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chluchtmlerMtung

Anzeiger für Sie amtlichen Bekanntmachungen im Greife schlüchtern.

Bezugspreis frei Haus, vorauSzahlbar viertelj. 5,80 Mk., (durch die Post ohne Bestell­geld). Erscheint DicnStagS, Donnerstags und EarnStagS. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwort!. H.°C. Hohmeister, Schlüchtern. Fern« ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Schwchterner Lre,sblatt M-UM s

Netteste Zeit»»« im Kreise; gegründet im Jahre 1849.

für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwifchenkostem Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

M r8.

Dienstag, den 6. )uli 1920.

73. Jahrgang

Aus §M und Kreis.

Schlüchtern, den 5. Juli 1920.

* Unser Garten hat endlich den langersehnten Regen bekommen; seit 13. Mai der erste stärkere Regen. Innerhalb 24 Stunden hat es 17 mm geregnet und in gutem Gartenboden ist der Regen etwa 6 cm eingedrungen. Das Gießen, das manche nicht ganz mit Unrecht als zwecklos ablehnen, ist überflüssig geworden. Falls es sich aber jetzt aushellt und die Sonne wieder kommt, ist es sehr von Vorteil, an­schließend an diesen Regen alle Beete mit wafferbedürftigen Pflanzen, wie alle Kohlarten, Salat, Buschbohnen, Gurken, Tomaten und solche mit tiefgehenden Wurzeln, wie gelbe Rüden und Schwarzwurzeln noch einmal durchdringend mit aufgefangenen Regenwasser zu gießen, damt die Durchfeuchtung tiefer geht und somit der Boden umso langsamer auLtrocknet. Als allerdringendste Arbeit kommt j tzt das Pflanzen der Kohlarten, Salat, Lauch und noch Sellerie in Betracht. Durch die lange Trockenheit haben die Pflänzlinge sehr gelitten und bet manchen fragt man sich, ob man diese Arbeit nicht umsonst ist. Jedenfalls beschafft man sich bester jüngere Pflanzen als daß man überständige benutzt. Bei Weiß- und Rotkohl und Wirsing tfi's jedoch nicht so schlimm, als bet Kohlrabi; von diesem sollte man nur junge, gesunde Pflanzen aussetzen, da überständige nicht mehr gerne Knollen ansetzen. Angießen ist natürlich auch bet feuchtem Boden nötig, damit die Erde an die Wurzeln geschlemmt wird. Frühkohlrabt kann man noch einmal auSsähen, ebenso ist es allerhöchste Zeit für Winterendivien. Buschbohnen zum Grünpflücken kann man in den nächsten 8 Tagen noch einmal stecken. Runkeln und Kohlrüben setzt man jetzt enger als bei normaler Pflanzzeit, da sie nicht mehr so groß werden. Grünkohl müßte bis Anfang August gepflanzt sein. Tomaten an den Settenzweigen entspitzen; nicht mehr Blätter entfernen als unbedingt nötig ist, damit die Früchte von der Sonne bestrahlt werderi. Erdbeeren werden erst vom August ab gepflanzt. Bet wieder eintretender heißer Witterung viel Hacken; Hacken ist bester als Gießen. M. Zink.

* Am vergangenen Samstag abend kam es Ecke LottchiusftraßeSchloßgasse zwischen zwei Ein­heimischen aus bis zur Stunde unermittelt gebliebenen Gründen zu einer wüsten Rauferei. Der Kampf dauerte unter wildem Kriegsgeschrei einige Minuten an. Körperverletzungen ernsten Charakters trug keiner der Herren davon. r»

* Ein freihändiger Verkauf von Postwertzeichen der früheren deutschen Postanstalten in China und in

Feindliche Brüder.

Roman von Jost Freiherr« von Steinach. 3' (Fortsetzung.)

Jetzt sollte der große Moment nahen, da auch die letzte Hülle von dem Geheimnis des Hauses Ranzenberg fallen sollte.

Die Zmgin machte eine kleine Pause, um Atem zu schöpfen, in diesem Augenblick aber wirkend wie das Vorspiel zu dem hochtragischen Effekt eines düsteren Dramas.

Fahren Sie fort," gebot der Präsident.

Ich hatte vor langen Jahren von meinem Gatten eine prachtvolle Brosche geschenkt erhalten; sie bestand aus mehreren ineinander gewundenen Schlangen aus Gold, einem Wunderwerk moderner Goldschmiedearbeit, und in der Mitte derselben war ein großer Sotttär von besonderem Werte angebracht, ein grüner Diamant von seltener Schönheit. Ich trage ihn seit dem Hin- scheiden meines geliebten Gatten immer bei mir, er Gilbet eine stete Erinnerung an meinen unermeßlichen Verlust. Hier ist er!" Und damit öffnete sie ihren Pelzmantel und zeigte auf das oben am Halse beseitigte Geschmeide, das in der Tat einen fast magischen Glanz ausströmte.

Ich hing selbstverständlich sehr an diesem kostbaren Juwel, und pflegte es fast niemals abzulegen. Eines Tages aber geschah dies dennoch, da meine Schneiderin M Anprobe eines neuen Kostüms gekommen war. Ich lege also den Schmuck in aller Eile auf das im Spesie- zimmer befindliche Eichenbüfett und begebe mich in mein Zimmer, wo mich meine Schneiderin bereits erwartete. 811» ich nach einer Weile da» Speisezimmer wieder

der Türkei (französische Nahrung) findet vom 20. Juli ab bei« Briefpostamt in Berlin C2 statt. Die Bezugsbedingungen mit Lohn- und Preisverzeichnis können bei jeder Postanstalt eingesehen, außerdem von der postamtlichen Verwertungsstelle für Sammlermarken in Berlin W 66 gebührenfrei bezogen werden.

* Auf dem 19. Gauturnfest des Kinziggaues in Gelnhausen errangen nachstehende Turner aus dem Kreise Schlüchtern in der Unterstufe den Eichenkranz.

Preft

i Zwölfkampf

Punkte

3.

Karl Schüßler, T.-V. Alteugronau

122

12.

Gg. Kratzenberger,

1107.

14.

Karl Roll, Rudolf Harnischfeger

Soden-Stolzenb. 107

15.

107

22.

Christ. Ullrtch

Alteugronau

1037.

23.

Fritz Batst,

,. Schlüchtern

103

25.

Heinr. v. Rockenthten

102

32.

Gg. Hagemann, o

Salmünster

97

34.

Konrad Roth,

Sterbfritz

96

34.

Jos- Zahn,

Salmünster

96

36.

Karl Bres,

95

38.

Jos. Rotschild,

Schlüchtern

94

41.

Karl Fuß,

Alteugronau

92

44.

Otto Gutmann

Schlüchtern

91

44.

Wilh. Dehler,

91

46.

Jos. Weber,

Marborn

90

54.

Gz. Müller,

Alteugronau

857,

55.

Peter Hahn,

85

Neunkampf.

4. Franz Graul, ' T.-V. Soden-Stolzenb.7 3?/*

6. Joh. Graul, 72VS

13. Adam Hausmann, Schlüchtern 66V2 W-r wünschen den wackeren Turnern ein kräftiges »Gut Heil".

* Landkuudschalt gewinnt man um beM^-drrrch regelmäßige Anzeigen in uuserer Zeitung. Der Land­mann, der nur hin und wieder zur Stadt kommt, stellt sich gern eine Liste seiner Besorgungen schon zu Hause zusammen, und da ist es immer nützlich, wenn er durch eine Anzeige in der Zeitung an den einen oder den anderen Einkauf erinnert wird.

* Was versteht man unterMarkenartikeln" ? Es sind dies solche Waren, die unter einer bestimmten, gewöhnlich gesetzlich geschützten Bezeichnung oder unter einer Schutzmarke fertig verpackt zu einem von der Fabrik festgesetzten Preise in allen Geschäften einer Branche zu haben sind, beispielsweise Maggtwürze, koffeinfreier Kaffee Hag und andere Arktikel des täglichen Verbrauches. Sie erleichtern den Verkauf, geben dem Publikum eine gewisse Garantie für Quali­tät und Preiswürdigkeit; die Ware ist durch zweckmäßige Verpackung vor Verunreinigungen und Verfälschungen

bettete, sieht der Angeklagte in der 9täbe des Büfetls mit hochrotem Gesicht und versteckt die linke Hand in der Rocktasche. Mein erster Gedanke gilt natürlich der Diamantbrosche, sie ist fort, ist verschwunden!"

Ein Gemurmel erhob sich bei dieser Stelle, so daß die Zeugin gezwungen wurde, ihre Rede zu unterbrechen.

Ich bitte mir die größte Ruhe aus 1" schrie der Vorsitzende, indem er einen wütenden Blick nach den Zuschauerbänken warf.Im Wiederholungsfälle bin ich genötigt, den Saal räumen zu laffen. Ich ersuche Sie, sortzufahren!" sagte er darauf im höflichen Tone zur Baronin.

Ich war außer mir vor Schreck; ich suchte krampfhaft auf der Tafel des Büfetts, blickte auf den Fußboden, ob der Schmuck vielleicht heruntergcfalleu ich finde nichts. Meine Verzweiflung steigt, mein Blick fällt auf meinen Stiefsohn."

Er steht bewegungslos da und sieht nur immer meinem vergeblichen Suchen zu, ohne eine Wort zu sagen. Daraufhin fragte ich ihn, ob er vielleicht einen Schmuck gesehen habe, der hier auf dem Büfett gelegen. Statt aller Antwort aber dreht er sich brüksum und will das Zimmer verlassen. Nun kommt mir ein schrecklicher Verdacht; ich eile ihm voraus und rufe meinen Gatten herbei, der sich zufällig im nahen Herrenzimmer aufhielt. Er kommt eiligst hinzu, ich erkläre ihm in fliegender Hast, was mir passiert ist, worauf mein Gatte seinen Sohn aufforderte seine Taschen umzukehren. Anfangs zögerte dieser, dann aber, als mein Mann dringlicher wurde, greift er in die Tasche und zieht wirklich meinen vermißten Schmuck hervor, den er wütend auf den Tisch schleudert. Dabei schreft er mir zu:Sie haben den Schmuck

geschützt. Einheimische Geschäftsleute, die Markenartikel führen, sollten bei der Bestellung darauf dringen, daß sie seitens der Fabrik nicht nur in einigen großen, auswärtigen Blättern, sondern auch am Platze inseriert werden. Erfahrungsgemäß find die Fabriken dafür leicht zu haben, und wenn der Wiederverkäufer darauf dringt, so wird auch seine Firma als Bezugsquelle genannt.

Aus Urovinz und Wachöargeviet.

§ Hanau. Am Montag Nachmittag zwischen 45 Uhr wurde in der Kurfürstenstraße eine Wohnung erbrochen. Der Täter, ein junger Bursche, entwendete 4 Paar fast neue Damenbeinkleider mit Spitzen, 3 Nachtjacken, 3 Damennachthemden, 6 silberne Kaffeelöffel, 1 silberne Tortenschaufel, 1 silbernes Käsebesteck, 1 goldene Brosche mit Brillant, 1 goldene Damenuhr mit einem Rubin. Der Täter ist etwa 1,65 Meter groß, etwa 25 Jahre alt, hat gebräuntes Gesicht und trägt blaugrünlichen Anzug, weißen Strohhut mit schwarzem Band.

§ Hofgeismar, 1. Juli. Die im Jahre 1867 von L. Kesebe-g, hier begründete Buchdruckerei und Papier- warenfabrik, welche früher 200 Personen beschäftigte, stellte ihren Betrieb ein. Die von derselben Buch­druckerei herausgegebeneHofgeismarer Zettung" geht in die Hände der Buchdruckerei von Schulz über.

Lenin über Eowjetrußlaud.

Die U.S.P. und die Kommunisten ergehen sich in heftigsten Anschuldigungen gegen die mehrhettssozial- demokratische Partei. DieRechtssozialisten" seien es gewesen, die durch ihrenVerrat" den Steg des Proletariats verhindert hätten. Ohne diesen Verrat wäre auch in Deutschland dieser Sieg erkämpft worden, gerade so wie in Rußland. Folgerichtig werden von dieser Seite die Zustände in Sowjetrußland dann auch als Edelzustände hingestellt. Es ist interessant, hierzu die Aeußerungen der gegenwärtigen Machthaber in Rußland heranzuziehen.

Am 17. Mai hielt Lenin auf dem dritten Fluß- schiffahrtskongreß eine längere Rede, in der er den Arbeitern den Uebergang von dem Rätesystem in den Fabriken zur Wiederherstellung der Macht der individu­ellen Leiter, die jetzt in Rußland mit einer unbe­schränkten Gewalt ausgestattet sind, plausibel machte. Bemerkenswert aber W, wie Linin selbst die Lage Sowjetrußlands schildert.Wir können nicht warten sagte er, das Land ist zerstört, das Elend, die Kälte, der Hunger und die allgemeine Desorganisation haben einen solchen Grad erreicht, daß es nicht weiter

gestohlen, nicht ich!" und verläßt mit dröhnenden Schritten das Zimmer. Das ist in wenigen Worten das Ereignis, wie es sich abgespielt hat. Es gab meinem Gatten Veranlassung, seinem Erstgeborenen für ewige Zeiten das Haus zu verbieten und sein erstes Testament zu seinen Ungunsten umzustoßen."

Und mit Recht! fiel hier der Staatsanwalt ein. Es war nichts anderes als ein Diebstahl, also ein Verbrechen, für das der Paragrah 2333 Absatz 3 des Bürgerlichen Gesetzbuches in Frage kommt. Wenn der hohe Gerichtshof gestattet, so will ich den betreffenden Passus, den ich bereits aufgeschlagen habe, vorlesev, ich glaube, das eben Gehö.te ist für den Fortgang der Verhandlung von grundlegender Wichtigkeit."

Er ergriff das Gesetzbuch und las folgendes vor: Der Erblaffer kann einem Abkömmling den Pflichtteil entziehen, wenn der Abkömmling sich eines Verbrechens oder eines schweren vorsätzlichen Vergehens gegen den Erblaffer oder dessen Ehegattin schuldig macht."

Mit triumphierender Miene nahm er wieder seinen Platz ein, worauf der Präsident den Angeschuldigten fragte:Nun, was sagen Sie dazu? Geben Sie zu, daß sich die Sache so abgespielt hat, wie die Zeugin erzählt hat?"

Ja!" war die allgemein verblüffende Antwort.

Na, da werden wir ja mit der wetteren Verhand­lung wenig Schererei haben," meinte der erstere.Also fahren wir fort!"

Zu aller Ueberraschung erbat sich Otto noch einmal zu der eben erledigten Angelegenheit das Wort.

Ja, Herr Präsident", sagte er mit fester Stimme, aber es ist nur eins dabei vergessen worden.