Zchlüchtemer Mung Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schtüchtern. SchWchtEr MeisSkatt AeLLefte ZeltuRg im Kreise; gegrÜL-et im Jahre 1849.
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JE 83.
Samstag, den 17. Inti 1920.
73. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
Schlüchtern, den 16. Juli 1920.
—* Herr Stadikämmerer a. D. Rödrr, Schlüchtern feiert am 17. d. MtS. das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Wir gratulieren!
—* Union-Theater. Dem Besitzer des hiesigen Union Theaters ist es nach eifrigem Bemühen gelungen, den bekannten Film „Quo vadis" zu bekommen. Dieser Film ist nach dem gleichnamigen Roman des Heeryk Sienkiewicz inszeniert. Die Behandlung ist kurz folgende: Ein junger Römer, Marcus VintciuS lernt bei feiner Rückkehr nach beendetem Feldzuge gegen die Parther ein junges Mädchen, Lygla, die Tochter eines Lygierfürsten kennen. Beide werden von einer tiefen und zarten Neigung zueinander ergriffen. Vinicius, der von der Sitteuverderdnis der damaligen Zeit nicht gänzlich frei ist, läßt sich auf Rat seines Freundes Petronius daS Mädchen durch den Kaiser Nero als Sklavin schenken. Ja dieser Tat liegt der Anfang der ungeheueren Verwickelungen. 2ygta, die Christin ist, blickt bei der Teilnahme an einem Gelage Neros tief in den schauerlichen Abgrund deS verseuchten, unterwühlten römischen Patrizierlebens und erschreckt entsetzt davor zurück. Durch die aufopfernde Hilfe ihres treuen Sklaven Ursus und ihrer Mitchristen entflieht sie und verbirgt sich in dem ärmlichsten Stadtteil von Rom. Vicinius scheut keine Opfer und keine Mittel, um sie zu erlangen. Jedoch alles erfolglos! Erst durch feine Bekehrung ui». seine- Ldft»^ von diesem Eybaritentum rückt die Wiedervereinigung mit Lygia in greifbare Nähe. Da bricht die blutige Christenverfolgung, die Nero, um seine Schuld am Brande Roms von sich zu wälzen tuS Werk gesetzt hatte, aas. Lygta wird mit taufenden anderen Glaubens- genoffen ergriffen und zur Belustigung der schaulustigen, bestialischen Römer als Opfer der Raubtiere bestimmt. Ihre wunderbare Rettung wird durch ihren Diener bewirkt. Dieser Sklave begeisterte durch seine übermenschliche Kräfte die Römer fo, daß sie beider Frei- lassung verlangen. — Jeder Leser des Romans wird große Anforderungen an den Film stellen. Sienkiewicz hat die Zeck Neros meisterhaft geschildert. Plastisch tritt das Bachanal Neros in seiner ganzen teuflich lüsternen Kompliziertheit vor unser Auge; Rom als Riesenfackel läßt uns bis ins Innere erschauern, bet der Schilderung des Blutgemetzels trampst sich das Herz eines jeden „Menschen" zusammen; kurz gesagt: man wird zu sensitivstem Miterleben gezwungen. Wie ja jedem einzelnen bekannt sein dürfte, ist man in der Filmtechnik so weit fortgeschritten, daß man die unmöglich erscheinendesten Dinge auf die Leindwand bannen kann. Es dürfte demnach Samstag und Sonntag abrnd eine genußreiche Stunde zu erwaten sein.
—* Eme wirklich sachgemäße Pflege des Schuh- und Ledermatertals sollte sich jede Hausfrau zur ersten. Pflicht machen. Beim Einkauf von Lederkceme darf deshalb nicht der Preis sondern die Zusammenstellung des Fabrikats ausschlaggebend sein. Die Firma Carl Gentner, Göppingen, bringt, wie im Frieden, wieder Schuhputz Ntgrin mit Banderole — Schutzmarke der bekannte Schornsteinfeger — aus garantiert reinem französischem oder amerikanischem Terpentinöl, ohne jeden Zusatz v. Ersatzstoffen in den Handel, bet dessen Verwendung das Leder geschont und erhalten, wasserdicht und geschmeidig gemacht wird. Durch Behandlung mit Rigrtu wird ein frühzeitiges Brechen des Leders vermieden und bei sparsamstem Gebrauch auf den ersten Bürstenstrich ein prachtvoller, tiefschwarzer Dauerhochglanz erzielt.
—* Der Deutsche Genossenschafts-Verband e. V. in Charlottenburg beabsichtigt die Herausgabe von Büchern für die Durchführung der durch § 31 Abs. 2 des Umsatzsteuergesetzes vom 24. Dezember 1919 in Verbindung mit §§ 94 ff der Ausführungsbestimmungen vorgeschriebenen Auszeichnungspflicht in den Kreisen besonders der Handwerker. Es handelt sich um ein Lagerbuch, ein Steuerbuch und ein Sieuerkaffenbuch. Die Muster haben im Reichsfinanzministerium Vorgelegen, und es ist anerkannt worden, daß sie bei ordnungsmäßiger Führung durch die Steuerpflichtigen eine geeignete und im allgemeinen genügende Grundlage für die Veranlagung der Umsatzsteuer bieten. Die Umsatzsteuer-Aemter find daher angewiesen, eine ge- Wissenhafte Buchführung nach Art der vom Genoffen- schastsverband in Vertrieb gebrachten Bücher bei
kleineren Gewerbetreibenden als ausreichend anzuer- kennen.
—* Gute ErnteauSsichten in Preußen. Die günstige Witterung der Monate März bis Mai In fast allen Gegenden Preußens hat auch im Juni angehalten. Die Entwicklung der Feldfrüchte ist dadurch bereits soweit vorgeschritten, daß man sich schon jetzt ein Urteil über das Ergebnis der Ernte bilden kann. Wie das preußische statistische Landesamt mitteilt, sind die Aussichten als erfreulich zu bezeichnen, wobei man allerdings nicht vergessen darf daß die nächsten Monate leicht noch eine Aenderung herbeiführen können.
—* Zur Frage der Wohnungsnot. Die Wohnungsnot ist in ganz Deutschland eine allgemeine und, wie es scheint, leider dauernd gewordene Einrichtung. Schuld an letzterer ist die Tatsache, daß Baustoffe heutzutage derart teuer geworden sind, daß niemand mehr bauen kann, ohne Mietpreise fordern zu müssen, die ein gewöhnlicher Sterblicher von seinem normalen Arbeitseinkommen nicht bezahlen kann. Die Zahl der nutzlos nach Wohnung Suchenden ist durch die Flüchtlingsfamilien aus den abgetrennten Gebieten eine erschreckend große geworden. — Angesichts solcher Tatsachen muß man, ohne in den Verdacht radikaler Gesinnung geraten zu brauchen, denn doch fragen, ob es richtig ist, daß reiche Kriegsgewinnler mit einer 3—äköpfigen Familie Wohnungen oder Villen von 12 und mehr Zimmern für sich allein innehaben, oder daß andere ähnlich begüterte Sterbliche im Sommer und Winter über je eine besondere Wohnung verfügen, die während der anderen Hälfte des Jahres leer und unbenutzt dasteht. Solange ein Teil unserer Volksgenossen buchstäblich auf der Straße liegt, ist es von dem anderen Teile direkt unanständig gedacht, überflüssigen Wohnungsraum der Allgemeinheit vorzuenthalten. Unsere hochsinanziellen Kreise, die ganz besonders scharf gegen die Sozialdemokratie und den Radikalismus vom Leder ziehen, sollten sich eigentlich sagen, daß derartige Zeiterscheinungen wie keine zweiten geeignet sind, den zum Klassenkampf aufreizenden. Gegensätzen innerhalb unseres Volkes ununterbrochen neue Nahrung zuzuführen.
Hk. Stenographisches Prüfungsamt in Frankfurt. Gelegentlich eines Zusammensarbeitens der Handelskammer mit dem stenographischen Institut der Polytechnischen Gesellschaft ist der Gedanke gereift, ein stenographisches Prüfungsamt zu errichten. Derselbe hat nunmehr greifbare Gestalt angenommen. Das durch Beschluß der Vereinigten Handelskammern Frankfurt a. M. Hanau vom 11. Juni d. Js. errichtete stenographische Prüsungsamt ist ein Organ der Handelskammer und bezweckt, solchen Personen, die ein Befähigungszeugnis zu haben wünschen, auf Grund einer Prüfung ein Diplom mit amtlichen Charakter auszustellen. Die TeUnahme an den Prüfungen ist jedermann gestattet. Sie werden von anerkannnten Lehrern der Stenographie der beiden hier hauptsächlich im Gebrauch befindlichen Systeme Gabelsberger und Stolze Schrey abgehalten. Das Diplom wird von dem Vorstand des jjPmfungs- amtes erteilt, in welchem die Handelskammer, der Magistrat und die Tarifgemeinschaft der Angestellten- Verbände Frankfurt a. M. vertreten sind. Zur Deckung der Kosten werden Gebühren in mäßigen Grenzen erhoben. Der Zeitpunkt der Prüfungen wird jeweils | in den Fachzeitschriften und den größeren Tageszeitungen bekannt gegeben werden.
Hk. Heimreise' nach Dänemark. Ueber die gegenwärtig für deutsche Handlungsreisende geltenden Vorschriften erteilt Auskunft die Geschäftsstelle Hanau der Vereinigten Handelskammern Frankfurt —Hanau.
Hk. Die Korrespondenz über Vorkriegsforderungen, welche unter Artikel 296 des FriedenSvertrag es fallen, dürfen zwischen Gläubigern und Schuldnern sich aus- schließlich auf die Feststellung der Verbindlichkeiten, nicht aber auf die Regelung der Schulden oder auch nur auf Vorschläge zu dieser Regelung beziehen. Auch vor Andeutungen in dieser Richtung werden deutsche Gläubiger und Schuldner dringend gewarnt, und andrerseits wird thuen empfohlen, genaue Kopien aller ihrer Briefe über Feststellung von Auslandsverbindlich- keiten zurückzubehalten und die namentlich von englischen oder französischen Beteiligten empfangenen Schreiben sorgfältig aufzubewahren, um sie nötigenfalls den zuständigen amtlichen Stellen auf Verlangen vorlegen zu können.
* Sterbfritz. Im März v. I. erschien bei der Zahlstelle Sterbsritz des deutschen Fabrikarbeiterver- dandes der 48 Jahre alte Schuhmacher Johann
Kurmann aus Colmberg in Bayern, der angab, Beauftragter des Hanauer Arbeiter- und Soldalenrats zu sein und als solcher nach verstecktem Heeresgut zu forschen habe. Da er hörte, daß in der Chamotte- fabrik Unzufriedenheit über die Lohnverhältnisse herrsche, hielt er Versammlungen und Besprechungen mit dem Bürgermeister ab. Dann wollte er einen Arbeiterkonsumverein gründen und benötigte hierfür 400 Mk. Der Kassierer in Sterbsritz von der Zahlstelle des Fabrikarbeiterverbandes gab ihm 200 Mk. aus der Verbandskasse und 200 Mk. aus Privatmitteln. Dann reiste Kurmann zurück. Von außerhalb richtete er ein Schreiben nach Sterbsritz, daß er mit 10 Spartakisten demnächst in Sterbsritz eintreffen und alles auf den Kopf stellen würde. Bei einer Familie in Hanau täuschte er das Vertrauen gröbich. Mit der Tochter verlobte er sich und hob vom Sparkassenbuch derseäen einen Betrag von 200 Mk. ab. Auch weitere Betrügereien 2c. wurden von ihm verübt. Die Strafkammer Hanau verurteilte ihn wegen Betrugs im Rückfalle und wegen Unterschlagung zu 2 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust.
* Zttntersbach. An dem 9. Gauturnfest des Speffartgaues in Brückenau vom 10.—12. Juli nahm der hiesige Turnverein mit 5 Mann am Zwölfkampf, mit 2 am Sonder kampf und mit 9 Mann am Riegen« turnen teil. Im Zwölfkampf erhielten Preise: Mauritius Kimmel, Konrad Zirkel, Johann Hahn, Stephan Plucinnik und Fritz Rott, im Sonderkampf (Freiweit- sprung) erhielt Johann Hahn den 1. Preis. Die Riege des Vereins erhielt unter 12 auSgegebenen Preisen mit 50 Punkten oen sechsten.
Aus Provinz und Wachöargeöiet.
§ Gelnhausen. Schwimmeister und Trainer Walter Köhring, am Platze wohnhaft, Inhaber bedeutender Siegespreise, ist von dem Verein für Rasenspiele Büdingen für die neu gegründete Schwimm-Mannschaft zum Trainer gewonnen worden. Wie hier, so stellt auch die dortige Badeanstalt ihre Räume dem Sport frei zur Verfügung.
§ Hanau. Diebe im Bade. Im Freibad am Main wurden einem jungen Mann aus seinen Kleidern Uhr, K:tte, Geldbörse und Messer sowie ein Sportgürtel im Werte von 100 Mark gestohlen.
§ Frankfurt a. M. Das größte Filmatelier Europas in Frankfurt. Die Titan-Film Co. G. m. b. H., Frankfurt a. M., hat die Zeppelinhalle für eine Reihe von Jahren gepachtet. Sie wird die Halle als Film- Atelier einrichten. Frankfurt verfügt damit über das größte Atelier Europas. Es sind somit alle Vorbedingungen für die Entwicklung Frankfurts zur Filmstadt erfüllt.
8 Frankfurt a. M. (Eine hartnäckige Diebin.) Am ö. Juli wurde die 17jährige Lina Peters aus Bürzel bei Offenbach bei einem Taschendiebstahl auf der Straßenbahn erwischt, nach eindringlicher Verwarnung aber wieder von der Polizei entlassen. Schon am 7. Juli lies sie dem gleichen Poltzetbeamten wieder in die Hände, als sie wiederum Diebereien verübte. Diesmal ließ man sie aber nicht wieder laufen.
§ Witzenhausen. Großen Zuckerschiebungen kam man hier auf die Spur. Der Zucker ist zum Teil aus Witzenhausen herausgegangrn. Eine größere Menge wurde beschlagnahmt. Der Hauptschieber wurde festgenommen.
§ Bad Nauheim, 14. Juli. Seit mehren Wochen tauchten in" zahlreichen Orten OberhessenS Kriminal- beamte aus Frankfurt auf, die Haussuchungen nach Falschscheinen Vornahmen und so nebenbei das vorgefundene Bargeld beschlagnahmten. In Gestalt dreier hier zur Kur weilender Militärpersonen wurden die Schwindler auf frischer Tat ertappt und festgenommen.
§ Obermelsungen. In der hiesigen Gemeinde wurde vorige Woche ein Denkmal für die im Weltkriege gefallenen Söhne aus Obermelsunaen errichtet. Die Firma Heinrich Hartmann Witwe, Melsungen hat dasselbe aus einem bayerischen Sandstein von bester Qualität hergestellt, und die Ausführungen finden überall großen Beifall. Auf einer Granitplatte sind die Namen von den 14 gefallenen Helden unserer Gemeinde mit Todestag eingehauen. Das Denkmal kostet über 3000 Mark. Die Einweihung des Denk» mals findet nächsten Sonntag, den 18. Juli nachm. 7*4 Uhr, statt. Die Gedächtnisrede hat Herr Pfarrer Biel, der während des Krieges Feldgeistlicher war, übernommen.