Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise 8chlüchtern.
KezugSpreis frei Haus, vorauszahlbar vicrtclj. 3,50 Mk., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und SamstagS. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwort!. .H.-K. Hohmeister, Schlüchtern. Fern« tuf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge« schästsverkehr mit der Firma Schlüchtcrn.
K 51
Lchlüchterner Kreisblatt
UeLteste SeHog im Kreise; gegründet im Jahre 1849.
Samstag, den 1. Alai 1920.
Anzeigen: kl. Zeile oder deren Ranm 40 Pfg., Reklamezeile 1,— Mk Bei Betriebs- stSrungen kein Schadenersatz oder- Minder« gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.
72. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
Schivchtern, den 30. März 1920.
—* Einen kunstsinnigen Abend wird uns Sonntag, der 9. Mai bringen. Der hiesige Männergesangverein unter der bewährten Leitung des Herrn Musiklehrers Gammels, sowie tüchtiger auswärtiger Kräfte wird in der Turnhalle ein Konzert verunstalten. Alles neuste im Anseratente-l der nächsten Nummer.
—* 50 Pfd. Weizenmehl wurden am 24. d. Mls. auf dem Bahnhof Schlüchtern beschlagnahmt und dem Kreis für verfallen erklärt.
—* Bauholz für gemeinnützige Siedlungszwecke. Wie der Pressedienst des Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten mirteilt, hat die preußische Staarsverwallung zur Förderung des Wohnungsbaues den gemeinnützigen Siedlungsgesellschaften aus dem Anschläge des Wirtschaftsjahres 19 i 9/20 660000 Festmeter Bauholz zu mäßigem Durchschnittspreis zur Verfügung gestellt. Hiervon entfallen auf die Provinz Ostpreußen allein 200000 Festm., auf die Wohnungs- fürsorge-Verbände der übrigen Provinzen 400000 Fstm., davon auf den Wohnungsverband Berlin allein 50000 Festm. Für Ausbau und Vermehrung von Bergmanns- Wohnungen in den Kohlengebieten werden 60000 Fstm. derettgetzalten. Außerdem stehen in zahlreichen Fällen kleinere Posten unter Vorzugsbedingungen dem örtlichen Bedarf für gleiche Zm-cke zur Verfügung.
Hk. Ueber Visierungsvorschriften für die Durchreise durch den polnischen Korridor nach Danüg- und Ostpreußen erteilt Auskunft die Geschäftsstelle Hanau der Bereinigten Handelskammern Frankfurt—Hanau.
Hk. Ein- und Ausreise zur Frankfurter Messe. Nach einer Bestimmung der französischen BesatzungSbe- höroe genüg: für die ungeyuiycitc Ein- «ab Ausreise zum Besuch der Frankfurter Messe und des Wirtschafts- kongresses in der Zeit vom 1.—11. Mai der übliche Reisepaß mit dem Vermerk „Inhaber reist zur Frankfurter M-sse". Dieser Vermerk kann von Handelskammern ooer Polizeibehörden ausgestellt werden.
Hk. Verkauf _ des englischen Beutegeräts. Der General Bingham zu Berlin, Hotel Bellvue Potsdamer- platz verkauft das ganze in Deutschland befindliche Beutegerät. Interessenten wollen sich schleunigst an den genannten General wenden.
* Steinau. Auf dem hiesigen Bahnhof wurden 2 Pfd. Butter und 4 Pfd. Wurst beschlagnahmt.
* Salmünsier. Unser Stäbchen hat demnächst Aussicht, einen neuen Industriezweig zu erhalten, was bei diesen trüben Zeiten ganz besonders zu begrüßen ist. Eine hiesige altbekannte Mtllionenfirma beabsichtigt, die städtische Bullenwiese (jetzt Sportplatz) käuflich zu erwerben, und deren Gewächs, das dem pfälzischen Tabak nicht Nachsicht, zuc Cigarreuenfabrikation zuverwenden. Dieselbe Firma trägt sich auch mü dem Gedanken um, dahier eine Kartoffei-Verwerlungsstelle zu errichten. Die dazu nötige Kartoffelmenge soll durch die Beschlagnahmung unserer Stadt gewonnen werden. Da gemeldete Firma sehr unternehment und einflußreich in vielen Kö.perschast.n ist, so dürfte deren Projekt sich bald zur Tat umsetzen..
* Jossa. Auf dem hiesigen Postamt wurden insgesamt 15 */i Pf). Butter beschlagnahmt.
* Altengronau. Dem Vorarbeiter Johann Ruppert von hier beim ReichSw-rk Wolfgang der Hanau wurde das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen.
* Heubach. Am 25. April wurden auf der Post- bülssstelle in Heubach ein Paket mit 3 7« Pfd. und ein Paket mit 4'/. Psd. Schenken beschlagnahmt.
Das Scheiöenschießen.
Ein Demolrar berichtet über die am vorigen Sonntag von seiner Partei abgehaltene öffentl.
Versammlung und bittet uns um Aufnahme nachstehender Zeilen. Die Schriftleitung.
„Die Demokratische Partei hatte am vergangenen Sonntag, abends 8 Uhr zu einer öffentlichen Versammlung in der Turnhalle Schlüchtern eingeladen. Der Besuch war ein außerordentlich reger, sodaß der Saal überfüllt war. Der Vorsitzende leitete mit kurzen Worten die Versammlung ein, indem er das durch den zahlreichen Besuch bekundete erneute Interesse an der Politik freudig begrüßte und darauf hinwies, wie notwendig die politische Aufklärung ist, da die vor der Türe stehenden Reichstagswahlen über Deutschlands Schicksal mit entscheiden werden. Er erteilte alsdann dem Redner des Abends, Herrn Oberstleutnant Bruns-
low, das Wort. In kernigen Worten schilderte der Redner zunächst die Tatsache, daß das deutsche Volk wieder zu arbeiten und sich zu beruhigen anfangs, daß die linksstehenden radikalen Elemente ihre Putschversuche scheinbar aufgegeben hätten, daß sogar das Ausland wieder Vertrauen zu unserem Wirtschaftsleben zu g - winnen beginnt — wovon ja das Steigen unserer Mark in den beiden letzten Monaten vor dem Kapp- Putsch von 4 auf etwa 30 Pfg. zeugt — als Kapp und Genossen den verbrecherischen Anschlag auf die Regierung und Verfassung in Szene setzten. Naturgemäß mußte ein Putsch von rechts einen solchen auch von links auslösen, worauf ja auch die Unruhen, hauptsächlich im Ruhrgebiet, zurückzuführen sind. Scharf verurteilt hat der Redner den Kapp Putsch hauptsächlich aus dem Grunde, weil derselbe von Leuten mit hervorragender politischer Bildung, die früher lange Zeit hindurch an der Spitze der Pefttik standen, in Szene gesetzt wurde. Diese Leute mußten es wissen, was für Folgen ein derartiger Putsch auslösen mußte. Es ist nachgewiesen worden, daß Führer der beiden rechtsstehenden Parteien den Kapp-Putsch zum Mindesten begünstigt haben. Wenn nun seitens dieser Parteien der Regierung der Vorwurf von Unfähigkeit gemacht wird, so muß demgegenüber die Frage ausgestellt werden. „Wie kann eine Regierung arbeiten, wenn fortwährend an den Grundfesten des Staats lcbens von verbrecherischer Hand gerüttelt wird?" Man wirft der Regierung vor, daß au ihrer Spitze Leute ständen, die nicht die Fähigkeit besitzen, Deutschlands Geschicke wieder in die rechten Bahnen zu leiten, man nennt aber niemanden, der geeignet wäre, hierzu aus verfassuügsmäßigem Wege berufen zu sein. Das, was die Regierung bis j tzt geleistet hat, ist mehr als annerkennenswert, besonders die in verhältnismäßig kurzer Zeit ausgearbeitete Verfassung muß als ein Werk von hervorragend geschtchtlicher Bedeutung bezeichnet werden. Daß die Regierung nicht binnen so kurzer Zeit aus den Ruinen des Deutschen Reich, s Brotgetreide hervorzuzaubern vermag, muß jedem denkenden Menschen etnleuchten. Den Monarchismus, den die beiden rechtsstehenden Parteien anstreben, bezeichnete der Redner als ein Phantom, dem man vergebens nachjagt, Eist muß das deutsche Volk zur Ruhe und zum Frieden kommen, es muß arbeiten und dadurch das Vertrauen des Auslandes wiedergewinnen. Die Gefahr des Bolschewismus bezeichnet der Redner als von den Rechtsparteien übertrieben. Wenn auch nicht zu verkennen ist, daß eine solche Gefahr besteht, so kommt sie nicht aus den Kreisen der organisierten Arbeiter. Auch den Antisemitismus, dessen sich die Rechtsparteien als Waffe bedienen, bezeichnet der Redner als höchst verwerflich. Er hat nachgewiesen, daß den Juden schon im 17. Jahrhun.ert in Frankreich infolge ihrer Verdienste um die Kultur und Wissenschaft Gleich berechtigung mit den anderen Staatsbürgern zugesprochen worden ist. Auch in Deutschland wurden die Juden schon im Jahre 1807 allen anderen Staatsbürgern gleichgestellt. Wenn sie von einigen öffentlichen Aemtern bis vor kurzem ausgeschlossen waren, so hat man auch diese Schranke fallen lassen müssen, in der richtigen E.kenntnis, daß es ungerecht wäre, einem Voltsstamme, welchem zum mindesten dieselben Verdienste zufallen, wie jedem anderen der Stämme, aus denen sich das Germanenvolk zusammensetzt, die Gleichberechtigung vorzuenthalten. Nach der Theorie der Rechtspartei müßte also das, was früher in Frankreich und später in Deutschland geschehen ist, ein großer Irrtum sein.
Nach Beendigung dieser Ausführungen lud der Leiter der Versammlung zur Diskussion ein. Da sich niemand zum Wort meldete, erteilte er Herrn Bruns- low das Schlußwort.
Die Vorwürfe, die der Einsender aus dem Deutsch- nationalen Lager in der vorigen Nummer dieser Zeitung dagegen erhebt, daß er nach Erteilung des Schlußwortes keine Diskussion mehr zuließ, sind durch aus hinfällig, denn sein Verhalten entspricht durchaus dem Brauch. Der Beifall, der ihm dafür wurde, zeigt, daß die Mehrzahl der Versammelten das Gefühl haue, daß es gut fei, wenn dem unvermeidlichen Zwischen- rufer, Herrn Prorektor Keller, sein persönlicher Sonder- wunsch nicht erfüllt wurde, da wohl in allen das Gesühl lebte, daß von dieser Seite etwas Besonderes, Klärendes, oder Förderndes bezügl der vorliegenden Probleme nicht zu erwarten sei.
Aus Urovinz und Wachöargeöiet.
§ Frankfurt a. M. Aufhebung der französischen Paßgebühren. Die französische Verwaltungsbehörde erhebt seit Montag für die Ausstellung eines Visums auf deutschen Pässen keine Gebühren mehr.
§ Frankfurt a. M. Die auswärtige Konkurrenz. Nachdem die hiesigen Bäcker Wetßgebäck nicht mehr herstellen dürfen und bet der Verwendung von weißem Mehl Gefahr laufen, daß sie wegen Schleich- und Kettenhandels vor Gericht kommen, sieht man ab und zu in den Straßen Händler mit weißen Brötchen und kleinen, schön gehaltenen Weisbroten auftauchen. Die Bäckerinnung ist diesem Treiben nachgegangen und hat festgestellt, daß auswärtige Bäcker die Hersteller der hier vertriebenen Waren sind. Bet einem Händler wurde ein Zettel gefunden, der von einem Wiesbadener Bäckermeister ausgestellt wurde. Dieser bescheinigte dem Verkäufer, daß er der Hersteller der Ware ist. Besonders blühend ist der Handel mit Wetßgebäck in den Eisenbahnzügen.
Deutsches Reich.
— Wie die „H. P." erfährt, ist es bekannt, daß in Halle Bestrebungen gegen die Sicherheit des Staates im Gange sind. Die zuständige Stelle ist der festen Ueberzeugung, daß die getroffenen Maßnahmen zur Abstellung dieser Bestrebungen vollständig ausreichen.
Ausland.
— Kopenhagen, 28. April. (Das Wahlergebnis in Dänemark.) Dos Endresultat der dänischen Wahlen ist folgendes: Die Arbeiterpartei erhält 4, die konservative 28, die radikale 17, die sozialdemokrattfche 42, die liberale 48 Stimmen. Die A'^^uerparLU geminutZ, die Konservativen 7, die Demokraten und Liberalen je 4 S-tze. Die Radikalen verlieren 15, die freien So- ztalisten 5, die unabhängige Rechte 1 und die unabhängigen Radikalen 5.
Bücher- und Lehrmittelschan.
In allen Fächern des Schulunterrichts ist die Anschauung die Grundbedingung eines erfolgreichen Unterrichts, auch in der Erd- und Heimatkunde. Daraus ergibt sich die Wichtigkeit der geographischen Schul- Wandkarte. Zu den wenigen Kreisen des Regierungsbezirks Cassel, die sich des Vorzugs einer wirklich guten und schönen Kreiskarte erfreuen, gehört der Kreis Schlüchtern. Die kleine Haudkarte von Geisel eignet sich nicht bloß für die Hand der Kinder, die den ersten heimatlichen Unterricht empfangen, sie ist auch für Touristen in ihrem handlichen Format sehr zu empfehlen. Alle Buchhandlungen des Kreises halten sie auf Lager. Die große Wandkarte wird, auf Papier ausgezogen und mit Rücken versehen, noch zum allen Preis von 20 Mk. vom Verlag Roth-Gießen geliefert
Kerwischtts.
— Films, die das englische Weltreich bedrohen. Auf eine sehr gefährliche und bisher noch gar nicht beachtete politische Wirkung des Kinos macht Ferdinand Tuchy in der „Daily Mail" aufmerksam. Er geht von einem gegenwärtig in England - viel gespielten Film aus, der darstellt, wie sich ein englisches Mädchen leidenschaftlich in einen Chinesen verliebt, eine Tatsache, die ja in England und Amerika nicht selten vorkommt. „Diesen Film wird man auch östlich von Sues sehen," sagt der Verfasser. „Leute werden ihn dahinbringen, die wahrscheinlich niemals im Osten gelebt haben und die nicht ahnen können, welche gefährlichen Gedanken ein solcher Film bei der eingeborenen Bevölkerung hervorrust. In Kairo und Bombay, in Kalkutta und Singapore wird diese Haltung der Engländerin, die sich dem gelben Mann an den Hals wirft, eine tiefe Verachtung für die weiße F^au auslösen. Ich erinnere mich an einen Film, den ich im Jahre 1917 eines Abends in Bagdad sah und in dem ein betrunkener Engländer feine Frau mißhandelte. Drei Viertel des Publikums waren Araber, denen gerade damals eine hohe Meinung von England beizubringen von höchster W.chtigkeit war. Es war interessant, zu sehen, wie sie ihre klugen Köpfe schüttelten und fich verständnisvoll ansahen, je mehr sich die Roheit des englischen Ehemannes und der Leichtsinn der englischen Frau enthüllten. Die Angelegenheit der Vorführung solcher Film, im fernen Osten hat einen sehr ernsten Hinter