Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlächtern.
Bezugspreis frei HauS, vorauSzahlbar viertelj. 3,50 Mk., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint Dienstags, Donnerstags.und AamStagS. Druck und Verlag T. Hohmeister, verantwort!. H.-K. Hohmeister, Schlüchtern. Fern- mf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.
K 52.
Lchlüchterner LreiMM
Aeltefte Zeitrmg im Greife; gegründet im Jahre 1849
Dienstag, den 4. Mai 1920.
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Bei Betriebs»
störungen kein Schadenersatz oder Minder-
gebühr einschließlich BezugS. für Platz, Aufnahme-Zeit ur
Keine Gewähr
für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten.
Nummer 11402.
72. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
Schlüchtern, bet? 4. Mai 1920.
—* Die Kunst dem Volke darf kein inhaltloses Schlagwort sein und die Kunst verpflanzt aufs Land, tof nicht ein urerfüllbarer Wunsch bleiben. Es ist darum die vornehmste Aufgabe des Künstlers, selbstlos Zeit und Rachsucht der Landbevölkerung dienstbar zu machen. Man soll es auch deshalb freudig begrüßen, wenn es Menschen gibt, die solche Ideale silbern, und denen, die es tuen muß man Dark w'ssm und ihnen entgcgenkommcn als Anerkennung ihrer Selbstlosigkeit, denn wie klein ist das Scherflein im Gegensatz zu der ungeheuren Arbeitsleistung. Der Himatbund Schlüch lern hatte seinen schönsten Maianfang mit zwei Konzer- tcn gefeiert. F rner, vom Thüringer LandeSkonser- valortum in Erfurt hatten sich Herr Dir.. Walter Hansman (Violine) und Herr Oskar Springfeld (Klavier) in den Dienst der guten Sache gestellt. Der künstlerische Erfolg wär — an der Begeisterung der Zuhörer gemessen — etn Durchschlagender. Es war ein wunderbar ausgeglichenes Zusammenspiel der beiden Vortragenden Künstlernaturen, in der jede einzcle ihre Eigenart bewahrte, und beide geigten ihr Können an der fein ausgewählten Vortragsfolge. Es war ein Strauß seltenster Geister an dem sich die Besucher der beiden Konzerte Herz und Gemüt berauschen durften. Wenn Manchem etwas schwere Kost vorgesitzt wurde, so ist doch auch hier vom Guten das Beste erst recht am Platze. Der Heimatbund, der seiner Aufgabe in jeder Hinsicht gerecht werden will, dürfte, da die materielle Hilfe so spärlich ihm zufließt, an derartigen Tlanzabenden eine bessere Würdigung finden, weun man auch a^derwelt-g bei sogenannter, „künstlerischen Abenden" entäuscht das Defizit gezogen hatte, so darf der Name Heimatbund jedes Fiasko ausschließen. Die kleine andächtige Gemeinde, die sich
der Seminaraula zusammenfand, gestaltete sich das Konzert der beiden Künstler zu einer wahren Maifeier und hat der wahren Kunst Altäre errichtet, die im reinen Lichte des zukunftöfrohen Matenscheins dem "Edlen, Wahren, Guten freudig weiter opfert.
—* Sonntag nachmittag fand man auf dem U'm bacher Berg einen fremden Radfahrer schwer verletzt neben seinem Rade liegen. Cr wurde in das hiesige Krekkrankenhnus Überfahrt, wo man eine schwere Gehirnerschütterung feststellte. Es ist wohl kaum anzu- nehmen, daß der Verunglückte mit dem Leben davon kommt.
—* Es wird von unserer Kreisbevölkerung mit Freuden begrüßt werden, daß die Firma Wich. Har'.mcrnn E. m. b. H., Fulda sich entschossen hat, den Betrieb einer Montagewerknäue für landwirtschaftliche Maschinen
Feindliche Brüder.
Roman von Jost Freiherrn von Steinach. 23 (Fortsetzung.)
Seid Ihr, Du und PapPa, denn so blind, zu Klauben, daß man in einer Großstadt Jahr auf Jahr ab die lebhaftesten Verkehr-straßen passieren könne, ohne etwas vom Schmutz wahrzunehmen, der sich dort breit macht? Ist es schließlich auch besser für jeden bas Leben so kennen zu lernen, wie es sich in Wirklich- keit abrollt, mit all seinen Leiden und Leidenschaften, Bis cs immer nur präpariert vorgesetzt zu bekommen?" Entsetz war die alte Dame aus ihrem Lehnstuhl ^szefahrm und starrte ihre Tochter wie ein Gespenst an. Solche Worte waren noch nie dem Gehege dieser Wirren weißen Zähne entflohen. Deshalb sagte sie mit Parser Stimme: „Hilde, ich hl ffe, daß Deine soeben ^rnommene Rede nur (»gelesenes Zeug ist. Ich will w diesmal nichts gehört haben, laß auch dem Vater aiiht etwas derartiges aus Deinem Munde hören; Du W, wie streng er in solchen Dingen denkt. Wenn 7 Fräulein von der Traun auf der Straße geht, so es einfach keinen Schmutz für sie ; ihre Seele so rein sein, daß der Schmutz an ihr abgleitet M der Regen von einer polierten Fensterscheibe. Das W Keine Ansicht von der Sache, und ich ersuche Dich, dieselbe zu respektieren."
Mit diesem, mit großer Emphase hervorgeschleuder- Schluß setzte sie sich erhobenen Hauptes in den ^hnstuhl zurück. Hilde warf nur dem Maler einen bedeutsamen Blick zu, aber sie erwiderte nichts. Da- Ke-m begann die Mutter von neuem, indem sie sich zu
Maler wandle: „Was sagen Sie zu solchen ^"slchten? Aber antworten Sie lieber nichts) Ihr
in den massiven Räumen des Pressehauses der Sannerzer Ziegelwerke aufzunehmen. Wie die Firma uns mitteilt, hofft sie, in absehbarer Zeit auch eine größere Anzahl ungelernter Arbeiter in dem geplanten Betriebe beschäftigen zu können.
—* Die bekannte Rindviehzuchtgenoffenschaft in Gersfeld (Rhön) für Simmentaler Hochzucht hält ihren diesjährigen Zuchtviehmarkt vom 19 d. Mis. in Gers- selb ab. Auf die Bekanntmachung im Anzeigenteil machen mir besonders aufmerksam."
—* Vom 19. b's 21. Mai d. Js. findet die Ziehung der großen Geld-Lotterie zugunsten der Deutschlands Spinde für Säuglings- und Kleinkinderschutz statt. Die Lose zu dieser Lotterie sind sehr begehrt und empfiehlt sich deshalb rechtzeitige Bestellung. Sie sind zu beziehen zum Preise von 3.50 incl. Porto und Liste durch das Bankhaus Matlhews, Friedrich, Hamburg Eilbeck, Abt. Lotterie.
—*- Auch die Frühlingsmode will jetzt ihr Recht haben. Sie ist zwar noch immer nicht frei von Absonderlichkeiten, die wir uns im Frieden, vor 1914 unter den damaligen normalen Zeiten niemals haben bieten lassen, aber heute sprechen die Zettverhältnisse noch mit, wenn auch der Bezugsschein längst in Fort- fall gekommen ist. Die Damenwelt hat Mühe, alle ihre Wünsche zu befriedigen, schon der „neue Hut" ist ein Kapitel für sich. Und auch die Herren der Schöpfung haben mit dem Mangel an Stoffen zu kämpfen.
—* Auf eine fünfundzwanzigjährige Tätigkeit im Meltorationswesen kann Herr Meliorationsbausekretär Thielmann zu Fulda am 1. Mai ds. Js. zurückblicken. Er begann seine Tätigkeit am 1. Mai 1895 beim Kreis- wiesendauamt in Martenberg (Oberwesterwald) und trat am 1. Sept.mber 1895 in den Dienst des staatlichen Meliorationsbauamtes Wiesbaden. Bei Neueinrichtung des Wassirbauaufsichtsdienstes im Regierungsbezirk Caffel am 1. April 1898 wurde Herr Thielmann zum Fluß- ausstchtsbeamten für den dritten Bezirk. umfassend die Kreise Hanau (Stadt u. Land), Gelnhausen, Schlüchtern, Fulda und das Fulda Gebiet des Kreises Gersfeld mit dem Amtssitze in Schlüchtern bestellt, welche Stellung er auch z. Zt. noch bekleidet. Im Jahre 1916 erfolgte die Versetzung nach Fuida, weil damals alle dem Vorstände les Meltorauonsbauamtcs zugeteilten Beamten zum Heeresdienst eingezogen waren. Besondere Verdienste hat fich Herr Thielmann erworben bet Durchführung vieler Bodenverbesserungen und Wafferversorgungs- anlagen, insbesondere der mit Unterstützung des Staates und des B zirksverbandeS ausgesührten umfangreichen Dedlands- und Viehnnidenmeltorartonen in den Kreisen Gelnhausen und Schlüchtern.
Hk. Erleichterung im Personenverkehr. In den Beznt.n der meisten Eisenbahnverwaltungen sind alle
Künstler seit auch so ein leichurnnrgcs Völkchen, das seine eigenen Anschauungen hat."
„Ich bin aber wirklich eine Ausnahme, gnädige F au!" entgegnete er, wobei man allerdings nicht entscheiden konnte, ob er im. Scherz oder im Ernst sprach.
Frau von der Traun schien es aber doch mehr für Scherz, und zwar für einen übel angebrachten zu halten, denn sie mochte eine ziemlich ungnädige Miene, um gleich darauf zu fragen: „Sagen Sie, wird denn die Vollendung des Porträes noch lange dauern? Ich finde, daß diese Sitzungen schon sehr lange, allzu lange währen. Hub es ist, Sie werden das selbst zugeben, sowohl eine große Anstrengung für meine Tochter, als auch ein bedeutendes Opfer für mich, immer hier still zu sitzen."
„Was mich anbetrifft, liebe Mama," widersetzte sich die Tochter, „so trage ich gern diese kleine Anstrengung um dem lieben Papa eine Geburtstagsüberraschung zu bereiten.
„Haben Sie keine Angst, gnädige Frau," fiel hier der Maler ein, „ich gebrauchte höchstens noch drei Sitzungen, dann ist mein geduldiges Modell endgültig entlassen, und auch Sie haben dann Ihre Freiheit wieder."
„Gott sei Dank", entschlüpfte aus dem Munde der alten Dame, „es ist übrigens auch nicht bloß unsert- wegen, sondern meinem Gatten fällt schon unser häufiges Einschließen auf, und ich konnte ihn bisher nur mit Mühe dazu bringen, seine Ungeduld zu meistern"
In diesem Augenblick wurden draußen Schritte laut und eine Hand drückte die Klinke der Türe herunter, die aber zum Glück verschlossen war.
Beschränkungen im Fahrkarkenverkauf nunmehr wegge fallen. Die Fahrkarten haben wieder die tarifmäßig* Gültigkeitsdauer von 4 Tagen, innerhalb deren die Reise beliebig angetreten werden kann, und auch Rückfahrkarten werben wieder ausgegeben.
Aus Provinz und Wachöargeöiet.
§ Caffel. Die Caffeler Frühjahrsausstellung 1920 wird zum ersten Mal seit Friedensschluß eine größere Uebersicht der hessischen Malerei und Plastik geben. Kürzlich wurden die Namen der auswärtigen Künstler, die ihre Beteiligung zugesagt haben, veröffentlicht. Aus Caffel selbst haben u. a. folgende Maler und Bildhauer Werke angemeidet: Professor Karl Bantzer, Professor Paul Baum, Professor Carl Bernewitz, Professor Georg Burmester, Ernst Odefey, Rudolf Stegmund, Kurt Witte. Um der Ausstellung in ihren einzelnen Teilen ein einheitliches Gepräge zu geben, wird sie in der Weise gegliedert, daß der Darmstädter Sezession sowie den Frankfurter und Caffeler Expes- fiontsten der Hauptraum des Kunstvereins zur Verfügung gestellt wird, während alle übrigen Werke im großen Oberlichtsaal des Ständehauses Aufstellung finden werden. Es ist zu erwarten, daß bet der glücklichen Zasammensetzung der Ausstellung alle Jntereffen- kreise im Publikum lebhaft angeregt werden und der Erfolg dieser ersten hessischen Kunstschau auf das künstlerische Leben der Stadt Kassel in jeder Hinsicht förderlich einwirken wird.
§ Die Holzpreise fallen in den anhaltischen Forsten reißend. Für den Raummeter eichenes Brauereiböttcherholz wurden auf der Auktion in Wöllitz 217 Mark gezahlt gegen 1000 Mark vor wenig-» Wochen.
Schaden durch Schn^rMd.
Seit unvordenklicher Zeit hat es in unserer waldreiches Provinz Schwarzwild gegeben und ebenso lange richtet das Schwarzwild mehr oder weniger oft Schaden an, indem es aus den Waldungen, seinen eigentlichen Heimstätten und Aesungsplätzen in das Feld herausdrängt nnb besonders Kartoffeln, Rüben aber auch andere Feldfrüchte, herauswühlt und auffrißt. Aeltere Keiler treiben sich oft allein umher, im übrigen halten sich die Sauen meist in „Rotten" zusammen, sodaß, wo solch eine Rotte in ein Feld einbricht, erheblicher Schaden entstehen kann. Deshalb haben sich die Forstbeamten und einsichtigen Jagdpächter auch zu allen Zeiten redlich bemüht, dem Schwarzwilde Abbruch zü tun, ohne aber zu erreichen, daß es ganz verschwindet. Wir kennen und schätzen die starke Vermehrungsfähigkeit der zahmen Schweine, fast ebenso stark ist die Fruchtbarkeit der wilden. Es braucht sich daher nur eine einzige d schlagene Bache den Nachstellungen zu entziehen — übers
„Mein Mann!" flüsterte Frau von der Traun, „seien wir. still!
.„Das ist ja merkwürdigt!" hörten Sie den Oberst brummen. Darauf rief er durch die Tür: „Wanda, bist Du im Zimmer?"
Jetzt hielt es die Dame doch für geboten, ihrem gestrengen Ehegemahl zu antworten, und so rief fie: „Ja, Georg, ich bin hier drin, aber ich bin sehr beschäftigt."
„Nun, ich kann mirs ja denken, daß Ihr etwas vorhabt, was ich vorläufig nicht sehen soll; ich will Euch auch beileibe nicht Erre U berraschung verderben. Aber nun mußt Du schon für einen Augenblick heraustreten, es ist ein sehr interreffanter Besuch gekommen, der Dir durchaus Deine Aufwartung machen will."
„Du machst mich neugierig, Georg," rief fie zurück, „darf man nicht erfahren, wie dieser Besuch heißt?
„Er ist von meinem ehemaligen Regimentskameraden hergeschickt, komm nur, Du wirst schon sehen!*
Nun gab es einfach kein Widerstreben mehr, denn der Oberst duldete in seinem Hause keinerlei Insubordinationen ; die ehemalige Kommandeuse erhob sich und begab sich vorsichtig hinaus, wobei sie die Tür nur so wett öffnete, daß sie hindurchschlüpfen konnte, damit der Oberst mit seinem scharfen Blick nicht wahrnehmen könne, was im Zimmer vor sich gehe.
Kaum war der Maler und sein Modell allein, als er von seiner Staffelet emporschaute und zu der jungen Dame hinüberrief: „Raten Sie, mein gnädiges Fräulein, wen ich in der Zwischenzeit getroffen habe!"
„Wen Sie getroffen haaenwiederholte sie, „ja wer kann das sein? Doch nicht jemand von meinen Bekannten?" Fortsetzung folgt,