Einzelbild herunterladen
 

chlüchterner Zeitung

Anzeiger für hie amtlichen Hekanntmachungen im Kreise 8chtüchtern.

BezugSpreiS frei Haus, voraus zahlbar Viertels. 5,80 Mk., (durch die Post ohne Bestell­geld). Erscheint DienStagS. Donnerstags und SamStagS. Druck und Verlag 6. Hohmetster, verantwortl. H.-L. Hohmcister, Schlüchtern. Fern­ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Schlächter««- Kreisblatt

Netteste ZeitNRg iN Kreise; gegrSAdet m Jahre 1849.

^LLSL

M 97

Dsnnevstag, den 19. Angnst 1920

Anzeigen: 11. Zeile oder deren Raum 60 Psg., ReNamezeile 2, Mk Bei BetriebS- stSrungen kein Schadenersatz oder Mnder- gebühr einschließlich Bezugs. Keine Gewähr für Platz, Ausnahme-Zeit und Beleglieserung Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischeukosten. Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

73. Jahrgang

Aus Stadt und Kreis.

Schlüchtern, den 18. August 1920

* (Preisabbau) Hinsichtlich des Preisabbaues find in verschiedenen Kreisen der Provinz Hessen-Nassau und des Freistaates Reffen unmittelbare Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Interessenten geführt worden. Der wirtschaftliche Verband der hessischen, hessen-nassauischen und waldeckschen Städte und Kom- munalverbändc war der Ueberzeugung, daß hinsichtlich des Abbaues ein tatsächlicher Erfolg nur erreicht wer­den könne, wenn der Abbau gemeinschaftlich für ein größeres wirtschaftliches Gebiet vor sich ginge. Er hatte daher beschlossen den Versuch zu machen, die Interessenten der Provinz Hessen-Nassau, der Frei­staaten Hessen und Waldeck zu einer gemeinsamen Besprechung zu veranlasse«. Die Besprechung hat am 11. August in Gießen stattgefunden. Vonseiten der Behörden waren besonders vertreten das Oberpräsidium in Caffel und das Ministerium in Darmstadt. Von Interessentenkreisen waren die Einladungen an die Vertreter der Landwirtschaft, der Handwerker, des Handels und der Gewerkschaften ergangen. In der eingehenden Aussprache kam der klare Wille sämtlicher Berufsvertretungen zum Ausdruck, mit allen Mitteln auf einen Preisabbau hinzuwirken, gleichzeitig aber auch die übereinstimmende Auffassung, daß ein Preis­abbau bleibenden Erfolg nur haben kann, wenn ein geschlossenes Wirtschaftsgebiet einheitlich vorgeht. Als brmnendsts Frage wurde von allen Seiten die einheit­liche Herabsetzung des Kartoff elpreises anerkannt- Bindende Erklärungen konnten aber leider nicht abge- aeben werden, und es wurde beschlossen, den Herren Oberpräfidente« in Caffel und das Ministerium in Darmstadt zu ersuchen, die Verhandlungen im kleineren Rahmen nochmals aufzunehmen und zwar mit mög­licher Beschleunigung. Die Vertreter der Landwirtschaft werden in den nächsten Tagen gemeinsame Besprech­ungen abhalten, und es wird gehofft, daß diese Be­sprechungen zu einem positiven Ergebnis führen werden.

* Heimkehrer aus Rußland, welche bereit sind als Redner über ihre Erlebnisse und die Verhältnisse in Sowjet-Rußland zu sprechen oder Beiträge zu liefern, werden von der Liga zum Schutze der deutschen Kultur, Berlin W 35, Lützowstraße 107, gebeten ihre Adresse dorthin mitzuteilen.

* (Ungültige Postwertzeichen.) Die in den Händen des Publikums noch befindlichen Marken der früheren Wertstufen zu 2, &/e, 3 und 7$ Pfennig verlieren mit dem Ablauf des Monats August ihre Gültigkeit. Ein Umtausch solcher Marken nach dem 31. August findet nicht statt.

feinMid?« Brüder

Roman von Jost Frecheren von Steinach 48 (Fortsetzung.)

Kein Weib konnte so meisterhaft die VerstellungS- kunst ausüben, abgesehen davon, daß Melitta ganz abgefeimt und gerieben sein mußte, was er, der doch Erfahrung mit den Frauen hatte, für vollkommen lieh. Um so mehr trat an ihn das Gebot

undenkbar hi heran, in biet

ssem Falle seine ganze Schuldigkeit zu tun, um in dieses Labyrinth mit der Fackel des Rechts und der Wahrheit zu leuchten.

Rasch entschlossen rief er eine Droschke herbei und ließ sich zu Melitta hinfahren. Weit draußen in der Vorstadt hielt der Wagen vor einer hohen, unfreund­lichen Mietskaserne, wo Frau Vogtmann, die Wirtin des jungen Mädchens, im dritten Stock ein Quartier von vier Zimmern, von denen sie drei vermietet hatte, bewohnte. Als er klingelte, kam ihm sofort die alte Frau, die einst schön gewesen sein mußte, und deren Gesicht ein Kranz von schneeweißen Haaren umrahmte, betrübter Miene entgegen.

Sie kommen gewiß, um sich nach Ihrer Schutz­befohlenen zu erkundigen," sagte sie mit weicher Stimme. -Ah, ich bin gar nicht mit dem Kinde zufrieden. Die ^Dlfgegangenen Tage haben einen zu schmerzlichen Andruck auf ihr welches Gemüt hinterlassen, und der Gedanke, daß der, den sie über alles liebt, im Ge- languis schmachten muß, raubt ihr vollends allen Lebensmut. ' ES ist sehr gut, Herr Doktor, daß Sie "D einmal nach ihr umsehen, denn so kann das un­möglich mit ihr weitergehen, wenn sie nicht ernstlich krank ^rden soll. Fast keine Nacht schläft sie ordentlich aus, wahrend sie am Tage mit ihrem Abschreiben beschäftigt

* Die Seifenyreise find ganz erheblich gesunken. Jetzt kostet ein 300 Gramm schweres Stück Haus Haltungs Kernseife statt 30 Mark 7 Mark, Kernseife, das 100 Gramm Stück statt 5 Mark 3,75 Mark, Rasierseife, das 50 Gramm-Stück statt 2,50 Mark 1,90 Mark, Seifenpulver, */a Pfund-Paket, wird von 3,50 Mark auf 2,10 Mark Herabgesetz).

Hk. Ueber Kurssicheruagstratien und Termindev'sen kann ein ausführliches Merkblatt zum Preise von Mk. 1 von der Geschäftsstelle Hanau der Vereinigten Handelskammern FrankfurtHanau bezogen werden.

Aus Movtnz und Wachkargeöiet.

§ Hanau a. M. Einen leichtsinnigen Streich ver­übte der als Hilfs-Gepäckträger am Ostbahnhofe zu Hanau beschäftigte jugendliche Otto Sch. aus Klein- Steinheim, der am 8 Januar d. Js. einen Geldbrief mit 789 Mk zur Ablieferung erhielt. Dieser Geld- brief kam aus Frankfurt und war nach Offenbach be­stimmt ; er enthielt Offenbaret Notgeld, das zum Umtausch bestimmt war. Am 10. Januar erhielt Sch einen weiteren Wertbrief mit 1400 Mk., der von der Mainkar kam, zur Besorgung anvertraut. Beide Wertbriefe hat der junge Mensch unterschlagen und das Geld zum größten Teil in Gesellschaft eines Freundes durch Besuch von Kinos und Cafees ver­braucht. Etwa 500 Mk. konnten noch gerettet werden. Die Ferienstrafkammer Hanau erkannte auf 3 Monate Gefängnis und bewilligte Strafaufschub zu.

§ Offenbach a. M. Eine hiesige Familie erkrankte nach dem Genuß von vermeintlichen Champignons und mußte in sehr ernstem Zustande dem Krankenhause zugeführt werden. Ebenso wie es in Jsenburg geschah, hatte man hier den Knollenblätterschwamm mit dem Champignon verwechselt.

§ Fulda. Ein unter dem Namen Werner, Schütz und Hofmann auftreteuder Mann, im Besitz von Briefbogen der Firma Stein u. Co. in Köln, deren Generalvertreter er zu sein vorgab, bot einer hiesigen Firma einige Waggons Karbid gegen Anzahlung an. Die Firma stellte dem Mann voreilig einen Scheel auf 55,000 Mark aus, schöpfte aber faßtet Verdacht und übergab die Sache der hiesigen Polizei. Diese ver­folgte die Sache mit dem Ergebnis, daß der Schwind­ler in Düsseldorf festgenommen werden konnte. Außer dem Scheck fand sich noch ein gefälschter Duplikat­frachtbrief bei ihm vor.

H Fulda. Ein diebischer Logisgast, der sich' am Samstag abend in einem hiesigen Gasthause als Opernsänger aus Wierz" eingetragen hatte, verschwand am anderen. Morgen unter Mitnahme von einem Handtuch, zwei Kopfkissenbezügen und einem Bettüber-

ist. Sie hat schon eine beträchtlichtliche Zahl von Aufträgen, aber ich glaube, sie hält es mit der Zeit nicht aus, falls sie sich nicht mehr schont."

Woher wissen Sie denn, verehrte Frau, daß sie in der Nacht nicht schläft?"

Ich höre sie manchmal Soch gegen zwei, ja drei Uhr im. Zimmer auf und abgeben und seufzen und leise weinen. Ja, einmal stieß sie sogar laute Ver­wünschungen gegen sich selbst aus und klagte sich an, ihn ins Unglück gestürzt zu haben."

So!" meinte Waldau nachdenklich.Sie klagte sich an! Sollte ste wirklich ?" Noch konnte er es nicht glauben, aber manche Anzeichen sprachen in der Tat für diese Annahme.

Und kann ich sie sprechen?" fragte er.

Aber selbstverständlich, Herr Doktor," versetzte die Witwe lebhaft,ich hoffe sogar, daß es Ihnen gelingen wird, ihr den Kopf zurechtzusetzen, denn geschehen muß etwas aus alle Fälle.,,

Als er eintrat, saß Melitta vor ihrer Schreib­maschine, doch ihre Finger ruhten untätig auf dem Tischchen, und ihre Blicke sahen ihm wie geistesabwesend entgegen. Aber kaum sprach er den Namen Otto aus, so sprang sie wie elektrisiert in die Höhe und rief: Haben Sie ihn gesehen? Haben Sie ihn gesprochen? Ach, bitte, liebster Doktor, sagen Sie eS mir! Ich vergehe ja hier vor Angst und innerem Weh."

Ich soll Ihnen eigentlich nichts davon sagen!"

Und warum nicht?" unterbrach sie ihn hastig. Nicht wahr, er ist mir gram, sagen Sie es nur ruhig. Und er hat recht, tausendmal hat er recht, Herr Doktor! Ich bin ja an seinem ganzen Unglück schuld!" '

Sie?" fragte Waldau mit ängstlicher Spannung.

w*#«eianMiüMeiÄe>ti»wNiiwae6ei6eMWMäMÄ8aeeBwewwwit zug. Der saubere Patron hat sehr wahrscheinlich di Weiterreise auf Schusters Rappen angetreten.

§ Witzenhausen. Der Arbeiter Nolde von hier hat in Henneberg bei Meiningen seine Ehefrau und sein kleines Kind und dann sich selbst erschossen. Die Frau hatte mit dem Kind zusammen am vorletzten Sonntag die Wohnung verlassen und dabei den größten Teil des Hausrats ausgeräumt. Obwohl der Man« dieses wiederbekam, hat er dann doch in der Erregung über ehelichen Zwist die grausige Tat begangen.

§ Caffel. Einem Gauner fiel ein Lehrling des Bankhauses Pfeiffer am Freitag vormittag zum Opfer. Der junge Mann, der gerade 6500 Mark für seine Firma bei dem Hessischen Bankverein abgehoben hatte, wurde in der Rosenstraße von einem gutgekleideten Herr« angeredet, der ihm eine Quittung über 20000 zu Lasten einer hiesigen Firma gab und ihn ersuchte, das Geld zu holen. Dafür erbot er sich, die Geld­tasche des jungen Mannes zu halten, womit er dann verschwand. Die Quittung stellte sich natürlich als gefälscht heraus.

§ Caffel. Ein Spielernest wurde Sonutag um die Mittagszeit von Beamten der Wucherstelle und der Kriminalabteilung des hiesigen Polizeipräsidiums in einer Wirtschaft in der Oberen Königstraße auSgehobent Es war den Beamten bekannt, daß in der Wirtschaft Beck schon seit längerer Zeit stark gespielt wurde, wobei mancher recht schwereHaare lassen" mußte. Auch gab die Schieberwelt, deren Vertreter auch in Caffel nicht ausgestorben sind, sich in der genannten Wirtschaft öfter ein Stelldichein. »Der Wirt selber bediente ge- wühalich die Gäste und kannte seine Leute. Während des Sommers pflegten die Spieler sich im Garten nieber« zulassen, wo sie, wenn die Luftdick wurde", durch ein Klingelzeichen des Wirts so früh gewarnt wurden, daß sie Geld und Karten verschwinden lassen sonnten. Gestern trafen nun die Kriminalbeamten, neunzehn Personen an, die gerade Meine Tante, Deine Tante begonnen hatten. Vorher hatten sich bereits zwei Bankhalter entfernt, nachdem sie ihre Brieftaschen mit den gewonnenen Scheine« gefüllt hatten. Die Spkelergesellschast machte natürlich ein verdutztes Gesicht und mußte sich mit zum Polizeipräsidium bequemen, wo die Namen festgestellt wurde«. Bei einem der Spieler beschlagnahmte man auch ein Kartenspiel, das regelrecht gekennzeichnet war und ohne Zweifel zum Falschspielen benutzt wurde. Ein gerichtliches Nach­spiel wird die Folge sein.

WeMitrl.

Line Massenflucht aus dem Saargebiet hat ein­gesetzt. Die französische Willkür treibt ein Schreckens-

Nur ich. Wäre ich doch nur nicht auf seine Bitten eingegangen, ihn nachts in jenes Gemach zu lassen."

Aber weshalb wollen Sie sich einen Vorwurf daraus machen?"

Ich glaube nicht an feine Schuld, aber sagen Sie selbst, ob eS nicht unbedacht von uns beiden war, von mir, ihn hineinzulaffen, vou ihm, unter so geheimnis­vollen Umständen hineinzudringen und so dem Ver­dacht erst Nahrung zu geben?"

So sprach keine Schuldige, sicher nicht. Waldau gewann immer mehr die Ueberzeugung, daß sei« Freund in der Aufregung von einem wesenlosen Phantom genarrt worden sei und daß er ein nutzloses Opfer gebracht habe. Oder war es doch nicht nutzlos? Wären sie andernfalls nicht trotz ihrer Unschuld beide verurteilt worden? Indessen, er wollte ganz sicher gehen, und so begann er direkt auf sein Ziel loszu- steuern.

Sie glauben nicht an seine Schuld, sagen Sie; haben Sie den« irgend einen greifbaren Verdacht, vermuten Sie in einem anderen den Täter?

Nicht im geringsten! Ich wüßte auch gar nicht, wer hier noch in Frage kommen könnte. Das ist ja gerade das schrecklichste an der Sache. Es ist mir völlig rätselhaft, und wie sehr ich auch meinen Geist anstrenge, ich finde keinen Ausweg aus diesem Wirr­warr !"

(Fortsetzung folgt.)