Ichlüchtemer Zeitung
Änzeiger für hie amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlächtern.
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Nummer 11402.
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Dsnnerstag, den 8. Januar 1920.
71. Jahrgang.
Deutsches Reich.
— Berlin, 6. Jan. Die neuen Stcuervorlagen der Reichs finanzmtniüerS gehen noch in diesem Monat der Nationalversammlung zu. Ihre Annahme soll noch bis März erfolgen, um sämtliche direkten Steuern vor dem 1. April in Kraft setzen zu lassen.
— Die sofortige Einberufung der preußischen Landesversammlung haben im Auftrag der unabhängigen Fraktion die Abg. Adolf Hoffmann und Rosenfeld beantragt, und zwar wegen der Verhältnisse der Eisenbahn und Eisenbahner. Es scheinen immer mehr Gründe zum Streit von den streitlustigen Eisenbahnern besucht zu werden. Die Lage ist in ganz Deutschland ernst. Teilweise, so im Rheinland und in Frankfurt a. M., streiken die Eisenbahner. — Auch im Ausland drohen Eisenbahnerausstände. Die italienischen Zeitungen sprechen von einer neuen Agitation des Eisendahnper- sonals und des Personals der Post-, Telegraphen- und Telephonverwaltung. „Sortiere della Stra" sagt, daß diese Agitation politische Ziele verfolge. — Wie die „Siberte" mitteilt, hat der italienische Ministerpräsident Nitti deshalb die Reise nach Paris aufgeschoben.
— Der Verlust der Garnisonen. Das neue ReichS- Heer wird endgültig am 1. April 1920 gebildet werden. Nach dem Friedensvertrage darf es nur 96 000 Unteroffiziere und Mannschaften stark sein. Ebenso wie seine Stärke ist durch den FriedenSvertrag auch die Zahl der Verbände festgelegt. Sie ist verschwindend gering gegen die des früheren Heeres. Daher werden am 1. April 20 eine große Anzahl von Städten ihre Garnisonen verlieren. Diese Städte ^sonders die, die seit langen Jahren, oft Kit- Jährst.irrn, dieselben Truppenteile in ihren Mauern beherbergt haben und deren Geschichte eng mit denen der Truppenteile verwachsen ist, werben hierdurch schwer getroffen werden. Wir stehen aber hier vor unabänderlichen Tatsachen. Das frühere Heer ist auf Befehl der Rächsregterung aufgelöst. Der FriedenSvertrag legt Deutschland auch mUltärische Fesseln an. Er muß durchgeführt werden. Für das verbleibende kleine Heer müssen die Garnisonen nach der Verwendungsmöglichkeit der Truppe und nach Ausbildungsgrundsätzen ausgesucht werden. Bei gleicher Bewerbung sprechen natürlich die altenGarnisonbeziehungen das erste Wort. Für die übrigen Garnisonorte besteht milttärischersetts keine Möglichkeit, den Verlust der Garnison auzuzleichen.
— Berlin, 3. Jan. Der deutschen Abordnung ist eine Note über die militärischen und Polizeikräfte über- geben worden, die der Entente aus Oberschlesien gemeldet worden sei. Die deutschen Behörden hätten in diese Gegend Truppen beordert, die aus den baltischen Provinzen gekommen seien. Außerdem hätte die Ent Wickelung der Sicherheitspolizei und der Einwohner- wehr einen „annormalen Umfang" angenommen. Diese dadurch geschaffene Lqge sei mir dem für das Inkrafttreten des Friet-enSvertrageS übernommene Verpflichtung unvereinbar.
— Amerikanische Hilfe für Deutschland. Nach Bläuermeldungen ist in BuenoS AireS ein großes deutschesUnternehmen mit einem Kapital von 10 Millionen Pesos ins Leben gerufen worden, das sich die Verpro- vrantierung Deutschlands als Ziel gesteckt hat. Eine aus 15 Herren und Damen bestehende amerikanischen Quäkerkommission nimmt auf einigt Zeit ihren Sitz in Berlin, um ein großzügiges Hilfswert für Deutschland durchzuführen.
— Ein amtlicher französischer Bericht stellt fest, daß die Natianalichuld Frankreichs am 30. Juli 1914 34 Milliarden 188 Millionen Frank betragen hat, daß sie heute aber die Summe von 207 Milliarden 269 Millionen erreicht, darunter 90 Milliarden schwebende Schuld.
— Vertreter der Landesregierungen werden am 7. Januar in Berlin beraten, um wegen der Aufhebung der Gesandtschaften, die die Länder gegenseitig unterhalten, zu einem Beschluß zn kommen.
— Der Waffenstillstand zwischen Estland und Sowjetrußland ist unterzeichnet worden. — In Sibirien fand ein Aufstand der Sozialrevolutionäre statt, denen es gelang, sich der Hauptstadt Koltschaks, Jrkutsk, zu bemächtigen. — Der zwischen. Estland und Sowjet- rußland abgeschlossene Waffenstillstandsvertrag enthält drei Zusatzabkommen. Erstens die bedingungslose Anerkennung der immerwährenden Selbständigkeit Est« Unbi, zweiten» militärische Garantien sowie die Reu-
tralisierung bezw. Jnternationalisierung des Finnischen Meerbusens, wobei geplant ist, daß Sowjetrußland seine Kriegsflotte nach dem Pelpus-See zurückzieht, drittens ein Grenzabkommen, wonach die Grenze im Atstand von 10 Werft längs der Norawr über den Peipus-See und weiter längs der jetzigen Front verläuft.
— Für die Besetzung des oberschlesischen Abstimmungsgebietes sind an Ententeniruppen vorgesehen: ein Divisionsstab, sechzehn Bataillone, ein Regiment Kavallerie, zwei Artillerieabteilungen, zusammen 21 600 Mann. Die Nationalität der Truppen steht noch nicht fest.
— Umfangreicher Schmuggel wird an der Grenze von Gemmenich bis Gouvy aus Aachen, Köln, und Krefeld namentlich von Belgiern betrieben. Diese taufen Waren aller Art zu billigen Preisen auf und schmuggeln sie alsdann, meistens mit Automobil oder mit der Eisenbahn, in das Land. Jede Nacht sind bis Straßen von Deutschland her überfüllt mit Fuhrwe» ..
— Die Lage in Bulgarien ist sehr ernst. Die Regierung wird wahrscheinlich den Kriegszustand über das ganze Land verhängen. In einer Maffenversamm- lung der kommunistischen Partei wurde von einem Offizier eine Bombe geworfen, durch die fünf Personen getötet wurden. Der bulgarische Generalstabschef Nerato« yat demissioniert und wird durch den Obersten Resukanoch ersetzt werden.
— In Argentinien ist ein großes deutsches Unternehmen mit einem Kapital von 10 OÖOOOO Pesos ins Leben gerufen worden, da» sich die Verproviantierung Deutschlands als Ziel gesteckt hat. Gegen entsprechende Garantie sucht *a? Syndikat, einen Kredit von 100 000 000 Gold-Pisos zu erhalten, um dasür argentinische Erzeugnisse anzukaufen. Das Syndikat hofft, sofort 350 000 Tonnen Getreide, 350 000 Tonnen Mais, 30 000 Tonnen Flachs, 80 000 Tonnen Fleisch und 20 000 Tonnen Fett ankaufen zu können.
— Schärfere Grenzüberwachnng. Immer zahlreicher werden die Klagen, daß größere oder geringere Getreidemengen über die Grenze verschoben werden, um teils im Auslande zu höheren Preisen Absatz zu finden, teils als „Auslandsgetreide" zu 5$Überpreisen nach Deutschland zurückzufließ/n. Die Reichsgetreidestelle hat sich daher veranlaßt gesehen, Maßnahmen zu treffen, um dieser verbrecherischen Ausfuhr wirksamer als bisher entgcgenzutreten. Zunächst soll im Westen an der alten Zollgrenze des besetzten Gebietes die Zahl der in den Kommunalverbänden schon jetzt tätigen Ueber« wachungsbeamten um etwa 500 Beamte verstärkt werden. Eine entsprechende Uebermachung der Küstenplätze und der ostpreußischen, der polnischen, tschecho-slowakischiN und österreichischen Grenze ist gleichfalls geplant. Die Beamten sollen neben auskömmlicher Besoldung durch hohe Prämien an ihrer Tätigkeit interessiert werden. So hofft man zu verhindern, daß sie auf Bestechungsversuche seitens des Schleichhandels eingehen. Die erforderlichen Mittel sind beim RetchswnrschaftSministerium beantragt. Eine Anzahl von Neueinfteilungen derartiger Beamter ist bei der Reichsgetreidestelle bereits erfolgt.
— Zürich, 5. Jan. Die „Daily Mail" meldet aus Dublin: In I stand ist der Generalstreik ausgebrochen. Die trtschcn Arbeiter und Bürger erklärten sich solidarisch im Kampfe gegen die Engländer und für die Unabhängigkeit. In Dublin sind alle Gasthäuser, Safes usw. geschloffen, selbst das gesamte Feuerwehrkorps streift. Der Vizekönig hat die britische Regierung um Entsendung von Kriegsschiff.« und Truppen gebeten.
— Genf, 5. Jan. (Der König von Montenegro im Sterben ?) Der König von Montenegro soll infolge eines Schlaganfalles, den er vor einigen Tagen erl tten hat, im Sterben liegen.
Lokales und ArovwzieLes.
Schlächtern, den 7. Januar 1920.
—* Am Freitag, den 9. Januar 1920, abends 8 Uhr findet eine Sitzung der Sradiverordnetenversamm- lung mit nachstehender Tagesordnung statt. 1. Nachtrag zum Ortsstatut für die Verwaktung u. Benutzung des städtischen Elektrizitätswerkes. 2. Ordnung für die Benutzung der Sladtwage, insbesondere Neufestsetzung der bisherigen Gebühren und der Entschädigung des Wiegemeister». 3. Erhöhung der Vergütung tes Zucht, viehhalter» Friedrich Eckhardt. 4. Unterbringung des
neu einzurichtenden Finanzamtes in Schlüchtern betr' 5. a) Wahl eines Ausschusses zur Mitwirkung bei der Einführung einer Höchstgrenze für Mietzinssteigerungen für Mieträume; b) Neuwahl der Beisitzer des Miet»« einigungsamtes, gemäß Anordnung des Herrn Minister- für Volkswohlfahrt vom 9. 12. 1919 (Pr. Gesetz- Sammlung S. 187). 6. Festsetzung der Vergütung? für Prüfung der Stadtkassenrechnung. 7. Neufestsetzung des Bürgermeistergehaltes. 8. Erhöhung der Ortszulagen für die Stadtschullehrer. 9. Neufestsetzung der Vergütung für die städtischen Bürogehilfen. 10. Beschluß über Erhebung eines Zuschlags zur Grunderwcrbs- steuer. 11. Geschäftliche Mitteilungen.
—* Am kommenden Samstag abends 8 Uhr spricht Herr Dr. Sinzheimer Frankfurt a. M. in der Turnhalle über die Parteien der Rechten im Kampf gegen die Regierung.
. —* Der für den 10. b. Mts. anberaumte Vortrag des Herrn Professor Schücking-Marburg findet später statt.
—* Die deutschen Salinenverbände erhöhten ab 1. Januar 1920 die Salzpreise einheitlich von 16'/, auf 20 Mk. für 100 Kilogramm. Dazu treten Zuschläge je nach dem Verhältnis der Erzeugungskosten der einzelnen Salinen bis zu 3 Mk. für 100 Kilogr.
Hk. Steuerkurszettel. Die amtlichen Berliner Zusammenstellung der Steuerkurse auf den 30. Juni 1919 kann von der Geschäftsstelle Hanau der Vereinigten Handelskammern Frankfurt a. M.—Hanau zum Preise von 80 Psg. bezogen werden.
Hk. Ueber die Niederländische Messe zu Utrecht, 23. Februar—5. März. 1920, können informatorische Drucksachen von der Geschäftsstelle Hanau der Vereinigten Handelskammern Frankfurt a. M.—Hanau bezogen werden.
Hk. Ausfuhr nach Deutsch-Oesterreich. Nach einer Mitteilung der Pofiverw-ltung ist die Einfuhr von Handelswaren nach Deutsch-Oesterreich nur mit einer besonderen Einfuhrbewilligung oder einer vor dem 15. Dezember ausgestellten Einkaufsbewilligung zulässig. Die Postanstalten sind angewiesen worden, die Absender bet der Auflieferung derartiger Sendungen hierauf hinzuweisen.
Hk. Ueber die Internationale Rohstoffmesse, welche in diesem Frühjahre zum ersten Mal mit der Leipziger Mustermesse verbunden sein wird, können informatorische Drucksachen von der Geschäftsstelle Hanau der Ver, einigten Handelskammern Frankfurt a. M.—Hanau unentgeltlich bezogen werden.
* Bad Orb. In letzter Zeit sind auf dem Truppenübungsplatz Wegscheide größere Diebstähle au»- geführt worden. Aus diesem Anlaß haben hier bet verdächtigen Personen Haussuchungen stattgefunden, die einen Teil des gestohlenen Gutes wieder zu Tage gefördert haben. Das gerichtliche Nachspiel wird nicht ausbleiben.
* Eine Versammlung der Vertrauensleute der Eisenbahnwerkstätten von Groß-Frankfurt sprach sich dahin aus, daß die Arbeiter bis zu ihrer wirtschaftlichen Besserstellung nur die für den Betrieb unbedingt notwendigen Arbeiten verrichten sollen.
* Fulda. ReichSbankdireftor Lauster von hier ist an die Reichsbankhauptftelle in Stuttgart zur Vertretung des dortigen BankdirektorS berufen worden. Für Herrn Lauster kommt Herr Reichsbankoierektor Haupt aus Emden nach hier.
* Fulda. Im Alter von 71 Jahren ist hier der Provinzialrabbiner Dr. M. Cahn gestorben. Der Verstorbene war der geistige Führer des orthodoxen Judentums in H ssen. In Fulda übte er 42 Jahre lang sein einflußreiches und verantwortliches Amt au». Nachfolger im Amte wird fein Sohn.
* Aus Fulda. Sonntag vormittag fand die feierliche Beisetzung von Provinzial-Rabbiner Dr. Lah« statt. Im Trauerhause fand eine Andacht statt, in der Rabbiner Dr. Herz-Fulda, RabbinatS-Assistent Künstler-Fulda und Lehrer Dr. MaxCahn-Leipzig Anspra- chen hielten. Unter großer Beteiligung der israelitische» Gemeinde erfolgte sodann die Ueberführung der Leiche nach der Synagoge. Dort sprachen Rabbiner Dr. Leo CahN'Fulda, Rabbiner Dr. Breuer-Aschaffenburg, Lander-Rabbiner Dr. Hirschfeld von der Gießener Religions-Gemeinschaft, SanitätSrat Dr. Stern Fulda, Kaufmann Mendel Wertheim Fulda und Lehrer Sons- Fulda. Ein unendlich langes Trauergefolge gab brat in allen Kreisen und Schichten unserer Stadt ohn»