Zchluchterner Mung
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Schküchterner MeisAatt
AeLteste Zeitung im Kreise; ge-rtiu-et im Jahre 1849.
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Beilagen: Illustriertes Sonntagsblatt a^.)
Amtliche Beilage (Kreisblatt)
J£ 100.
Samstag, den 13. Dezember 1919.
Z0. Jahrgang.
31. Lezeudee 1919 nei Bkfitzßteaer.
Bon Dr. HanS LieSke, Prien am Chiemsee.
Zu den verschiedentlichen neuen Steuer« und Lnmögensabgaben, die uns die nächLe Zukunft bringen wird, gesellt sich im kommenden Frühjahr eine Wiederholung der Veranlagung zur Besitzsteuer nach dem Gesetz vom 3. Juli 1913.
Die erste Besitzsteuerveranlagung fand statt im Frühjahr 1917 für die Jahre 1917—1919. Zugrundegelegt wurde damals — abgesehen von bestimmten Äusnahmefällen — der Unterschied zwischen dem beim Wehrb-i^ag und dem auf den 31. Dezember 1916 sestgcstellten Vermögen. Ergab sich hierbei ein Zuwachs von über 10 000 Mk. und zugleich ein Endvermögen von 20 000 Mk., so wurde dem Pflichtigen ein Steuerbescheid über die zu entrichtende Abgabe erteilt. Ergab sich dagegen ein Zuwachs unter 10 000 Mk. oder gar kein Zuwachs, so erhielt der Pflichtige wenn sein Endvermögen höher als 20000 Mk. war, einen sogenannten Festfiellungsbescheid. Vermögensbesitzer, welche im Frühjahr 1917 einen dieser beiden Bescheide erhalten haben, find über das bei der kommenden Besitzsteuerveranlagung maßgebende AnfangSvermögen bereits unterrichtet, da die Bescheide entsprechende Mitteilung darüber enthielten. Sofern der Unterschied zwischen diesem im Bescheid enthaltenen AnfangLverrr.ögen und dem selbst festzu- fiefienden Endvermögen per 3L Dezember 1919 über 10000 Mk. und das Endvermögen selbst nicht unter 20 000 Mk. beträgt, und sie auch für 1920—1922 Nieder._ besitzsteuiLr^-chi1« --—Befs- ^ v< her^SMMir lieuer ist nur ein Vermögen unter 20 000 Mk. und jeder Zuwachs, der 10 000 Mk. nicht übersteigt. Selbstverständlich komn en für die Bisitzsteuerveranlagung 1920/22 auch solche Personen in Betracht, welche zwar bet der ersten Veranlagung wegen Vermögenslosigkeit webet eine Erklärung abgaben, noch Besitzsteuer entrichten mußten, am 31. Dezember 1919 aber ein Vermögen von mindestens 20000 Mk. besitzen.
Es ist nun jedem Vermögensbesitzer dringend zu raten, sich sämtliche Unterlagen zu einer genauen Feststellung des Vermögens nach d«m Stande vom 31. Dezember 1919 bereits jetzt zu verschaffen, insbesondere Nachweise über sämtliche VermözenZänderungen innerhalb der letzten drei Jahre. In diesem Zusammenhänge mag gleich darauf hingewiesen werden, daß mit Bestimmtheit zu rechnen ist, daß auch für das Reichsnotopfer als Stichtag der 31. Dezember 1919 bestimmt wird, ein Grund mehr, um dieser VermögcnS- sefistellung eine ganz besondere Aufmerksamkeit zuzu-
Bergmanns TsetzterLein.
Roman von Martin Förster. 42
(Fortsetzung.)
„Wollen Sie nicht eine Zigarre nehmen? Sie ist ausgezeichnet."
„Danke, gern. Halten Sie gefälligst die Zügel, während ich sie anzünde. Wer, sagten Sie, wünscht im Aufenthalt der Diener zu wissen?" fragte er bann wie zufällig, als er die Zügel wieder zur Hand nahm.
„Ich glaube nicht, daß ich seinen Namen genannt habe", eiroiteite Willroth. „Aber ich habe durchaus keinen Grund, ihn zu verschweigen, falls Sie ihn missen möchten."
„Nun ja, ich möchte ihn wissen."
„Gut also. Es war Franz Degow."
„Was? Franz Degow?" r , ,
, Der Bergwerksbesitzer machte keinen Versuch mehr, sein Erstaunen zu verbergen. Sein Gesicht sowohl ®ie seine Stimme verriet die lebhafteste Überraschung, ^»r Willroth setzte mit dem größten Gleichmut hinzu: «3<0 Franz Degow, ich erhielt heute morgen einen Brief von ihm. Er ist in Amerika. Etwas unver- storenes von ihm, was? Da er mich und Sachse im ^tich gelassen hat!"
„Ja weiß Gott," sagte Diedrich lachend.
_ Aber dies Lachen klang laut und unnatürlich. Man merkte sofort, daß es gezwungen war, denn für i'^öhnlich lachte der Bergwerksbesitzer niemals hell »«aus, sondern ließ nur ein leise» Kichern »«nehmen. ^ „Haben »ie schon gehört, daß er behauptet, der Neffe 2hre» Vorgänger» zu sein?" fragte Willroth.
*$$ glaube, ja, eines Bruders Sohn, nicht wahr.
wenden. Zum Schlüsse soll a« einige« Beispielen noch gezeigt werden, wie manchem Pflichtigen, die im Frühjahr 1917 durch den „FeflfleLungSbeschetd" die erfreuliche Kunde von der Freistellung (d. h. Befreiung ron der Besitzsteuer) erhielten, die kommende Veranlagung als Kehrseite der Medaille erscheinen wird. Ein Blick auf den Feststellungsbescheid 1917 zeigt nämlich, daß das dort festgesetzte AnfangSvermögen das nach dem Stande vom 1. Januar 1914 vorhandene Vermögen ist. — Dieses Anfangsvermögen bleibt aber nach Par, 21. des B. St. G. solange in dieser Eigenschaft bestehen, bis sich ein steuerpflichtiger Vermögens- zuwachs ergibt.
A. besitzt am L Januar 1914 (Wehrbeitrag) 22 000 Mk., am 31. 12 1916 28 000 Mk , am 31. 12. 1919 37 000 Mk.
Im Frühjahr 1917 wurde keine Abgabe erhoben, da Zuwachs (28 000—220C0 Mk.) — 6080 Mk. unter 10 000 Mk. — frei bleibt
Im Frühjahr 1920 berechnet sich die Abgabe nach 37 000-22 000 Mk. = 15 000 Mk. Zuwachs auf 112,50 Mk.
B. besitzt am 1. Januar 1914 22 COO Mk., am 31. 12. 1916. 33000 Mk., am 31. 12. 1919 37000 Mk.
Im Frühjahr 1917 wurden 32,50 Mk. Abgabe erhoben aus (33 000—22 000) — 11 000 Mk. Zuwachs.
Im Frühjahr 1920 wird keine Abgabe erhoben, da Zuwachs 4 37 000-23.00^ Lk., also unter 10 000 Mk.
Beide haben in der Zeit, vom 1. 1. 1914 bis 31. 12. 1919 einen VermögenSzuwachS von 15 000 Mk.; A. bezahlt jedoch 30 Mk. Besitzsteuer mehr; eS mag ihm aber zum Troste dienen, daß ein Ausgleich bei der Veranlagung 1922, sofern bis dahin daß Besitzsteuer- gesetz noch in Kraft ist, nicht ausgeschlossen ist.
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Aber doch wohl jedenfalls unehelich, sonst würde er nicht Degow heißen."
„Wahrscheinlich. Aber er betrachtet Sie natürlich als Eindringling, welcher zwischen ihn und sein natürliches Recht getreten ist."
„Aber, da der alte Wiedemann sein ganzes Vermögen selbst erwarb, so wird er auch das Recht gehabt haben, es zu vererben, an wen er wollte."
„Natürlich. Niemand kann dagegen Einspruch erheben. Was aber sonst den jungen Mann anbetrifft, Sie haben ihm wirklich ein wenig zu hart mitgespielt."
„Wie meinen Sie das?"
„Nun, Sie besitzen nicht allein das Vermögen, auf welches er sich Hoffnungen gemacht hat, Sie rauben ihm zum Ueber fluß auch noch die Braut. Auf allzu freundschaftliche Gefühle von seiner Seite können Sie eigentlich nicht rechnen."
Der Ton sollte scherzhaft klinge«. Diedrich fühlte sich aber durch die Worte unangenehm berührt. Er sandte unter seinen buschige« Braue n hervor einen mißtrauischen Blick auf den neben ihm Sitzenden und sagte dann: „Ich glaube, das Mädchen hat ebenso gut ein Recht, nach ihrem Ermessen zu handeln, wie es Konrad Wiedemann auch hatte."
„Gewiß, ganz gewiß. Aber welchen Zauber wandten Sie an, um Jutta »achtes Jawort zu erlangen? Haben Sie das Geheimnis der Liebestranke aus den alten Geschichten entdeckt? Sie müssen einen solchen angewendet haben, Sie schlauer Fuchs, denn ich habe gehört, daß das schöne Kt«d nicht immer so willfähig gewesen ist."
Willroth lachte wieder, und Diedrich hielt e» für geraten, etnzusiim«»«, obgleich sich die finstere Falte immer tiefer zwischen seine Augenbraue« grub.
Deutsche» Reich.
— Um die Kriegsgefangenen. Sitte Sondertagung der Nationalversammlung sollte am Sa«Stag vormittag stattfinden, um sich mit der Herausgabe unserer Gefangenen zu beschäftigen. Die Sondertagung ist auf Veranlassung des Bundes Deutscher Frauen einberufen worden. — Auf eine Entschließung der Bundes Deutscher Frauen hin, hat die deutsche Regierung. Kohlenlieferungen nach Frankreich einstweilen eingestellt
— Berlin, 6. Dez. Nach einer Pariser Meldung schreibt Havas, daß mit der Unterzeichnung der Zusatzprotokolls durch Deutschland die Forderungen der Alliierten noch nicht völlig erfüllt seien. Es seien noch weitere Noten an Deutschland von den Alliierten in Vorbereitung, um die schwebende Erfüllung der Bersailler Vertrags durch Deutschland herbeizuführen.
— Berlin. Es hat sich herausgestellt, daß noch 2 Kriegsgefangenenlager in England abgesehen von den Bombcnfliegern und den Scapa Flowleuten, nicht geräumt sind, die Lager in Waterfield und Ripon. Die deutsche Regierung hat an die britische Regierung dieserhalb eine Anfrage gerichtet.
— Paris, 7. Dez. „Matin" meint, der Iünferrat sei Deutschland weit entgegengekommen, und die deutsche Regierung könne ohne etwas von ihrer Autorität zu verlieren, das nunmehr geänderteProtoksllunterzeichnen. ES werde auch der deutschen Regierung leicht sein, auf etwaige Vorstellungen der Militärpartei zu antworten.
— Rotterdam, 6. D^z. Die „Time-" melden aus Paris: Ein Zusatzprstokoll zum Friedensvertrage enthält die Namen der auszuliefernden Dentfchen; er wird Deutschland unmittelbar nach der Ratifikation des Friedens zur Unterzeichnung vorgelegt werden. E.n Vorbehalt findet sich in dem von Deuffchland jetzt zu unterzeichnenden Protokoll.
— Haag, 6. Dez. (Frieden»r«tifikation am 24. Dezember?) Wie die Dest« z«»rrläffig erfährt, beabsichtigt die Entente, wenn De«tschland die Zusatzprotokolle unterzeichnet hat, die Ratifikation des Friedensvertrage» am 24. Dezember, am »rihnachttheiligabeud vorzunehmen, um damit symbolisch auszudrücken, daß fie ihren Völkern gerade an diesem Tage hex „Frieden der ükde" wieder be- scheert. Dann wirds vielleicht, Frieden auf Erde« gebe«.
— Die Exkaiserin Gugenie, die Witwe Napoleons III., ist aus London in Paris angekomme«. Die Exkaiserin, die 94 Jahre alt ist, will einen Augen- spezialisten konsulieren, da sie schlecht sieht.
— Wilson ist an der rechten Hand gelähmt, «erhalb er links unterschreiben muß.
„Ihr verheirateten Leute scheint zu glauben, daß man sich nur als junger Springinsfeld verlieben darf," brummte er. „Alter schützt vor Torheit nicht, mein Freund."
„Da haben Sie recht, mein Lieber. Nebenbei, alle Achtung vor Ihrem Geschmack. Jutta Sachse ist auf Meilen in der Runde das hübscheste Mädchen.
„Es freut mich, daß Sie das wenigstens zugestehe«. Aber verzeihen Sie, hier muß ich absteigen," fügte er hinzu, als er fein Pferd vor dem Bankgebäude in P. anhielt
„So steige ich natürlich gleichfalls ab. Haben Sie Dank, daß Sie mich Mitnahmen," sagte der Rechsanwalt und lachte sich ins Fäustchen, während er auf dem kurzen Wege nach seiner Wohnung an die Art und Weise dachte, wie er dem Bergwerksbesitzer seine Gefälligkeit vergolten hatte. Jedenfalls sah ihm dieser mit nicht allzufreundlichen Blicken nach.
13. Kapitel.
Wieder waren einige Wochen vergangen, und der Mai, der mit Duft und Klang inS L«nd gezogen war, näherte sich seinem Ende. Es war gegen Abend. Die Sonne war soeben hinter die fernen Berge gesunken. Noch glühte der westliche Himmel im purpurnen Schein, und au» den lieblich duftende« Wiesen begannen die Nebel aufzusteigen.
Auf der Bank vor dem Herrenschacht hatten sich zehn oder zwölf Bergleute niedergelassen. 68 waren die Leute von der Nachtschicht, welche darauf warteten, ihre noch im Schacht befindliche« Kameraden abzurösen. Früh «« Morgen war i» einem der Haupieingänge die Decke eingestürzt, uxd der Unt»r«ufseher befand sich «och unten, um die Auftäumungsarbeiten zu leiten, (Fortsetzung folgt.)