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Anzeiger für Öte amtlichen Bekanntmachungen im Kreise 8chtüchtern

st riT^ frei Haus, vorauSzahlbar A 9 (durch die Post ohne Bestellgeld). 9 MjnwochS und Samstags. Druck u. Ä M Hohmetster, verantwort!. L. Hohmeister, 8 Fernruf 65. Erfüllungsort für den & K Geschäftsverkehr mit der Firma

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Schluchterser KreisUatt

und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gericht-

Aeltefte Zkituug im Kreise; gegründet im Jahre 1849

^ng^ Zahlkarte Frankfurt a/M.

Beilagen: Illustriertes Sonntagsblatt (uuw

Amtliche Beilage (Kreisblatt).

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Samstag, den 18. Oktober 1919

70. Jahrgang

Zwangswirtschaft und Schleichhandel.

xer Schleichhandel und die Hamsterfahrten sind «bleibliche Folgeerscheinungen der Zwangsbe- Mastunz. Bei den Kartoffeln begann dieserschad- e Ersatz" eines direkten freien Geschäftsverkehrs en Erzeugern und Verbrauchern schon in den ersten llviberwochen, trotzdem da die Belieferung mit effetn eine befriedigende war, und für die erversorgung geeignete Kartoffeln damals noch nicht zu haben gewesen sein können. In einer An- die der Abg. Dr. Roesicke an die Reichsregierung üt hat, wurde diese treffend darauf hingewiesen, mv.rfiändig viel von der so knappen Arbeitskraft, mg,' Geld usw. durch diese Hamsterfahrer ver- werde. Jeder ron ihnen müsse 12 Arbeitstage hie so nötige Nachtruhe opfern, Schleichhandels- ( und teueres Fahrgeld, sonst weit besser zu ver­ende Muskel- und Nervenkraft bei dem Herbei- m der Früchte auf versteckten Fußwegen und libnfüllten Etser.bahnzügku opfern, und das alles um bestenfalls 7,-1 Zentner Kartoffeln einzu- sen. Die gleiche Menge, welche von 500 Menschen die mühevolle' und kostspielige Weise unter Jnan- nahme des Raumes eines ganzen Eisenbahnzuges der Stadt gebracht würde, könnte im offenen in einem Güterwagen dorthin geschafft werden, jenen erwähnten Opfern der Hamsterer an Ar- kraft usw. würden also auch für die Eisenbahn vermehrte Aufwendungen an den so knappen Mitteln verursacht, also an Dingen. t denen halten, für die Allgemeinheit dringendste Not- igkeit sein sollte.

Das einzig zuverlässig wirksame Mittel zur Bc- gung dieser offensichtlich vielseitigen Schädigungen de eine Beseitigung der Zwangsbewirtschaftung Durch Aufrechterhaltung behördlicher Lieftrungs- liffe in Kartoffeln könnte Sicherheit gegen hier da etw« aufiretenben lokalen Mangel geschaffen die Möglichkeit gewährt werden, preisregulierend Wirken.

? Adg. Dr. Roesicke fragt die Reichsregierung, ob sie h den geschilderten Vorgängen Kenntnis genommen h und ob sie nicht gedenke, die schweren Nachteile er Zustände für unsere ganze Volkswirtschaft zu beseitigen, indem sie die Voraussetzung jener, die Amngsbewirtschaftung der Kartoffeln, ausschalte.

Deutsches Reich.

M - Das neue RUchswappen. Das neue Reichs- Wn, obwohl nach dem Zoeplerschen Entwurf einen

Bergmanns Tochterlein

Roman von Martin Förster.

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(Fortsetzung.)

I Als die sich als zwecklos erwiesene Versammlung Mßeinender ging, wurde es zu allgemeinen Befremden MMkt, daß die beiden Letztgenannten nichts mehr einander zu beraten hatten, font ein so ruhig und "WchgWg auseinander gingen, als sei nichts ror- ' Müllen.

1 | Die Arbeiter und Dorfbewohner waren doch aufs Reifte überrascht. Bis zum letzten Moment hatte Wn an eine Aufklärung des rätselhaften Falles, an Wegows Wiedererscheinen geglaubt. Nun keins von mden erfolgt war, hatte selbst Franzens wärmste ^Hänger Mühe, ihn zu verteidigen und die eigene ästige Ansicht über ihn festzuhalten. Die meisten «edauerten tief, sich in ihrem Vertrauere getäuscht zu und die öffentliche Meinung tat ihn in Acht und Bann.

7 Albert Diedrich war seinerseits fest überzeugt, daß i^nz zu den Dieben in Beziehung stand. Er froh­ste aufs äußerste über seines Widersachers Niederlage glaubte, da sein Neffe seiner Ansicht nach nicht in Rtrcdjt kam, nun in Bezug auf die schöne Jutta Alwonnencs Spiel zu haben.

..Die gemachte Erfahrung war für sie nicht allem ichmelzlich, sondern im höchsten Grade demütigend. Liebhaber hatte sie getäuscht, hatte Schmach und MMde über sie gebracht. Würde - mußte sie nun . W mit tausend Freuden die Gelegenheit begrüßen, «em Unwürdigen ihre Verachtung zu zeigen und sich j y -ine Stellung zu schaffen, die sie plötzlich aus Riet Erniedrigung über den ganzen fte umgebenden

kläglich gerupft aussehenden Adler darstellend, findet nicht den Beifall desVorwärts". Er ist der Meinung man hätte unbedingt den Adler als Wappentier über­haupt beseitigen müssen, ob man ihn schon seit der Oltonenzeit führe oder nicht. Man müsse ein besseres Symbol haben. In letzterer Beziehung hat der Vor­wärts vielleicht nicht unrecht. Symbol für die jetzige Zeit ist nicht einmal ein gerupfter Adler. Eine Ballonmütze oder vielleicht auch eine Badehose wäre ohne Frage beziehungSreicher.

Unsere Truppen im Baltikum unter v. d. Goltz weigern sich zurückzukehren, sie wollen vielmehr mit russischen Truppen gemeinsam gegen den Bolschewismus vorgehen. Sie haben Riga genommen und sollen mit 20 000 Mann einen Angriff gegen die Letten unter­nommen haben. Die Entente will das nicht und hat bereits eine Drohnote an unsere Regierung gerichtet und über das Ostseegebiet die Blockade verhängt. Was wird noch alles kommen?

Die Neuregelung der Zuckerpreise. Der Verein der Zuckerludustrie hatte an das Reichswirtschafts- ministerium eine Eingabe gerichtet, in der die Forder­ung erhoben wurde, den Rohzuckerpreis für 1919/20 unter Zugrundelegung eines RübenpreiseS von 6 Mark für den Zentner auf 65 Mark für den Zentner festzu- sltzen. In einer Sitzung des Reichsrates ist nun kürzlich zu diesen Anträgen Stellung genommen und der Beschluß gefaßt worden, nur einen Preis von 51 Mark für Rohzucker und 73 Mark für Raffinaden pro 50 k£ festzusctzen.

Der Wirtschaftsrat. Ueber die Kompetenzen des vorbereiteten Wirtschaftsrates erfährt dieDeutsche Allg. Ztg.", daß er alle die Rechte haben soll, die in der Verfassung für den endgültigen ReichSwtrtschast- rat vorgesehen find. Soziale und wirtschaftspolitische Gesetzentwürfe sollen, bevor sie bet der Volksvertretung eingebracht werden, dem Reichswirtschaftsrat vorgelegt werden, umgekehrt hat der vorbereitende Reichswirt- schaftsrat das Recht der Initiative, er selbst kann Gesetzentwürfe der genannten Kategorie bei der Volks Vertretung einbringen. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Regierung und Reichswirtschaftsrat hat dieser das Recht, sich unmittelbar mit der Nationalversamm­lung ins Benehmen zu setzen.

Die Viehabgabe an die Entente. Laut Bekannt­gabe der Landwirtschaftskammern entfallen aussen Regierungsbezirk Cassel zur Abgabe ungefähr 770 Pferde, 550 Schafe und 360 Ziegen und im ungünstigen Falle 2500 bis 3000 Stück Kühe. Als feststehend kann angesehen werden, daß Tiere von guter Mittel­

Kreis erhob? Mußte nicht ihr verständiger Vater alles aufbieten, um sie nach dieser Richtung hin zu beeinflussen ?

Diedrich war zu weit gegangen, um seinen Wün­schen entsagen zu können. Seine Liebe für das Mädchen war mit den Hindernissen nur gewachsen und hatte sich zu einer Leidenschaft gesteigert, welche glaubte alle Schwierigkeiten üderwinden zu können.

Am Abend des Tages, an welchem Franz Degows Verschwinden bekannt wurde, ging Albert Diedrich auf dem schneebedeckten Wege nach Sachses Häuschen. Er fand den Unteraufseher-zu Hause, aber allein.

Nun, Sachse, was haltet Ihr jetzt von Eurem Schützling?" begann er, während er seine frierenden Hände am Ofen zu erwärmen suchte.

Was soll ich von ihm halten?" war die aus­weichende Antwort.

Der Besucher lachte höhnisch.Da bleibt nichts zu wollen", sagte er Händeretbend. »Er ist schuldig. Seht zu, ob ihr ihn noch Verteidigen könnt."

Wird mir wohl schwer fallen, Herr Diedrich," meinte Sachse gelassen.

Vielleicht sah er keine Aussicht, seine Unschuld beweisen zu können. Und wenn er es nicht tun konnte, dann hätte er nach meiner Ansicht ins Gefäng­nis wandern müssen. Jedenfalls recht hübsch von ihm, Euch und seinen vorzüglichen Verteidiger mit den tausend Mark reinzulegen."

Sachse zuckte die Achseln, ließ sich aber trotz aller Bemühungen des anderen nicht bewegen, eine Ansicht zu äußern.

Ich bedaure die ganze Geschichte mehr um Euret- als um meinetwillen, sagte dieser schließlich. Wie

qualität zur Ablieferung an die Sammelstelle, welche für den Bezirk Caffel die Stadt Frankfurt ist, ver­langt werden.

Dänische Fische für Deutschland. In der letzten Zeit war infolge der ungewissen Valutaverhält- Nisse der dänische Fischexport nach Deutschland ins Stocken geraten. Nunmehr wird, wir wir hören, eine dänische Abordnung nach Deutschland reisen, um mit der Neichsfischversorgungsstelle wegen Wiederaufnahme des Exportes zu verhandeln.

Versailles. Laut^Figaro" ist das vom König Georg aus England ratifizierte Exemplar des Friedens- vertrages Dienstag aus London in Paris eingetroffen. Das vom König von Italien unterfertigte Friedens- tnstrument erwartet man spätestens am Donnerstag am Quai d'Orsay. Bei Austausch der Ratifikationsur­kunden, wobei Frankreich durch den Minister des Aeußern Pichon vertreten wird, werden auch die kleineren Staaten vertreten sein, die jetzt ratifiziert haben, so u. a. Belgien und Polen.

Berlin. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts I wird zurzeit ein Prozeß gegen sechs Personen verhandelt, die anläßlich der Januarunruhen bet den Kämpfen um dasVorwärts-Gebäude von der bewaffneten Macht festgenommen worden sind. Das Gericht beschloß am Dienstag auf Antrag des Verteidigers, Scheidemann als Zeugen zu vernehmen und zwar über die Behaup­tung der Angeklagten, daß ihnen in einem Schriftstück der Schutz desVorwärts" anvertraut worden sei, und daß man sie als bewaffnete Macht anerkannt habe.

Berlin. U. S. P. als Hamsterer. Die B. Z. meldet: Bei einer Haussuchung im Berliner Zentral- bureau der U. S. P. D. wurden 20 bis 30 Kisten mittleren Umfanges kondensierter Milch und rationierter Mühlenfabrikate gefunden. Es wurde ferner festgestellt, daß auch Vorräte an Speck und Schmalz bis vor kurzem dort vorhanden gewesen sind.

Die Hrimkehreude«.

Limburg a. L.

Zug um Zug rollt in den Bahnhof, drei, vier, sechs am Tage. Ein einziger Jubelruf, unartikuliert, geschrien aus voller Brust, der Jubelruf endlicher Befreiung, nach den vielen Stationen des Leides die erste Station der Freude auf freiem deutschen Boden. Kein Zug trifft ein an dem nicht alte Reichsfahne schwarz weiß-rot, die meist die ganze Reihe durch Feindesland und besetztes Gebiet mitgemacht hat, weht. Die amerikanischen Begleitmannschaften nehmen die

verträgt es Eure Tochter? Schwer "genug, sollte ich meinen!"

Ja, sie hielt viel von ihm. Aber," fügte Sachse mit jchlauer Berechnung hinzu,sie wird sich zu trösten missen."

Laßt uns das hoffen!" rief Diedrich enthusiastisch. Natürlich, sie würde sich ja einfach lächerlich machen, wenn sie ihm jetzt noch nachtrauern wollte. Das Mädchen ist stolz."

Und ob!" meinte Sachse, setzte aber dann kopf­schüttelnd hinzu:Aber wer kann sich auf ein Frauen­zimmer verlassen? Sie überraschen einen stets."

Ja, wankelmütig sind sie," bestätigte der Minen- besitzer nachdenklich.Unsereins ist anders. Haben wir unseren Sinn auf ein bestimmtes Ziel gerichtet, so setzen wir alles daran, um das zu erreichen. Ein echter Mann wenigstens soll so sein, und ich bin einer von diesen. Sie erinnern sich meiner früher aus­gesprochenen Wünsche in Bezug auf ihre Tochter? Ich halte vollständig daran fest. Nun, was sagt Ihr dazu? Nicht jedem Mädchen wird unmittelbar auf eine empfindliche Demütigung eine so glänzende Aussicht geboten."

Mit triumphierender Mine blickte er dem Vater seiner Erwählten ins Gesicht, offenbar unter den Um­ständen einen überschwänglichen Dank erwartend. Zu seiner größten Enttäuschung entgegnete dieser jedoch mit völlig unbewegter Mine:Ich kann nur wieder­holen, was ich früher gesacht habe, Herr Diedrich. Meine Tochter hat absolut freie Hand, nach ihrem Gefallen zu wählen. Wenn Sie glauben, daß sie nach der Wendung der Dinge ihren Sinn geändert hat oder ändern wird, so müssen Sie sie noch einmal fragen."