Einzelbild herunterladen
 

Anzeigen: N. Zeile oder deren Raum 60 Pfg., Reklamczeile 2, Mk. Bei Betriebs­störungen kein Schadenersatz oder Mndcr- gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei genchtlichen Zwischenkosten. Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

BezngSpreiS frei HanS, vorauszahlbar viertelt. 6,80 Mk., (durch die Post ohne Bestell­geld). Erscheint DienStagS, Donnerstags und samStagS. Druck und Verlag T. Hohmeister, verantwortl. H.-T. Hohmeister, Schlüchtern. Fern- ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Lchs«chter«er FireisAatt

Aelteste ZkitMg im Kreise; geyrSxdet i* Jahre 1849.

er

S.

zu

M 93,

Dienstag) den 10. Angnst 1920.

73. Iatzegsng

Meidet den Weid.

Wieviel unendliches Unheil hat der Neid schon ange- richtet, wieviel Unglück schafft er täglich neu und wird er immer wieder neu in das Leben der Menschen ein- fügen, zu deren unermeßlichen Schaden. Die meisten Menschen huldigen dem Neid, denn sei es auch durch welches Tor ihrer Sinne das Bewußtsein eines fremden Habens in fie dringt, stets erwacht in ihnen bewußt oder unbewußt der Gedanke:Hätte ich doch auch. .. Könnte ich doch auch . .. Wäre ich doch auch . . ." So bewegen sich die Gedanken in Wünschen und bleiben darin stecken, denn der Neid verneint, tötet und lahmt die eigene Schaffenskraft. Statt daß er uns unsere eigenen Schätze zeigt, uns auf uns selber weist und uns anspornt, weiter zu arbeiten, um Ersehntes zu erringen, gaukelt er uns den errungenen Sieg vor, läßt uns Luft schlösser bauen und nimmt uns so die Aufmerksamkeit und Kraft zum Kampf um diesen noch nicht errungenen Sieg. Der Neid macht den Menschen untätig, unzu­frieden, er macht ihn unfroh und hoffnungslos. Er ist ein Feind, der sich in manche Menschenbrust so fest ringefressen hat, daß er täglicher Uebung bedarf, um ihn wieder los zu werden. Wie werfen wir ihn aus

)01-

>p«rl

rt

oh

W

; 1 etd

an ii.

dem Innern heraus? Durch seinen Feind, unsern reund: die Freude : Die haßt er, die flieht er! tatt sich zu ärgern über den Reichtum der Anderen, ß mau sich freuen an den vielen Schönheiten in der lt und auf sich selber und sein eigenes Können chauen. Jeder Mensch hat etwas nur ihm Gehöriges, er für groß und wertvoll hält. Denkt er daran, der Schein des Glanzes an dem Anderen, er Mhlt sich selber reich. Er ist auch reich. Ich kannte am Blinden, der sein Augenlicht verloren hatte. Man ollte denken, er wäre »erbittert und auf alle Welt eidisch, doch das war er nicht. Er lebte in seinen edanken und seiner Erinnerung, schwelgte in der ihm un viel reiner und schöner klingenden Tonwelt und ihlte sich weit reicher als andere Menschen mit gesunden ugen. Er hatte den Neid aus seinem Herzm verbannt hub jedesmal, wenn sich ihm jemand teilnehmend äherte, wehrte er ab mit den Worten: Ich bin

so reich, ich will euer Mitleid nicht.

Wie dieser Blinde bei jedem mitleidigen Worte, das vernahm, sich an seinen Reichtum erinnerte und n seinen Vorsatz, den Neid zu meiden, können wir nde Menschen unserm Auge solche Warnungstafeln Meidet den Neid" errichten, daß wir immer an unseren ichtum, an unsere Freude erinnert werden. Solche arnung ist die kraffe gelbe Farbe. Gelb ist giftig wie der etb< Wo wir ein gelbes Blatt ein gelbes Plakat, urz Überall, wo wir die schreiende gelbe Farbe sehen, ollte in uns der Ruf erwachen:Meidet den Neid", olche Erinnerungen haben wir int Getriebe des Lebens

----s--^ . ...... ..... I ..I

und der Sorgen, des Neides und bet Scheelsucht ebenso nötig wie die Aufforderung der weißen Farbe:Freue dich." Darum zwingt die gelbe Farbe im Leben dazu, Freude im Innern zu schaffen durch den vernichtenden Kampf:Meidet den Neid!"

Rudolf Biederstedt, Habertshof.

Aus Stadt und Kreis.

Schlüchtern, den 9. August 1920.

* Herr Bäckermeister Jean Denhardt von hier stürzte am Sonntag morgen aus schwindelhafter Höhe von seinem Heuboden ab und blieb bewußtlos auf der steinernen Tenne liegen. Aeußerlich war dem Verunglückten kein Schaden anzusehen, doch ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß Herr Denhardt sich größere innerliche Verletzungen zugezogen hat.

* (Mehr Brot?) In der Reichsgetreidestelle be­steht, wie dasB. T." erfährt, die Absicht, falls das Ernteergebnis den Schätzungen entspricht und mit dem Ertrag einer guten Mittelernte zu rechnen ist, die Brotrationen von 1500 auf 2000 Gramm zu erhöhen.

* (Der Lohnabzug.) In wetten Kreisen herrscht Unklarheit darüber, wie die Bestimmungen des am 1, August 1920 in Kraft getretenen Gesetzes über die Milderung der Bestimmungen über den lOprozentigen Lohnabzug:Die bisher einbehaltenen Beträge werden auf die nach dem neuen Gesetz einzubehaltenden Beträge verrechnet," aufzufaffen ist. Hierzu ist Folgendes zu bemerken: Da das Gesetz über den lOprozentigen Lohnabzug mit dem 25. Juni 1920 in Kraft getreten ist, yat also von Diesem amge an der *Opcozentige Lohnabzug zu erfolgen. Es können nach dem 1. Aug. 1920 nicht die Beträge, die vor dem 1. August 1920 einbehalten worden sind, in voller Höhe in Anrechnung gebracht werden auf die nach dem 1. August etnzube- haltenden Beträge, sondern nur insoweit, als sie'den Betrag übersteigert, der bet Anwendung der neuen Bestimmungen von dem in der Zeit vom 26. Juni 1920 bis 31. Juli 1920 fälligen Arbeitslohn hätten einbehalten werden müssen.

* Die genaue Berechnung des Steuerabzuges vom Arbeitslohn in jedem einzelnen Fall bedeutet für die Arbeitgeber eine erhebliche Belastung und führt sehr oft zu Differenzen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Das Retchsfinanzministerium hat nun­mehr eine Reihe von Tabellen ausgearbeitet, die soeben im Verlag der Germania, Berlin, erschienen sind. Bet Benutzung dieser Tabellen braucht nur der Betrag des Tage-, Wochen- oder Monatslohnes, der nach etwaigem Abzug der Versicherungsbeiträge sich ergibt, ausgesucht zu werden, um sofort den Lohnabzug für Ledige, für Verheiratete mit oder ohne Kinder, ablesen

äteü

Leindtieh« Brüder

Roman von Jost Freiherr« von Steinach. (Fortsetzung.)

45

und

Um so besser für Sie," sagte sie höllisch, Ban haben wir uns wohl nichts weiter zn sagen." k Er wollte ihr erregt antworten, da unterbrach der ebhafte Applaus der Gesellschaft ihr Gespräch. Der Sänger verbeugte sich wohlgefällig mehrere Male, doch . mdltch, als man sah, daß er nicht geneigt sei, eine Uzabe zu gewähren, ließ allmählich das Klatschen nach M die Gäste zerstreuten sich in die angrenzenden (MMne. Hilde wollte sich ihnen anschließen, da wagte 1 noch einmal, sie anzureden.

Fräulein Hilde, ich weiß, daß alles aas zwischen . ist und ich werde keinen Versuch mehr machen, mich |(| Wien zu nähern. Aber das dürfen Sie mir nicht '^"chren, mich vor Ihnen zu rechtfertigen. Ich weiß j 2, W, daß Sie im Begriff sind, einen anderen zu wählen, «d ich wünsche Ihnen von Herzen Glück zu Ihrer Aber trotzdem darf ich wohl verlangen, daß Sie p .anhören. Ich bin mir keiner Schuld gegen Sie und wenn Sie mir den Vorwurf machen, daß

Fhnen die Illusionen und Ideale Ihres jungen '^ zerstört habe, so kann ich nur beteuern : Ich bin schuldig daran wenn Sie tausend Mal das Ge-

HM'

Ä

zE ih Meines Herzens liebte, der eher sein Herzblut «egeben hätte, als Ihnen absichtlich wehe zu tun, ^tte ich es je fertig bringen können, das Böse zu rSie mir andichten! Fräulein Hilde, ich be- j hrw t : S^Sen Sie, was Sie gegen mich auf dem

ei

M

Sie sich keine Mühe", sagte sie kalt,ich

bin nicht zu dieser Gesellschaft gekommen, um hier eine Generaldeichte abzulegen. Dort drüben sehe ich meine Eltern, Sie verzeihen wohl 1"

Sie wollte ihm rasch entschlüpfen, doch er ergriff sanft ihre Hand und bat:Zum letzten Mal, sagen Sie mirs, nur ein einziges Wort, dann gebe ich Sie für immer frei. Wenn Sie nur einen Funken Mitleid besitzen, dann werden Sie mich nicht in diesem Zustande der Unsicherheit und des Zweifels verlassen!"

Sie stampfte zornig mit den kleinen Füßchen auf.

Nun ist es aber genug, u. ich bitte Sie dringend, die Bahn freizugeben. Ich wollte Ihnen die Demüti­gung ersparen, doch da Sie durchaus darauf bestehen nun denn, mein Herr, Ihre grenzenlose Liebe und Ihre grenzenlose Uneigennützigkeit sind mir zur Genüge bekannt. Und ich rate Ihnen wohlmeinend: So sehr Sie sich auch sträuben mögen, ein armes Mädchen zu der Ihren zu machen, überwinden, Sie sich! Glauben Sie mir, mein Gefühl trügt mich in diesem Punkte sicherlich nicht: Es ist tausend Mal besser, mit einem armen, aber geliebten PZesen sich einschränken zu muffen, als sich nur des feilen Mammons halber mit einer gleichgültigen Person zu vereinigen. Das ist meine Ansicht, und nun Gott befohlen 1"

Wie der Wind enteilte sie den Blicken Waldaus, der verblüfft dastand und nur ab u. zu wie mechanisch den Kopf schüttelte. Was sie ihm da gesagt, er fand keine Eiklärung dafür als die, daß sie von irgend je­mand düpiert sein müsse.

Er und eine andere lieben, ach, das war ja so un­endlich lächerlich, daß er am liebsten hinter ihr her ein lautes Gelächter angeschlagen hätte, wenn er nicht so niedergedrückt gewesen wäre.

Er schwor sich mit heiligen Eiden, daß er der

zu können. Für die Geschäftswelt werden diese Tabelle^ eine große Erleichterung bedeuten.

* (Aus dem Regierungsamtsblatt.) Herr Förster und Forstschreiber Stückrath in Marjoß, gl. Ober­försters!, wurde zum 1. Juli d. Js. nach NiederbelS- heim, gl. Oberförsteret, versetzt.

* (Laureutiuslag.) Wenn wir auch sonst nicht den Hans'Guck-in die Luft spielen wollen, in der Nacht des Laurentius lohnt es. Da huschen die Splitter unserer Erde", die Sternschnuppen, durch das Weltall, und wer sich bei dem huschenden und sausenden Flimmern und Blitzen etwas wünscht, dem wird, so sagt der Volksglaube, seine Bitte erfüllt. Und wer hätte heute nicht zu wünschen? Es ist ein sinniger Hinweis, daß die Hoffnung und die Erfüllung all unseres Sehnens in der Höhe der fernen und doch ewigen und allmächtigen göttlichen Gewalt und Güte liegt, die gnädig und milde sich bemühe, wenn die Not am größten auf Erden, ist.

* Steinan. Vergangene Woche stahl ein Knecht, der bei dem Landwirt Fritz Weitzel, hier beschäftigt war, seinem Arbeitskollegen einen Anzug, ein Paar Stiefel und 300 Mark. Der Dieb ist spurlos ver­schwunden.

* Steinau. Dem Landbriefträger Konrad Meth- seffel von hier wurde in der Nacht seine Wiese am Struth" unberechtigter Weise abgemäht. Der also Geschädigte setzt für die Ergreifung des Diebes 330 Mk. Belohnung aus.

Opfert,,.

Die GefaMWwdr- sie vor eUigcu Wochen in Caffel tagte, hat in dankenswerter Weise zu der N t Stellung genommen, die über die Anstalten und Einr.ch- tungcn der Evangelischen Liebestätigkeit hereingebrochen ist. Sie hat an die Gemeinde« des Konfistorialbezirks die herzliche und dringende Bitte gerichtet, in der Iörderung der Arbeit der Inneren Mtffion nicht müde zu werden, vielmehr die Werke der pflegenden, rettenden und erziehenden Liebe auf alle Weise zu unterstützen. Die Not der schweren Zeit lastet besonders schwer auf den Anflatten, die im Dienste der dienenden Liebe stehen. Es seien vor allem das Heffische DiakontffenhauS in Caffel und Hanau, das Heffische BrüderhauS (Hephata) in Treysa, Hofreith und das Hessische Siechenhaus in HofgeiSmar genannt. Diese drei Hauptanstatten und noch manches in der Stille arbeitendes Liebeswerk haben jahrzehntelang mit großem Segen taufenden von Kranken, Siechen, Blinden, Lahmen und Blöden unseres Heffenlandes gedient. Wie manche Not Leibes und der Seele haben sie lindern dürfen, wie manche Sorge haben sie gerade den Angehörigen minderbemittelter Kreise abgenommen. Nun bedroht die furchtbare Teuerung den

»Mj^»-|ff,lM8!g!lB^^

mgseriösen Sache auf den Grund gehen wollte, bis er die Ursache herausgefunden habe, die sie zu solch un. glaublichen Ansichten über ihn geführt

Und wehe, wenn er angeschwärzt worden war!

Dem Uebeltäter und Verleumder sollte es schlecht bekommen 1

Doch für heute war alle Lust und Laune bei ihm vorbei; er schlich sich unbemerkt nach der Garderobe und einige Minuten darauf stürzte er ins Freie, um in dir kalten Nachtluft seine heißen Schläfen zu kühlen.

13. Kapitel.

Es herrschte ein rübes, regnerisches Wetter; der Dezembersturm peitschte durch die Straßen, als sich Waldau auf den schweren Weg machte, um seinen un­glücklichen Freund in seinem jetzigen Aufenthalt aufzu- suchen. Rechtsanwalt Hagemann hatte ihm die Erlaub­nis dazu erwirkt, obgleich er ihm zu verstehen gegeben, daß er nicht das geringste davon erwarte und von der Schuld Ranzenbergs nach wie vor vollständig überzeugt sei.

Durch eine Anzahl düsterer Korridore wurde der Doktor hindurchgeführt, bis er in eine Art Wartezimmer gelangte, wo ihm ein Beamter bedeutete, Platz zu nehmen, da Nr. 74 sogleich erscheinen werde.

Und in der Tat, es dauerte nicht lange, als sich die Tür öffnete und in Begleitung eines Wärters der ein­stige Künstler in Gefängniskleidung eintrat. Er sah totenbleich aus und als er Waldau erblickte, stahlen sich Tränen in seine Augen. Auch der Freund war aufs tiefste ergriffen.

Sie reichten sich stumm die Hände.

Es ist großmütig und hochherzig von Ihnen, Waldau," begann der Gefangene,daß Sie mich Un­würdigen mit Ihrem Besuche beehren

(Fortsetzung folgt.)