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Schüchterner Zeitung

Anzeiger für Die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlüchtern.

Bezugspreis frei HauS, vorauszahlbar viertelj. 3,50 Mk., (durch die Post ohne Bestell­geld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und SamStagS. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwort!. H.-C. Hohmeister, Schlüchtern. Fern­ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Schlüchterner LreisSkatt

Netteste Zeitung im Kreise; gegründet im Jahre 1849.

Anzeigen: kl. Zeile oder deren Raum 60 Pfg., Reklamezeile 2, Mk. Bei Betriebs­störungen kein Schadenersatz oder Minder» gebühr einschließlich Bezug». Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

N 62. Samstag, den 29. Mai 1920. 72. Jahrgang

Aus Stadt und Kreis.

Schlüchtern, den 28. Mai 1920.

* Die Donnerstag-Versammlung der Deutsch- rationalen VolkSpartei verlief ziemlich stürmisch. Der Redner des Abends, Herr Studienrat D>.'Gerland, beschäftigte sich hauptsächlich mit der Frage des Maxis muS. Durch Verlesen einer Unmenge von Zeitungs­notizen suchte Herr Dr. Gerland Verfehlungen unter der heutigen Regierung gegenüber früherer Zustände zu beleuchten. Es ist zu verstehen, daß, das Verlesen von Zeitungsausschnitten, deren Inhalt im Grunde genommen ja immer wieder derselbe ist, auf manchen langweilig wirkte, trotzdem muß das flegelhafte Be­nehmen einiger Elemente getadelt werden. Wer eben nicht ruhig zuhören kann, der bleibe gescheiter zu Hause, und wer etwas zu sagen hat, der mag sich zur Dis­kussion melden. Von den Radaumachern meldete sich aber niemand. Dagegen sprach Herr Pfarrer Richter aus Herolz als Zentrumsmann. Herrn Pfarrer Richter diene zur Aufklärung, daß seine Worte, er werde seine Meinung in der Schlüchterner Zeitung veröffentlichen, doch sicher nicht ernst gemeint waren, denn wir haben doch auch noch ein Wort mitzureden, und es ist sehr leicht möglich, daß wir Herrn Pfarrer Richter den Gefallen nicht tun und unsere Spalten ihm zur Ver­fügung stellen. Alsdann sprach der L°hrer unserer jüdischen Gemeinde, Herr Heß, und verwahrte sich in sachlichen Ausführungen im Namen seiner Glaubensgenossen gegen die Angriffe des Herrn Hauptred­ners als Antisemit. Er ernte großen Beifall. Herr Moritz Wolf wollte scheinbar auch etwas reden, blamierte sich aber fc^csto sein bestes F>r«nd nicht verleugnen unsterblich; Auskunft gibt jeder Versammlungbesucher. Herr Herrmann Seelig brächte alsdann ein antise­mitisches Flugblatt, dessen Herkunft ihm bekannt ist, zur Verlesung- Mit einer Erklärung der Bedeutung des ÄortrsDeuschnational" von Seiten des Hauptred­ners wurde die Versammlung geschloffen.

* Kommenden Sonntag, den 30. 5. 1920 macht der Turnverein Schlüchtern bet gutem Wetter seine diesjährige erste Turnfahrt und zwar nach Altengronau. Morgens früh um 5 Uhr Abmarsch von der Turhalle aus über Ahlersbach, Bernhardswald, Breunings nach Altengronau. Für Mittagessen ist in Altengronau gesorgt. Nach dem Mittagessen findet dann ein Schau­turnen der Turner von Altengronau, Schlüchtern u. a. mehr statt. Rückkehr abends 8/a Uhr mit der Bahn. Hoffentlich beteiligen sich recht viele Turner u. Turner freunde an dieser vielversprechenden Turnfahrt. DerTurn- verein Altengronau hat uns mitgeteilt, daß er den Aufenthalt dortselbst uns so angenehm wie nur möglich gestalten will.

* Der Manuergesang-Verein Schlüchtern unter­nimmt am Sonntag, den 30. d. MtS. einen Ausflug über den Acisbrunnen, Ohl, Buchwasser nach Steinau. Versammlung der Sänger und deren Angehörigen, sowie Gesangesfreunde, die sich anschließen wollen, um Vl Uhr beim Kaiserdenkmal. Fröhlich singend will die Sängerschar mit ihrem verehrten Dirigenten an der Spitze hinausziehen in die schöne Frühlingswelt. Dort in unseren herrlichen^ Wälder», da wollen sie alle ihr Register ziehen, da wollen sie aus voller Kehle ihre Lieder erschallen lassen. Frei sein in Gottes schöner Natur, frei von allen Sorgen des Lebens, ungestö.'j von dem häßlichen Gezänk der Wahlmacher. Darum heraus, ihr Sänger alle, alle mit Welb, Kind, Freund und Freundin, die ihr noch Freude an dem schönen Gesang habt, nicht Klaffenzwtst soll uns trennen, in schönster Harmonie wollen wir fingen und schmausen und fröhlich sein.

* Eine Versteigerung von Postwertzeichen hält das Reichspostministerium vom 15. bis 18. Juni in Berlin W 9, Bellevuestraße 3 ab. Versteigert werden ungebrauchte Wertzeichen der früheren deutschen Post- Malteu tu China und in der Türkei (französische Währung). Lose mit Einzelsätzen dieser Marken werden einige Zeit nach der Versteigerung auch freihändig abgegeben. Die näheren Verkaufsbedingungen werden w Postnachrichtenblatt veröffentlicht und können bei leder Postanstalt eingesehen, außerdem pom Reichs- Uvstministerium (Verwertung der Sammelmarken) in Berlin W 66 gebührenfrei bezogen werden.

* Das neue Schaumweinsteuergesetz tritt am 1. ouni 1920 in Kraft. An diesem Tage im Verkehr befindliche Schaumweine, die noch nicht mit dem neuen bleu erzeiche« versehen find, unterliegen der Nachsteuer.

Jedoch unterliegen Schaumweine im Besitz von Eigen­tümern, die weder AuSschank noch Handel mit dem Getränk betreiben, der Nachsieuer nur, wenn die Ge­samtmenge mehr als zehn Flaschen beträgt. Die An­meldung hat bet dem für den Wohnsitz des Besitzers zuständigen Zoll bezw. Steueramt zu erfolgen.

* Romsthal. Hier sind Diebe mit Hilfe eines Nachschlüssels in die Kirche eingedrungen, haben den oberen und unteren Tabernakel um das jedesmalige Schloß umbohrt, um nach Entfernung d-s Schlosses Zutritt zum Innern des Tabernakels zu gewinnen. Durch irgend etwas sind die Diebe in ihrer Arbeit gestört worden. Wohl dieselben Diebe haben in der- selben Nacht Versuche gemacht, in das Nebengebäude des Pfarrhauses einzudringen, sind aber auch in ihrer Räuberarbeit gestört worden und haben die Flucht ergriffen.

Aus Provinz und Wachöargeöiet.

§ Zella. Ein größerer Schlag Nutzholz aus hie­sigem Gcmeindewald geriet in Brand. Bei der Herr- schenden Trockenheit griff das Feuer schnell um sich und beschädigte den gesamten Vorrat. Das Holz hatte einen Wert von etwa 70000 Mark.

Evangelische Forderungen zur , Reichstagswahl.

Der Deutsche Volkskirchenbund und die Konferenz evangelischer Arbeiterorganisationen, denen fast alle großen evangelischen Verbände Deutschlands mit Millionen von Mitgliedern angehören, haben anläßlich der bevorstehenden Reichstagswahl an die Gesamtvorstände der politischen Parteien die nachstehenden Fragen gerichtet:r'

Ist Ihre Partei bereit, dafür einzutreten,

1. daß ebenso wie die Religionsfreiheit des Einzelnen auch die den ReligionSzefeUschaften durch die Retchsverfassung zugesagte Selbständigkeit und die ihnen gewährleisteten Rechte in vollem Umfange aufrecht erhalten bleiben und insbesondere auch ihre Durchführung in der Landesgesetzgebung gesichert wird?

2. daß bei der Regelung der StaatSletstungen an die Religionsgesellschaften (Art. 138 R.-V.), den Forderungen der Billigkeit entsprend, den Lebensinteressen der Religonsgesellschaften in vollem Umfange Genüge geleistet und der Entwertung des Geldes Rechnung getragen wird?

3. daß dem Sonntag und den bisher staatlich anerkannten Feiertagen im Reiche und in den Ländern der durch die Retchsverfossung zugesagte Schutz ungeschmälert erhalten bleibt?

4. daß aus allgemeinen kulturellen und kirchlichen Rücksichten die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft sowohl bei den entscheidenden Beurkundungen des Personenstandes wie auch bet den Volkszählungen festgestellt wird?

5. daß bet der Ausführung des Artikels 146 der R. V. die Erteilung des Religionsunterrichts nach den Grundsätzen der Kirche gewährleistet wird, bestehende Bekenntnisschulen nicht gegen den Willen der Erziehungsberechtigten aufgelöst oder in Simultanschulen umgewandelt werden und die Freiheit der Willenserklärung der Erziehungsberechtigten bet der Wahl, insbesondere auch durch Schutz des Wahlgeheimnisses, sichergestellt wird?

6 daß die Freiheit der charitativen Betätigung gewährleistet wird und die zu ihrer Pflege begründeten Anstalten und Vereine in ihrer Wirksamkeit nicht durch Maßnahmen auf dem Gebiete des öffentlichen Rechts beeinträchtigt werden?"________________________________

Deutsches Reich.

Noch 100% Fahrpreiserhöhung? DieMann­heimer Bolksstimme" will von bestunterrichteter Seite erfahren haben, daß für den 1. Oktober eine weitere Erhöhung der Eisenbahntarife um 100 Prozent.ge­plant sei, um das riesige Defizit der ReichSetsenbahn wenigstens einigermaßen auszugleichen. Heutzutage muß man auf alles gefaßt sein, aber erwiesenermaßen ist die fortgesetzt» Erhöhung der Fahrpreise das denkbar schlechteste Mittel zur Verminderung der Defizite.

Die Portderhöhung eine verfehlte Speku­lation. Wie aus dem Reichspostministerium verlautet, läßt sich nicht leugnen, daß seit der Erhöhung der Posttartfe der Verkehr durchschnittlich um 25 Prozent nachgelassen hat. Um die Defizite der Verwaltung

nicht noch mehr zu vermehren, muß unbedingt in kürzester Zeit eine Vereinfachung in der Verwaltung eintreten. Diese Vereinfachung bedeutet Personal- Entlassungen, Vereinfachung der Bestellungen, Ein­schränkung im Schalterdienst, Ersparnisse im Bahnpost­verkehr durch Fortfall gewisser Bahnposten. Alles in allem: Der Betrieb wird trotz hohen Portos an allen Ecken verschlechtert.

Berlin, 28. Mai. Das Abkommen mit Sowjet­rußland über den Gefangenenaustausch ist von beiden Teilen ratifiziert. Oberst Bauer, ein Führer des Kapp Putsches, soll sich in Budapest aufhalten und dort organisatorisch tätig sein. Auch Kapitän Ehrhardt soll sich zu dem gleichen Zweck in Ungarn aufhalte».

Berlin, 28. Mai. (Der Abzug der Steuern vom Lohn.) Der Abzug vom Lohn an der Quelle für die Steuern wird in absehbarer Zeit erfolgen, vor­aussichtlich bereits Ende des nächsten Monats.

Spartakisten und Wildbestand. Anläßlich der schweren spartakistischen Unruhen vom 15. bis 20. März in ganz Sachsen wurden vielfach die Gewehre Jagdberechttgter von kommunistischen Arbeiterräten be­schlagnahmt. Der Erfolg ist, daß jetzt aus den ver­schiedensten Gegenden fortgesetzt Meldungen von Wild- und Holzdiebstählen umfangreichster Art kommen. Rot- und Rehwildstände find zum Teil vollkommen vernichtet.

Ausland.

Welt Ernteausichten. Aus Argentinien und Australien liegen jetzt die offiziellen Einschätzungen über die kommende Ernte vor. Die Ausfichten für die Weltversorguvg find nicht berühmt. Zwar erscheint die argentinische Maisernte von 6,5 Mill. T». (auf einer Anbaufläche von 3312000 Hektar) als genügend für eine nicht unbeträchtliche Ausfuhr. Dagegen lehnt Australien schon jetzt die Ausfuhr von Weizen ab. In den vier bedeutendsten Weizen produzierenden Staaten wird die Ernte in Neusüdwales, das am meisten unter der Dürre gelitten hat, auf nur 4,49 Millionen Bushels geschätzt gegen 17,83 Mill. Bushels 1919, in Victoria auf 13,59 Mill. Bushels, also etwa die Hälfte der vorigen Ernte. Südaustralien wird voraussichtlich 15,26 M Bushels gegen 21,3 Mill. Bushels in 1919 ernten. Eine günstige Ausnahme macht nur Westaustralien. Dort wird der Ertrag der Wetzenernte auf 12,47 Mill. Bushels geschätzt, die höchste Zahl seit der Einführung des Weizenbaues Australien scheidet also für die Wetzenversorgung so gut wie völlig aus. Wenn diese Tatsache nicht durch amerikanische Ernten irgendwie ausgeglichen wird, können wir mit großen Schwierigkeiten rechnen, die sich besonders auch bet uns geltend machen werden.

Paris, 27. Mai. Französische Erpresser. Die Senatoren und Deputierten, welche die zerstörten Gebiete Nordfrankreichs vertreten, versammelten sich am letzten Dienstag zu einer gemeinsamen Beratung und faßten nach Ansprachen Poincarö; und der früheren Minister Klotz und Loucheur folgende Entschließung : Die Gruppe der Vertreter der zerstörten Gebiete ist der Ansicht, daß die in Aussicht genommene Summe der von Deutsch­land zu zahlenden Entschädigung in keiner Weise den Bedürfnissen dieser Gebiete entspricht und in Wahrheit eine Verminderung der deutschen Entschädigungen dar­stellen wird. Sie verlangen deshalb die vollständige Durchführung des Erlebens Vertrages von Versailles, wie er vom Parlament angenommen wurde, das allein in der Lage wäre ihn abzuändern.

3% Milliarden falsches Geld. Nach ungarischen Blättermeldungen hat die Staatsanwaltschaft festgestellt, daß die seinerzeitige Bela Kun Regierung während der kurzen Zeit ihrer Dauer 3 719 000 000 Kronen falsches Geld ausgegeben hat. Bekanntlich haben die damaligen Herrscher von Lenins Gnaden bei ihrer unfreiwilligen Abdankung beträchtliche Summen mitgenommen, aber leider nicht ihr eigenes falsches Geld, sondern alles in alten Kronen oder fremden Valuten.__________________

Nachrichten für Auswanderer

Auskunftshefte für deutsche Auswanderer, und zwar für solche nach Südbrastlten und Norwegen, find erschienen zum Preise von 1,50 Mk. und 80 Pf., zu haben beim Zentralverlag, Berlin NW. 6. Die Hefte bringen neueste, aus amtlichen Quellen stammende Aus­künfte über die betreffenden Länder.

Rückkehr deutscher Auswanderer aus Argentinien- In Oldenzahl (Holland) ist vor kurzem eine Anzahl