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WüchtemerMung

Anzeiger tür bis amtliche» RekmMtmnchungen im Kreise Fchtüchlern.

Schl«chter«er Sr-isblatt

Aeltefte Seitab im Kreise; gegrAKdet im Jahre 1849.

Bezugspreis frei Haus, vorauSzahlbar viertelj. 5,80 Mk., (durch die Post ohne Bestell­geld). Erscheint DienStagS, Donnerstags und SamStagS. Druck und Berlag E. Hohmetster, verantwortl. H.-C. Hohmeister, Schlüchtern. Fern- mf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Auzeigeu: kl. Zeile oder bereu Raum 60 Pfg., Reklamezene 2, Mk. Bei Betriebs­störungen kein Schadenersatz ober Minder- gebühr einschließlich Bezugs. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieserung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

JZ 84.

Dienstag, den 20. Juli 1920.

73. Jahrgang

Wegen PapiermaugelS find wir leider gezwunge" unsere heutige Auflage iu halbem Bogenformat erscheinen 3« lasten.

Der Berlag

Aus Stadt und Kreis.

Schlüchtern, den 19. Juli 1920,

* Abbau der Preise. Wie uns mitgeteilt wird find die Preise einer ganzen Reihe wichtiger Arznei­mittel wesentlich gefallen, die Preise für Flaschen find jedoch weiter gestiegen.

* In der kürzlich abgehaltenen, vom Lehrer­kollegium und Elternbeirat einberufenen Elternversamm- lung der hiesigen Lateinschule wurde der Elternbeirat einstimmig beauftragt wegen nachstehender Punkte bei den zuständigen Dienststellen vorstellig zu werden: 1. Beschaffung einer neuen Lehrkraft für neuere Spra­chen anstelle des an der Anstalt zur Zeit wirkenden Altphilologen. 2. Schleunige Verbesserung der geradezu kläglichen Abortverhältnisse, die jeder Beschreibung spotten. 3. Einrichtung eines der Schülerzahl ent­sprechenden Spielplatzes, der In gesundheitlicher Be­ziehung den Mindestforderungen entspricht. 4. Be- schaffnna der nötigen Turn- und Spielgeräte für angemessene Beschäftigung- der Kinder während der Pausen. 5. Sicherstellung von Brennstoffen für den kommenden Winter.

* Anstellung der Lehrer aus dem Felde. Lehrer, die nach ordnungsmäßiger Abl.gung der Semtnarent- .lassungLprüfung mindestens ein halbes Jahr im Heeres­dienste gestanden haben, könn n seit 1917 schon vor Ablauf der zweijährigen Unterrichtstätigkeit zur Prüfung für die endgültige Anstellung zugelaffen werden. Der Minister für Volksbildung hat jetzt bestimmt, daß diese Vergünstigung sinngemäß auch auf alle Lehrer ange­wandt wird, die die Kriegsnolprüfung abgelegt haben oder bei der Einziehungzum Heeresdienst die Lehrer­prüfung noch nicht bestanden hatten. Grundsätzlich soll aber daran festgehalten werden, daß kein Kriegsteil­nehmer früher zu der Prüfung zugelaffen wird, als es im Frieden möglich gewesen wäre.

* Ungehobelte Schätze finden sich auf unseren Aeckern durch die vielen Kamillen, die des EinsammelnS durch Kinier warten. Werden die Blüten kurz abge­pflückt und an einem luftigen, schattigen Orte getrocknet, werden sie in den Apotheken gerne gekauft. Auch saubere frische Blüten können leicht abgesetzt werden.

Ms Provinz und Wachöargeöiet.

§ Gelnhausen. In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag voriger Woche wurde dem Herrn Lehrer Röder in der Alten Leipziger Straße eine Ziege ge­stohlen und im Stall abgeschlachtet, sowie einige Hühner.

§ Neu Isenburg. Nachdem im vergangenen Jahre schon eine Ruhrepidemie in der Stadt gewütet hat und dabei eine Anzahl Opfer forderte, scheint die Krankheit jetzt wieder ihren Einzug halten zu wollen. Bei der Bürgermeisterei wurden bis jetzt 10 Fälle gemeldet. Die schärfsten Gegenmaßnahmen sind getroffen worden.

§ Fulda, 16. Juli. (Aus Sibirien heimgekehrt.) Gestern traf aus langjähriger Gefangenschaft in Si­birien Herr Karl Odenwald in seinem Elternhause, Gemüsemarkt, ein. Die Nachbarschaft Halle geflaggt.

8 Fulda, 17. Juli. Einige hundert Eier ^wurden heute vormittag in ei..em Hause der Johannesstraße zwangsweise zum Preise von 80 Pfg. für das Stück verkauft Es herrschte ein lebensgefährliches Gedränge an der Verkaufsstelle. Die Eier waren durch eine zu gelassene Händlerin in der Rhön zusammengekauft worden.

8 HUmeS. In der vorige Woche stattgefundenen Versammlung des hiesigen OrlSbauernvereinS wurde einstimmig beschloffen, die Eier für die Kranken der Stadt Hersfeld zum Preise von 8o Pfg. pro Stück zu liefern.

8 Hersfeld. Die Frage des sofortigen Preisabbaues wird immer dringender. Die Vereinigungen des hiesigen Handels und Gewerbes und der Fabrikanten und Kretsbauernvereine beschäftigten sich in einer besonderen Versammlung mit dieser Angelegenheit. Wiederholt kam es tu den Ausführungen der Redner zum Ausdruck, daß eine Befferung der gegenwärtigen Notlage des Arbeiter- und Mittelstandes nur durch sofortige Preis­senkung herbeizuführen sei, was auch in einer ein stimmig angenommenen Resolutton gefordert wurde.

§ Hersfcld. (Mehlbeschlagnahme.) Auf dem hie­sigen Bahnhof wurden wiederholt Sendungen Mehl von 50 bis 60 Pfd. beschlagnahmt. Das Mehl sollte nach Mülheim a. RH. verschoben werden.

§ Hersfeld. Die Roggenernte hat in verschiedenen Gegenden unserer engeren und weiteren Heimat begonnen. Das Ergebnis scheint Mittel bis gut zu sein.

§ Gersfeld (Rhön), 16. Juli. Auf traurige Art ist der 65 Jahre alte Schmiedemeister Johann Hof- mann hier ums Leben gekommen. Vorige Woche versagte auf der steilen Straße am Kümmelhof die Bremse an einer Fuhre Heu, er wurde überfahren und dabei an den Beinen derart schwer verletzt, daß er nach Stägigem Schmerzenslager verstarb. Im Augenblick des Unfalls herbeigeeilte Nachbarn ver­hüteten größeres Unglück für Leute und Vieh.

/ § Schmalkalden, 17. Juli. Einen großen Schwin­del versuchte der Kaufmann Oskar K., der hier ein Eisenwarenexportgeschäft betreibt, in Gemeinschaft mit einem Freunde. Er hatte von einer Londoner Firma einen Auftrag im Betrage von 60000 Mk. erhalten. Er brächte diesen in der Weise zur Ausführung, daß er statt der bestellten Ware Lehmsteine einpackte. Der Schwindel wurde aber von der Polizei aufgedeckt. Die Sendung hatten die beiden Herren bet der Elsässischen Bank in Köln mit 127000 Mk versichert.

§ Hann. Münden 130 erholungsbedürftigte El- senbahnerkinder aus Caffel trafen hier ein, um die Bierwochenferien im hiesigen ehemaligen Durchgangs« läget zu verbringen. Außerdem werden hier bereits seit einiger Zeit 50 Kinder aus Polen verpflegt, während weitere 70 noch aus Altona erwartet werden. Ein Gewerkschaftsstkretariat soll demnächst hier errichtet werden.

§ Hann. Münden, 15. Im Streik befinden sich die Mündener Bauarbeiter wegen Lohndifferenzen.

8 HofgeiSmar, 16. Juli. Nach Benehmen mit Erzeugern und Verbrauchern find die Höchstpreise für Milch und Eier herabgesetzt worden. Es gelten als Höchstpreise für Vollmilch ab Stall 1,20 Mk. je Liter, frei Lieferstelle 1,30 Mk je Liter, an der Verkaufs­stelle 1,40 Mk. je Liter, für Mager- und Buttermilch ist der Kleinverkaufspreis auf 0,50 Mk. je Liter fest­gesetzt. Für Eier ist der Höchstpreis 1 Mk. je Stück. Auch für Gemüse -und Beerenobst sind Höchstpreise festgesetzt; im Kleinverkauf kosten vorläufig Erbsen 45 Pfg., Karotten 30 bezw. 40 Pfg., Kirschen 1,35 Mark, Erdbeeren 1,50 Mk., Johannisbeeren 80 Pfg., Stachelbeeren 60 Pfg. und Himbeer-n 1,20 Mk. je Pfund.

Welthandel

Der Reichsrat hat den Abänderungen, die der Reichstag an dem Steuerabzug vorgenommen hat, seine Zustimmung gegeben.

Spa. (Die Verteilung der Kohle.) Der fran­zösische Minister der öffentlichen Arbeiten Le Troquet erklärte dem Sonderberichterstatter von Havas, daß er von dem zwischen den Alliierten abgeschlossenen Ueber» einkommen bezüglich der Kohlen sehr befriedigt sei. Frankreich werde monatlich 1,6 Millionen Tonnen deutsche Kohlen erhalten, Italien 250 000 Tonnen und Belgien den Reü. Das Kohlendefizit Frankreichs wird dadurch auf 6 Millionen Tonnen pro Jahr vermindert.

Die Franzosen in Berlin fordern heraus. Wie die Sicherheitspolizei mitteilt, fand auf dem Pariser Platz in Berlin zur Feier des französischen National festtages ein Festakt vor der französischen Botschaft statt, an dem die Vertreter der dortigen Entente- kommissionen tetlnahmrn. Das anwesende deutsche Publikum stimmte bei dem Hiffen der Tricolore da« Deutschlandlied an. Beamte der Sicherheitspolizei geleiteten französische Offiziere und Matrosen, die durch ihr Benehmen das Publikum gereizt hatten, in die Botschaft. Auf diese Weise gelang es, Ausschreitungen vorzubeugen. Nachdem die Feier vorüber war und das Publikum den Platz verlassen hatte, sind bisher noch unbekannte Personen auf das Dach der französischen Botschaft geklettert, haben die Tricolore herabgeholt und sich mit ihr entfernt.

München. Bayerisches Ab rücken von der Zwangs- wirtschaft. Um die Zwangswirtschaft auf dem Gebiete der Fleischversorgung in die freie Wirtschaft überzuleiten, hat der bayerische Landwirtschaftsminister die bayerische Fleischvcrsorgungsstrlle ermächtigt, mit der Beschaffung

des für den Bedarf der Zivilbevölkerung unb des Heeres, sowie für die Lieferung an außerbayerische Zuschußgebiete erforderlichen Schlachtviehes die bayerische Viehverwertungsgesellschaft in München zu beauftragen. Diese soll die Beschaffung des Schlachtviehes in gemein» nütziger Weise vornehmen. Etwaige Überschüsse werden dem Landwirtschaftsministerium zur Verfügung gestellt und die Geschäftsführung der Gesellschaft wird von der Fleischversorgungsstelle überwacht.

Lenin an die englilchen Kommunisten. Nach einem Moskauer Funkspruch hat Lenin am 10. Juli ein Schreiben an die englischen Kommunisten gerichtt, indem er sie zur Gründung einer kommunistischen Partei in England ermuntert.

~~ Der deutschen Presse ohue Unterschied sagt der deutsche Schutzbund Dank für die unermüdliche, ver­ständnisvolle und opferwillige Mitarbeit an dem großen Werk der Abstimmung. Ihr gebührt ein Hauptanteil an dem errungenen Steg.Die dem Vaterland wiedergewonnenen Provinzen und alle die, die an der Abstimmung haben mitarbeiten dürfen, sind in diesem Dank einig. Noch steht uns freilich eine andere schwere Aufgabe bevor, die Erhaltung Oberschlesteus. Der Schutzbund und seineGrenzspende" rechnen auch fernerhin auf die Hilfe der Deutschen Presse."

Berichte aus der Hauptstadt von Bolivien melden, daß dort eine Revolution ausgebrochen ist. Der Präsident von Bolivien und das ganze Kabinett wurden gefangen genommen.

Bukarest, 17. Juli. Bulgarien sucht Anschluß. Das Bukarester BlattDazia" erfährt aus Sofia, der bulgarische Ministerrat habe beschloffen, daß Minister­präsident Stambulinski demnächst eine Reise nach Bukarest, Belgrad und Rom unternehmen solle, um die Beziehungen Bulgariens mit Rumänien, Jugoslawien und Italien wieder günstiger zu gestalten. Wie ver­lautet, hat Stambulinski persönlich in einem Schreiben an die Regierungen der genannten Länder die Jvtereffea hervorgehoben, welche für eine Annähcruag sprechen. Von der bulgarischen Preffe wird die Bemühung Stambulinskis mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. General Averescu hat bereits dem bulgarischen Minister­präsidenten geantwortet und ihm erklärt, daß er zu jeder Zeit nach Bukarest kommen könne, um mit der rumänischen Regierung in Verhandlungen einjutreten.

In Rom fanden Verhandlungen zm Beseitigung der Schwierigkeiten im Handel zwischen Deutschland und Italien statt.

Haag. (Die falsche Rechnung.)Rieuwe Courant" verwirft die von der Entente angedrohte Lösung einer reinwirtschaftlichen Frage, wie des Kohlen- problems, mit militärischen Mitteln. Die Besetzung des Ruhrreviers würde nichts nutzen. Die Deutschen ständen auf dem Standpunkt, das sie sich nicht wieder wie in Versailles den Galgen verschreiben wollen.

Kowno, 16. Juli. (Die Bolschewisten in Wilna.) Die Bolschewisten haben Wilna besetzt und sind bis in die Gegend von Landwarowo vorgerückt, wo sie auf die litauische Armee stießen. Die Polen ziehen sich in der Richtung auf Barena und Grodno zurück. Zur Freigabe der Stadt Wilna an die Litauer sind von den zuständigen Behörden diplomatische Schritte einge« leitet worden.

Paris, 16. Juli. Der Friedensvertrag von St. Germain wurde heute vormittag in einer Si^ng unter dem Vorsitze Jules Crmbons ratifiziert.

England hat im vergangenen Jahr die Mehr­heit der bet neutralen Ländern ausgenommenen Anleihen zurückgezahlt, nur die Vereinigten Staaten find noch in hervorragendem Maß Gtäubiger. Der Gesamt- schuidenbetrag ist um 86 136 000 Pkund vermindert uprden. Mit fremdem Geld ist gut Schulden zahlen.

In Bolivia haben die Aufständischen die Regierung gestürzt. Der bisherige Präfident und die Mitglieder der Regierung haben in der amerikanischen Gesandtschaft Zuflucht gesucht. Der Führer der Aufständischen Savedra hat die oberste Gewalt in Händen.

Amtlicher Teil.

J-Nr. 8777. Anstelle der Vorschriften für den Gewerbebetrieb der Personen, die fremde RechtSanges legenheiten und bet Behörden wahrzunehmende Geschäfte besorgen, vom 28. November 1901 und 4. Dezember 1906 find die in der Beilage zum Regierungs-AmtSblatt- Nr. 28 von 1920 abgedruckten Vorschriften erlassen