AnzeiM für die mnttichm Rekanntmachungen im Kreise SchMchler«.
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Schkichtermr LlreiMM
AelteAt ZeltARg im Kreise; gegrL«-et i« Jahre 1849.
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M 82. DsnnevrLag, den 15. Juli 1920. 73. Jahrgang
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Aus Stadt und Kreis.
Schlüchtern, den 14. Juli 1920.
—* Die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche hat bisher wenig Erfolge gezeitigt. Die Zunahme der Seuchenfälle ist eine äußerst rasche. Nach den Zusammenstellungen des RetchSgesundheitsamteS waren von der Maul- und Klauenseuche befallen: am 16. Mai 1920 399 Bezirke = 2326 Gemeinden ----- 14384 Gehöfte, am 31. Mai 1920 500 Bezirke — 3174 Gemeinden = 30394 Gehöfte. Inzwischen ist eine weitere große Zunahme erfolgt. Ein erfolgreicher Kampf gegen die Viehseuche ist nun mit Hilfe von Dämpfen eröffnet worden, die durch.VerdampfungS- opparate in den Ställen entwickelt werden. Die Methode wurde schon vor Jahren mit Erfolg erprobt und vom beamteten Tierarzt RoSmann zur Einführung empfohlen. In den letzten Wochen wurden gleichfalls glänzende Resultate erzielt und von behördlicher Seite, aus die mit dem Apparat laut vorliegenden Zeugniffen erzielten Erfolge aufmerksam gemacht. Der Apparat, der auch gegen andere Viehseuchen laut Zeugnissen mit Erfolg angewcndct wurde, sowie zum Desinfizieren von Ställen verwendet werden kann und behördlich empfohlen ist, wird von der Metallwarenfabrik Friedrich Haust, Nürnberg Abt. Apparate, geliefert. (Näheres s. Inserat.)
—* In Nr. 76 und 77 der Schlüchterner Zeitung hat ein Mensch, der gern anderen etwas am Zeuge flicken möchte, die Tatsache der Oeffentlichkeit unterbreitet, daß die Steinauer Apotheke der Stadt Steinau ein Faß Fußbodenöl mit 2455^,85 Mark berechnet hat. Wäre es dem Einsender dieser Notiz auch nur im mindestens auf wtklich objektive Berichterstattung ange» kommen, dann hätte er yiuzusetzen müssen, daß dieses Faß 164 kg Vaselin-Futzbodenöl bester Sorte enthalten hat. Es hätte sich dann jeder Leser selbst ausrechnen können, daß die Stadt Steinau noch keine 15 Mark pro kg zu zahlen hatte. Jeder, der wirklich etwas von der Sache versteht, — der Einsender der Notiz scheint nicht zu diesen Leuten zu gehören — hätte sich dann ganz von selbst gesagt, daß die Stadt Steinau einen ganz ungewöhnlich billigen Einkauf gemacht hat, denn zu der fraglichen Zeit (April 1920) waren die Einkaufspreise weit über 15 Mark. Dem Einsender der fraglichen Notiz ist es aber auf objektive Berichter- flattung offenbar nicht angekommen, sonst hätte er weiter bemerken müssen, daß die Stadt Steinau das Fußbodenöl für ihre Schule schon seit längerer Zeit aus der Steinauer Apotheke bezogen hat. Sie hat dasür ihre guten Gründe; denn bei den jetzt landesüblichen Schiebungen, Streckungen und Verfälschungen
Feindlich« Brüder.
Roman von Jost Freiherr« von Steinach. 39 (Fortsetzung.)
Nach einer kurzen Replik des Staatsanwalts und nachdem der Angeklagte erklärt, daß er nichts mehr zu sagen habe, zog sich der Gerichtshof zurück, um schon nach knapp einer Viertelstunde über den Angcklagten das Schuldig auszusprechen, während die Mitangeklagte freizusprechrn und sofort aus der Haft zu entlassen sei.
Der Staatsanwalt beantragte für Otto Freiherr» von Ranzenberg in Anbetracht der niedrigen Gesinnung, die er an den Tag gelegt, und im Hinblick auf die «schwerenden Umstände, die in dem unbefugten Ein- fleigen und in dem Erbrechen des Schreibtisches rffunden werden müßten, zwei Jahre Gefängnis und sofortige Verhaftung, da Fluchtverdacht vorzuliegen scheine.
Bei diesen Worten brach Melitta in bitterliches Schluchzen aus und sank völlig kraftlos und zerschmettert auf die Bank, während Otto noch aschfahler ®urbe, aber eine merkwürdige Fassung an den Tag legte.
Und als bald darauf der Gerichtshof das Urteil verkündte — ein halbes Jahr Gefängnis, wobei die Untersuchungshaft abzurechuen sei, da drehte er sich W um, um an der Seite des Schließers den Saal in verlassen. Alles strömte in wilder Hast dem ^nsgaug zu, noch eifrig über das Erlebte bebat« lierend. .
Schon war auch der Verurteilte bis an die Schwelle »klangt, als Melitta mit einem gellenden Aufschrei »ns ihn losstürzte und ihm zurief; „Otto, was hast
hat sie gerade bei einem öffentlichen Institut wie einer Apotheke die absolute Gewähr, daß ihr nur ganz eiuwandfreies und nntersuchtes Material geliefert wird. Der Einsender der fraglichen Notiz hätte wirklich besser getan, .sich um seine Angelegenheiten zu bekümmern, als daß er in einer derart törichten Weise versucht, den Ruf der Steinauer Apotheke durch seine Gehässigkeiten anzugreifen. Die Stadtbehörde hat festgestellt, daß die Steinauer Apotheke an der fraglichen Lieferung noch keine 10% verdient hat. Die Bestellung des Oeles in der Apotheke ist also gar nicht so unbegreiflich und schilddürgerlich, wie der Einsender das Hin- stellen möchte.
—* Berichtigung. In unserer vorigen Nummer befinden sich zwei Berichte aus Steinau, zu denen uns der Magistrat der Stadt Steinau schreibt: 1. Die Errichtung eines eigenen Lulttizitätswerks ist seitens der städtischen Körperschaften seit dem Bestehen des Gaswerks überhaupt nicht erwogen worden. Die Stadt ist sogar nach der im Gaswerksvertrage enthaltenen Konkurrenzklausel gezwungen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln das, Zustandekommen eines solchen Werkes zu verhindern. 2. In dem Bericht über die Unterhandlungen bett. Ankauf des Gaswerks beruhen nur der erste Satz und, die Angabe über den verlang- . ten Preis von Mk. 125000.— auf Wahrheit. Alle übrigen Angaben find stete Erfindungen des Berichterstatters.
—* Ursprungszeugnisse nach dem Saargebiet. Bekanntlich erkennen die französischen Zollbehörden nur solche von deutschen Handelskammern ausgestellte Ursprungszeugnisse an, die mit dem Visum oder »der Beglaubigung einer französischen oder alliierten Stelle in Deutschland versehen sind. Hierdurch entstehen erhebliche Unkosten, die sich vermeiden lassen, wenn die Ursprungszeugnisse von deutschen Zoll- oder Steuerämtern ausgestellt werden. Diese bedürfen nach den Vorbemerkungen zum französischen Zolltarif eines besonderen Visums durch eine französische Behörde nicht. Es werden also hierbei sowohl Zeit wie Kosten gespart. Es liegt im Interesse des Saarhandels, wenn die deutsche Geschäftswelt von dieser Möglichkeit weitgehendst Gebrauch macht.
—* Nachsendung von Zeitungen in die Sommerfrische. Wer seine Zeitungen in der Sommerfrische ohne Unterbrechung weiter beziehen will, versäume nicht, ihre Nachsendung rechtzeitig und bei der richtigen Stelle zu beantragen. Die richttge Stelle ist für die durch die Post bezogenen Zeitungen das zustellende Postamt des bisherigen Wohnorts, für nicht von der Post- gelteferte "der Verlag selbst oder der Zeitungsagent, Spediteur, Buchhändler usw., der den Bezug bisher vermittelt hat. In beiden Fällen muß der Antragsteller
Du mir getan?"
Doch der Präsident machte der Szene schnell ein Ende, indem er in schnetdendcm Tone durch den weiten Raum befahl: „Die Sache ist beendet, alle haben den Raum zu verlassen!"
Noch einen letzten Blick, indem sich die Trauer mit inniger Liebe paarte, warf der Unglückliche auf feine Braut, dann schritt er hinaus, während sie mit einem dumpfen Laut ohnmächtig zu Boden sank.
, 11. Kapitel.
Als Frau von der Traun und ihre Tochter, noch ganz erregt von dem Skandalprozeß, das GerichtS- gebäude verließen, um in die elektrische Bahn einzu- steigen, kam ihnen Frau xvon Neudeck mit hochrotem Gesicht nachgelaufen. Als sie dieselben eingeholt hatte, fing sie sofort an: „Nun meine liebe Frau Oberst, was sagen Sie dazu? Ist das nicht schrecklich! Und wenn ich bedenke, daß dieser Mensch noch vor kurzem bei Ihnen verkehrte."
Frau von der Traun füllte wohl den Nadelstich; sie kannte Frau von Neudeck genugsam als Intrigantin und Klatschbase, so daß sie sich über die taktlose Bemerkung nicht weiter aufregte. Sie wußte, daß diese Frau sie zu ärgern suchte, wo sie konnte, und fie kannte auch den Grund genau; hatte Frau von Neudeck doch nichts sehnlicher gewünscht und erstrebt, als aus ihrem abgöttisch geliebten Sohn Erich, dem Gardeleutnant, und Hilde ein Paar zu machen. Sie hatte die größten Anstrengungen gemacht sind alle Hebel in Bewegung gesetzt, doch alles war umsonst gewesen und an dem unerschütterlichen Widerstand Hildes zerschellt; ihr war das Geschniegelte und Gebügelte ein Greuel, wozu bei Erich von Neudeck noch
genau angebeu, wohin, von wann• ab und wie lange die Zeitungen nachgesandt werden sollen. Die Ueber- Weisung jeder durch die Post bezogenen Zeitung kostet 2 Mark. Vordrucke zu Nachsendungsrnträgen erhält man unentgeltlich beim Postamt. Wegen der Wetter Überweisung der von der Post nachgesandten Zeitungen bei wiederholtem Ortswechsel und wegen der Rücküber Weisung nach Hause muß man sich immer an das Post- amt wenden, das die Zeitungen unterwegs zuletzt aus- geliefert hat. Die Weiterüberweisung kostet wieder 2 Mark für jede Zeitung; die Rücküberweisung ist kostenfrei.
—* Ein Ei 85 Pfennig. Aus Fulda kommt die erfreuliche Kunde, daß dort die Eier für 85 Pfennig verkauft werden und zu diesem Preis auch tatsächlich zu hab-n sind. Damit die Herren Hamsterer und Schieber sich aber keine unnützen Spesen machen, sei gleich mitgeteilt, daß jeder Hamsterei ein Riegel vorgeschoben ist. Auch annehmbare Obstpreise find hier erzielt worden; z. B. Kirschen 1.— bis 1.50 Mk., Stachelbeeren 80 Pfg. usw.
—-* Die Ammendorfer Papierfabrik war bereits im vorigen Jahr in der glücklichen Lage, 36 pCt. Dividende verteilen zu können und den Aktionären außerdem noch einen Bonus von 500 Mk. in Kriezsanleihe zu bewilligen. Der diesmalige Geschäftsabschluß ist so günstig ausgefallen, daß eine Dividende von 40 pEt. zur Ausschüttung gelangt, selbstverständlich nach reichlichen Abschreibungen, Rücklagen, Tantiemen usw. Diese fetten Dividenden rücken- die „Notwendigkeit" der außerordentlich hohen Papierpreise wirklich ins rechte Licht.
—* Neue ■ Farben für Briefmarken. Germania- marken in neuen Farben, die jetzt zur Ausgabe gelangen sollen, hüt die Reichsdruckerei hergestellt. Sobald die alten Bestände aufgebraucht sind, werden die Marken in den neuen Farben ausgegeben. Die Farbentöne sind rotbraun für die Marken zu 5 Pfg., orange für die zu 10 Pfg., saftgrün für die zu 20 Pfg., hellblau für die zu 30 Pfg., karminrot für die zu 40 Pfg., hrllviolett für die zu 50 Psg., olivgrün für die zu 60 Pf., dunkelviolett für die zu 75 Pfg., und dunkelblau für die zu 80 Pfg.
Hk. Keine Postkarten über 14:9 cm ins Ausland! Das Auswärtige Amt (Etidienst Nr. 2666) weist erneut darauf hin, daß im Auslandsverkehr die neuerdings in Deutschland zugelassenen Postkarten von 15,7; 10,7 cm Größe nicht verwendet werden dürfen. Sie werden vielmehr im Ausland als Briefe behandelt und mit Strafporto belegt.
Hk. Die letzte Frist für die Anmeldung der Auslandsforderungen läuft mit dem 31. Juli ab. Nicht' innehaltung bedeutet nicht nur eine schwere Schädtgun
ein affekttertes Wesen kam, das in ihren Augen, die an die Schlichtheit Doktor Waldaus gewöhnt waren, ganz unausstehlich machte. Frau von Neudeck hatte lhr ablehnendes Verhalten, zum Teil ja auch mit Recht, auf ihre Zuneigung ^u dem bürgerlichen Doktor geschoben; doch als dieses nur mit dem aufmerksamen Auge wahrnehmbare Verhältnis eines schönen Tages ein plötzliches Ende nahm und trotzdem keine Aenderung in dem Benehmen des jungen Mädchens zu ihrem Sohne eintrat, da mußte sie endlich das Vergebliche ihrer Bemühungen einsehen, und von dieser Stunde an besaß die Familie des Obersten eine geheime Gegnerin mehr, gegen deren mokante Zunge es keine andere Waffe gab, als die peinlichste Vorsicht und ein beständiges „Qui vive!" So lange Frau von Ncudcck auf ihrem Gute weilte, ging es ja noch an; denn wenn sie auch eine zahlreiche Korrespondenz führte und darin ihrem spöttischen und hämischen Sinn Genüge leisten konnte, so war dies doch alles nichts gegen die spitzen Reden und Sticheleien, die sie in der persönlichen Unterhaltung anzubringen pflegte.
Sie hatte recht wohl von guten und unterrichteten Freundinnen erfahren, wer augenblicklich der Verhätschelte im Hause des Obersten war, und der Gedanke, daß nun doch ei« anderer erreichen sollte, was ihre«! Erich nicht geglückt war, selbst wenn es ein Sohn ihrer besten Freundin, der Baronin, war, brächte sie ganz aus dem Häuschen und sie beschloß, sich wenigstens durch üble Nachreden und troinische und ärgernde Bemerkungen schadlos zu hatten.
(Fortsetzung folgt.)