,daß der Unternehmer ihm nicht einen Blankowechsel auf die Arbeitszeit zu einer bestimmten Leistung I geben kann, sondern daß er in möglichst scharfen Umrissen sehen muß, wieviel Zeit zu einer bestimmten Verrichtung notwendig ist, und wo das Grenzgebiet zwischen Leistung und Trägheit liegt. Ohne diese Klarstellung wird unsre Volkswirtschaft kaum wieder zu ihrer frühern Leistungsfähigkeit emporgebracht werden können. — Freitagnachmittag fanden im Retchsarbeits- ministerium unter dem Vorsitz des Reichswtrtschasts- ministers Schmidt in Anwesenheit des Eisenbahnministers Oeser Verhandlungen zwischen den Eisenbahnarbeiter- gewerkschaften und den beteiligten Ministerien über die Frage einer Steigerung der ArbeÜÄerstruML in den Eisenbahnwerkstätten statt. Von der Regierung wurde betont, daß die Kohlenversorgung und die Aufrechterhaltung der Industrie augenblicklich von dieser Steigerung vollständig abhängig sei. Eine Abhilfe erblickt die Regierung in der Einführung der Akkordarbeit. Die Gewerkschaftsführer hingegen versprachen sich von der Einführung der Akkordarbeit keinen Vorteil ; sie hielten die technischen Schwierigkeiten für zu groß. Nachdem aber von der Eisenbahnverwaltung die Zu- sicherung gegeben war, daß die Tarifverhandlungen sofort beschleunigt werden sollten, erklärten sich die Gewerkschaftsvertreter bereit, die Verhandlungen weiter« zuführen. Sie sollen am Freitag dieser Woche fortgesetzt werden, um den Gewerkschaften Gelegenheit zu geben, im eignen Kreise die Frage zu erörtern.
— Die Einfuhr von Schweinen aus Deutschland nach Belgien ist verboten worden.
— Tür früheren Kronprinzessin ist vom Staate als ständiger Wohnsitz Schloß Oels zugewiesen worden.
Bergmanns Ssetzterlein
Roman von Martin Förster.
(Fortsetzung.)
„Natürlich!" fuhr Albert auf. „Was glaubtest ■ Du sonst? Ich habe mein Geld, weiß Gott, nicht auf der Straße aufgelesen, und kann mich nicht so leicht über solchen Verlust hinwegsetzen."
„Das ist sehr hart Onkel. Ich habe mir so viel | Mühe gegeben! Für ein solches Unglück kann niemand."
„Möglich. Aber es ist eine große Summe, die ich verliere, und ich kann es nicht so leicht überwinden. Außerdem scheint nicht die geringste Aussicht vorhanden, die infamen Schurken zu ergreifen. Hast du keine Ahnung, wer die Männer sein können?"
„Eine Ahnung wohl," sagte Hermann langsam und lauernd. „Aber natürlich könnte ich nicht darauf schwören."
„Wen meinst Du ?" fragte der Onkel, indem er heftig ucn seinem Stuhl aussprang.
„Ich habe schon gedacht, daß, wenn Vilmar heute morgen statt meiner zur Bank gefahren wäre, man ihn licht beraubt haben würde."
„Warum, meinst Du?"
--Weil, ich mag natürlich Unrecht haben, aber ich mlde mir ein, daß die Räuber nur den Diebstahl hin Um m^ ins Unglück und Ungnade zu
„Wie soll ich das verstehen. Was meinst Du? Erkläre Dich näher."
„Ich weiß, daß einige von den Bergleuten mich utcht leiden können. Wie, wenn der Raubansall das Resultat eines niedrigen Komplotts gegen mich wäre?"
„Unsinn!"
|3 „Möglich, daß es Unsinn ist. Aber ich glaube des dennoch," beharrte Hermann.
„Aber wenn Du dies glaubst, mußt Du auch im stande sein, es zu beweisen. Wer sind die Leute, die Du beargwöhnst?"
„Zuerst und vor allen der junge Bergmann Franz Degow."
„Was? schrie der andere in heiserem Tone un mit einem boshaften Aufblitzen der Augen. „Warum hast Du ihn im Verdacht?"
„Das ist doch naheliegend genug. Wir beide lieben Jutta Sachse, und wenn er auch vorläufig gesiegt hat, fürchtet er doch wohl noch meine bevorzugte Stellung. Mädchen sind so wankelmütig. Für ihn kann es nur vorteilhaft sein, wenn es mir schlecht geht."
„Wenn Du es nur beweisen könntest, Hermann, daß dieser Degow dabei war. Beweise, Junge, Beweise ! Und ich könnte alles für Dich tun!" rief der Minenbesitzer leidenschaftlich. „Bringe ihn ins Gefängnis und Du sollst die Stelle des Kassierers haben."
Der junge Mann starrte den Onkel an. Da er über die Gesühle desselben vollkommen im Unklaren war, konnte er diesen Ausspruch nicht begreifen."
„Was hast Du gegen Degow, Onkel?" fragte er.
„Nun, ist es nicht genug, daß er Dein Nebenbuhler ist?"
Hermann lächelte ein wenig ungläubig. Dieser Beweis von verwandtschaftlicher Zärtlichkeit war ihm neu.
Albert Diedrich bemühte sich auch schleunigst, den Eindruck sUncs UebereiferS zu verwischen, indem er in scheinbar gleichgültigem Tone hinzu fügte: „Mir liegt alles daran, diese infamen Schurken zu fassen. Hast Du also Verdacht, so sprich ihn offen aus."
„Natürlich. Es ist leider nur ein leiser Verdacht."
„Du hattest wohl vorwiegend Gold?M
„O nein, es waren auch ein paar Hundertmarkscheine dabei."
„Aber wozu Hundertmarkscheine?"
„Weil aber wenig bares Geld da war und schließlich hätte ich die Scheine für die Akkordabeiter ganz gut aerwenden können."
„Hast Du vielleicht daran gedacht die Nummern zu notieren?"
„Ja, hier sind sie. Willst Du so gut sein, sie ab- zuschretben? Die eine Nummer ist 3621 und die andere 3631."
„Das könnte vielleicht einen Anhalt geben," meinte der Onkel befriedigt, während er die Nummern in sein Taschenbuch schrieb. „Wir müssen sie sogleich der Polizei mitteilen.
„Das dachte ich auch," erwiderte Hermann, „ich will noch gleich auf die Polizeistatton."
„Ja, tue das! Es ist von großer Wichtigkeit!"
„Ich will fort gehen," sagte Hermann, indem er sich erhob und gleich darauf das Herrenhaus verließ.
Einige Stunden später saß der junge Diedrich in seiner eigenen behaglichen Mietswohnung und ließ dem vor ihm ausgebreiteten Mahl volle Gerechtigkeit widerfahren, denn infolge der aufregenden Ereignisse des Tages hatte er seit dem Morgen nichts zu sich genommen, und nun war es nahe an sechs Uhr.
Dieser Tag war einer der schwierigsten seines Lebens gewesen.
(Fortsetzung folgt.)