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Sofiaer für die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlächtern.

BezugSprcis frei Haus, vorauszahlbar viertclj. 3,50 Mk., (durch die Post ohne Bestell­geld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwort!. L. Hohmeister, Schlüchtern. Fern­ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

SdjCüdjtmter Sreisblatt Aeltrste Seitens im Kreise; gegründet im Jahre 1849. Illustriertes Sonntagsblatt (iw)

Anzeigen: kl. Zeile oder deren Raum 40 Pfg., Reklamezeile 1, Mk. Bei Betriebs­störungen kein Schadensersatz oder Minder-

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J£ 34.

Samstag, den 20. Alarz 1920.

73. Jahrgang

Amtliches.

Telegramm aus Kassel.

Das Unternehmen Kapp ist zusammengcbrochen, Kapp und Lüttwitz haben Berlin verlassen. General von Seckt hat den Befehl über die Reichswehr über­nommen. Die Reichs -egierunz kehrt in wenigen Tagen nach Berlin zurück.

Ober präsident.

J-Nr. 4138.

Abschrift.

Mgramm des Kenn KLerpräKdenten zu

Kassel vom 17. März 1920.

Gewerkschaftsfunktionäre und Achtzehnerausschuß in Cassel haben einmütig wieder Aufnahme der Arbeit beschlossen, in Frankfurt Gleiches schon gestern beschlossen. Eisenbahnverkehr regelt Zentrale Streikleitung, besonders die Ernährungswirtschaft wird uneingeschränkt aufrecht erhalten. Bitte alle Ihre dienstbaren Organisationen verständigen und auhalren, ihre Arbeit nachhaltig auf- zunehmen. Ueber künftige Regelung bleibt Verständigung mit Vertretungen der Landwirte vorbehalten. Kapps baldister Zusammenbruch zweifellos. Heute milteilt Oberpräsident Münster, daß ganze Provinz Westfalen fest zur Verfassungsmäßigen Regierung steht. Auch alle sonst vorliegenden Nachrichten lauten günstig. Reichs- regterung verlangt bedingungslose Kapitulation Kapps und verweigert Verhanhlungen. Ich warne vor Berliner Wolffmeldungen.

Wird veröffentlicht.

Schlüchtern, den 18. März 1920.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

Telegramm aus Kassel:

Streikbeschluß für Stadt Cassel ist aufgehoben, allgemeine Arbeitsaufnahme erfolgt spätestens morgen, ersuche überall gleiches Vorgehen nachdrücklich anzu- streben.

Regierungspräsident.

Betr. Herabsetzung der Brotration der Selbst­versorger.

Nr. 1740. K. G. 1. Genötigt durch den außer­ordentlichen Mangel an Brotgetreide für die menschliche Ernährung im Reiche wird mit Zustimmung der Reichs- zetreidestelle die monatliche Kopfmenge an Getreide, das die Selbstversorger für sich ausmahlen lassen

Feindliche Brüden.

Roman von Jost Freiherr« von Steinach. 14

(Fortsetzung.)

Ah, sehr gut," rief Meinicke erfreut.damit wär. lie Cache erledigt, und wir sind jenes weiteren Suchcw rnihoben. Sie gestatten, Frau Baronin," damit nahm er das Etui aus der Hand und streute sämtliche darin btfindlichen Schlüssel auf den Tisch,dann können S.e M gewiß auch mittetlen, welches der Schlüssel zu dem Sekretär ist."

Ohne lange zu zögern, gr ff der Diener sofort «nen kleinen aus der Menge und überreichte ihn dem Anwalt.

Dieser ist es!" sagte er mit Bestimmtheit.

Es ist gut," rief nun die Baronin, "Sie können gehen."

Während Senius aus der Türe schri t, ging der Anwalt auf den Schreibtisch zu und wollte eben den Schlüssel in das Schlüsselloch stecken, als er einen Ruf Überraschung ausstieß.

Was gibt es," fragten die beiden andern fast zu sicher Zeit.

Wenn ich nicht irre," rief der Jusuzrat, so ist Schreibtisch überhaupt nicht verschlossen." zugleich zog er die Schublade ohne weiteres Maus.

Hans war mit einem Satze bei ihm.

Was heißt das? Nicht verschlossen? Doch «!cht gar?"

Ja, wahrhaftig," schrie der Justizrat entsetzt auf. nicht alle Zeichen trügen, so ist der Schreibtisch 1 ^ewchlt erbrochen worden."

dürfen, bis zur neuen Ernte, mit Wirkung vom 15. März ab, von 12 auf 9 Kg. herabgesetzt.

Die für die Zeit vom 15. März bis 15. April bereits 2 Kg. für die östreichische Hilfsaktion etngezogen worden find, kommt für diesen Monat noch 1 Kg. zum Einzug. Für die abzuliefernde, ferner für alle noch bis 15. April ablicferungspflichtlge Frucht wird der erhöhte Preis von 35,75 Mk. je Ztr. gezahlt werden.

Die Selbstversorger ersuche ich dringend, zur Ver­meidung unumgänglich nötiger Zwangsmaßnahmen unsere Ernährungslage gebietet solche und fordert von den Landwirten das Aeußerste an Ablieferunzsmöglich» keit alsbald spätestens bis zum 15. April die 13 Kg. Brotgetreide je Selbstversorger ihres Haushalts an den Herrn Bürg-rmetster und Gutsvorsteher bezw. an die von ihm bezeichnete Stelle abzuliefern.

Schlüchtern, den 16. März 1920.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

I. Nr. 4068. Die Herren Vorsteher der Schulver- bänte bezw. die Herren Bürgermeister werden an die alsbaldige Anmeldung etwaiger Ansprüche der Schul verbände auf Erstattung der im Rechnung? jahr 1919 entstandenen Schulbaukosten erinnert. (Stehe Ver­fügung vom 26. März 1908 N.. 2939, Kleisblatt Nr. 15 und vom 6. Mai 1909 Nr. 3560 Kreisblatt Nr. 20).

Schlüchtern, den 17. März 1920.

Der Landrat. J. V. Schultheis.

J.Nr. 4139. Zu Ziffer 6a der Ausführungsbe- stiMmungen zu der Verordnung des militärischen Befehlshabers für den gesamten Wn-H der Reichswehr, brigade 11 vom 13. d. Mts. (Schlüchterner Zeitung Nr. 32) bestimme ich: Die Genehmigung zu Ver­sammlungen ist mindestens drei Tage vor der Veran­staltung auf schriftlichem Wege hier einzuholen. Der zuständigen Orlspolizetbehörde ist ebenfalls drei Tage vor der Veranstaltung von dem Vorhaben Kenntnis zu geben. Die Ottrpolizetbehörden haben mir etwaige Bedenken sofort telephonisch mitzuteilen.

Schlüchtern, den 17. März 1920.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

III. A. Nr. 212.

auf Grund mehrfacher Wahrnehmungen bei Brand­schadenabschätzungen im Kreise Grafschaft Schaumburg beehre ich mich folgendes zur Kenntnis zu bringen.

In alten Fachwerkhäusern, ganz besonders in den Kreisen mit niedersächftscher Bauweise, sind in neuerer Zeit des öfteren fehlerhafte Schornsteinanlagen durch vorschriftsmäßige neue ersetzt worden. Und dabei mit 7, Stein starken Schornsteinwanzen auSzukommen,

Aber aus weichem Anlaß?" meinte Han atemlos."

Sehen Sie her," fuhr der Anwalt fort, ohne einen Einwurf zu beachten,die Zunge des Schlosses It abgebrochen und steckt jedenfalls in oer oberen Nute. &in Zweifel, h.er liegt ein Gewaltakt vor, und es ragt sich hier nur noch, ob Ihr Herr Vater vielleicht erbst, da er augenscheinlich den Schlüssel nicht zur tzaad halte, dielen Weg gewählt hat, um in das Zunere des Schreibtisches zu gelangen. Nehmen wir vorläufig das unschuldigere an und lassen Sie uns nach Dem Dokument Umschau halten."

Doch wie sie auch mit vereinten Kräften in dem Schubfach herumwühlten, das Testament war nicht zu finden. Ihre Mienen wurden immer fahler und ver­zerrter, bis sich die Empfindungen des jungen Freiherrn in dem CnirüsiungSschrei Lust machten:Mutter, das Testament ist gestohlen!"

Die Baronin trat nun ebenfalls mit raschen Schritten hinzu und sagte:Hoffentlich ist das ein Irrtum, mein Sohn!"

Es könnte nur noch die Möglichkeit »orliegen, daß der Freiherr es doch irgendwo anders aufbewahrt hat," sagte der erschrockene Justizrat, dem man cs ansah, daß er selbst nicht an diese Möglichkeit glaubte,Vielleicht hat der Diener sich doch geirrt; denn wenn das Testament auch wirklich geraubt sein sollte, wie es den Anschein hat, so müßten wir unverzüglich dem Staats­anwalt davon Anzeige machen."

Und unseren Namen in aller Leute Mund bringen?" fragte die Baronin entsetzt.

Mutter!" rief da der Sohn,möchtest Du das so hingehm lassen wollen? Den verruchten Dieb

werden die Schornsteine sehr häufig nicht unmittelbar an die Holzwände herangerückt, sondern in einem gewissen Abstande davon errichtet. Zwischen der Wand und dem Schornstein befindet sich dann ein Hohlraum von 1215 Zentimeter, der an den vorderen Seilen nach dem inneren Wohnraum hin zugemauert, also von hier aus nicht sichtbar ist.

Beim Einführen des Rauchrohres für den Ofen wird dann sehr häufig dieser Zwischenraum nicht beachtet, und das Rauchrohr reicht nicht über den Zwischenraum hinweg, sondern endigt in demselben. Die Folge ist, daß Feuergase und glühende Aschenteile in den Hohlraum hineingelangen und das Holzwerk der angrenzenden Wände entzünden können. Tatsächlich find derartige Ankohlungen am Holzwerk durch Schätzer der Anstalt mehrfach festgestellt worden.

Dieser feuergefährlichen Anordnung kann dadurch begegnet werden, daß seitens der Bau- und Feuer­polizei das Einlegen eines eisernen Futterrohres vor- geschrieben wird, welches den Zwischenraum überbrückt und bis in die eigentliche Schornsteinwange hineinreicht, das Rauchrohr des Ofens greift dann in das Futterrohr hinein

Cassel, den 23. Januar 1920.

Hessische Landverstcherungsanstalt.

Der Direktor. gez. Unterschrift.

*

Wird veröffentlicht.

Statt eiserner Futterrohre können auch solche von Ton verwendet werden.

Schlüchtern, den 15. März 1920.

Der Land rat. von Trott zu Solz.

Tgl. Nr. 1013 K. @.111

Beschlagnahmt wurden am Bahnhof Schlüchtern:

3 Pfd. 110 Gr. Butter bei der Therese Hane- wackcr aus Frankfurt a. M, Schloßstraße 40.

3 Pfd. 270 Gr. Butter bei der Maria Pfeifer aus Frankfurt a. M. Die Butter wurde dem Kreis für verfallen erklärt und an die hiesige Molkerei abge- liefert.

Schlüchtern den 15. März 1920.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.

J. Nr. 139. Da die Obstbaumpflege im Kreise immer noch nicht überalldasrichtige Verständnis findet, sehe ich mich genötigt,, die.Ortspolizeibehörden abermals da­rauf aufmerksam zu machen,daß ihnen die NegierungSpolizei- verordnung vom 22. April 1892 Amtsblatt 1192, S. 109 § 15 ff. das Recht einräumt, das zum Schutze des Obstbaues und zur Vernichtung schädlicher Tiere Erforderliche zu veranlassen. Ich ersuche, zunächst

frei ausgehen lassen? Der uns um unser Erbteil betrügt?"

Der Anwalt hörte ihm mit beifälliger Miene zu.

Ganz recht, Frau Baronin, ich kann Ihnen nicht verhehlen, daß Sie wie auch Ihre Kinder durch den Veilust dcS Testaments einen ungeheuren Schaden erleiden würden. Denn wie ich aus Ihren Andeutungen zu entnehmen glaubte, waren Sie auch darauf gefaxt, daß der Hauptanteil des freiherrlichen Vermögens nur Ihnen und Ihren beiden Söhnen zufiele; das würde natürlich mit einem Schlag anders werben, sobald kein Testament vorhanden ist. Aber wir wollen noch nicht die Flügel sinken lassen; der Diener hat erklärt, daß seit dem Tode des Freiherrn kein Mensch dieses Zimmer betreten hat, also ist es entweder der Freiherr selbst gewesen, der das Testament an einem anderen Ort verwahrt hat, oder der Diener hat uns belogen. Auf alle Fälle wollen wir vorerst Klarheit in die Sache bringen."

Wieder ertönte im Korridor der müde, schlürfende Schritt des alten Senius, der sofort aus den ihn durchbohrend anblickenden Augen sah, daß hier etwas nicht in Ordnung war.

Sie gestatten wohl, daß ich dem Diener meine Fragen stelle?" bat Meinecke die Baronin, und auf stummes Nicken begann er zu Senius:Sind Sie dessen gewiß, daß der Freiherr hier in diesem Fach das Dokument verwahrte? Ich meine, ist es absolut ausgeschlossen, daß Sie sich irren könnten?"

Erwartungsvoll mit ängstlicher Spannung richteten sich aller Augen auf den Angeredeten.

Soviel ich weiß", kam es gepreßt aus seinem Munde,hat es mein seliger Herr immer in jene» Fach getan."