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Schlüchterner Zeitung

Anzeiger für amtlichen Lekanntmachungen im «Kreise Schlüchtern.

Schlüchterner Sreisklatt

Netteste Seltog im Kreise; gegrSNdtt im Jahre 1849,

BezugSpreiS frei HauS, vorauSzahlbar viertelt. 5.80 Mk., (durch die Post ohne Bestell­geld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und SamStagS. Druck und Verlag T. Hohmeister, veramwortl. H^L. Hohmeister, Schlüchtern. Fern­ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

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M 94.

9«tmevfiag, den 12. August 1920

72. Jahrgang

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Die Gateatetrap-e» fit Polen.

Von der belgifch-französischen Grenze wird gemeldet: Seit dem 4. August wird der gesamte Reiseverkehr in dem besetzten Gebiet streng überwacht. Die Zensur für Telegramme, Zeitungen und Telephongespräche ist wieder eingeführt worden. Diese Maßnahmen werden damit erklärt, daß große Truppenansammlungen, die aus 24 000 Mann geschätzt werden, bereits in dem französisch-besetzten Gebiet eingetroffen sind. Es wurden über 70 Eisenbahnzüge mit Kriegsmaterial aller Art gezählt. In Mainz ist eine französische Genietruppe von 900 Mann eingetroffen, die im Falle eines deutschen Eisenbahnerstreiks die für Polen und Oberschlesien bestimmten KriegSmaLerialsendungea begleiten sollen. Ferner stehen Reservetruppen bereit, um im Notfälle bei unvorgesehenen Ereignissen in Deutschland zur Ver- fügung zu stehen.

Aus Stadt und Kreis.

Schlüchtern, sea II August 1920.

* (Wiederbeginn der Schule ) Die Ferienzeit ist vorüber, und die Jugend, die sich in diesen 4 Wochen so recht nach Herzenslust anstoben konnte, hat vor kurzem bereits den ersten Schulgang wieder ange- treten. Gut bekommen scheint allen die lauge Zeit des Ausspannens zu sein; man sieht überall blitzende Augen, frisch gerötete Wangen und frohe Laune. Alles dies leider Dinge, die zu dem neu begonnene» Schulquartal mit seinem stundenlangen Stillsitzen in verstaubten Arbeitsräumen und Schulstuben noch nicht so recht paffen wollen. Noch hasten gar zu frisch in allen Köpfen die Erinnerungen an die vielen Erlebnisse, die die Ferienzeit gebracht, und das Mitrsiluvasbedürf- nU einerseits und die Neugier andererseits sind noch allzurege. In den Pausen steht die größte Mehrzahl der Schüler in dichtgedrängten Haufen zusammen, einige Großtuer haben das ausschließliche Wort und legen zum wirklich Erlebten noch ein gutes Teil hinzu, das der eigenen Phantaste entprang. Während der Schulstunden leidet die Aufmerksamkeit noch immer um ein Beträchtliches, und es gehört viel Geduld auf feiten des Lehrers dazu, nicht sofort mit einem ener­gische» Donnerwetter dazwischen zu fahren. Bald aber wird sich auch diese Ferienaufregung gelegt haben und dann geht alles nach wie vor wieder seinen gewohnten Gang. Die gehabte Erholung aber wird es den Schul­kindern ermöglichen, umso aufnahmefähiger wieder dem Unterricht und seinen Anforderungen zu folgen.

* Die hiesigen ü.-T. Lichtspiele bringen zur Fortsetzung des klassischen Cyklus kommenden Samstag und Sonntag den vortrefflichen FilmCleopatra, die Herrin des Nils", der Roman einer Königin nach dem

Feindliche Vvnde«

Roman von Jost Freiherr» von Steinach. 46 (Fortsetzung.)

Es zeigt mir, daß Sie mich selbst jetzt nicht vergessen haben, da ich meine Ehre verlor und mein Haupt mit Schande bedeckt ist."

Im Gegenteil, jetzt erst recht, und zwar aus einem sehr gewichtigen Grunde."

Und der wäre?" fragte Otto gespannt, während etwas wie ein Leuchten über das müde Antlitz ging.

Weil ich Sie trotz alledem ~ für unschuldig halte."

Bei diesen Worten blickte er ihn durchbohrend an, um sich nichts von ihrem Eindruck auf den Inhaftierten entgehen zu lasten.

Otto war zurückgeprallt; aber rasch gewann sein Gesicht den alten apathischen Ausdruck wieder, als er versetzte:Ihren unerschütterlichen Glauben an mich in allen Ehren, aber Sie haben doch mein Geständnis vernommen, ich denke, das muß Ihnen genügen."

Es genügt mir im Gegenteil herzlich wenig I" versetzte der andere lebhaft.Ich glaube sogar, ver­muten zu dürfen, daß Sie aus Edelmut oder einem äderen verborgenen Grunde die Schuld auf sich ge­nommen haben, um einen andern von der Strafe zu befreien."

Wer sagt das?" schrie sein Gegenüber gequält aus.

Ich sage es Ihnen und noch andere, die Ihnen nahe stehen. Auch Ihr Teuerstes auf dieser Erdrauch Melitta glaubt nicht an Ihre Schuld."

Bei diesem geliebten Namen zog ein Strahl der Freude über Ottos Gesicht, der aber auch ebenso rasch Aieder verschwand wie er gekommen war.

Schauipiel von Viktorien Sardau. zur Vorführuag. Der Film versetzt uns in das Jahr 41 vor Christi nach Ctlicten, Alexandria und Aetium. Es galt, die ursprüngliche Bühnentratition sowie Natürlichkeit in einer Sphäre des Romanhaften zu sichern. Das Ziel des Autoren war, den. Adel und die Größe des Weibes hervorzuheben, die von Julius Cäsar so aufavfernd geliebt wurde. - Der Film schließt mit den Worten Das Wsid mag sterbest, doch »»bezwungen hebt die Königin das Haupt. Mein Königreich ist die Wrltge- schichte und der Tod." Der Film ist in demselben Stile verfaßt wieQuo vadis".

* Die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. erläßt nachstehende Warnung: Wer eigenmächtig in einer höheren Wagenklaffe Platz nimmt, als ihm nach seiner Fahrkarte^zufteht oder einen SchneLzua mit einer Per- sonenzugfahrkarte benutzt, hat gemäß § 16, Ziff. 2 der Eisenbahn-Verkehrsordnung den doppelten Fahrpreis, mindestens jedoch 20 Mark zu zahlen. Wer ohne, die Absicht mitzureisen, in einen zur Abfahrt beeeitstehenden Zuge Platz nimmt, hat 20 Mark zu entrichte».

* Dieser Tage erschien bei einem hiesigen Gast­wirt ein Handwerksbursche und bat ganz jämmerlich um etwas Brenn-Spiritus zum Einreiben seiner kranken Füste. Darauf gab ihm die Wirtin ein Fläschchen Spiritus, womit der Strolch ganz vergnügt davouging. Er legte sich in den nahen Chauffeegraven und ließ sich den Spiritus gut schmecken.

Hk. Wegen Streik auf den Saarbahnen ist bis auf weiteres die Annahme von Gütern aller A^ '.ach und durch das Saargebiet verboten; ausgeuM-rren sind Lebensmitte!, Militärgut und WisderMtMLÄungSssn- dungen. Die Schnellzüge CölnSaarbrüM ^rt^ren Nur bis Trier Hauptbahkhsf. Der PersoUeusiigoerkehr von Trier nach den Saarstrecken wird nur bis Taben aufrechterhalten.

Ms Movinz und Wachöargeöiet.

§ Büdingen. Vor einigen Wochen ist der Offizier- stellvertrettt Rein, der seine Frau ermordet hat, vom Gießener Schwurgericht zum Tode verurteilt worden. Nachdem seine Revision verworfen ist, hat sein Ver­teidiger ein Gnadengesuch einzereicht. Obwohl sich das Gericht und die Staatsanwaltschaft gegen die Begnadigung ausgesprochen hatten, hat das hessische Gesamtministerium dem Gesuch stattgegeben und den Verurteilten zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt.

§ Hanau a. M. Beim Lösen einer Fahrkarte am Westsahuhos legte ein Herr einen Karton, enthaltend ein ichwarzseideneS Damentaftkleid mit blauem Samt garniert und halblangen Aermeln oerschen im Werte von 3000 Mark auf den vor dem Schalter stehendeu

Melitta?" murmelte er-zärtlich.Sie braucht ei auch nicht zu glauben."

Waldau wurde aufmerksam.

Was wollen Sie bomb sagen? Weshalb Melitta nicht?"

Waldau", erwiderte sein Gegenüber,ich habe Sie als einen echten Freund erkannt und es widert mich an, gerade mit Ihnen Verstecken zu spielen. Ich yill Ihnen ein anderes Geständnis ablegen, als ich es vor dem Richtertisch abgegeben habe. Vorher aber müssen Sie mir das Ehrenwort geben, von meinen Mitteilungen keinerlei Gebrauch zu machen."

Waldau gab sein Ehrenwort ohne Zögern, begierig darauf, was er jetzt werde hören müssen.

Der Gefangene senkte seine Stimme säst bis zum Flüsterton Herob.

Alfo so will Ich es nicht länger verschweigen vor Ihnen:Ja, Waldau, ich bin unschuldig, ich habe das Testament weder gesehen noch an mich genommen."

Bet der Eröffnung, obwohl er sie doch zu vernehmen gehofft hatte, gerann dem Doktor das Blut in den Adern.

Ein Unschuldiger, der für einen andern büßte! Ein offenbarer Justizmord! Tausend wilde Gedanke» kreuzten sein aufgeregtes Hirn.

Otto," sagte er, und seine Stimme zitterte vor Mitleid und Rührung,was haben Sie getan 1 Und wie dursten Sie so etwas tun, ohne an Ihren ehrlichen Namen zu denke», ohne zu erwägen, daß Sie damit für die Zeit Ihres ganzen Lebens Schande und Verachtung der Welt über sich heraufbeschwören!"

Hören Sie erst an, weshalb ich es getan habe,

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Tisch. Nach dem Lösen der Karte war der Karton von einem unbekannten Täter entwendet worden.

8 Frankfurt a. M. (Eine neue Kriegskrankheit.) Nach einer Mitteilung des Oberarztes Dr. Samson am Städt. Krankenhaus Frankfurt tritt in letzter Zeit eine vorher nicht beobachtete Krankheit, Knochener­weichung bei jungen Leuten von 2022 Jahren, auf. Sie trifft hauptsächlich junge Leute mit zurückgebliebenen körperlichen Anlagen, ist äußerst schmerzhaft und erfaßt bei Jünglingen die Rippen, bei Mädchen die Becken- knochen. Lebertrankuren und reichliche Nahrung sind die Heilmittel.

Außkand, Solen, Deutschland.

Professor Otto Hoetzsch schreibt in derEuropäischen Staats- und Wirtschaftszeitung":

Die Entente wird einsehen müssen, daß sie die osteuropäischen Probleme nicht ohne oder gar gegen Deutschland zur Ruhe bringt. Die russisch-polnisch - deutschen Fragen gehören zusammen. Die Entente wird bald eins essen müssen, daß das jagellonische -den mit seiner Barriörerrausgabe nur ein Herd der Unruhe und Schwäche ist. Sie ist durch die Abstimmung in Best­und Ostpreußen belehrt worden, wie sie v - den Polen getäuscht worden ist. Die Abstimmung L Oberschlefien wird das gleiche lebten. Alles das schreit in alle Welt, daß nun auch allein eine Abstimmung im Korri­dorgebiet und im Posener Land Ruhe bringen kann. Die Verhältnisse, die der Versailler Frieden dort geschafft» hat, erhallen lediglich eine Wunde am Körper Europas ti Schwären. Nur wenn Polen, auf seine ethnographische» Grenzen beschränkt, Verständigung sucht mit Deutscher: und Rüsten, summt der Osten zur Ruhe.

_ MMMl.

Berlin, 10. Aug. (Todesstrafe für deutsche Propaaanda.) Nach einer Meldung der Voff- Ztg. aus Marienwerder find die polnischen Landräte durch einen Befehl der Woiwodschaft Posens ermächtigt worden, alle für Deutschland Propaganda treibende Deutschen sofort zu erschießen.

Das Ruhrgebiet bleibt frei. Das wollen auch französische und englische Arbeiter. Die Delegierten der englischen und französischen Bergarbeiter haben den sofortigen Eintritt in den Streik zugesagt, falls das Ruhrgebiet besetzt werden sollte. Der endgültige Beschluß darüber wird in London am 5. Oktober vom international?» BergarbeiterauÄchuß gefaßt werden.

Die deutsche Besatzung eines in Rotterdam "liegenden, nach Danzig bestimmten Dampfers, hat sich geweigert, «nszuladen, bevor 500 große Kisten, in

und Sie werden mir sicher Mftimmen. Da Ste mir Ihr Wort gegeben und tch freimütig das Opfer aus »sich nahm, so können Ste alles wissen, ohne daß jetzt noch etwas an den Verhältniffen geändert werden könnte. Als ich mit Melitta des Diebstahls respektive der BeihUse bezichtet wurde, da bäumte sich mein Inneres mit aßen Fibern gegen jenen unwürdigen Verdacht auf; als aber die Untersuchung ihren Fortgang nahm, als sich die Beweise für unsere Schuld häuften, da konnte auch ich mich nicht länger der Einsicht verschließen, daß tat­sächlich niemand anders in Frage kommen konnte als wir beide einzig und allein. Und da ich es nicht getan hatte, wer konnte es nur gewesen sein ? Lange sträubte ich mich gegen den Verdacht, vergeblich führte ich mir alles vor Augen, was sie entlasten könnte, ihre edle Gesinnung, ihre bisherige Rechtschaffenheit, ihr reines, allem Schmutzigen unzugängliches H.-rz. Vergeblich! Die Zeugenaussagen, der unbeschränkte Aufenthalt in meines Vaters Arbeitszimmer, sie die emzige außer r r, die es nach feinem Tode betreten hatte, das wäre u gewichtige Argumente, daß ich stutzig wurde. Und schließlich erlangte ich die Ueberzeugung, daß nur sie es allein gewesen sein konnte, und daß sie es nur aus dem Grunde getan habe um mir dem Geliebten, zu nützen. So kam der Tag der Gerichtsverhandlung. Ich pochte auf meine Unschuld, ich war überzeugt, daß man einen Unschuldigen unmöglich verurteile» und einkerkern werde. Wieder traten die Zeugen mit ihren Aussagen herauf und wieder mußte ich mich der gewal­tigen Last der Beweisgründe beugen; im Laufe der Sitzung wurde ich allmählich unstchecer, es war kein Zweifel möglich, nur sie konnte die Schuldige fein.

(Fortsetzung folgt.)