chlüchtemer Mung
Anzeiger für die amtltdjen Rekannlmachungen im Kreise schlüchtern.
g«ugSpreis frei HauS, vorauSzahlbar jitrtrlj. 5,80 Mk., (durch die Post ohne Bestell» db). Erscheint Dienstags, Donnerstags und iamStagS. Druck und Verlag C. Hobmeister, MNtwortl. H.-C. Hohnieister, Schlüchtern. Fernes 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge- ^flsverkehr mit der Firma Schlüchtern.
SchciichtMier Meisßkatt
Aktteste ZelLuAg im Kreise; gegrMet im Zahre 1849.
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Kohle bedeutet Gold!
uS einer Rede des NegierungsrateS Dr. Bodensteiu.) Ohne Kohle ist kein wirtschaftliches Leben denkbar, hat die Gegenwart jedem von uns eingeprägt, wenn jemals, so hat jetzt das Wort von dem
warzen Diamanten" vollinhaltlich Bedeutung ge- anen. Insofern nämlich, als wir mit der Kohle als rauschware nicht nur die Rohstoffe erhalten können, wir brauchen, sondern sie ist auch der einzige Krasr- er, der uns die Möglichkeit gibt, die Rohstoffe verarbeiten. Je mehr Kohle also vorhanden ist, st-mehr Rohstoffe können herein und auch verarbeitet den.
Mehr als alle Erörterungen werden nachstehende n den Zusammenhang darlegen.
In einer Ueberschicht von 7 Stunden in der Woche dert der Bergmann im Ruhrgebiet rund 0,6 bis ,7 T. Kohlen im Monat (genau genommen in 4 ochen) in 4 solchen Ueberschichten rund 27, Tonnen.
einer Gesamtbelegschaft von fast 500 000 Berleuten unter Abzug von Erkrankten, Beurlaubten, usw. — de demnach die Mehrförderung im Monat 1 Million 1'/« Million Tonnen betragen. 1 Tonne Kohlew Met im Inland, unter Berücksichtigung des Lohnzu» lags für Ueberschichten, rund 300 2)lt. Wird diese ane Kohlen nach Holland ausgesührt, so dringt sie
Weltmarktpreis von rund 75 Gulden. Daß diese 5 Gulden bei der jetzigen Valuta rund 2500 Mk. ert find, spielt bei dieser Berechnung keine »obere Rolle.
1 Kilogramm Am tonet in Holland zurzeit 1,35 m, für 75 Gulden — 1 Tonne Kohlen sind hiernach kg Fett zu erhallen. Unter Abzug von Schwund, lchtsverlust bei Teilung usw.. rechne ich mit rund kg— 1 Zentner. Für die Tonne Kohlen kann ach 1 Ze..tner Fett eingetauscht werden. Werden lese 50 kg Fett nach dem Ruhrrevier gebracht, so liebe es genügen, daß sie bei ihrer Aufteilung und erkauf insgesamt den obenerwähnten Gepehungöpleis ou Mk. 300.— erbrächten; das Kilogramm könnte ternach zu Mk. 6.—, das Pfund zu Mk. 3.— abge« eben werden. Wird dieser Erlös in Höhe von 300 «I an das Kohlensyadikat bezw. Zechenverwaltung efühtt, so find alle Ansprüche getilgt, das Ergebnis also, daß bet Eintausch einer Tonne Kohlen gegen im Ruhrrevier das Pfund zu Mk. 3.— abgegeben den könnte und das alles unbekümmert um den schlechten Stand unseres Geldes. Dies ist der Wcrt der Mehrarbeit, wie er fich zahlenmäßig auSdrückt.
Eine Mehrarbeit von.etwa mehr als einer Stunde im Tag seitens des Ruhrbergmannes in demnach imstande, im Monat eine Menge von 12 kg = 27« Zentner Fell 'inzmauschcn, das zum Pcetse von Mi 3.— pro Pfund abgegebenwerden könnte. Selbstverständlich ist die Abgabe zu diesem pcetse zurzüt nicht möglich, da die anderen Volts.ette Deutschlands auch leben wo^en Mb wir zurzeit sov.ele Kohle nicht h^ben, um alle ^litteile Deutschlands in gleicher Weise zu versorgen.
Solange wir sür den ganzen Teil der B.vöck^ung die nolwtnuge Fettratton nicht aus die gleiche Weise tauschen, sondern mit unserer geringwertigen Papler- ^t noch eintaufen müssen, ist der Pcets, um einiget» Nien Gleichgewicht zu erzielen, auch für die Bergleute bemessen, daß auch diese für Ueberschichten den Pergieulen gegebenen 4 Pfund Fett, ebenso wie die Monierten Lebensrnittel, zu jetzt 8 Mark das Pfund gegeben werden. Werden die gegen 1 Tonne Kohle getauschten 1Q0 Pfund Schmalz zu dem erwähnten Preis von 10 Mark pro Pfund abgegeben werden, gesamt also zu 1000 Mark, während sie zur Deckung «3 GestehungspreiseS für das Kohlensyndikat bezw. die Zechenverwaltung nur 300 Mark pro Tonne zu Klingen brauchen, so wird noch ein Betrag von 7u0 grk pro Tonne erübrigt; also trotz Abgabe zu dem gen Preise von 10 Mark pro Pfund wird noch m Betrag von 700 Mark erübrigt, der in die Reichste fließen kann. Bei 20 000 Tonnen ergäbe sich g ein Betrag von noch 14 Millionen Mark pro ^onat, den das Reich mühelos verdient.
Der Ruhrbergmann erhält im Monat (der Ein- Mett halber spreche ich von einem Monat, statt vier Eschen) beim Verfahren von 4 Ueberschichten 4 Pfund
2 kg nicht etwa als Entgelt für die geleistete ^tarbeit, sondern um durch kräftigere Nahrung änlich befähigt zu sein, die Mehrarbeit leisten zu '^«kN.
Würde« alle 500 000 Ruhrbergleute pro Woche
Samstag, den 26» Junt 1920
72. Jahrgang
eine Ueberschicht verfahren, so wären hiernach 2 mal 500/000 — 1 Million Kilogramm Fett erforderlich. Da für 1 Tonne Kohlen 50 Kilogramm Fett in Holland eingetauscht werden, so find für den Bedarf von 1 Million kg Fett pro Monat im ganzen nur 20 000 Tonnen Kohlen zum Eintausch und Ausfuhr erforderlich, um jedem Bergmann im Monat 2 kg Fett zu gewähren. Die gesamte Mehrförderung durch die Ueberschichten beträgt im Monat über 1 Million Tonnen, sodaß von dieser Ueberschichtenförderung nur knapp 2% erforderlich werden, um den ganzen Bedarf der Ruhrbergleute an Fett im Monat zu decken, ein hiernach ganz geringfügiger Prozentsatz.
Es ist kein Schlagwort, dasi uns nur Mehrarbeit aus dem wirtschaftlichen Elend befreien kann; das hat auch nichts mit der Politik zu tun, nichts mit Unter- nehmerinteresse, nichts mit Rücksichtnahme auf die Regierung; die rein wirtschaftliche Notwendigkeit zwingt hierzu. Ich verstehe wohl, daß der Arbeiter, der den Achtstunoentag erhalten hat, sich gegen eine längere Arbeitszeit schon aus grundsätzlichen Erwägungen sträubt, aber wie her einzelne Mensch in seinem Leben auch dazu genötigt wird, in Ausnahmefällen einmal ganz fest anzupacken, sich zu erhöhter anstrengender Arbeit aufzuraffen, so geht es auch im Leben eines Volkes, und in dieser Zwangslage befindet sich nach dem unglücklichen Krieg unser Land. Um hochzukommen, müssen wir alle jetzt vorübergehend mehr arbeiten. Sind wir erst aus dem wirtschaftlichen Elend heraus, so werden zu geringerer Arbeitszeit und Arbeitsleistung wieder zurückkchren können. Demok.
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Aus Stadt und Kreis
Swmmrcr«, drp 25. $unt 1920.
—* Am Sonntag, den 27. d. Mts. nachm.
4
Uhr findet im Deutschen»Kaiser die erste Eiternver- sammlung für die Lateinschule statt..
—* Kommmenden Sonntag, den 27. Juni findet in Gelnhausen das diesjährige Gauturnfest des Kinzigxaues statt. Wie wir hören, wird dasselbe vom hiesigen Tura - Verein von 14 Wetturnern beschickt. Ein Zeichen, daß die alte gute Turnfache in Schlüchtern wieder auflebt und hoff.ntltch bald wieder auf die frühere Höhe kommt. Die Wetturner fahren schon Saknslag, während der Verein mit Fahne, Trommler- und Pfeifferkorps Sonntags früh 4,30 Uhr zum Zuge 5,08 admar schiert. Rückfahrt erfolgt mit dem Zuge, der abends 'A10 Uhr hier ankommt.
—* Einigung zwischen Aerzten und Krankenkaffen. WTB. meldet aus Berlin: Die Verhandlungen, die am 21. Juni im ReichsarbeitSministerium zur Beilegung der Streitigkeiten der Kassenärzte und der Krankenkaffen stattgefunden haben, haben zu einer völligen Uebereinstimmung geführt. Von beiden Organisationen werden die nötigen Anweisungen ergehen, wann, der vertraglose Zustand auszuhören haben wird.
—* Die Reichsbank nimmt, wie die WTB. aus Berlin meldet, neuerdings auch junge Kaufleute in ihren Dienst, die nur die Reife für die Obersekunda einer höheren Lehranstalt erreicht haben, mindest aber 3V» Jahre praktisch tätig gewesen sind. Die Aufnahmebedingungen sowie VoiHrucke für die Antragstellung
find bei sämtlichen Retchsbankanstalten (in Berlin beim Zentral-üro) kostenfrei zu haben.
—* Die Erhöhung der Renten in der Invalidenversicherung. Durch das Gesetz vom 20. v. MlS. sind die Invaliden-, Kranken- und Altersrenten um monatlich 10 Mk. mit Wirkung vom 1. Juli an erhöht worden. Die Empfänger dieser Renten müssen also bei der nächsten Rentenzahlung mit Quittungen erscheinen, die auf die Rente nebst 30 Mk. Zulage lauten. Bei den Wüwenrenten beträgt die Erhöhung monatlich 5 Mk. und die Quarungsa müff.a oemnach auf den Betrag der Rente nebst 15 Mk Zulagen lauten. Wenn die Quittungen nicht richtig an ^erteilt sind, müssen sich notwendig bei der Auszahlung ' Weiterungen ergeben. Keinen Anspruch auf diese Rentenerhöhung haben insbesondere die Kriegsbeschädigten und die Kriegshinterbliebenen, die demnächst auf Grund deS kürzlich veröffentlichten Retchsversorgungsgesetzes ganz bedeutend höhere Bezüge erhalten als bisher. Sie bekommen aber bis zum Jahrrsschluß noch die früheren Renrenzulagen. Demnach haben die Krtegsinoaltden die Quittungen wie bisher über den Rentenbetrag nebst 20 Mk. Zulage und die Kriegswitwen über den Rentenbetrag nebst 10 Mk. Zulage auszustellen. Wenn ihnen auf Grund von Quittungen über einen höheren Zulagenbetrag dieser bei der Post auSgezahlt werden sollte, würde das zu viel Gezahlte bet der nächsten Zahlung abgezogen werden. Durch das Gesetz vom 20. v. Mts. sind auch für die Waisen, die nicht Kr'egS- watsen find, Rentenzulagen von monatlich 10 Mk. ein- geführt worden. Diese Zulagen werden aber erst auS- gezahlt, nachdem den Empfangsberechtigten besondere Nachricht- von der Landesversicherun^Sanstatt zugegangen ist, und zwar nachträglich für die Zeit vom 1. Juli ab In ihre Quittungen ist also bis zum Empfang dieser Nachricht nur der Monats betrag der Rente selbst emzustellen.
—* Vergessene Schätze. Der Krieg hat in der Rumpelkammer tüchtig aufgeräumt, und was an Gegenständen auS Messing, Gummi, Leder, Wolle, an alten Kleidern und Leibwäsche vorhanden war, ist tetiS abgeliefert, teils verbraucht worden. Trotzoem lohnt eS sich jetzt, eine weitere Musterung zu halten; denn Dinge, die selbst während des Krieges noch als wertlos galten, erzielen jetzt, „im Kriege nach dem Kriege", ganz phamastische Preise. Alte, längst außer Dienst gesetzte Jagdgewehre, eine vor 30 Jahren angeschaffle, längst als veraltet und stark reparaturbedürftig beisettegestellte Schreibmaschine, alte Möbel, Reisekosten, Kinderwagen, Handwerkszeug, jetzt sogar leere Kisten und Kiftendeckel usw. können zu Pietseu verkauft werden, die manchmal höher find als der frühere AnschaffungpreiS. Dachziegel, die vielfach auf Hausböden lagern, kosten jetzt 1 Mk. das Stück! Beim Nachschauen wird man so manchen Gegenstand finden, der früher kaum das Ausbewahren wert war, jetzt ein schönes Stück Geld einbrächte, wenn man ihn in der Schlüchierner Zeitung inserierte, der aber in einigen Jahren, wenn die Warennot beseitigt ist, wieder so wertlos wäre wie früher. Eine kleine Anzeige in der Schlüchterner Zeitung kostet nur 60 Pfg. die Zeile und kann Hunderte Mark einbringen für Dinge die sonst Motten und Rost fressen.
Frankreichs Forderungen au Rutzland-
W.W. Der inLondon verhandelnde Wirtschastsdiktator Krasfin hat einem französischen Berichterstattergegenüber seine Meinung über die Behandlung der russischen Staats- suld geäußert. Bekanntlich ist für die Haltung Frankreichs gegenüber Räte-Rußland derWunschmaßgebend, die dent zaristtschenRußlanbgcliehmenM.lliardenwiederzuerhaUen Krasfin beruft sich auf die Erklärung aller russtschen Volksparteien seit der Revolution von 1905, daß eine russische Volksregierung keinesfallß die zu militaristischen und imperialistischen Zwecken kontrahierten Schulden Rußlands anzuerkennen geneigt sein werde. Krasfin weist darauf hin, daß Rußlands Anleihen bei Frankreich ebenso „Verträge" seien wie der Londoner Vertrag, laut welchem Rußland Konstantinopel erhalten solle. Diese Auffassung Krasfins entbehrt nicht einer gewissen Logik. Das französische Publikum ist in erheblichem Maße Mitbesitzerin der russischen Schuldtttel. Frankreich würde das wirtschaftliche Dasein des Klein-Rentnertums geradezu aufs Spiel setzen, wenn es sich mit der Annu- lierung der russischen Staatsschulden zufrieden gäbe. Wahrscheinlich wird die französische Regierung versuchen, die Verluste seiner Kleinbürger an russischen Werten als KriegSverluste hinzustellen, um -sie aus den deulschey Wiedergutmachungen zu begleichen.