chlüchterner Zeitung
Änzel^er für ?ffe amtlichen Bekanntmachungen im Breise Schlächtern.
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2 Mk., (durch dir Post ohne Bestellgeld). Erscheint Mittwochs und Samstags. Druck n. N-rlaa C. Hohmeister, verantwort!. L. Hohmepier, Fernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäftsverkehr mit der Firma Schlüchlern. ___________________________________
Schlüchterner Meisblatt
Aeltefte Zeltaug im Kreist; gegrÜHbet im Jahre 1849.
Anzeigen: kl. Zeile oder beten Raum 20 Psg., Reklamezeile 40 Pfg. Bei Betriebsst. k. Schadensersatz oder Mindergebühr einschl. Bezug». Keine Gewähr für Platz, Slufn.-Zrit und Beleglieserung. Kein Nachlaß bei geeicht« lichen ^wischenkssten. Zahlkarte Frankfurt a/M.
Beilagen: Illustriertes Sonntagsblatt (uug.)
Amtliche Beilage (Kreisblatt).
K 85.
rNittrvrch, den 22. COtteber 1919.
70. Jahrgang.
Amtliches.
m I Kartoffelversorgung.
2 * Wie wir hören, sind alle Gemeinden des Kreises, K »eiche Bedarf noch an Speisekartoffeln haben, bereit, V einen Preis von Mk. 9.— je Zentner zuzüglich 15 Pfg. Ansuhrprämie für jeden km bis zum Höchstsätze von Mk. 1 _ zu zahlen,und dieKreisverwaltnng hat hiergegen keine sEinwendung erhoben, daß solche Vereinbarungen schon netzt getroffen werden, bevor die zu erwartende neue khöchstpreisfestsetzuna bekannt gegeben wird. Eine solche Whöhung der Höchstpreise entspricht allen berechtigten Wuschen der Landwirte.
pl®: erwarten von unseren Mitgliedern, daß sie he ihnen auferlegten Pflichtlieferungen nach ihrem «Men Können restlos erfüllen, um an ihrem Teil da- zv beizutragen, daß die Lebensmittelversorgung des «^Weises sicher gestellt wird.
Schlüchtern, den 21. Oktober 1919.
—Wr zweite Vorsitzende des landwirtschasu. Kreisvereins.
■ Pretß.
■ g.^r. 12411. Die nachgenannten Personen sind Wjß der Bestimmungen der Schiedsmannsordnung 29. März 1879 zu Schiedsmännern bezw. Wiedsmannsstellvertretern gewählt und als solche ver- Wchtet worden und zwar:
a) zu Schiedsmännern:
M Kantor Freund in Schwarzensels,
■ Bürgermeister Aoam Sachs in Altengronau,
■ Lehrer Klauer in Weichersbach,
■ Landwirt Leander Kimmel in Züntersbach,
b) zu Schiedsmannsstellvertretern: Wmeinde-Nechner Heinrich Ullrich in Schwarzenfels, IWiudwirt Johann Adam Ditzel in Züntersbach, ^LiMwirt Andreas Hölzer in Altengronau, hchra Wämser in Weichersbach. mMchiüchtern, den 18. Oktober 1919.
IM Der Landrat. J. V.: Schultheis.
dJ J-Nr. 8009 K. A. Dem Fußgendarmeriewacht- tcher Ktelhorn ist für sein energisches Auftreten bei f, | Festnahme von 2 bewaffneten Hühnerdleben am Jpiai 1919 eine besondere Belohnung von Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden.
M Schlüchtern, 15. Oktober 1919.
, W Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.
| I Nr. 1300 V. Diejenigen Herren Bürgermeister W Gutsvorsteher, welche mit der Einsendung der
umgetauschten QuittungSkarten an die LandeS-Ver- sicherungsanstalt Hessen-Nassau zu Caffel im^ Rückstände sind, werden an deren alsbaldige Einsendung erinnert. Schlüchtern, den 15. Oktober 1919.
Der Vorsitzende des Versicherungsamts.
I. V.: Schultheis.
J.Nr. 12652. In Bad Brückenau, in ZeitlofS, Schondra und Einraffshof, Bezirksamt Brückenau, ist die Pferderäude festgestellt worden.
Schlüchtern, den 17. Oktober 1919.
Der Landrat. I. V.: Schultheis.
Bekanntmachung betreffend Einkauf von Flachs aller Arten.
Auf Vorschlag der Deutschen Flachsbau-Gesellschaft m. b. H. Berlin W 56, Markgrafenst^aße 36, sind vom Bastfaserhauptausschuß, Berlin, die nachgenannten Personen zu amtlichen Aufkäufern der vorhandenen Flachsbestände ernannt. Sämtlicher Flachs ist beschlagnahmt und darf nur an die nachbenannten Auskäufer abgegeben werden.
.Dte Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher werben ersucht, die Namen der Flachsaufkäufer bekannt zu machen.
Den Flachsanbauern des Jahres 1919 werden auf besonderen Antrag nach Ablieferung ihres Flachses und Ausfüllung eines Lieferscheins Flachs-, W'bwaren, Säcke, sowie Zwirn zurückgeliesert, worüber das Nähere von den Auskäufern oder der Deutschen Flachsbaugesellschaft zu erfahren ist. Ferner wird darauf hingewiesen, daß die Deutsche Flachsbaugesellschaft sich veranlaßt steht, im Frühjahr 1920 nur denjenigen Landwirten Leinsamen für Saatzwecke zu verabfolgen, die im Jahre 1919 entweder überhaupt keinen Flachs angebaut haben oder aber im Jahre 1920 eine wesentlich größere Fläche anbauen wollen oder eine entsprechende Menge selbstgeernteter Leinsaat vorher abgeliefert haben. Die Flachsanbauer werden daher gebeten, fich aus der eigenen Leinsamenernte eine genügend große Leinsammmenge für die nächstjährige Aussaat zu sichern.
Flachseinkäufer im hiesigen Kreise find:
Für Strohflachs, Röstflachs, ausgearbeite Flächse u. Werg:
Amand Schäfer zu Hauswurz, Kreis Fulda und die Firma Johann Döring in Fulda, Frankfurterstr. 2a.
Schlüchtern, den 16. Oktober 1919.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Bom Krieg zum Frieden.
Frankreich läßt deutsche Geschäftsreisende wieder zu.
Paris. Deutsche Geschäftsreisende werden, wie offiziell bekannt gemacht wird, binnen kurzem wieder in Frankreich zugclaffen werden, damit die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern wieder ausgenommen werden können, was für Frankreich von größter Wichtigkeit ist. Den Polizeibehörden find Anweisungen zugegangen, welche die Bestimmungen enthatten, unter denen die deutschen Havdlungsretsenden sich in Frankreich wieder aufhalten dürfen. Die Polizei stellt den Reisenden eine besondere Karte aus, mit welcher sie sich in jedem Orte bei Ankunft und Verlassen derselben polizeilich anmelden müssen. Der Aufenthalt in den einzelnen Orten wird beschränkt auf die für den Zweck des Reisenden erforderliche Zeit. Die Identitätskarte muß überall auf der Eisenbahn, bei der Post und bei jeder Kontrolle vorgezeigt werden.
Friedensfrage«.
Beschlüsse des Fünferrates.
Versailles, 19. Okt. Der Fünferrat beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit den Maßnahmen, die sofort nach Inkrafttreten des Friedensvertrages ergriffen werden sollen. Es handelte fich hauptsächlich um die Verteilung der interalliierten Streitkräfte zur Besetzung der Gebiete, in denen Volksabstimmungen stattfinden sollen, und um die, die unmittelbar nach Jnkrafttteten des Vertrages aus deutschem -4a- -a-^^.i -Besttz-—svrr- gehe«. Nach bem der Presse zugegangenen Kommunique soll erst, wenn die dabei in Bettacht kommenden Maßnahmen vorbereitet find, der Austausch der Ratifikationsurkunden erfolgen. — (Wie lange werden wohl diese Vorbereitungen dauern?) Red.
Deutsches Reich.
— Ausländische Kartoffeln für Deutschland. In der g. Z. heißt es: Die deutsche Kartoffelernte hat die Erwartungen nicht erfüllt, namentlich ist der Ausfall im Osten (und im Kreise Schlüchtern! Red.) sehr stark gewesen. Infolgedessen hat sich die Reichsregierung genötigt gesehen, mit dem Ausland Lieferungsverttäge ab» zuschließen. Es ist ihr nun gelungen, Vereinbarungen mit Dänemark und Polen über größere Lieferungen zu treffen.
— Berlin, 19. Oktober. (Die Heimkehr aus englischer Gefangenschaft.) Die ReichSzenttalstelle für Kriegs- und Zlvtlgefangene teilt mit: Nach einer inoffiziellen mündlichen Meldung der englischen Waffen-
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ergmann» Lrchteulein.
Roman von Martin Förster. 34
(Fortsetzung.)
M Ihr also mit Sachse und vier anderen an | bewußten Abend auf der Landstraße von Mau wäret und gegen Mitternacht Herrn Konrad Mann begegnetet?"
Mnz recht."
Maß Sachse also Herrn Wiedemann anhielt und wegen der StreikAngelegenheit mit ihm zankte, Weser drohte, er werde Sachse erschießen, wenn W nicht entferne, und — wie verhielt sich noch Wrige?"
Hachse schlug auf das Pferd. Es lief davon, Mr alte Wiedemann wurde abgeworfen und
K Neumann! Hier, laßt Euch ein paar Glas Bier ; Ihr tätet gut, den Unteraufseher nächstens an diese Dinge zu erinnern. Gute Nacht!"
F Nacht, Herr Diedrich I"
I trennten sich, und der Minenbesitzer wandte «Dorfstraße zu und schritt langsam nach seiner ^8- Der Abend war hell und kalt. Der Wand im ersten Viertel, und an dem winter- Himmel funkelten die Sterne. Ganz nahe an M, wo der Weg nach dem Herrenhause abbog, der Minenbesitzer plötzlich mit klopfendem M der eilig auf ihn zuschreitenden Gestalt den land seiner Liebe und Sehnsucht, Jutta Sachse. » u? stehen und wartete, bis sie herankam. U^ilig an ihm vorüber wollte, trat er ihr in N ^d zwang sie so, seine ausgestreckte Hand
„Jch muß schnell nach Hause," sagte sie dann atemlos und versuchte sich loszumachen. Aber er hielt ihre Hand mit eisernem Druck fest und sagte in drohendem Tone: „Versuchen Sie nicht, mir zu enifliehen, Jutta! Ich werde Ihnen nichts zuleide tun, ich gebe Ihnen mein Wort darauf. Aber anhören müssen und sollen Sie mich. Verstehen Sie das?"
„Wie meinen Sie das? fragte sie in ausflammen
dem Zorn.
„Das kann ich Ihnen hier nicht sagen. Es ist sehr kalt, und um Ihretwillen wünsche ich nicht, daß uns jemand sieht. Aber mein Haus ist nahe, und es ist noch nicht acht Uhr."
„Aber was können Sie mir zu sagen haben, Herr Diedrich? flüsterte sie eingeschüchtert.
„Etwas sehr Wichtiges. Und, wenn Sie klug find, so verweigern Sie mir diese Unterredung nicht."
Sein Ton klang sehr bestimmt und so geheimnisvoll, daß sie sich willenlos anschickte, ihm zu folgen. Als dennoch infolge einer plötzlichen Eingebung ihr Fuß wieder zauderte, sagte er noch einmal: „Ich habe Ihnen mein Wort gegeben, daß Ihnen nichts geschehen soll."
„Um was handelt es sich denn ?" fragte sie zögernd. „Um — Franz Degow?"
„Nein," sagte er kurz und schroff.
„Um was denn — doch nicht —
„Nein, die Sache betrifft Ihren Vater! Und zwar in nicht gerade erfreulicher Weise."
„Um Gotteswillen!" Sie sah mit angsterfülltem Blick zu ihm auf.
„Merken Sie wohl, was ich sage!" begann er wieder. „Es ist eine ernste Sache, um die es sich handelt. Und möglichenfalls liegt es in Ihrer Hand,
um mich?"
Ihrem Vater Freiheit und Leben zu retten. Wollen Sie nun auf einige Minuten in mein Haus treten, oder ziehen Sie noch vor, nach Hause zu gehen?" Ich werde Sie nicht lange aufhatten, und wenn Sie es wünschen, soll eine meiner Dienerinnen Sie nachher begleiten."
Sie war einen Augenblick vor Schrecken gelähmt stehen geblieben. Was war dies? Was konnte er ihr zu sagen haben? Dann nahm sie sich mit gewaltsamer Anstrengung zusammen und sagte mit kaum hörbarer Stimme: „Ich will mit Ihnen gehen."
Ohne ein weiteres Wort folgte sie ihm über die Straße und durch die Gartenpforte, und dann gingen sie neben einander den Kiesweg zum Hause entlang. Die äußere Tür des Haupteinganges stand offen, und als sie den Flur betraten, trafen sie die Haushälterin, die sie erstaunt ansah.
„Führen Sie Fräulein Sachse in das Besuchszimmer und zünden Sie Licht an!" sagte er. Ich werde im Augenblick wieder da sein."
Jutta begleitete die Frau in den bezeichneten Raum, der angenehm durchwärmt war und bald in freudlicher Helle erstrahlte. Trotzdem vermochte sie sich beim Umhersehen eines gewissen frostigen Gefühles nicht zu erwehren.
Nach einigen Augenblicken trat Albert Diedrich ein. Er schob ein wenig an der Lampe, rückte ein paar Stühle zurecht, setzte sich dann mit großer Umständlichkeit nieder und erhob sich wieder mit der Frage, ob er ihr eine Erfrischung anbieten dürfe.
Sie dankte eifrig, und als er wieder eine Pause machte, fragte sie in zitternder Hast, was er ihr zu sagen habe.