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Anzeiger jür Die amtlichen Bekanntmachungen im Zireise 8chtüchtern. Schlüchtrrver LrriMatt Heltcftc Zeitung Im Äreife; gegründet im Jahre 1849.
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JS SO. Samstag, den 10. Juli 1920. 73. Jahrgang
' Wieder Wesetzungspläne?
Paris, 7. Juli. Nach Londoner Meldungen soll Frankreich Vorbereitungen treffen, am Samstag Frankfurt, Nauheim usw. wieder zu besetzen, da an diesem Tage die Frist zur Entwaffnung der Reichswehr ab- lauft.
Aus Stadt und Kreis.
Schlichtern, den 9. Juli 1920.
— * Sonntag, den 11. Juli rachm. 2 7, Uhr findet im Hessischen Hof in Schlüchtern eine Pio- testversammlung gegen die hohen Lebensmittelpreise statt. (Siehe Inserat.)
—* Die Ernte nimmt ihren Anfang, die Tage, in welchen auf dem Lande von Sonnenaufgang bis zur sinkenden Nacht die Hände gerührt werden müssen, um den Segen der Felder sicher in die Scheuern zu bringen oder sonstwie zu bergen. Der Juli mit seinen Gewittern, die sich in Landregen auflösten, ist durch die Schädigungen, die er der Erde zugefügt hat, bekannt. Der Landbau bleibt trotz aller Umsicht und trotz allen Fleißes nun einmal Glücksache, und darum kann er auch nicht nach den Grundsätzen für Industrie und Gewerbe gemessen werden. Wir können in Deutschland die Handarbeit für das Mähen des Getreides nicht entbehren, da wir auf den vollen Strohertrag angewiesen find, den die Mähmaschine, so sehr sie auch zur Anwendung gelangt, nur bet ebenen Flächen ergibt. Auf den weiten amerikanischen Getreideflächen, die so glatt wie eine Tenne sind, und wo oft auch dem Stroh wenig Bedeutung beigemessen wird, wird ausschließlich mit großartigen Maschinen gemäht. Auch in dem ebenen Rußland und in Ungarn, wohin viele Tausende deutscher Mähmaschinen geliefert worden sind. Zur Brotberettung kommt für uns der Roggen am meinen in Betracht, während der europäische Westen es mit Weizengebäck hält. Wir gebrauchen aber an Roggen wie an Weizen starke Einfuhr (aus Amerika, Rußland, Ungarn, Argentinien usw.), und aus dem Ausbleiben seit 1914 entstand das Kriegsbrot. Obwohl die Industrie bei uns ein Wellfaktor geworden ist, blieb Deutschland doch ein sehr wichtiges Ackerbauland. Wir wären heute noch nicht imstande, unsere nötigsten Lebensmittel aufzubringen, wenn unsere Landwirtschaft nicht so viel leistete.
—* Die Not der Zeit zeitigt seltsame Blüten. Die „Wertinger Zeitung" fördert ihre Bezieher allen Ernstes auf, den Bezugspreis für daS nächste Vierteljahr mit l Pfund Butter oder 16 Eiern zu entrichten.
—* 'Landjäger werden von jetzt ab nach einer Verfügung des Ministers des Innern die preußischen Land-
Feindliche Brüder.
Roman von Jost Frecherrn von Steinach. 38
(Fortsetzung.)
„Aus diesem Passus geht mit Evidenz hervor, daß dies also nicht der eigentliche Grund gewesen ist. Worin bestand derselbe nun in Wahrheit?"
Das junge Mädchen kämpfte augenscheinlich mit sich einen schweren Kampf. Sie warf einen hilflosen Blick auf ihren Partner, auf den dieser sogleich mit den Worten reagierte: „Ich entbinde Dich Deines Versprechens, Melitta! Habe keine Angst und sprich frei heraus ! Was wir getan haben, ist nichts Schimpfliches, ich will es jederzeit vor dem irdischen wie vor dem himmlischen Richter verantworten."
„Da ich meines Wortes entbunden bin," begann uun die Angeklagte, „so will ich denn gestehen, daß ich tatsächlich einen anderen Grund hatte, in das verschlossene Zimmer zu dringen. Der größte Schmerz Atos von Ranzenberg nach dem Tode meines Wohl- iälers bestand darin, daß ihm niemals gestattet werden ollte, das Antlitz seines innigst geliebten Vaters zu stauen. Mag auch die Welt anders über ihn urteilen, ^ögtR ihn die Menschen pietätlos und herzlos nennen, 4 weiß es besser, weil ich ihn besser kenne als die ^ern. Mir hat er sein Innerstes erschlossen — seine Ochste Liebe galt seinem alten Vater, und selbst dann, ihn dieser von sich stieß, hat er nie aufgehört, ihn iu lieben und zu verehren. Und nun hatten sich diese Stiebten Augen, dieser teure Mund für immer Schlossen, ohne ein Wort der Versöhnung zu sprechen. Und was das Schlimmste für thu war, er sollte nicht 'banal die kalte Hand des Toten berühren dürfen, Ächt ncch einen heißen Kuß auf die bleiche Stirn, auf die |
gSndarmen genannt. Der bisherige Gendarmeriewacht- metster führt die Amtsbezeichnung Landjäger oder Oberlandjäger, der bisherige Oberwachtmeister heißt Land- jägermeister und die bisherigen Gendarmerieoffiziere Landjägerräte.
—* Wie hebt der Handwerker sein Geschäft? Oft hat der Handwerker Gelegenheit, einen gebrauchten, reparaturbedürftigen Gegenstand billig zu erwerben, ein Möbelstück, eine Maschine, ein Fahrrad oder dergleichen. Es ist jetzt ein sehr lohnendes Geschäft, solche Sachen zu kaufen, instandzusetzen und sie dann in der Zeitung auszuschreiben. Vielfach drängen sich auch gewisse Arbeiten, die ebensogut rechtzeitig hätten bestellt werden könen, auf eine gewisse Zeit zusammen, während vorher und nachher die jetzt so teuren Arbeitskräfte nicht immer so beschäftigt werden können, wie es wünschenswert wäre. Ein Hinweis in der Zeitung,daß derartige Saisonarbeiten rechtzeitig bestellt werden möchten, wirkt da ausgleichend und kostet nicht viel. Natürlich kann der Handwerker keine große Reklame machen, wie etwa eine Fabrik oder ein Handelsgeschäft. Aber ab und zu sollte er sich durch eine Anzeige in Erinnerung bringen. Mancher lohnende Auftrag, der sonst anderweitig, sogar nach auswärts vergeben würde, ist dadurch zu gewinnen, daß man sich in Erinnerung bringt.
—* Aus Jägerkreisen kommt die Klage, daß die herrschende bösartige Viehseuche auch auf das Wild übergegriffen hat, das unter den gleichen KrankheitS- erscheinungen eingeht, wie das Hausvieh. Auch unter dem Hausgeflügel wütet eine schlimme Krankheit, die rasch zum Tod der befallenen Tiere führt und von den . Landleulen mit der. Viehseuche in bezug gebracht wird.
—* Verbesserung des Spielplanes der Klassen- lotterie. Die Preußisch-Süddeutsche Klaffenlotterie hat mit Beginn der 1G. (242,) Lotterie, deren Ziehung 1. Klasse am 13. und 14. Juli d. Js. stattsindet, durch Vermehrung einer sehr großen Anzahl von besseren Gewinnen eine gründliche und zeitgemäße Umgestaltung erfahren. Besonders wirkungsvoll ist die Aenderung, daß in den vier Vorklaffen jetzt die Hauptgewinne je 100 OGO Mark betragen, während die fünfte Hauptschlußkasse eine bedeutende Vermehrung fast aller besseren Gewinne bringt. Die Prämien von bisher 300 000 Mark find auf 500 000 erhöht worden, wodurch sich die planmäßig gegebene Möglichkeit bietet, im günstigstem Falle: 2 Hauptgewinne zu je einer Million Mark zu erzielen! Ferner sind neben den betbehaltenen 2 Hauptgewinnen von jr 500 000 Mark anstelle der Gewinne von 150 000 Mark 2 Hauptgewinne von je 300 000 Mark eingefügt worden. Die Aussicht auf einen besseren Gewinn erhöht sich hiernach für jeden einzelnen Spieler ganz beträchtlich, da die Gesamtzahl der Lose dieselbe ist. Diese schon
erkalteten Lippen drücken zu dürfen, seine eigenen Verwandten verwehrten ihm den Zutritt in das Vaterhaus, verwehrten ihm den Zutritt zu der teuren Leiche. Da wandte sich der Ausgepoßene an mich, Herr Präsident, und ich hätte den sehen mögen, der ihm seine inständige Bitte verweigert hätte, ohne ein Herz von Stein zu besitzen. Ja, ich ließ ihn hinein, durchs Fenster und zur Nachtzeit; durch das Arbeitszimmer schritt er. hindurch, um zu dem Sterbezimmer zu gelangen, in' dem die sterblichen Ueberreste seines Vaters aufgebahrt waren. Das Arbeitszimmer war das einzige, das er vom Garten aus erreichen konnte, weil ein hoher Platanen- baum seine starken Acste bis zum Fenster empor schickt. Nunw-flenSie alles, alles, was ich zu sagen hatte, alles was vorgefallen ist. Und wenn hier jemand die Schuld tufft, daß der Sohn gezwungen wurde, diesen seltsamen Weg zu nehmen, so ist es jene Frau dort, die durch ihr rachsüchtiges Verhalten ihrer Lieblosigkeit die Krone aufgesetzt hat!"
Der liebliche Klang ihres jugendlichen Organs, der anfänglich malt und zurückhaltend gewesen war, hatte sich allmählich zu einem hohen Pathos gesteigert. Wie eine Heldin stand das junge Mädchen da, und als sie jetzt erschöpft inne hielt, den ruhigen Blick fest auf die Baronin gerichtet, da ertönte auf den Zuschauerbänken an verschiedenen Stellen ein lautes Bravo. Besonders Hilde von der Traun hatte sich aufs höchste interessiert, wett nach vorn gebeugt und schaute nun fast mit Hochachtung auf die Angeklagte, deren Mut sie im Stillen bewundern mußte.
Der Präsident, der bei den Beifallskundgebungen schon Miene machte, den Saal räumen zu lassen, sagte zu der Angeklagten mit strenger Stimme:
seit längerer Zeit erstrebten Verbesserungen find natür' lich nur durch eine Erhöhung des Lospretses zu erreichen.
Hk. Reichenberger Messe. Firmen, welche als Einkäufer Interesse an der in Retchenberg (Böhmen) vom 14. — 22. August stattfindenden Messe haben, erhalten Auskunft von der Geschäftsstelle Hanau der Vereinigten Havdelskammen Frankfurt-Hanau.
—* Vom 10. Juli d. Js. an halten die Schnellzüge D 41 und D42 Frankfurt (Main) Hbf.-Bebra- Berlin in Wächtersbach im Interesse des Bades Orb bis auf weiteres an. Auf der Strecke Frankfurt (Main)- Bebra ändern sich dementsprechend die Fahrpläne der genannten Schnellzüge wie folgt:
D41 Frankfurt (Main) Hbf. ab 7,20 vorm. Offenbach an 7,47 ab 7,48 „ Hanau Ost „ 8,94 „ 8,06 „ Gelnhausen „ 8,35 „ 8,36 „ Wächtersbach „ 8,48 „ 8,49 „ Fulda „ 10,10 „ 10,18 „ Hersfeld „ 11,06 „ 11,07 „ und weiter wie seither.
D42 Bebra an 4,29 „ 4,44 nachm. Hersfeld „ 5,00 „ 5,01 „ Fulda „ 5,57 „ 6,05 „ Wächtersbach „ 7,08 „ 7,09 „ Gelnhausen „ 7,23 „ 7,24 „ Hanau Ost „ 7,47 „ 7,48 „
Offenbach „ 8,08 „ 8,09 „
Frankfurt (Main) Hbf. „ 8,26 „
* Unsere Steinauer Berichterstattung schreibt: Unser Bericht über die Saujagd in Steinau brächte lediglich Talsächliches und übte keinerlei Kritik. Trotzdem scheint sich der in Frage kommende Schütze aus Schlüchtern gekränkt zu fühlen. Es sei deshalb auf seine Auslassung erwidert, daß es auch schwache Sechserböcke gibt, und daß man wohl überall, wo noch strenge Jägersitten herrschen, ras Wegschießen der nährenden und führenden Mutter von den Jungen, solange diese sich noch nicht selber helfen können, mag es sich nun um Nutz- oder Raubwild handeln, stets als Aasjägeret bezeichnet. Gewiß ist der Fuchs ein arger Jagdschädling; aber heutzutage, wo ein einziger Fuchsbalg mehr gilt, als früher oft eine Pachtjagd kostete, dürfte sein Nutzen größer sein als sein Schaden. Er ist z. Zt. gewissermaßen ein zinstragendes Kapital für den Berufsjäger, das seine Interessen aber nicht im Sommer, sondern erst im Herbste und Winter abwirst. Immerhin liegt es uns fern, dem betr. Schützen, der gewiß nicht aus bewußt böser Absicht heraus gehandelt hat, irgend welchen Vorwurf zu machen.
* Steinau. H-rr Förster Mengel in dem beaach-
„Ich verbiete Ihnen, die hier anwesende Zeugin zu beleidigen; Ihre Auffassung ist nur eine reine subjektive, Ihr Blick ist durch die leidenschaftliche Ankeil- nahme für den Mitangeklagten getrübt, und nichts spricht dafür, daß die Zeugin nicht ihre Pflicht getan oder nicht im Sinne ihres verstorbenen Gemahls gehandelt hätte. Für uns kommt es vor allem darauf an, daß Sie nicht leugnen, den Angeklagten nachts in das Arbeitszimmer eingelassen zu haben, welches der Freiherr als Aufbewahrungsort seines Testaments benutzte. Dadurch wird das ganze Verfahren bedeutend vereinfacht ; man lasse die übrigen Zeugen eintreten!"
Als Zeugen waren alle in der Voruntersuchung geladen, die nun insgesamt den Gerichtsaal betraten. Da war der alte Herr von Goswin, der bekunden sollte, daß er dem Angeklagten von dem Aufbewahrungsort des Testaments, sowie von dem Inhalt desselben Mitteilung gemacht habe, ferner trat der Diener Genius herein, welcher Melitta auf deren inständiges Bitten heimlich den von dem Schlafzimmer zum Arbeitszimmer des Freiherrn führenden Eingang durch Leihen des Schlüssels geöffnet hatte.
Daneben erschien Ottos eigener Diener Finke mit sorgenvollem Gesicht; mußte er doch seinen eigenen geliebten Herrn durch seine Aussage belasten, denn vor acht Tagen hatte man auch ihn noch nachträglich als Zeugen vorgefordert, wo er dann nicht anders konnte, als der Wahrheit gemäß auszusagen, was sich in jener verhängnisvollen Nacht zugetragen.
Der schwerwiegenste Zeuge aber war der Portier Winter, der mit eigenen Augen den in Frage kommenden Vorgang mit angesehen hatte.
(Fortsetzung folgt.)