ÄlMM tür Die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schtüchtern.
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Weiteste Seitens im Äreife; gegründet im Jahre 1849,
K 55. Dsimsvstag, den 6. Mai 1920. 73. Jahrgang
Aus dem Kommunallandtug.
Von Bürgermeister Stückrach
Der 46. Kommunallandtag des Regierungsbezirks Toffel wstrde am 27. April d. Js. vormittags 10 Uhr durch den Herrn Oberpräsidenten Dr. Schwander mit folgeret Ansprache eröffnet: Als ich im Dezember den Kommunallandtag hier begrüßte, gab ich in flüchtigen Umrissen ein Bild der Lage, in die unser Vaterland durch Krieg und die ihm folgenden Ereignisse auf staatlichem und wirtschaftlichem Gebiete geraten ist. Ich führte aus, wie nur redliche Arbeit uns dienen könnte, die uns von der Vorsehung bestimmte Weltstellung ein- zumhmen. Ich erwähnte die Kräfte, die im Innern sich bereit hielten, die Vernichtung Deutschlands zu vollenden, die von einer vielfachen lieb ermatt äußerer Feinde eingeleitet worden war. Endlich gab ich meinem persönlichen Glauben an die unzerstö bare Tüchtigkeit und Lebenskraft unseres Voltes zu erkennen, hinzufügcnd, daß neben treuer Arbeit vor allem Einigkeit im Reich uns nottue, damit die Erfüllung der schweren Gezen- «artspflicht eine Z kunft ein'chit^ße. D es war damals die Lage im allgemeinen, ihre besonderen Züge konnte man in der Zeit, die seither vergangen ist, deutlich erkennen. Nach schweren Erschütterungen und unter mancherlei Leiden raffte sich das Volk in den weitesten K eisen wieder zur Arbeit auf. Das Wirtschaftsleben schlug, wenn auch vorerst nur leise, aber doch deutlich erkennbar, die Richtung ein, die einer Zukunftsmöglich- lck entgegenweist. Ja, für ein aufmerksames Auge elhoden sich Me Zeichen, die vielleicht schon als allgemeine HauptlMien kommender sozialer Ordnungen erscheinen. Vor allem: es wurde gearbeitet, W.rte ent standen wieder. Der schweren Knsis wirkte entgegen daS gesunde L den aus der V.-lkstirfe. Das Verttanen innen und naß n begann langsam anzubauen. Man konnte aufatmen. Aber in diese Zeit des Aufatmens fi l wie ein Hagelschlag die Kunde von jenen Berliner Etk-gnissen, deren widerw llige Zeugen wir vor kurzem gewesen find und deren unmitelbare Folgen vorerst noch drohend über uns schweben. Es erwuchs Frevel aus Frevel. Die Abenteurer in Berlin mögen sich bei ihrem Anschlag übrigens gedacht haben, was sie wollen, ge:an haben fie jedenfalls das wirksamste, was sich tun ließ, um auch alle andern Umsturzkräfte zu verderblicher Wirkung zu bringen. Das deutsche Volk, das sich in seiner Arbeit am neuen W.rtschaftSausdau so unerwartet gestört sah, gab den Putschmachern eine Lehre, an die sie vielleicht doch einige Zeit denken werden, der Regierung aber die Weisung, Verfassung und Staat gegen giwalttätige Eingriffe, von welcher Seite sie auch lom Will mögen, wirksam zu schützen. Das Ausland, soweit es in deutschen Dmgen noch billig zu bertn verm g, begrüßte die Hairur-tz von Volk und R^gurung mit Beifall, da es darin mit Recht d c Abwehr von unabsehbarem militariftifchen sowohl wie bolschewistischen Anteil sah. Hingegen diefränzöstscheStaatsleitung erblickte in dcu Wirren, unter denen der Nachbar so bitter litt, nur die Gelegenheit zum Eingreifen ihrs Militarismus, dem es ein Leichter war, dem unbewehrten Nachbar ins Land zu fallen u. ihm einige Städte feindlich zu besitzen. Ein großer Teil des übetfauenen Gebietes gehört zu unserer Provinz, ein Teil zum Bezirk, dissen Kommunal- verwaltung uns obliegt. Sassen sie uns aa bietet Stelle der Bevölkerung, die unter der Besetzung leiden muß, in Treue geoenken! Sie wird, d.ssm find $ii überzeugt, der Fremdherrschaft, die hoffentlich bald P Ende sein wird, eine anständige deutsche Haltung kutgezensitzm. Ihre diesmaligen Verhandlungen gelten wesentlich der Beratung und Festsetzung des Haushalts- Mnes, der von der Landesverwaltung sorgfältig auft Wellt worden ist, von unS aber dennoch mit einem ®eW des Unbehagens gelesen werden wird. Der Vorschlag der 1919 noch mit 5 554 000 Mk. bilanzierte, fließt diesmal mit einer Summe von 12 360 000 ab und konnte nur durch eine außerordentlich M‘h Erhöhung vor Steuern ausgeglichen werden, ^lese Wandlung in den Finanzen des Bezirksverbandes W um so unerfreulicher, weil die so crhöhtenAuSgaden M gemacht werden sollen für neue Unternehmungen, ^eber Stärkung der Wirtschaftskraft dcs Landes oder etwa
Ausbau der Wohlfahrtspflege dienen. Abgesehen von Mzen treuen Krediten, die für solche gemeinnützige M-cke bestimmt sind, wie die Beteiligung an der zu endenden Bezirks-Wohnungsgesellschaft, ist die gemalt, ^gerung der Ausgaben veranlaßt durch das Steigen Prxisi für fast alle Verbrauchsgegenstände, welche
die Bezirksanstalten benötigen, und durch die Steigerung der Beamtenbesoldungen und der Arbeiterlöhne, die dringend geboten waren. In den Zahlen spiegelt sich das Bild, das heute unsere allgemeine Volkswirtschaft bietet mit dem verhängnisvollen Rückgang in der Produktion und Ausfuhr der mangelnden Erzeugung für unsere Volksernährung und der daraus folgenden Geldentwertung und unerhörten Teuerung auf allen Gebieten. Ich will diesen Gedanken nicht weiter ausführen, müßte ich doch sonst Hinweisen auf die Wunden, aus denen unser Volk unaufhörlich blutet. Aber das gestatten Sie mir noch, duß ich sage: Blicken wir ernsthaft und ohne Scheuklappen auf die schweren Gefahren, die auch der Tätigkeit der kommunalen Selbstverwaltung drohen, wenn es nicht gelingt, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Reiches zu stärken. Mit dem Wunsche und in dem Glauben, daß es durch redliche Bemühung doch gelingen muß, diese Schwierigkeiten zu überwinden und die Gefahren abzuwenden, erkläre ich im Namen der Staatsregierung den Kom- munallandtag des Regierungsbezirks Crssel für eröffnet.
Der Alterspräsident, Herr Hauptmann Berta, Soden schlug darauf vor, zur Wahl des P äfidiums zu schreiten. Es wurde an dem alten Kompromiß sämtliche: Parteien festgehalten und Gch. Justizrat Harnier (Demi kcat) wieder Präsident des 5 ommunallandtages. Im Kehligen traten in der Zusammensetzung der Fraktionen folgende Aenderungen ein:
der ^Lateinschule wählt die
„buvtzsvtiche"
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Liste morosen
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Aus der demokratischen Fraktion schieden aus die Abgeordneten Bürgermeister Stückralh, Schlüchtern und Kaufmann F-lde, Sckmalkalden und aus der deutsch- natwnalen Fraktion d>r Abgeordnete Proftssor Bredt, Marburg. Alle drei schloffen sich den FraktionZloien an und bildeten m't diesen zusammen die Fraktion „freie ArbeitSgemeinichaft". Die freie A:beit?gemein> schaff des Kommunallanvtagcs erblickt nach ihren Satzungen ihre Aufgabe darin, unter H'ntanstellung aller parteipolitischen Grundsätze für das Wohl des Kommu- naloerbandes sachlich zu arbeiten. Die Mitglieder sind in ihren Abstimmungen ungebunden.
Mitglieder find:
Hauptmann a. D. Berta, Soden, Vorsitzender. Kaufmann Felde, Schmalkalden, stelln. „ Bürgermeister Stückrath, Schlüchtern, Schriftführer. Sanbret Delius, Gelnhausen, stellv. „ Bürgermeister Müller, Atendorf a. W. Landrat v Uslar, Wolfhagen. Professor Bredt, Marburg. Landrat von Sieinau-Steinrück, Ziegenhain. Bürgermeister Brunner, Cafftl. Landrat Dr. Stagenhorst, Fcankenberg.
Die Stärke der Parteien steht nunmehr wie folgt:
Mehrheitssozialsemokraten 19 Sitz:
Deutschnationale 13 „
Freie Arbeitsgemeinschaft 10 „ Christliche Volkspartei (Zentrum) 9 „ Demokraten 8 „ Unabhängige 4 „ zusammen 63 Sitze.
(Fortsetzung folgt.)
Aus Stadt und Kreis.
Schlüchteru, den 5. Mai 1920.
—* Donnerstag, den 6. Mai 1920 abends 8 Uhr findet eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung mit nachstehender Tagesordnung statt: 1. Feststellung des Nachtrages zum Ortsstatuts für das EtcktrizitätS' werk betr. StrompretSerhöhung. 2. Bewilligung der Kosten für Verlängerung der elektrischen Lichtleitung nach dem Anwesen Philtppi in der Altenbahnhofstraße. 3. Vergütung für Versehung der Betriebsleitrrgeschäfte beim Elektrizitätswerk. 4. Lohnerhöhung für die städt.
Wegearbeiter. 5. Bewilligung von Teuerungszulagen für die Ruhegehaltsempfänger und Hinterbliebenen städt. Beamten und Lateinschullehrer.
—* Am 2. Mai verunstaltete die Kreisgruppe der deutschnationalen Volk-partei Schlüchterns öffentliche Versammlungen in Hohenzell und Niederzell. Beide Versammlungen waren vorwiegend von Parteigängern besucht. Die Sozialdemokraten waren anscheinend durch die Maifeier in Anspruch genommen. Der Hauptredner Helbing-Frankfurt entwickelte in klarer, überzeugender Sprache die Ziele der Partei und ihre Stellung zu den jüngsten Ereignissen, insbesondere dem Kapp-Putsch. Seine Ausführungen fanden starken Beifall, eine erhebliche Diskussion fand nicht statt. Es darf erwartet werden, daß die Versammlungen ihren Zweck in jeder Beziehung erfüllen werden.
—* Die Kanditaten der demokratischen. Partei für die Reichstagswahl beginnen sich in unserem Kreise vorzustellen. Reichsminister a. D. Preuß, der die 3. Stelle der vorgeschlagenen Liste einnimmt, spricht nächsten Dienstag Abend in der Turnhalle. Die neue Verfassung ist zu einem großen Teildie Arbeit dieses Mannes.
— Der an 2. Stelle der Liste aufgestellte Landwirt Cornelius Fcischmann,. der Vorsitzende des Hessischen Bauernbundks svrtcht Ende der kommenden Woche in einigen Orten d s Kreises, voraussichtlich in Steinau, Sterdfritz und M rrjoß.
—* Ein seltenes Naturschauspiel bot die totale Monifinsternis in der vergangenen Nacht. Trotz der zettw-Utg starken Wolkenbildung war es möglich die zunehmende Verfinsterung in iljuin eigenartigen stumpfgrauen Lichte zu beobachten. Im )kernschatten der Erde war die Mondscheibe nur wenige Minuten lang grHen. 3/*3 Uhr braunevi sichtbar, dann übetjöge« wsider auflietgenbe Regenwolken den Nachrhimmel.
—* Die Landwirtschaftskammer Kassel plant die Errichtung von Beispielswirifchaften in möglichst vielen Kreisen des Regierungsbezirks Kassel. Es war eine besondere Kommission eingefe^ worden, um die Einzelheiten dieses Planes festzustellen. Die Vorschläge tehntn sich an die bewährten Einrichtungen anderer Provinzen an, berücksichtigen aber zugleich die dies- seltigen Verhältnisse. Der Vorstand der LandwirtschaftS- kammer stimmte in seiner letzten Sitzung den gemachten Vorschlägen zu und setzte zugleich fest, daß die obere Grenze für die BeispielSwirtschaften 150 Morgen betragen soll.
* Herolz. WaS ist unser Geld noch wert? Am Sonntag hatte der Fußballverein Herolz in der Nau'schen Gastwirtschoft ein Keines Tanzvergnügen, wo man unten im Gastzimmer sehen konnte, wie ein junger Bursche aus S ...... ein Darmstädter 50 Pfennig Schein aus der Westentasche hervorzog, und sich hiermit in der O.ssentlichkeit eine Zigarrct.e anzündete.
Aus Provinz und Wachöargeöiet.
§ Flieden. Eine aufregende Scene spielte sich gestern aus der Fahrt von Fulda nach Frankfurt a. M ab. Kommt da p ötzlich vor Abfahrt des Zuges ein Geheimpolizist in die vierte Wagenklaffe, um die Gepäcke zu revidieren. Mehr als 10 Insassen, zumeist Landleute, die sich in Fulda Kleiderstoffe, Schuhe, Fische und Sachen eingekauft hatten, wollen bereitwilligst ihre Pakete zur Durchsuchung öffnen. Der erfahrene Polizeibeamte geht achtlos an diesen harmlosen Gepäcken vorüber. Da plötzlich erK.dt fein scharfes Auge in der Ecke ein Paket das im verdächtig erscheint. Er hebt es auf und siehe — es ist ein Sack Mehl, der nach Frankfurt verschoben werden sollte. Da sich zuerst der Eigentümer nicht meldet, wirft er den Sack zum Fenster hinaus. Nun tritt der Besitzer vor und will sein Eigentumsrecht zur Geltung bringen. Es gelingt ihm nicht, seine Schieberware wieder zurückzubekommen. Er wird der Polizei zur Feststellung seiner Personalien vorgeführt. Inzwischen setzt sich der Zug nach einem Aufenthalte von 20 Minuten wieder in Bewegung.
§ Bebra, 2. Mai. Hier wurden ein Lokomotivführer und ein Heizer verhaftet, die beschuldigt sind, gelegentlich ihrer Dienstfahrten auf verschiedenen Bahnhöfen Güterwagen erbrochen und beraubt zu haben. Es wurde bei ihnen eine Menge gestohlenes Gut vorgefunden.
'§ Göltingen, 4. Mai. Auf Anregung der Univer» fitätsoerwaltung ist von der Stadtverwaltung eine Wohnbacacke am weißen Stein eingerichtet. Diese soll Studierenden solange Aufenthalt gewähren bis fie eine paffende Wohnung gefunden haben.